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Der dunkle Alpha

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Zusammenfassung

⩥ WERWOLF-ROMANCE ⩤ Faye Montgomery liebt den Wald. Als sie dort eines Tages eine mysteriöse Begegnung hat, hält sie diese zunächst für einen verrückten Tagtraum. Doch dann häufen sich die ungewöhnlichen Ereignisse in ihrem Leben. Der gutaussehende Rafe Carter scheint daran alles andere als unschuldig zu sein. Sein merkwürdiges Verhalten und seine besitzergreifende Art bringen Faye zwar regelmäßig zur Weißglut, doch dummerweise fühlt sie sich auch magisch zu ihm hingezogen. Ganz plötzlich ist sie Teil einer Welt, die sie immer nur für ein Märchen gehalten hat. Und mit der sie viel mehr verbindet, als sie zunächst glaubt ... ©2023 Anna_Valentin

Genre:
Romance / Fantasy
Autor:
Anna Valentin
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
62
Rating:
4.9 98 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Faye | Nur ein Traum

Ich liebe den Wald.

Die friedliche Einsamkeit, mit der er mich umfängt. Die unergründliche Ruhe, die er ausstrahlt, obwohl es dort nie wirklich still ist. Den Duft von Moos, Kräutern, Tannennadeln und Holz. Die Geheimnisse, die sich im Dickicht verbergen und nur darauf warten, von mir entdeckt zu werden.

Schon als kleines Kind habe ich meine Eltern regelrecht dazu gezwungen, jedes Wochenende mit mir in den Wald zu gehen, der an unser Stadtviertel grenzt. Ein Lächeln bildet sich auf meinen Lippen bei der Erinnerung daran, wie sie zwar immer die Augen verdreht, aber am Ende doch jedes Mal meinen Wunsch erfüllt haben.

Mein Wald ist eigentlich eher ein kleines ungefährliches Wäldchen, das ich inzwischen fast kenne wie meine eigene Westentasche. Deshalb darf ich seit einigen Jahren alleine hierher kommen, und diese Gelegenheit nutze ich, so oft ich kann.

Auch heute fliehe ich vor der Sommerhitze in seinen angenehm kühlen Schatten. Zum Glück kann ich das Fahrrad nehmen, denn unser Haus am Rande der winzigen Stadt, in der wir wohnen, ist nur wenige hundert Meter entfernt.

Wie immer lehne ich mein Rad an die alte Eiche, die am Waldrand steht. Nach wenigen Schritten umfangen mich die Schatten der hohen Bäume. Der satte, erdige Geruch des dunklen Bodens strömt mir in die Nase und ich atme tief ein. In kürzester Zeit fühle ich mich hier so leicht und frei wie nirgendwo sonst, während ich mir in Gebäuden oft eingesperrt vorkomme.

Am schlimmsten ist dieses beklemmende Gefühl in unserem hässlichen Betonklotz von Schule. Doch zum Glück muss ich dieses Bauwerk nie wieder von innen sehen, denn seit gestern habe ich meinen Abschluss! Heute ist der erste Tag meiner Ferien, bevor ich im Herbst zur Uni gehe. Übermütig breite ich die Arme aus und drehe mich ein paar Mal um meine eigene Achse.

Ich liebe dieses Gefühl der Freiheit!

Vor mir liegen so unendlich viele Wochen, in denen ich tun und lassen kann, was ich will! Eine himmlische Vorstellung! Mein ganzer Körper kribbelt erwartungsvoll, wenn ich daran denke, was ich alles vorhabe.

Nächtelange Partys, Mädelsabende, ganze Tage am Strand, jede Menge Ausflüge und nicht zu vergessen die Urlaubswoche mit Connor am Meer, in der ich vielleicht endlich mein erstes Mal erleben werde! Bisher hat es sich nie richtig angefühlt, aber nach fast einem Jahr Beziehung sollten wir es vermutlich einfach hinter uns bringen.

Ganz in Gedanken über meine Ferienpläne versunken folge ich dem breiten Weg, der beinahe schnurgerade durch den Wald zu einem kleinen See führt, an dem ich oft mit meiner besten Freundin Ava picknicke.

Meistens spaziere ich auf den immer gleichen Wegen durch meinen Wald, aber plötzlich bekomme ich eine unglaubliche Lust auf Abwechslung. Auf magische Weise zieht es mich zu einem Trampelpfad, der links von mir ins Dickicht führt. So ein neuer Lebensabschnitt schreit ja geradezu danach, die alten, ausgetretenen Pfade zu verlassen und mal etwas anderes auszuprobieren.

