AURUM - DER GOLDENE IMPERATOR

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Kapitel 6 - Die Goldene Schattenseite

Im Blumenbeet vor Erik schwirrte ein kleiner Schwarm Insekten um eine Blüte. Es war keine Hummel oder eine Biene, wie auf der Erde. Hier waren es kleinere Insekten, die scheinbar hier umherflogen. Bei genauerer Beobachtung war es aber ein organisiertes Chaos. Jedes Insekt hatte seine eigene Aufgabe und nachdem alles erledigt war, flog der Schwarm zur nächsten Blüte. Diese kleinen Schwärme waren auf dem ganzen Blumenbeet in diesem Garten des Palastes zusehen. Am Ende des Beetes, nach einer Vielfalt von Farben, stand der weiß Roboter-Soldat, der Erik aus der Besprechung folgte und nicht aus dem Auge ließ.
Jetzt kamen Ihm erstmal Zweifel auf. Der Soldat war es nicht, der es auslöste, eher Brakakus, welcher mit seiner Forderung eine heftige Diskussion auslöste. Obwohl er versuchte Xilim gedanklich zu beruhigen, konnte er nicht mehr den Streit um seine eigene Person ertragen und verließ das Meeting.
Es war erst der vierte Tag in seinem neuen Leben und es war das erste Mal, dass Ihm bewusstwurde, dass es eventuell doch nicht so rosig werden könnte. Plötzlich stand sein Traumprinz vor Ihm und nahm Ihn mit in eine neue Fantasiewelt, worin er selber immer die Hauptrolle spielte. Das war doch zu schön, um wahr zu sein. Machten sich auf dem Weg hier nach Ronaris erste Probleme bemerkbar, war es nun er selber, der Probleme auslöste. Entscheidungen sollen getroffen werden, worin er selber keine Wahl hat. Vorschriften müssen eingehalten werden, die Ihm selbst nicht gefallen werden. Man wird bewacht rund um die Uhr. Man darf nicht spontan verreisen. Es wird sicherlich viele Einschränkungen geben als Imperator, als der goldene Imperator.
Erik spürte neues Gewicht auf der Bank. Xilim war gekommen.
„Es tut mir leid.“, sagte er und legte seine große Hand auf Eriks kleinen Oberschenkel, „Ich hätte mich zusammenreißen sollen.“
Erik schwieg noch.
„Ich hätte es wissen sollen, dass er das verlangt.“
„Wir haben beide nicht daran gedacht, weil wir nur an uns dachten.“
Xilim schaute ihn traurig an.
Erik zuckte mit den Schultern: „Natürlich denkt Brakakus erst an sich. Das haben wir doch irgendwie auch.“
Xilim schaute zu dem Soldaten rüber.
„Er ist der erste Onarier seit langem, der das Emblem komplett trägt und damit liegt auf Ihm genau so der Druck, wie auf mich oder Dich.“
Xilim nickte leicht.
„Womöglich kommt alles von seinem Vater aus.“
„Nein, das ist Brakakus selber.“
„Sicher?“
„Ja. Sein Vater war selber überrascht, obwohl er seiner Meinung war.“
„Wenn die Onarier wirklich so stark traditionell sind, dann muss Brakakus seiner Rolle gerecht werden und alles geben, damit er sein Volk ehrwürdig vertreten kann.“
„Klingt, als ob Du Ihm den Wunsch gewährst?“
Erik schaute Xilim böse an: „Nein! Wenn es stimmt, was Du mir gesagt hast, dann möchte ich seinen Schwanz nicht in meinem Po haben!“
Xilim kippte seinen Kopf nach hinten weg: „Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“
Erik tat es Ihm gleich: „Aber wie? Ich denke, die Zeremonie wird einen festen Ablauf haben.“
„Das mag sein. Es muss aber irgendwie möglich sein, dass wir es verhindern.“
Erik setzte sich seitlich zu Xilim: „Und wenn ich mit Dir in die Quelle zu erst springe?“
Xilim schüttelte sofort den Kopf.
