Chronicles of Asha

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Kapitel 1

Mit einem letzten kräftigen Schlag wurde ihr ihre Zwilingsklinge aus den Händen gerissen und die Spitze seines Schwerts legte sich an ihre Kehle. Sie hatte verloren - schon wieder. Unwirsch schlug sie die klinge weg und stand auf.

"Du hast geschummelt!" murrte Asha und ihr Dämon flackerte leicht auf.

Seit sie ein kleines Kind war folgte ihr der Schatten überall hin, niemand sonst konnte ihn sehen, glücklicherweise, denn er bot einen furchteinflößenden Anblick. Zumindest hatte das mal jemand gesagt als sie ihn beschrieben hatte. Bestehend aus schwarzen Flammen, ohne wirklich beständige Form und goldenen Augen war er nicht das was einem täglich über den Weg lief. Er konnte Dinge anstellen, auch wenn er meist substanzlos war, so konnte er die erstaunlichsten Dinge passieren lassen. Immer dann wurde er fester, realer, und ein goldener Ring leuchtete auf seiner Stirn auf. Reden konnte er nicht, nur zischen und murren, aber er konnte ihr Gefühle und Gedanken übermitteln. Sie hatten eine beständige Verbindung, fast wie eine Brücke, die allerdings nur er überqueren konnte. Jetzt fühlte sie deutlich die Wut die von ihm ausging. Seltsam. In letzter Zeit war er viel substantieller geworden und stärker. Immer öfter musste Asha aufpassen nicht von seinen Gefühlen verwirrt zu werden.

Sie war so in Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte dass Sabase etwas zu ihr gesagt hatte.

"...dass du so winzig bist.", lachte er

"Was? ", verwirrt sah sie auf.

"Wo hast du denn heute deinen Kopf?"

Irritiert sah er auf sie herab und überreichte ihr ihre Waffe. Zwei Schwerter die über das verlängerte Heft miteinander verbunden waren. Sie konnte die beiden Hälften auseinander bauen und hatte so zwei Schwerter, auch wenn sie deutlich lieber die beiden schwerter an der Stange herumwirbelte, da sie so mehr Reichweite hatte und für die Schläge weniger Kraft brauchte. Bitter nötig, betrachtete man ihre Größe. Sie reichte den meisten der Stammeskrieger kaum an die Brust. Ihre Mutter war aus dem Süden, vom großen Kontinent, und galt auch dort nicht als sonderlich groß. Als sie damals ins Gebirge floh und dabei fast erfrohr bevor sie von ihrem Vater gerettet wurde, hatte sie wohl kaum damit gerechnet auf die Stämme von Oarasee zu treffen. Riesige Krieger die kein Pferd tragen konnte mit scharfen Reißzähnen, spitzen Ohren und genug Instikten um das wilde und raue Leben in den Bergen zu überleben - und ihr und ihrer Mutter das Leben mit zu viel Überbehütung schwer zu machen.

Ein Prachtexemplar der Sorte stand gerade vor ihr. Sabase, ihr bester Freund, auch wenn er das gerne anders sähe.

"Ich sagte, dass ich nichts dafür kann dass du so winzig und zerbrechlich bist. Außerdem kannst du doch im echten Kampf auch nicht damit rechnen, dass dein Gegner fair kämpft" sie schnaubte.

Mochte ja sein, dass sie kleiner war als der Rest, dafür aber doppelt so schnell. Auch sie hatte Reißzähne auch wenn diese deutlich kleiner waren und nicht aus ihrem Mund ragten sondern schön in ihrem Mund versteckt blieben und auch ganz gerade waren, nicht so wie bei einigen anderen, wie bei einem Eber gebogen. Außerdem konnte sie sogar fast besser als sie hören und riechen, irgendwie hatte die Mischung aus Mensch und Oaras wohl dafür gesorgt, dass ihre Sinne noch besser waren.

