A Magic Shewolf (German Version)

Kapitel 8: Der UTZ-Ball

Seine Sicht:

Dieses Jahr würde mein letztes sein. Professor McGonagall hatte uns eröffnet, dass sie einen Abschlussball plante. Herrenwahl. Ich schob und schob das Fragen vor mir her. Ich wollte Rosalie einladen, doch sie hatte ja nicht einmal Geld für ein Kleid…

Zu Weihnachten kam mir die rettende Idee. Ich würde ihr ein Kleid schenken! So wie Vater Mutter oft Kleider geschenkt hatte. Ich wusste, dass Rosalie Weihnachten nicht mochte, doch sie würde dieses Jahr trotzdem ein Geschenk kriegen. Ich wollte ihr, passend zu ihren wunderschönen Augen, ein rot-goldenes Kleid besorgen. Doch wie…

Wanda", sagte ich bestimmt. Unsere zweite Hauselfe Wanda erschien vor mir im - zum Glück - leeren Slytherin-Gemeinschaftsraum.

„Der junge Herr hat Wanda gerufen?", piepste sie.

„Ja, das habe ich. Du erinnerst dich noch an das Mädchen, dass im Sommer bei uns zu Besuch war?"

Wanda nickte.

„Das Mädchen war etwas seltsam. Wanda glaubt, sie mochte Wanda nicht…"

„Darum geht es nicht. Ich will, dass du ihr ein rot-goldenes Abendkleid besorgst, passend zu ihren Augen. Geh!", sagte ich säuerlich. Wanda verschwand mit einer Verbeugung. Was interessierte es denn mich, dass Rosalie Wanda nicht mochte?

Wanda erschien drei Stunden später wieder. Sie trug einen Karton bei sich, den sie brav auf meinem Nachtisch abstellte und wieder verschwand. Ich öffnete das Paket, nickte und legte einen Zettel dazu. Dann pfiff ich nach Selenia, unserer Familieneule. Sie erschien schuhuend auf meinem Bett. Ich gab ihr das Packet.

„Zu Rosalie, im Ravenclaw-Mädchenschlafsaal", sagte ich. Selenia flog davon.

Ihre Sicht:

Ich erwachte am Weihnachtsmorgen mit der üblichen schlechten Laune. Doch zu meiner großen Überraschung lagen am Fußende meines Bettes zwei Päckchen. Da ich die Chaos-Zwillinge dazu überredet hatte, dass wir mittlerweile jedes Jahr um Weihnachten rum ein wenig durch die Muggelwelt streiften(besonders Spaß machte es, seit wir spitzgekriegt hatten, dass die Muggel sogenannte „Mittelaltermärkte" veranstalteten, die wir regelmäßig unsicher machten), anstatt uns was zu schenken, wunderte ich mich, von wem sie sein könnten. Schnüffeln brachte nicht viel, beide rochen einfach nur nach neuen Sachen und Tinte(wohl von den Weihnachtsgrüßen), daher musste ich sie zwangsweise einfach aufmachen.

Ich hob das größere Packet zuerst an. Es war von Scorpius.

Liebe Rosalie,

ich wollte dich fragen, ob du mich zum Abschlussball der UTZ-Schüler begleiten möchtest?

Ich weiß, dass du kein Kleid dafür hast, deshalb hier mein Geschenk für dich.

Frohe Weihnachten,

Scorpius

Ich schüttelte den Kopf und öffnete den Rest des Pakets. Heraus fiel ein knielanges, feuerrotes Abendkleid mit schmalen, goldenen, wie Efeu geschlängelten Stickereien. Ich legte das Kleid auf den Stuhl neben meinem Bett. Der Ball war im Mai, aber er schenkte mir das Kleid zu Weihnachten! Typisch Scorpius!

Ich wandte mich dem zweiten Päckchen zu. Es war von Ethan.

Scorpius hat mir erzählt, was er dir zu Weihnachten schenkt. Da dachte ich mir, du brauchst auch Schuhe dazu!

Fröhliche Weihnachten!

Ethan

Ich starrte mit offenem Mund in den Karton. Darin lagen sicher sauteure, feuerrote Ballerinas mit goldenen Flammenstickereien darauf. Ich seufzte und stellte sie vor das Kleid. Jungs!

Seine Sicht:

Sie hatte mir nie geantwortet. Doch ich wartete am Abend meines Abschlussballs am Fuße der Marmortreppe auf sie. Ethan kam die Treppe hinunter. Er ging mit Alana Weasley. Alana trug ein blaues Kleid und sah umwerfend aus. Ich sah zu ihr hinauf.

„Du bist mein Cousin, Scorp. Beherrsch dich!", lachte sie zwinkernd und ging mit Ethan an mir vorbei.