Erik ließ seinen Kopf auf Xilims Brust fallen.
„Brakakus will als Erster in die Quelle treten. Bestenfalls wird nichts passieren…“
„… oder doch!“
„Was meinst Du!“
„Ist es nicht am besten, wenn er der Imperator wird?“
„Nein.“, Xilim schaute zu Erik herunter, „Oder willst Du das?“
Erik setzte sich wieder auf: „Ich weiß es nicht.“
„Was meinst Du?“
„Will ich das alles mit dem Imperator sein?“
„Du zweifelst?“
Erik drehte sich wieder in die Ausgangsposition: „Zweifeln würde ich es nicht nennen. Ich habe keine Ahnung, wie das Leben eines goldenen Imperators aussieht. Was seine Aufgaben sind. Was seine Erwartungen sind. Was mache ich eigentlich mit dieser Position eines goldenen Imperators?“
Xilim starrte Ihn an.
Erik zuckte erneut mit den Schultern: „Ich habe keine Ahnung von allem. Lebe ich dann im wahrsten Sinne des Wortes in einem goldenen Käfig?“
Xilim starrte noch immer.
„Xilim?“
„Es geht alles zu schnell.“
„Das meinte ich nicht. Mag sein, dass wir erst bei Tag vier sind und am Tag sieben bin ich bestenfalls der goldene Imperator…“
„… Keiner hat bisher Dich gefragt, ob Du es überhaupt willst.“
„Richtig!“, flüsterte Erik.
„Das schlimme daran ist aber…“
„… dass ich keine Wahl habe?“
Xilim nickte leicht und zog Ihn zu sich. Er umarmte Ihn.
„Das ist es. Ich habe keine Ahnung, was auf mich zu kommt.“
„Lass uns mit Luluis reden.“, Xilim stand auf, „Wir werden den besten Weg finden, damit es Dir gut geht.“
„Es geht nicht darum, ob es mir gut geht. Es geht darum, dass ich rein gar nichts von diesem Job weiß!“
„Lass es uns ändern. Er wird Dir alles erklären.“
Erik blieb noch sitzen.
Xilim hockte sich vor Ihm auf die Knie, womit er trotzdem nicht auf Augenhöhe mit Erik war. Er legte eine Hand auf Eriks rechte Gesichtshälfte: „Ich bin immer bei Dir, ich werde niemals von Deiner Seite weichen…“, mit der anderen Hand tippte er auf Eriks Herz, „… ich werde immer dafür kämpfen und das da immer beschützen. Das sage ich nicht, weil ich der goldene Guardian bin, sondern weil ich in dieser so kurzen Zeit mich in Dich verliebt habe, Erik.“
Erik kamen ganz sanft erste Tränen.
„Erik. Egal was da kommt, egal was für Aufgaben, Hindernisse, Gefahren da kommen mögen. Dieser Riese hier…“, jetzt tippte Xilim auf seine Brust, „… wird Dir nie wieder von der Seite weichen und dafür sorgen, dass es Dir immer gut geht. Egal ob als Erik der Terrarier oder Erik der Aurum.“
„Danke.“, flüsterte Erik.
Dann lehnte sich Xilim zu Ihm hervor und küsste Ihn lange.
„Lass uns mit Luluis reden.“
Sie standen beide auf und liefen zurück zum Präsidenten, gefolgt von dem Soldaten.

Luluis wartete wohl schon: „Ah da seid Ihr ja.“
„Luluis. Ich denke, Erik hat viele Fragen.“
„Das denke ich mir.“
Da wo vor einigen Minuten wohl noch Imperator Babarayis mit seinem Sohn saß, setzten sich Erik und Xilim nun hin.
„Ich konnte mich mit dem Imperator nicht einigen…“
Xilim unterbrach Ihn: „Darum geht es nicht.“
„Nicht?“
„Luluis. Erik ist erst seit vier Tagen hier und hat keine Ahnung, was die Aufgaben eines Aurum sind.“
Luluis setzte sich in einen der Sessel und verstand: „Nun. Da hast Du Recht.“, er schaute Erik tief an, „Es tut mir sehr leid, Herr Mittmeier. Daran habe ich auch nicht gedacht. Xilim hat Recht.“
„Ist es denn schwer, der Aurum zu sein?“, fragte Erik.