"Jaja, wie oft willst du mir die Rede denn noch halten?" verstimmt drehte sie sich um lief auf den Rand der Trainingswiese zu. Ihr Vater wollte vorher mit ihr sprechen und sie wollte ihn nicht zu lang warten lassen. Sie schwang sich über den Zaun und begrüßte Bedhiya, ihre Reitwölfin. Durch die Größe der meisten Stammesmitglieder waren sie gezwungen auf etwas größere Lastentiere zurückzugreifen und da kamen die wilden Wölfe der Berge um sie herum gerade recht.

"Jetzt sei doch nicht so! Du weißt ich habe Recht" Sabase packte sie am Arm und sie hörte nur noch wie Rakshaa fauchte. Da flog Sabase auch schon durch die Luft und landete ächzend ein paar Meter weiter auf der Wiese. Asha fuhr herum und blickte ihren Dämon böse an. Er hatte noch nie einfach so dermaßen heftig reagiert, zumal ohne dass sie sonderlich wütend gewesen war. Sie runzelte die Stirn und rannte zu Sabase.

"Geht es dir gut?" Besorgt sah sie ihn an.

"Wie hast du das gemacht?"

"Ich habe gar nichts gemacht." Ungläubig sah er sie an. verständlich, sie würde sich an seiner Stelle auch nicht glauben. Mit einem Schnauben riss er sich los und stand auf.

"Lüg mich nicht an!" fauchte er.

"Ich lüge nicht!"

"Weißt du was Asha, mach was du willst. Du bist in letzter Zeit seltsam. Ständig lügst du mich an, als würde ich es nicht RIECHEN wenn du das tust." verletzt trat er einen Schritt zurück "Sag es mir wenn du mir nicht vertraust aber tu nicht so als wäre gerade nichts bei dir los." Damit drehte er sich um und ging.

Ihr brach beinhe das Herz, ihn so verletzt zu sehen. Er hatte recht. Sie hatte ihn in letzter Zeit mehr ausgeschlossen weil Rakshaa irgendwie stärker wurde und sie Sorge hatte, dass ihm was passiert seit sie vor ein paar Wochen nur knapp verhindert hatte, dass Rakshaa ihn ernsthaft verletzte. Verflucht seien die Göter, was war nur los mit ihr?

Seufzend stand sie auf und fauchte Rakshaa böse an als dieser ihr das Gefühl von reue übermittelte. Jetzt war es schon zu spät.

Sie schwang sich auf Bedhiya, ihren Wolf und jagte schnell wie der Wind nach Hause. Vorbei an den anderen Häusern, manche an die enge Schluchtwand gepresst, andere auf einem Vorsprung sitzend, klammerten sie sich fest und schützten sie vor Wind und Wetter. Das Dorf lag am Eingang einer etwas breiteren Schlucht, wobei beide Seiten alle paar Meter durch breite Brücken verbunden waren. Manche hatten ihre Häuser auch direkt in den Stein gehauen, neben die Gänge die sie im Winter nutzten, wenn es draußen zu gefährlich war vom Wind mitgerissen zu werden.

Sie verlangsamte Bedhiya sobald ihr Haus in Sicht kam. Die Trainingswiese lag tatsächlich etwas weiter vom Dorf entfernt, da darunter ein reißender fluss entlang floss und sie so nur oberhalt der Schlucht genug Platz hatten zum trainieren. Sie atmete tief ein und genoss das Gefühl von Heimat, dass sie beim geruch von Feuer, Wölfen und den besonderen Gewürzen, die sie zum Kochen benutzten, überkam. Das leise Rauschen des Flusses und die leisen Geräusche der anderen Dorfbewohner war Musik in ihren Ohren.

Ihre Mutter wartete schon auf sie als sie das Haus betrat und rief sie in die Küche. Über dem Feuer briet schon das Mittagessen und die Haare ihrer Mutter glänzten im einfallenden Sonnenlicht. Ihre Mutter war kleiner als sie auch wenn sie das an sie weitervererbt hatte. Jedoch hatte sie hellbraune Haare und Asha weiße. Keiner wusste woher das kam, da auch ihr Vater dunkelbraune Haare hatte. So wie der Rest des Stammes. Eine Sache mehr, die sie zur Außenseiterin machte.

