Kapitel 1 Gefühl von mehr
Ich bin Guta Soul, 18 Jahre jung, aus Zürich. Kaum dem Schulalltag entwachsen, taste ich mich in die ersten Schritte des Berufslebens. Manchmal fühle ich mich noch unbeholfen, fast kindlich grün hinter den Ohren und doch schlägt in mir ein Herz, das lauter schreit als jede Vernunft. Ein Herz, das nach Leben ruft, nach Erfahrungen, nach Liebe, nach Momenten, die mich überwältigen und für immer verändern.
An einem gewöhnlichen Arbeitstag begegnete ich Roza, lebensfroh, charmant, mit diesem Lächeln, das sofort Wärme schenkt.
„Hii Guta, hast du heute Abend Lust, mit ins Jugendkulturhaus Dynamo zu kommen?"
„Na klar, warum nicht?", antworte ich spontan.
Zuhause überkam mich ein unerklärliches Gefühl. Ich wollte mich schön machen, nein, sexy. Etwas in mir sagte: Heute wird mehr als nur ein Abend.
Ich schlüpfte in mein figurbetontes Kleid, schnallte mir die roten Pumps an und strich den Lippenstift mit ruhiger Hand auf. Der Spiegel zeigte mir eine Frau, die bereit war, sich selbst zu entdecken.
„Hii Roza, wo bist du? Ich bin gleich da."
„Ich bin schon drin Girl, die freuen sich alle, dich kennenzulernen."
Im Jugendzentrum stellte Roza mich allen vor, ein bunter Haufen. Freundlich, locker. Doch eine stach heraus.
Stella. Eisiger Blick. Giftige Worte. „Na, aufgedonnert? Rote Pumps und Lippenstift, was hast du vor, Püppchen?"
Ich schenkte ihr keine Beachtung. Sie war es nicht wert.
„Halt die Klappe, Stella. Nicht jeder ist so billig wie du", rief Roza lachend.
Stellas Blick war tödlich. Sie verzog die Lippen zu einem spöttischen Lächeln, das nichts Gutes verhieß.
Sie verschränkte die Arme vor der Brust, musterte mich von oben bis unten, als wolle sie jeden Zentimeter an mir abwerten.
„Tja, manche verstecken ihre Unsicherheit halt hinter High Heels und Make-up“, zischte sie, ohne den Blick von mir zu lassen.
Ich blieb still. Nicht aus Schwäche. Sondern aus Kontrolle. Denn in mir brodelte es.
Roza schnaubte. „Du redest wieder, als wärst du hier die Queen. Niemand hat dich vermisst, Stella.“
Stellas Blick schnellte zu ihr, kühl und berechnend.
„Ach, Roza, wie süß. Immer die große Schwester spielen, hm? Wenigstens einer nimmt dich ernst.“
Roza trat einen Schritt vor, doch ich legte ihr sanft die Hand auf den Arm.
„Lass sie. Manche Menschen brauchen Lärm, um nicht unterzugehen“, sagte ich ruhig, aber fest, direkt an Stella gerichtet.
Einen Moment herrschte Stille.
Dann lachte Sie. Kalt. Laut. Unecht. „Du bist neu hier, Püppchen. Genieß die Bühne, solange du noch Licht hast. Es wird schneller dunkel, als du denkst.“
Und mit einem letzten Blick, scharf wie eine Rasierklinge, drehte sie sich um und verschwand.
Doch ich wusste: Das war noch nicht das letzte Mal, dass sie mir in die Quere kommen würde.
Als sie ging, spürte ich etwas anderes. Einen prickelnden Schauer, der meinen Rücken hinabkroch. Ich drehte mich um und da stand er.
Markante Züge, schwarzes, gegeltes Haar, ein Lächeln, das mir den Atem raubte und Augen wie flüssige Haselnuss. Er sah mich an. Tief. So, als hätte er mich schon tausendmal in seinen Gedanken berührt.
Für einen Moment stand die Welt still. Keine Stimmen, keine Musik, nur wir zwei in einem unsichtbaren Bann.
Ich höre Roza flüstern, ihren Ton kaum mehr als ein Hauch. Aber ich denk mir nicht viel dabei. Mein Blick bleibt an ihm hängen
Etwas an ihm zieht mich an, bevor mein Verstand überhaupt begreift, warum.
Jeder Schritt, den er näher kommt, macht es schwerer, ruhig zu atmen.