Luluis kniff die Lippen zusammen: „Ja und Nein. Es hängt wirklich von vielen Faktoren ab. Fangen wir einfach an. Der goldene Imperator, wie der Name es schon sagt, hat die oberste Führung in unserer Allianz der drei Planeten. Wo jeder Planet seinen eigenen Imperator hat, ist es der Aurum, der die drei Imperatoren führt. So zusagen die goldene Spitze des Berges.“
„Es gibt hier auf Ronaris auch einen Imperator?“
„Ja natürlich.“
„Wo ist der?“
„Das ist eine gute Frage!“, betonte Xilim.
Luluis schwieg kurz: „Das ist ein kompliziertes Thema.“
„Ach was!“, Xilim war erstaunt. „Sagt bloß, die Gerüchte stimmen.“
„Welche Gerüchte?“, Luluis tat so, als ob er von nichts wüsste.
„Luluis. Wir sind, denke ich mal, unter uns. Was ist mit dem Imperator von Ronaris? Ist er tot?“
„Nun.“, Luluis stand nervös auf, „Okay.“
„Ach was! Es stimmt.“
„Was stimmt?“, fragte Erik.
„Der Imperator von Ronaris wurde seit Wochen nicht mehr gesehen. Es ist regelrecht totenstill geworden um seine Person.“, Xilim schaute zu Luluis, welcher sich an seinen Schreibtisch im Raum setzte. „Also sind die Gerüchte wahr.“
„Ja.“, sagte Luluis als einziges.
„Ja und?“
Xilim rückte seitlich zu Erik: „Es gibt auf Ronaris sechs große Gebiete, Ronaria ist die Hauptstadt und eines dieser Gebiete. Jedes Gebiet hat einen Präsidenten. Luluis eben von Ronaria. Es gibt also weitere fünf Präsidenten auf Ronaria. Diesen Präsidenten überstellt ist der Imperator des Planeten. In unserem Fall Imperator Fullum. Seit mehreren Wochen hört man nichts mehr von Ihm und seine Frau und Tochter sind spurlos verschwunden. Spätestens zur Zeremonie sollten sie eigentlich erscheinen. Wenn nicht sogar heute schon, denn es sollte ja heute die eigentliche Zeremonie stattfinden. Aber es ist keine Spur von Ihm zu sehen. Gerüchte machten die Runde, dass er tot ist und an seiner Sucht gestorben sein soll.“
„Sucht?“
„Ja. Ghorianis Kraut. Ein Kraut, womit man die Fähigkeit bekommt, die Zeit intensiver zu erleben. Es ist, als würde alles langsamer vergehen und man kann mehr erleben und erfahren, als ohne.“
„Eine Droge?“
„Nennt man es so auf Terraris?“
„Eine Droge ist, wenn man in eine Art Rausch fällt und alles um sich herum vergisst.“
„Genau. Ghorianis ist ein solcher Rausch. Man driftet ab und alles um einen herum verdoppelt oder vermehrfacht sich.“
„Hört sich nach Drogen an.“
„Nun, dass sind wirre Geschichten.“, versuchte Luluis abzuwiegeln.
„Ist er tot?“, fragte Xilim direkt.
„Ja.“
„Das erklärt seine Abwesenheit.“
„Wann sollte das bekanntgegeben werden?“, fragte Erik.
„Ich habe in einer Stunde ein Treffen mit allen anderen Präsidenten von Ronaris, worin wir das besprechen wollten.“
„Das klingt nach puren Chaos.“, sagte Erik.
„Ja. Das stimmt. Ist es auch. Aber wir denken, wir haben eine richtige Strategie dafür.“
„Strategie? Wie wäre es mit der Wahrheit?“
Erik schüttelte den Kopf, zur Verwunderung von Präsident Luluis: „Das wäre keine gute Idee, denke ich.“
„Wieso nicht?“, Xilim wunderte sich.