"Wie war das Training?" Oh ihre Mutter war alles andere als begeistert dass sie die alte Kampfkunst der Bergstämme lernte. Nanchaana hieß sie und war auf dem großen Kontinent schon längst vergessen, seit diese sich von den alten Traditionen gelöst hatten, nachdem der große Krieg vorbei war. Sie war stolz darauf, dass sie so gut war. Sabase war mittleerweile der einzige in ihrem Alter der sie noch besiegen konnte, selbst einige der erfahreneren Krieger hatte sie schon besiegt.

"Ich habe Sabase durch die Luft geschleudert nachdem ich verloren habe."
Missbilligend blickte ihre Mutter sie an. Sie war die einzige die wusste, dass ihr sowas manchmal passierte.

"Du musst es besser konrollieren. Deine Emotionen dürfen nicht über dich bestimmen. Du wirst stärker und bald könnte weit mehr passieren wenn du nicht aufpasst!"

"Ja ich weiß aber ich mache es doch nicht mit Absicht, es passiert einfach!"

Ihre Mutter murrte.

"Du solltest längst Unterricht erhalten. Ich werde mit deinem Vater darüber reden ob wir jemanden herholen können, vielleicht um dir die Traditionen vom großen Kontinent zu lehren."

Unterricht worin genau? Verwirrung durchströmte sie. Was passierte mit ihr und woher wusste ihre Mutter dass es für soetwas Lehrer gab? Kannte sie etwa jemanden dem das gleiche passierte?

Gerade als sie sie fragen wollte platzte ihr Vater in die Küche.

"Ah! Asha, gut dass du da bist ich wollte dich gerade suchen gehen!" Er gab ihrer Mutter zur Begrüßung einen Kuss und bedeutete ihr dann sich zu setzen. Irritiert setzte Asha sich an den großen Eichentisch in der Mitte des Raumes. Kratzer und Kerben zeugten vom Alter des Tisches, der schon seit sie denken konnte an genau dem gleichen Platz stand.

"Wie du weißt wird die letzte Priesterin von ihrem Amt entbunden, weil sie ihre Zeit den Göttern gedient hat und Bhoot hat endlich seine Entscheidung getroffen wer ihm als nächtes bei seinen Anrufungen beseite stehen darf." sagte er und klang dabei ziemlich stolz.

Bei seinen Worten lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Bhoot war der Priester der fast manisch die Götter anbetete. Alt und gruselig war er. Und ein kaltherziger Bastard der darauf stand die jungen Mädchen anzumachen. Vor ein paar jahren hatte er sie abgepasst als sie gerade mit ein paar anderen von der Jagd kam. Natürlich war es eine große Ehre mit dem Dorfpriester reden zu dürfen und sie hatte sich nichts dabei gedacht, als er sie bat ihm zu folgen. Sie war ihm nur entkommen weil Rakshaa ihn quer durch dem Raum geschleudert hatte und er bewusstlos zusammen gebrochen war. Seitdem beobachtete er sie. Sehr genau. Und sie hatte peinlich genau darauf geachtet, nie wieder in seine Nähe zu kommen. Sie wusste nicht ob er sich daran erinnerte oder nicht aber darauf angesprochen hatte er nie jemanden. Konnte er ja auch schlecht wenn nicht die ganze Geschichte ans Licht kommen sollte. Ihr lief ein eiskalter Schauer über den Rücken als sie an das Gefühl seiner Hände auf ihrem Körper dachte.

"Er hat mir verkündet, dass er dich ausgewählt hat." Ihr Vater grinste. "Er meinte etwas von starker Aura oder so. Er wird es übermorgen an Samhaan verkünden weil da die Götter der Erde am nächstens sind."

Warte was? Sie sollte dem Alten sieben Jahre helfen? Da konnte sie sich auch gleich nackt auf sein Bett legen. Obwohl, sie war jetzt stärker, aber er würde sicherlich totzdem einen Weg finden. Sie hatte die lustvollen Blicke auf sich gespürt und das ekelhafte Grinsen hatte ihr nur allzu deutlich gemacht, dass er ihr nicht verziehen hatte ...oder seine Pläne vergessen.