„Keine Sorge, sie kommt. Ich hab sie oben gesehen", flüsterte er mir zu. Ich nickte und sah wieder die Treppe hinauf.

Ich trug einen einfachen, schwarzen Festumhang mit Stehkragen. Vater hatte ihn mir gegeben. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals und war aufgeregter, als ich es jemals vor einer Prüfung gewesen war.

Und dann endlich entdeckte ich sie am Ende der Treppe. Sie sah in dem roten Kleid und den dazu passenden Ballerinas umwerfend aus. Sie war nicht geschminkt und ihr unordentlich geschnittenes, nirgends mehr als schulterlanges Haar fiel ihr wild wie immer um das Gesicht. Zu meiner Freude hatte sie auf den Verwechslungszauber verzichtet. Ich sah ihre rot-gelben Augen glühen, als sie die Treppe herunterschritt. Ihr animalischer Gang verlieh ihrem Auftritt das gewisse Etwas, wie ich fand. Alle Blicke wandten sich nach ihr um und sie lächelte frech nach hier und da. Das war Rosalie, wie ich sie kennen und, zu meiner eigenen Verwunderung, auch lieben gelernt hatte.

„Dürfte ich Euch meinen Arm zum Geleit anbieten, schöne Dame?", fragte ich mit einer formvollendeten Verbeugung.

„Sehr gern, aber pass auf, ich find ihn nämlich zum Anbeißen", meinte sie und lächelte mit ihren spitzen Zähnen. Ich lachte kurz auf und geleitete sie in die Große Halle.

Alles war in den vier Hausfarben gehalten und glitzerte silber und golden. Anstatt der vier großen Haustische standen allerdings dutzende kleine, achteckige Tische in der Halle. Die Lehrer jedoch saßen wie gewohnt an ihrem erhöhten Tisch. Ich lenkte meine Schritte zu dem Tisch, an dem ich Alana und Ethan sowie Madison mit James ausmachen konnte. Ich spürte, dass Rosalie sich entspannte. Sie ahnte bis heute nicht, dass meine Verwandten und Ethan meine einzigen Freunde waren. Mein Nachname machte mir keine Freunde, das war wohl der Grund warum Rosalie den Nachnamen ‚Delgrey' bevorzugte. Mit ‚Greyback' würde sie sich auch keine Freunde machen, noch weniger als ich, denn er verriete ihre Art.

Wir setzten uns zu den Vieren an den Tisch. Auf unseren Plätzen lag bereits, zum Tag passendes, teures Silberbesteck, goldene Teller und die Kelche mit den Hauswappen standen daneben. Passend zu jedem Schüler, der davor saß, änderten sie ihr Wappen. So sah Rosalie interessiert dem Gryffindor-Löwen dabei zu, wie er zum Adler von Ravenclaw wurde. Krüge mit Butterbier und Kürbissaft standen in der Mitte des Tisches. In der Halle war es angenehm leer und doch summten die Gespräche der Anwesenden durch die Luft. Professor McGonagall erhob sich und alles verstummte

„Guten Abend. Heute haben wir uns zusammengefunden, um mit den UTZ-Schülern, die ihre Prüfungen bestanden haben, das Ende ihrer Schulzeit zu feiern. Auch alle Lehrer und Begleitungen sind herzlich eingeladen zu feiern, aber zuvor, lasst uns ein wundervolles Festmahl aus mehreren Gängen genießen, zubereitet und serviert von unseren Hauselfen. Guten Appetit!", schloss Professor McGonagall und setzte sich wieder in den goldenen Stuhl des Schulleiters.

Kurz darauf öffneten sich die Flügeltüren der Großen Halle und dutzende Hauselfen traten herein. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass es für jeden Tisch einen Hauselfen gab. Eine kleine, grinsende Elfe schlängelte sich auf unseren Tisch zu und servierte feinste, dampfende Kürbissuppe. Wir begannen zu essen. Rosalie hatte letzten Sommer einiges an Tischsitten bei mir zu Hause gelernt und sie schlug sich heute Abend wirklich gut.

Danach servierten die Hauselfen auf Wunsch Nudeln mit Rindergulasch oder Reis mit irgendwelchem Fisch. Unser gesamter Tisch wählte die Nudeln.

Zum Nachtisch gab es Pudding und Siruptorte. Rosalie sah danach immer noch hungrig aus. Wölfe konnten anscheinend eine ganze Menge essen.

„Nun wird es Zeit für den Tanz", sprach Professor McGonagall, nachdem alle Teller und Elfen verschwunden waren. Rosalie neben mir rutschte nervös auf ihrem Platz hin und her.