„Wenn dem Volk gesagt wird, dass der Imperator an der Droge gestorben ist, die jenem Volk verboten ist…“
„Es ist dem Volk nicht verboten!“
„… okay. Das mag sein, aber es ist ein Rauschmittel, was nicht gut ist. Und ausgerechnet das oberste Haupt des Volkes stirbt an dieser Droge. Das kann nach hinten los gehen!“
„Nach hinten los gehen? Es kann aber auch eine Warnung an alle sein. Jeder kennt dieses Kraut und jeder weiß von dessen Wirkung. Nur keiner spricht darüber. Nun ist der Imperator des Planeten daran gestorben und es kann ein sehr gutes Beispiel sein, dem Volk zu sagen: Lasst die Finger davon!“
„Das stimmt allerdings.“, stimmte Erik Xilim zu.
„Wie dem auch sei. Es wird sicherlich ein Thema werden…“, dann klopfte es an der Tür, „… Ja?“
Leonaris trat ein: „Vater. Die Präsidenten sind angekommen und erwarten Dich im Nordsaal.“, er nickte kurz zu Xilim und Erik.
Luluis stand auf: „Gut. Sag Ihnen, ich bin in zwei Minuten da.“
„Gerne.“, dann drehte er sich um und verließ den Raum wieder.
„Ich muss mich entschuldigen. Wir können das am Nachmittag vorführen und ich kann Dich in alle Aufgaben des Aurums einweisen.“, schlug Luluis vor.
„Ich denke, ich werde Ginio fragen. Er kennt sich auch sehr gut aus.“
„Oder so. Jedoch, wenn Ihr Fragen habt, ich bin sehr gerne für Euch da.“
„Wenn es die Zeit erlaubt.“, lächelte Erik.
„Oh ja. Das stimmt wohl.“, lächelte Luluis zurück, „Ich muss los!“, dann verschwand er schon und folgte seinem Sohn.
Xilim und Erik standen alleine in dem Raum, wo es zum Streit mit Brakakus und seinem Vater kam. „So. Also wissen wir nun genau so viel wie vorher!“, sagte Xilim.
„Stimmt nicht ganz.“
„Nein?“
„Wir wissen, dass der Ronaris Imperator tot ist.“
„Stimmt. Was für eine Scheisse!“
„Da hast Du bestimmt Recht.“
„Der Onaris Imperator ist bereits da, der von Terraris sollte auch heute ankommen.“
„Wer ist eigentlich der Imperator von der Erde?“
„Den kennst Du nicht?“
Erik überlegte: „Nein. Ich habe nie etwas von einem Imperator gehört, wenn ich so nachdenke?“, er versuchte in seinen Erinnerungen an Nachrichten oder Zeitungen zu denken, die er in München immer lass. Aber von einem Imperator war nie die Rede. „Kann es sein, dass er auf der Erde Präsident genannt wird?“
„Weiß ich nicht.“, sie liefen ebenfalls aus dem Raum und gingen durch den Palast.
„Es gibt auf der Erde von jedem Kontinent einen Präsidenten und in der Gemeinschaft der Kontinente den dortigen Präsidenten. Es ist nie die Rede von einem Imperator gewesen.“, erklärte sich Erik.
„Wie heißt denn der Präsident?“
„Boah, gute Frage. Ich hatte nie wirklich Interesse an Politik.“, dann sahen beide, wie Lamar durch die Halle rannte.
„Vater?“, schrie er.
„Was ist? Ich habe keine Zeit!“, antwortete er am anderen Ende der Halle.
„Der Imperator von Terraris ist soeben gelandet.“
„Oh nein!“, Luluis blieb stehen. „Leonaris?“, jenen sah man nicht mehr. Luluis schien überfordert.
Lamar kam bei seinem Vater an. Dann sah man beide diskutieren und Leonaris kam dazu. Es wurde heftig diskutiert, vor allem zwischen Leonaris und Luluis. Lamar schaute nur interessant zu. Dann verließ Leonaris genervt die Runde und Luluis folgte Lamar in die Richtung, von der Lamar kam.