"Niemals. Er kann mich nicht wählen! Vater bitte lass das nicht zu!" sie flehte ihren Vater an und fühlte sich widerlich dabei.

"Ich kann nichts tun. Du solltest dich geehrt fühlen, dass er dich gewählt hat!" irritiert von ihrem Ausbruch sah er sie an.

"Bitte nicht. Ich will das nicht tun, du weißt doch, dass ich nicht an die Götter glaube. Zumindest nicht so." verzweifelt versuchte sie ihren Vater umzustimmen.

"Ich weiß Asha, es tut mir leid, aber seine Entscheidung ist gefallen." Seufzend stand er auf und zog mich in eine feste Umarmung.

Sie konnte den Göttern nicht dienen. Nicht mal wenn sie sie mit aller Kraft verehrt hätte. Sie bewunderte alle die einen unerschüttelichen Glauben hatten. Asha glaubte zwar dass jeder einem Schicksalspfad folgte, der zwar von den Göttern gesponnen war, jedoch nicht, dass diese auch gleich das Wetter und die Ernte bestimmten. Sie dienten eher dem Konzept des Hoffnungschenkens für all jene die keine mehr hatten. Und für all jene die ihre Taten irgendwie rechtfertigen mussten.

Es musste einen Ausweg geben. Verzweiflung machte sich in ihr breit und das Wissen, dass es keinen gab sank ihr wie ein Stein in den Magen.

Sie riss sich von ihrem Vater los und stürmte nach draußen frustriert trat sie gegen einen Stein der von dergegnüberliegenden Wand mit einem Klack - Geräusch abprallte, welches in der Schlucht wiederhallte.

Sie schnappte sich ihre Klinge und holte ihren Wolf aus dem Stall unter dem Haus mit einem leisen Schrei schwang sie sich auf ihren Rücken und raste zum zweiten mal an diesem Tag aus der Schlucht. Rakshaa materialisierte sich hinter ihr und leuchtete vor Wut. Eine leichte Wärme presste sich von hinten an sie und sie hielt kurz verwundert inne, so stark war das Gefühl noch nie gewesen. Überall um sie herum begannen Steine zu bröckeln und von den Kanten zu brechen um mit knallenden Schlägen in die Tiefe zu donnern. Asha gab Bedhiya lediglich das Zeichen noch schneller zu rennen.

Was sich vorher wie Heimat angefühlt hatte wirkte nun dunkel und kalt. Nicht mehr länger ihr Zuhause. Wütend fauchte sie. Wie konnte sie so schwach sein?

Als sie endlich nicht mehr das Gefühl hatte erdrückt zu werden hielt sie auf einer kleinen Lichtung an.

Der alte Bastard würde nie wieder eine Hand an sie legen, dafür würde sie schon sorgen. Sie war mittlerweile so gut im Kampf, dass er keine Chance mehr gegen sie hatte. Sollte er tatsächlich etwas versuchen würde ihm ganz bald ein Körperteil fehlen. Allein bei dem Gedanken wurde ihr schlecht. Was wenn er es wirklich schaffte sie zu überwältigen? Immerhin war auch er ein Krieger. Die gesamte Technik basierte doch auf dem Leiten von Energie. Wie konnte er darin nicht so viel besser sein als sie, wenn er seine doch direkt von den Göttern bekam? Vielleicht überschätzte sie sich. Angst brach wie eine Welle über sie herein. Wen wollte sie täuschen, sie hatte lediglich ein paar der älteren Krieger besiegt und er war sehr alt und sehr erfahren. Sie hatte keine Chance. Letztes mal war sie deutlich jünger gewesen und hatte den Überraschungsmoment auf ihrer Seite, das würde diesmal sicher nicht so sein.

Verzweifelt schrie sie ihren frust heraus. Die Duckwelle walzte das Gras nieder und die bäume raschelten als eine heftige Windböe in sie hineinfuhr. Erschrocken blickte Asha auf die Vögel, die laut kreischend aufgeflogen waren. Sie merke wie sich der Druck in ihrem Inneren ein wenig gesenkt hatte. Auch Rakshaa beruhigte sich wieder etwas.