Dean:
Zuhause war es meistens laut, nicht wegen mir. Sondern wegen Rian. Mein kleiner Bruder. Zu viel Energie, zu große Klappe, aber irgendwo auch mein Herz. Wir wohnen bei unserer Mutter in einer kleinen Wohnung am Stadtrand von Zürich. Nichts Besonderes, aber ehrlich gesagt, brauche ich auch nicht viel. Ein Bett. Werkzeuge. Ruhe, wenn Rian gerade schläft.
Ich bin Dean Lowell. Achtzehn. Mache meine Ausbildung als Automechaniker. Schrauben, Öl, Maschinen, das ist meine Welt. Nicht weil’s sauber ist, sondern weil es logisch ist. Kein Gefühlschaos, keine dummen Spielchen. Du drehst was, es bewegt sich. Kaputt? Du findest den Fehler, behebst ihn. Wäre das mit Menschen auch so einfach.
Ich bin nicht der Typ, der viel redet. Ich beobachte. Handle, wenn's drauf ankommt. Und Gefühle? Die vergrabe ich meistens tief. Zu tief.
Aber manchmal frage ich mich … wie lange noch?
Da kam mein Bruder auch schon mit voller Energie in mein Zimmer gestürmt, als hätte er Red Bull intravenös getankt.
„Gott, nerv nicht, Rian. Ich geh nicht mit“, murmelte ich und blickte nicht mal vom Schraubenschlüssel auf, den ich gerade in der Hand hielt.
„Brooo, bitte! Roza bringt ne neue Freundin mit. Richtig heiß, schlank, sexy Arsch, braune Haare“, sprudelte es aus ihm heraus. Er grinste wie ein Idiot. „Wenn du sie siehst, schwöre ich, du wirst sie nicht mehr vergessen können.“
Ich verdrehte die Augen. Rian war sechzehn und benahm sich wie zwölf. Aber irgendwas in seinem Ton ließ mich kurz innehalten.
Nicht wegen der „sexy Arsch“-Ansage, sondern wegen dem letzten Satz. Du wirst sie nicht mehr vergessen können.
Ich legte das Werkzeug zur Seite.
„Was hast du gesagt?“
Er grinste nur noch breiter.
„Dass du's mir später danken wirst, großer Bruder.“
Ich hätte nie gedacht, dass dieser Abend mein ganzes Leben verändern würde.
Widerwillig ließ ich mich überreden. Nur kurz schauen. Ich glaubte nicht an seinen Hype, Roza hat doch nicht so eine Freundin, wie mein Bruder da beschreibt. Dann hielt ich an der Tanke und da war eine Frau, genau so wie Rian gesagt hat, aber das ist niemals Rozas Freundin, oder doch?
Verdammte Scheiße. Diese Frau... Sie war echt. Und sie war gefährlich. Mein Verstand schrie, ich solle wegsehen aber mein Körper war schon längst ihr verfallen.
Ich wollte sie spüren. Ihre langen braunen Haare um meine Hand gewickelt. Ihre Haut unter meinen Fingern. Ihren Geschmack auf meiner Zunge. Sie war nicht irgendeine Frau. Sie war die Sünde, nach der ich mich sehnte.
„Dean? Erde an Dean?!"
„Was...?"
Und schon war sie weg. Ich hätte ihr folgen sollen. Aber ich war wie benommen.
Frustriert fuhr ich weiter ins Jugendkulturhaus Dynamo, ohne große Lust auf den Kinderzirkus dort.
„Dean, da drüben steht sie!"
Ich drehte mich um und da stand sie. Ihr Strahlen war zart wie Morgendämmerung und zugleich mächtiger als alles, was ich je gesehen habe. Ihr Lächeln hypnotisierte mich, ihre Augen leuchten in einem so intensiven Grün, dass man darin versinken konnte, ihr Blick durchbohrte mich.
Es war genau die Frau die ich an der Tanke sah. Es war kein Zufall. Es war Schicksal. Ich ging auf sie zu, langsam, wie in Trance. Unsere Blicke trafen sich und die Zeit... sie hielt einfach an.









Klare Aussagen wo man direkt weis wo es lang geht ☺️
Brauchte kurz um in den Schreibstil reinzufinden, aber in allem sehr gelungen! Ich persönlich mag es lieber in der Gegenwartsform zu lesen und zu schreiben, aber das ist nur meine eigene Präferenz🫶🏻
spannende einstieg!😍