„Wenn sich die UTZ-Schüler und Schülerinnen nun bitte mit ihren Partnern auf die Tanzfläche begeben würden."

Ich zog Rosalie von ihrem Stuhl. Sie knurrte.

„Mach einfach das, was ich von dir möchte", murmelte ich ihr zu. Sie zog fragend die Augenbrauen hoch. Ohne weitere Erklärungen ging ich mit ihr auf die Tanzfläche und nahm Tanzhaltung an. Rosalie sah mich immer noch fragend an, doch da begann das Lied zu spielen. Ich drehte und wirbelte Rosalie über die Tanzfläche. Tanzen konnte ich schon seit Jahren. Bei reinblütigen Zauberer-Kindern gehörte sowas zur guten Erziehung. Rosalie schlug sich gut und begann nach zwei drei Tänzen sogar zu lächeln. Ob ich es doch noch schaffte, dass ihr tanzen Spaß machte? Ich hoffte es, denn ich tanzte eigentlich recht gerne, mindestens so gerne, wie ich Zeit mit Rosalie verbrachte. Und das war wirklich sehr gerne.

Ihre Sicht:

Eigentlich war der Abschlussball richtig schön gewesen. Gegen Mitternacht hörte die Musik auf zu spielen und der Ball war zu Ende. Scorpius begleitete mich bis zum Fuß des Ravenclaw-Turmes.

„Das war ein schöner Abend. Ich danke dir, Rosalie", sagte er und blickte mich aus seinen graugrünen Augen fest an. Es lag so viel in diesen wunderschönen, grasgrünen und mondscheingrauen Augen, dass ich es nicht in Worte fassen konnte.

„Bitte gern geschehen und ebenso", erwiderte ich und sah weiterhin in seine Augen. Er war nur unwesentlich größer als ich. Eigentlich hätte ich ja jetzt ins Bett gehen können, aber irgendwas hielt mich am Fuße der Treppe. Immer näher kamen wir uns, bis, urplötzlich, seine weichen Lippen auf meinen lagen. Nur ein kurzer Moment, dann löste er sich von mir, schlug die Augen nieder, wünschte mir ‚gute Nacht' und ging.

Vollkommen durcheinander starrte ich ihm nach. Ich wollte ihm nachlaufen, ihn rufen, doch ich stand einfach nur da, wie eine Marmorstatue. Mein Herz hämmerte wild gegen meine Rippen und auf meinen Lippen lag noch die entfernte Ahnung des Kusses. Schlussendlich schüttelte ich den Kopf und machte mich an den Aufstieg zum Turm.

Oben angekommen hob ich die Hand und klopfte. Der Adlerkopf erschien sofort. Er musterte mich kurz und gluckste dabei

„Welch ist des Menschen größter Schatz?", fragte er dann. Ob er wohl merkte, dass ich mit den Gedanken ganz woanders war und deshalb auf seine üblichen Rätsel verzichtete?

„Witzigkeit im Übermaß", zitierte ich daher dankbar die Aufschrift des Diadems von Rovena Ravenclaw, deren Statue in unserem Gemeinschaftsraum stand. Der Adler gluckste wieder und gab den Weg frei. Müde und doch furchtbar aufgekratzt machte ich mich auf den Weg in mein Bett. Doch ich lag noch lange wach und versuchte, mir meiner Gefühle bewusst zu werden.

Selbst als die Sommerferien begannen, wusste ich nur eins: ich würde Scorpius nächstes Jahr furchtbar vermissen! Doch ich zwang mich, ihm das weder zu sagen, noch es mir anmerken zu lassen. Ich war immer noch ein Werwolf und das würde die Welt für ihn nicht leichter machen.

So verbrachte ich auch diese Zugfahrt großteils schweigend und aus dem Fenster starrend, obwohl ich die Landschaft inzwischen ziemlich auswendig kannte. Auch Scorpius sprach den Abend nicht an, er unterhielt sich mit Ethan, Alana und Madison über Berufe. Ethan ging zwar, so wie auch ich, nächstes Jahr wieder nach Hogwarts, doch für ihn stand schon fest, er wollte Rockstar werden wie sein Vater. Scorpius würde im Ministerium anfangen, Madison wollte Heilerin werden wie ihre Mutter und Alana wollte, gemeinsam mit ihrer Cousine Elisabeth, im Scherzartikelladen ihrer Väter anfangen. Was ich nach der Schule machen wollte? Am liebsten wollte ich in der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe anfangen, doch das konnte ich bei meinem Zustand wohl abschreiben. Doch Scorpius versprach mir, mit seinen Eltern darüber zu reden, vielleicht konnten die mit ihren Beziehungen noch was deichseln.

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