"Das reicht. Ich werde dich selbst unterrichten" überrascht fuhr Asha herum, hinter ihr stand ihre Mutter.

"Du bist mir gefolgt!", sagte sie verblüfft.

"Natürlich, dachtest du ich lasse dich alleine?" Verwirrt schüttelte Asha ihren Kopf

"Na los, wir finden schon eine Lösung. Dein Vater mag sich zwar an die Traditionen halten, aber ich muss das sicher nicht tun. Es ist längst Zeit, dass du mehr über unsere Gebräuche lernst."

"Was meinst du?"

"Na deine Magie, ich dachte lange, dass es nicht nötig ist dich auszubilden, das Rakshaa das meiste abfing und dich ziemlich gut verborgen hielt, aber es wird langsam ein wenig auffällig."

Es war offiziell. Sie kannte ihre Mutter nicht mehr. Wovon bei allen Göttern redete sie?

"Ich erkläre es dir gleich, wir haben nur zwei Tage Zeit, bis dahin werden wir so viel trainieren wie wir können." ihre Mutter ließ sich im nun platten Gras nieder und bedeutete ihr, das selbe zu tun. Vollkommen verwirrt ließ Asha sich neben sie sinken, Rakshaa gleich neben ihr.

"In Amalinta sind deine Fähigkeiten fast normal. Naja fast, bei den allermeisten sind sie deutlich schwächer und manche haben sie auch gar nicht", begann sie zu erzählen.

"Warte, es gibt noch mehr wie mich?" Ungläubig sah Asha ihre Mutter an, die sie mit einem tadelnden Blick zum schweigen brachte. Sie hasste es unterbrochen zu werden.

"Ja. Aber um das zu erklären müssen wir zum Anfang zurück. Erinnerst du dich daran was ich dir über die Wolkenmeere erzählt habe?"

"Sie bedecken de leeren Flecken unserer Welt" Asha hatte die Geschichten ihrer Mutter über die Welt immer geliebt und die über die Wolkenmeere am aller meisten. An guten Tagen konnte man fast bis zum anderen Ende schauen, auch wenn das nur an bestimmten Stellen ging und man ein Fernrohr dafür brauchte. Ashas sehnlichster Wunsch war es einmal die Meere zu sehen.

"Richtig, aber viel wichtiger ist, was darunter ist. Im Innern der Welt befindet sich ein Kern. So gewaltig und voller Magie, dass darum unsere Welt entstanden ist. Leute wie du verankern sie, damit sie nicht davon driftet. Wir leiten die Magie und können damit machen was wir wollen und dienen so als Anker, wie ein Tau, welches ein Schiff mit dem Kai verbindet", fuhr sie fort und schien tief in Gedanken versunken.

Fasziniert hörte sie ihr zu. Diese Geschichte hatte ihre Mutter ihr nie erzählt.

"Die Magie durchfließt alles, Pflanzen, Wasser, Erde und Tiere, damit hat fast jeder von uns ein wenig Magie, nur eben nicht genug um sie tatsächlich nutzen zu können" erklärte sie. "Manche können besonders Wasser oder Erde beeinflussen, andere Luft. Es kommt individuell darauf an wie viel man selbst hat und dementsprechend auch wie man sie einsetzen kann. Du mein Liebling hast jede Menge davon, wenn ich von der Druckwelle gerade eben ausgehen darf, dabei ist sie noch nicht einmal vollständig erwacht. Wie eine Pflanze baucht auch Magie ihre Zeit um zu erblühen und bis dahin hat man eigentlich kaum Zugriff auf seine Kräfte."

"Und wie kann ich sie kontrollieren?" lächelnd stand ihre Mutter wieder auf.

"Zuerst zeige ich dir wie du sie in deine Bewegungen einfließen lassen kannst um dich stärker zu machen. Ungeformte Macht kann ziemlich gefährlich sein, da sie macht was sie will aber das ist nicht schlimm, ich passe schon auf."

Zweifelnd biss Asha sich auf die Unterlippe, ihre scharfen Zähne rissen an ihrer Haut und sie schmeckte Blut als sie mit der Zunge über ihre Lippe fuhr. Ihre Mutter war so zierlich.

