Hoher Besuch
Hoher Besuch
Nolas Lebensweg war bisher von einer Vielzahl an Herausforderungen sowie glücklichen Augenblicken geprägt. In naher Zukunft sieht sie sich jedoch mit Situationen konfrontiert, die von ihr besonderen Mut und Stärke verlangen. In dieser Phase wird sie zudem für eine gewisse Zeit von ihrer Familie getrennt, was die Beziehung zu ihrem Ehemann erheblich belastet. Schmerz und Angst entwickeln sich während dieser Zeit zu ständigen Begleitern.
Es war ein Tag wie jeder andere, mit regem Treiben im Clan. Die Mitglieder hasteten über den Clanplatz, um ihre täglichen Aufgaben zu erledigen. Ich hatte meinen Sohn in der Kinderbetreuung untergebracht, um einige Angelegenheiten selbst zu erledigen. Gerade als ich beschäftigt war, meine Wäsche aufzuhängen, kam eine aufgeregte Maria um die Ecke gerannt und rief nach mir: Nola, Nola, komm schnell! Sie wedelte mit einem Schreiben in der Hand. Ich lief ihr einige Schritte entgegen und nahm ihr das Dokument ab. An dem Siegel erkannte ich, dass es sich um ein Schreiben seiner Majestät handelte. In diesem Schreiben informierte uns seine Majestät, dass er in zwei Wochen einen Hoheitsbesuch in unserem Clan abstatten würde.
Ich sah zu Maria und sagte: Beruhige dich doch erstmal, bevor du noch einen Herzinfarkt vor Aufregung bekommst. Sie holte tief Luft und entgegnete: Nein, das werde ich nicht. Aber das ist noch nie vorgekommen, dass seine Majestät zu uns in den Clan kommt, um uns zu besuchen! Oh, ich muss noch so vieles für seinen Besuch organisieren und vorbereiten. Ich muss zurück ins Clanhaus. Würdest du Lee nach seiner Rückkehr informieren? fragte sie hastig. Keine Sorge, Maria, ich werde ihn darüber informieren, versprach ich, und schon rannte sie wieder davon.
Nachdem ich meine Wäsche fertig hatte, kehrte ich ins Haus zurück und erledigte dort noch einige Dinge, bevor ich meinen süßen Fratz aus der Betreuung abholte. Auf dem Rückweg begegnete uns Lee. Na, ihr zwei, wie war euer Tag? fragte er. Mikey sprang ihm in die Arme, und ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ich erzählte ihm von Marias schriftlicher Mitteilung über den angekündigten Besuch seiner Majestät. Oh, was für eine Ehre! Das werden wir mit einem Bankett feiern. Ich werde mal zu Mom gehen, um die Einzelheiten zu besprechen. Wir sehen uns später! Mit diesen Worten verabschiedete er sich.
Wir setzten unseren Weg nach Hause fort. Mikey spielte im Wohnzimmer, während ich das Abendessen zubereitete. Der Tisch war bereits gedeckt, als mein Schatz zur Tür hereinkam. Da komme ich ja genau richtig zum Essen! Diese gemeinsamen Abende waren selten. Nachdem ich Mikey ins Bett gebracht hatte, wartete ich, bis er eingeschlafen war.
„Unten gesellte ich mich zu ihm, bis wir ebenfalls zu Bett gingen. In den verbleibenden zwei Wochen waren wir damit beschäftigt, den großen Saal zu dekorieren. Die Tische wurden mit weiß-goldenen Tischdecken geschmückt, und eine Girlande aus weiß-roten Rosen schlängelte sich entlang der Tischkanten. Maria und Emmy waren mit den Einkäufen beschäftigt, um alles für das geplante Sechs-Gänge-Menü zusammenzustellen. Mehrere Zimmer wurden für die Hoheiten und deren Begleitung vorbereitet, während die anderen Clan-Mitglieder den Außenbereich herrichteten. Nur zwei Frauen waren mit der Betreuung der Kinder beauftragt. Zuletzt wurde das Geschirr auf den Tischen für die Hoheiten bereitgestellt; es war marineblau mit goldenem Rand und dazu gab es goldenes Besteck. An den anderen Tischen wurde weißes Geschirr aufgelegt. Am Vorabend war alles für den Besuch am nächsten Tag vorbereitet, es fehlte nur noch die Zubereitung der Speisen. Am Vormittag hatten wir alles weitestgehend erledigt, um die Gäste zu empfangen, die letzten Handgriffe zu tätigen und dann das Essen zu servieren.