„Sie holen wohl den Imperator ab.“, meinte Erik.
„Scheint so. Was für ein Chaos.“
„Und das darf ich dann alles leiten?“
„Kann sein. Normalerweise treffen sich die Imperatoren immer in der Goldenen Stadt.“
„Stimmt. Die gibt es ja auch noch. Das wird dann mein Amtssitz?“
„Dein was?“, lachte Xilim.
„Da wo ich dann regiere!“, sagte Erik stolz.
Xilim lachte noch immer: „Nein. Da wohnen wir dann.“
„Wohnen?“
„Ja.“, er beruhigte sich, „Wir wohnen dort.“
„Und wo ist mein Amtssitz?“
„Was ist ein Amtssitz?“
„Das, wovon ich aus regiere?“
„Ach so.“, Xilim legte sein Arm auf Eriks Schulter und zog Ihn weiter Richtung Ausgang, runter in die Halle, „Dein, wie Du es nennst, Amtssitz wird im Aurum Dom sein. Aber soweit ich weiß, werden wir oftmals auf Reisen sein.“
„Reisen?“
„Ja. Es gibt drei Planeten. Aber ich denke Ginio weiß darüber wesentlich mehr.“
„Herr Xhirisis?“, fragte eine weibliche Stimme hinter Ihnen.
„Ja?“, drehten sich beide um.
Eine junge Dame stand vor Ihnen, hinter Ihnen fünf Robotersoldaten: „Wenn Sie den Palast verlassen wollen, dürfen Sie es nur noch mit Begleitschutz. Befehl von Präsident Latentas.“
Sie schauten sich beide an.
„Keine andere Wahl?“
„Korrekt. Sie wollen den Palast verlassen?“
„Korrekt.“, wiederholte Erik die Dame.
„Ich gebe Bescheid und es wird Ihnen ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt.“, dann spielte sich tatsächlich ein ganzes königliches Prozetere ab. Die fünf Soldaten stellten sich hinter Xilim und Erik auf, die Dame sprach mit sich selber und nur ein paar Minuten später stand eine Art Kleinbus vor dem Palast. Der Kleinbus war komplett weiß und hatte drei Abteile. Der vordere war wohl die Fahrerkabine und mittig wurde Ihnen die Tür von einem der fünf Soldaten geöffnet. Das war das Abteil für Xilim und Erik. Die anderen vier Soldaten traten in den hinteren Teil des Kleinbusses ein, worin auch der fünfte Soldat verschwand. Dann saßen beide ruhig nebeneinander.
„Keine Griffe!“, stellte Erik leise fest.
„Verrückt. Das Fenster ist fünffach.“
„Aber wir können rausschauen.“
„Stimmt.“, von außen konnte man nicht hineinschauen.
„Imperator. Wohin soll es gehen?“, sagte eine Stimme.
„Oh. Ja.“, Xilim war überrascht.
„Imperator?“
„Nach Xamana. Zum Landsitz meiner Familie.“
„Verstanden.“, bestätigte die Stimme und dann fuhr der Kleinbus los.
„Wir hätten auch springen können?“, fragte Erik.
„Hätten wir. Aber Du weißt, dass Du mit jedem Sprung an Kraft verlierst.“
„Die Du mit Deinem Saft wieder aufladen kannst.“, dabei tippte er auf die Beule zwischen Xilims Beinen.
„Hör auf. Nicht jetzt.“, grinste er, „Aber ja.“
„Na dann, lass uns springen.“, grinste er zurück.
„Du bist verrückt!“, Xilim beugte sich zu Erik und küsste Ihn.



„Onkel Xilim.“, schrien zwei Kinderstimmen synchron. Xio und Xia ignorierten die Soldaten, welche sich vor den Kleinbus aufstellten und erst dann die Tür öffneten, woraus Xilim und Erik stiegen. Beide Kinder rannten an den Soldaten vorbei, eines jeweils an ein Bein von Xilim.