"Keine Sorge, so leicht wirst du mich schon nicht verletzen. Schließe deine Augen. Konzentriere dich auf deine Umgebung, rieche den Wind, schmecke die Energie, höre deinen Herzschlag. Öffne deinen Geist für deine Sinneswahrnehmungen"

Also schwieg sie. Um sie herum wurde es immer stiller, als sie die Geräusche ausblendete und sich nur noch auf ein Gefühl konzentrierte. Welches nicht da war. Frustriert schlug sie die Augen auf und ihr blickte das amüsierte Gesicht ihrer Mutter entgegen.

"Da ist nichts!" knurrt sie.

"Konzentriere dich auf Rakshaa, das wird dir helfen." engegnete ihre Mutter ihr nur grinsend.

"Momentmal, woher weißt du eigentlich von ihm? Ich habe dir nie von ihm erzählt."

"Du hast früher immer Gespräche mit ihm geführt wenn du dachtest keiner merkt es, außerdem kann ich ihn spüren." Belustigt sah ihre Mutter sie an. "Du hast deinem Vater eine Weile lang ziemliche Sorgen gemacht, bis du irgendwann damit aufgehört hast" kicherte sie nun.

"Gar nicht wahr!" bestritt Asha die Vorstellung lachend. Sie war wohl doch nicht so gut darin gewesen ihn zu verstecken. Dass ihre mutter ihn spüren konnte machte Sinn wenn sie offenbar so viel über Magie wusste. Seufzend schloss sie erneut ihre Augen und konzentrierte sich nun aber nur auf Rakshaa.

Diese ganze Situation war grotesk. Sie stand da und suchte nach etwas wagem ohne überhaupt zu wissen was es war oder wie es sich anfühlte.

Wieder wurde es um sie herum ganz leise. Sie spürte das Rascheln des Grases mehr als dass sie es hörte, schmeckte den Frühling, mehr als dass sie ihn roch. Hinter ihr knisterte es. Sie drehte sich um und öffnete die Augen. Auf Rakshaas Stirn leuchtete ein goldener Kreis und sie streckte vorsichtig die Hand nach ihm aus. Als sie ihn berührte schleuderte eine Druckwelle ihre Mutter über die gesamte Wiese und es knallte laut als ein Stromstoß Asha durchfuhr. Die Verbindung zu Rakshaa war verschwunden. Nein nicht verschwunden, viel stärker geworden.

"Endlich!" wisperte er. "Endlich akzeptierst du mich" er flammte immer heller auf und trat einen Schritt auf sie zu bis er sie vollkommen umhüllte. gleißendes Licht fuhr in sie herein und sie wollte schreien als sich Druck unter ihrer Haut ansammelte. Sie schloss ihre Augen und betete, dass es bald vorbei sein möge. Sie fühlte sich als würde ihr gesamter Körper auseinandergerissen und wieder zusammen gesetzt werden. Sie spürte wie sich ihre Fingernägel in ihre Haut gruben und blutige Rillen hinterließen.

"Lass los!" hörte sie ihre Mutter schreien, aber es klang als wäre sie meilenweit entfernt.

Ein markerschütternder Schrei entfuhr ihr und sie hob vom Boden ab. Goldene Lichbögen fuhren aus ihr heraus, dort wo sie wieder auf ihren Körper trafen brachen Flammen aus. Noch nie in ihrem ganzen Leben hatte sie ein soches Gefühl erlebt. ihr ganzer Körper dröhnte und vibrierte vor purer reiner Macht. Ein nie enden wollendes Meer davon, sie sah sie, roch sie, hörte wie sie in ihren Ohren vibrierte, spürte sie an ihrer Haut entlang streichen. Sie war sich sicher sie würde untergehen und nie wieder auftauchen. Es hörte nicht auf, es kam immer mehr dazu, aus der Luft, dem Boden den Bäumen floss immer mehr davon auf sie zu, waberte um sie herum, vereinte sich mit ihrem Körper nur um im nächsten moment wieder hervor zu schießen.

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