Die Wagenkolonne fuhr vor, und ich nahm Mikey auf den Arm, während ich mit den anderen hinausging. Zuerst stieg Phantom aus und öffnete die Tür für die Hoheiten. Seine Majestät stieg aus und kam direkt auf uns zu. Wir verneigten uns leicht, obgleich dies nicht erforderlich war. Er näherte sich mir und sagte: „Und das ist dein kleiner Schatz“, während er ihn mir aus den Armen nahm und sanft hielt. „Er sieht aus wie sein Vater. Ich hoffe, er hat wenigstens den Mut und die Stärke seiner Mutter.“ Phaeton stimmte ihm zu, als er sich uns näherte. Gemeinsam gingen wir zum großen Saal, wo das Bankett beginnen sollte. Ich fragte Seine Majestät, was ihn zu dem Entschluss brachte, uns zu besuchen. „Oh, ich dachte, ich könnte das Geschäftliche mit dem Nützlichen verbinden, da ich mit deinem Mann noch einiges zu besprechen habe“, sagte er und ich legte eine Hand auf seine Schulter. „Das war eine gute Idee, und ich freue mich sehr, dass Ihre Majestät hier ist.“
Der gesamte Abend war wunderschön, es wurde viel gelacht, getanzt und getrunken. Mitten in der Nacht löste sich die Versammlung auf. Am Morgen brachte ich Mikey zu Maria, da ich in die Stadt fahren musste und Lee mit Seiner Majestät im Gespräch war. Als ich aus der Stadt zurückkehrte, sah ich, dass die SUVs seiner Majestät zur Abreise bereitstanden. Ich gesellte mich zu ihnen und verabschiedete mich ebenfalls von den Hoheiten. Nachdem sich die SUVs in Bewegung gesetzt hatten, begannen wir mit den Aufräumarbeiten. Selbst Tage später bleibt dieses großartige Erlebnis de Gespräche mit Seiner Majestät im Gedächtnis des Clans.
Maria hatte vor, ihre Schwester für eine Woche zu besuchen, und erkundigte sich, ob sie Mikey mitnehmen könnte, da ihre Schwester ihn gerne kennenlernen wollte. Ich war anfangs nicht sonderlich begeistert davon, Mikey aus meiner Nähe zu geben. Lee hingegen nahm die Situation gelassen. Er meinte, er würde einige Männer mitnehmen, um sicherzustellen, dass sie wohlbehalten ankommen, und erinnerte mich daran, wie schön es wäre, ein paar Tage allein miteinander zu verbringen. Dieser Schlingel wusste genau, wie er mich überzeugen konnte, und der Gedanke, wieder Zeit mit ihm zu verbringen, war äußerst verlockend.
So stimmte ich schließlich zu. Ich packte eine große Reisetasche für Mikey mit allem, was er für seinen einwöchigen Aufenthalt bei seiner Tante benötigte, einschließlich seines Schlafteddys. Bereits in den frühen Morgenstunden luden wir die Tasche in Marias Auto. Ein weiterer Wagen mit den Begleitern stand ebenfalls bereit. Mikey war sehr aufgeregt, da es das erste Mal war, dass er ohne uns eine längere Strecke fahren würde. Als die Fahrzeuge sich in Bewegung setzten, winkten wir ihm noch hinterher.
Er stellte sich hinter mich und fragte: „Was machen wir beiden Hübschen jetzt?“ Ich drehte mich zu ihm um und legte eine Hand auf seine Brust. „Du hast Arbeit im Büro, und ich muss einen kleinen Auftrag erledigen, bin aber schnell zurück. Danach können wir sehen, was der Tag noch so bringt.“ Er neigte sich zu meinem Ohr und flüsterte: „Glaube mir, mein Schatz, eine Menge.“
Er richtete sich wieder auf und ging ins Haus. Am Nachmittag kehrte ich zurück, kurz darauf erschien auch er in der Tür. Dieser Nachmittag läutete eine wunderschöne Woche ein, die wir seit langem nicht mehr erlebt hatten – mit vielen Ausflügen in den Wald, naja, eher mit Rennen durch den Wald, und zahlreichen kuscheligen Abendessen am Kamin. Von den Nächten ganz zu schweigen.
Heute kehrten Maria und unser Sohn zurück, und trotz der schönen Woche, die wir miteinander gehabt hatten, genossen wir es sehr, Mikey wieder um uns zu haben. Dies zeigte uns, dass es, selbst wenn man einmal getrennt ist, immer wieder schön ist, eine vollständige Familie zu sein.