Es ist ewig her, dass ich diesen Weg genommen habe, aber ich kann mich erinnern, dass sich an seinem Ende eine kleine Lichtung mit einer alten, maroden Blockhütte und einer Blumenwiese befindet. Ich muss heute unbedingt dort hin. Mein Bedürfnis danach ist fast schon unwiderstehlich.

Der Pfad, auf dem ich mich langsam vorwärtsbewege, wird wohl nur sehr selten benutzt. Das dichte Gestrüpp auf beiden Seiten sorgt dafür, dass ich ständig irgendwo hängen bleibe. Wurzeln ragen gefährlich weit aus dem Boden, immer wieder streifen tief hängende Zweige mein Gesicht und zerkratzen meine nackten Arme.

Der Boden ist weich und dicht mit Blättern und Tannennadeln bedeckt, so dass meine weißen Sneaker kaum ein Geräusch verursachen. Unbewusst beginne ich ein Lied zu summen, das mir meine Mom oft vorgesungen hat, als ich noch klein war. Es handelt vom Vollmond und von schwarzen Wölfen, die ihn anheulen.

Als der letzte Ton verklungen ist, verlangsame ich meine Schritte.

Etwas ist seltsam. Irgendetwas ist anders als sonst. Nicht normal.

Ich erstarre in meiner Bewegung, als mir klar wird, was es ist.

Es ist leise. Zu leise. Um mich herum herrscht absolute Stille.

Kein Vogel zwitschert. Das Zirpen der Grillen ist verstummt. Da ist nicht mal mehr ein leises Rascheln im Unterholz. Die Blätter rauschen nicht, denn selbst der leichte Wind hat nachgelassen. Durch das dichte grüne Laubdach dringen nur noch wenige Sonnenstrahlen. Mit einem Mal ist die Umgebung düster. Gefährlich. Dabei habe ich mich hier immer so wohl gefühlt.

Ich zucke zusammen, als ein lautes Knacken die Stille durchschneidet. Überlaut dröhnt das Geräusch in meinen Ohren. In Windeseile breitet sich eine Gänsehaut über meinen ganzen Körper aus.

Was zur Hölle war das?

Gleich darauf rascheln Blätter. Zweige brechen. Als würde sich etwas mit Gewalt seinen Weg durchs Gebüsch bahnen. Etwas ... ziemlich Großes.

Oh Mann! Was kann das sein?

Die einzigen Tiere, denen ich hier bisher begegnet bin, waren Füchse, Waschbären und Hirsche. Für größere Raubtiere ist dieses Wäldchen zu klein.

Dachte ich jedenfalls.

Mein Herz pocht wie verrückt. Das Blut rauscht in meinen Ohren. Meine Hände zittern. Ich balle sie zu Fäusten und vergrabe meine Fingernägel in den Handflächen. Mit weit aufgerissenen Augen starre ich dorthin, wo die Geräusche herkommen. In dieser Stille sind sie ohrenbetäubend.

Vielleicht ist ja doch ein Bär hierher eingewandert? Die Geräusche würden zu einem Bären sehr gut passen.

Oh mein Gott, was soll ich tun, wenn mir gleich ein Bär gegenüber steht?

Das Zittern meiner Hände breitet sich auf meinen ganzen Körper aus. Ich halte den Atem an, als die Büsche und Sträucher sich plötzlich bewegen. Mir ist klar, dass ich weglaufen sollte. Aber ich bin unfähig, auch nur einen Finger zu rühren.

Die Büsche wogen immer stärker hin und her. Sie knacken, brechen, biegen sich.

Fassungslos steht mir der Mund offen, als ich sehe, was für eine Kreatur sich durch die Sträucher drängt und auf einmal vor mir auf dem schmalen Pfad steht. Geschockt schnappe ich nach Luft.

Oh mein Gott! Was um Himmels willen ist das für ein Vieh?

Sein Aussehen ähnelt dem eines Wolfes. Sein Fell schimmert in vielen verschiedenen Schattierungen von dunkelgrau bis braun und seine Augen haben die Farbe von hellem Bernstein.

Aber was hinten und vorne nicht stimmt, ist die Größe von diesem Ungeheuer.

Ich habe mich immer gefragt, wie ein Wolf es geschafft haben soll, Rotkäppchens Großmutter mit einem Happs komplett zu verschlingen. Bei diesem Wolf kommt mir die Vorstellung auf einmal durchaus realistisch vor.

Das monströse Tier ist auf Augenhöhe mit mir, obwohl es auf allen Vieren steht. Stolz und aufrecht baut es sich vor mir auf, geradezu majestätisch, und fixiert mich mit seinen goldbraunen Augen.

Während mein Herz irgendwo in meiner Kehle schlägt und meine Beine die Konsistenz von Butter annehmen, bemühe ich mich krampfhaft, meine fünf Sinne wieder zusammenzusammeln.

»B...B...Braves ... Hündchen«, stammle ich und hebe abwehrend meine bebenden Hände. Als könnte ich das Biest damit aufhalten.

Das Monster verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse. Seine Lefzen zucken, fast als würde es meine Worte verstehen und mich deswegen auslachen.

Verdammt, wie sollte man sich nochmal verhalten, wenn man einem fremden, herrenlosen Hund gegenübersteht? Wieso habe ich nicht besser aufgepasst, als wir dieses Thema im Biounterricht besprochen haben?

Man darf nicht wegrennen, so viel weiß ich noch. Sonst wird man als fliehende Beute betrachtet. Und das ist gerade mit Abstand das Allerletzte, was ich will.

Aber soll man dem Tier in die Augen schauen? Oder eher nicht? Eines von beidem ist auf jeden Fall richtig. Ich weiß nur leider nicht mehr was.

Völlig regungslos steht der Riesenwolf da. Wie in Stein gemeißelt. Auf eine schreckliche Weise wunderschön. Er steht einfach nur da und sieht mich an.

Instinktiv halte ich es für besser, den Blick zu senken und ihm lieber auf die breite Brust zu schauen. Auf keinen Fall soll dieses Ungetüm sich von mir provoziert fühlen.

Ich schicke Stoßgebete zum Himmel, dass er wieder dorthin verschwindet, von wo er hergekommen ist. Leider werde ich nicht erhört, denn mit einem Mal setzt er sich in Bewegung. Er kommt auf mich zu. Langsam. Schritt für Schritt. Wie ein Raubtier auf seine Beute. Und vermutlich bin ich ganz genau das.

Mein Herz rast in atemberaubendem Tempo.

»Nein, Wölfchen! Sei ganz brav und bleib ... einfach ... weg ... von mir.«

Meine leise, stockende Stimme vibriert, denn mittlerweile schlottert mein ganzer Körper vor Angst. Doch das Zittern lässt schlagartig nach, als mir ein leichter Luftzug den Duft des Tieres in die Nase weht.

Ich glaube nicht, dass ich schon jemals irgendeinen Geruch so intensiv wahrgenommen habe. Ich hätte erwartet, dass dieses Untier fürchterlich stinkt, aber genau das Gegenteil ist der Fall.

Es duftet absolut fantastisch.

Ich schnuppere überwältigt, ganz genau wie der riesige Wolf es gerade tut. Eine Armlänge von mir entfernt bleibt er stehen, hebt den Kopf und zieht hörbar die Luft ein. In meinem Inneren breitet sich eine unbekannte Wärme aus.

Die Situation ist absurd und unwirklich. Es ist wahnsinnig und gefährlich, aber meine Angst ist verschwunden. Ein diffuses, unerklärliches Gefühl der Zuneigung ergreift von mir Besitz. Plötzlich fühle ich mich intensiv zu dem riesigen Ungeheuer vor mir hingezogen. In mir erwacht der Drang, ihm näher zu kommen. Viel näher. Am liebsten würde ich meine Arme um ihn schlingen und meine Finger in seinem weichen, vielfarbigen Fell vergraben.

Ich stehe direkt vor einer monströsen Bestie und empfinde nicht mal mehr einen Hauch von Furcht. Ich muss vollkommen verrückt sein!

Ich wage es sogar, den Blick zu heben und dem Wolf in die Bernsteinaugen zu schauen. Er legt den Kopf schief, kommt weitere zwei Schritte auf mich zu und und streckt ihn mir dann entgegen, um seine riesige Schnauze in mein Haar zu schieben und an mir zu schnüffeln. Ein wohliger Schauer verbreitet sich über meine Haut und mein ganzer Körper beginnt zu kribbeln, als der heiße Atem der Kreatur auf meinen Hals trifft.

Einen Moment später fletscht der Wolf die Zähne, knurrt leise, spannt seine Muskeln an und springt mit einem gewaltigen Satz zurück in das Gestrüpp, aus dem er gekommen ist.

Ich starre ihm nach, bis nichts mehr von ihm zu sehen ist und auch das Rascheln der Zweige aufgehört hat. Schließlich blinzle ich benommen und schüttle langsam den Kopf. Nichts deutet mehr darauf hin, dass mir noch vor wenigen Augenblicken ein gigantischer Wolf gegenüber gestanden hat.

Das kann nicht real gewesen sein. Noch immer stehe ich wie angewurzelt da, aber von Sekunde zu Sekunde kommt mir das Erlebnis unwirklicher vor. Wahrscheinlich hat mir nur meine Fantasie einen makabren Streich gespielt. Das alles muss ein Traum gewesen sein.

Ganz sicher! Ein äußerst lebensechter Traum.

Und garantiert nichts anderes.

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