„Kinder!“, freute sich Xilim und nahm beide jeweils mit einer Hand nach oben.
Erik konnte die Freude in seinen Augen sehen und wie er es genoss, der große Bruder zu sein. In der Ferne traten die restlichen Familienmitglieder heran.
„Mutter!“, freute sich Xilim weiter, „Ginio.“, man nickte leicht.
„Schön das Du wieder da bist. Oder soll ich besser Ihr sagen?“, seine Mutter schaute mehr auf die Soldaten, als auf Erik, welche noch hinter Xilim verblieben.
„Wie ich sehe, hast Du Erik mitgebracht?“, sprach Ginio aus.
Dann konnte Erik sich nicht weiter verstecken und trat aus Xilim Schatten hervor.
„Ja. Darf ich vorstellen: Erik meine Mutter Xara und mein Stiefvater Ginio.“
„Herzlich Willkommen in unserem Heim.“, sagte Xilims Mutter und reichte Erik die Hand. Dabei strahlte sie so viel Wärme aus, als würde sie die frische enge Verbindung zwischen Ihm und Xilim spüren.
„Danke.“, antwortete Erik schlicht.
„Ich bin Ginio, Xilims Stiefvater.“, auch er reichte die Hand und war mehr aufgeregt als Erik es war.
„Und diese beiden Racker hier sind meine Halbgeschwister Xia und Xio.“, mit dem Satz setzte er beide wieder auf den Boden ab: „Sagt ordentlich Hallo!“, und gab Ihnen jeweils einen Klapps auf den Po der beiden.
„Hallo Herr Erik.“, sagten sie wieder synchron.
„Hallo Ihr Beiden!“, lächelte Erik zurück.
„Bleiben die Fünf hier oder kommen Sie ins Haus?“, fragte Mutter Xara.
„Das ist eine gute Frage?“, welche Xilim an einen der Soldaten weiterleitete.
Keiner der fünf Soldaten fühlte sich scheinbar angesprochen.
„Schauen wir, was passiert, wenn wir hineingehen.“, schlug Erik vor.
„Schauen wir mal, ja.“, dann schritt Xilim Richtung Hauseingang.
Die Soldaten standen in einer Reihe vor dem Kleinbus und rührten sich nicht. Alle zusammen liefen ins Haus und wurden nicht verfolgt von Ihnen, was wohl bedeutete, dass sie nun warteten, bis Xilim und Erik zurückkommen.
„Ich bin sehr erfreut Ihre Bekanntschaft zu machen!“, flüsterte fast Ginio aufgeregt zu Erik.
„Danke, aber ich bin noch nichts Besonderes!“, lächelte Erik zurück.
„Das sehe ich und viele andere leider etwas anders. Xilim erzählte bereits, dass die erste Zeremonie abgesagt wurde.“
„Sprechen wir drinnen darüber, Ginio. Wir sind sowieso hergekommen, weil wir viele Fragen aus Deiner Bibliothek haben.“, unterbrach Xilim.
„Oh. Es wäre mir eine Ehre!“
„Hör auf, so geschwollen zu reden. Wir sind keine Götter.“, betonte Xilim.
Ginio grinste, zog die Augenbrauen hoch, während er faszinierend zu Erik schaute.


„Nehmt Platz!“, Ginio zeigte auf eine Sitzgruppe in seiner prachtvollen antiken Bibliothek.
„Sieht aus, wie bei Johannes.“, murmelte Erik zu Xilim.
„Was wollt Ihr wissen?“
„Nun, Ginio. Wir müssen den genauen Ablauf der Zeremonie wissen. Es gibt Komplikationen bei der geplanten Zeremonie in drei Tagen.“
„Komplikationen?“
„Ja. Der Sohn des Onarischen Imperators hat ebenfalls das Emblem vollständig…“
„Das hörte ich bereits, ja.“
„… und nun besteht er auf die erste gemeinsame Zeremonie mit Erik, wenn seine Solo-Zeremonie nicht funktioniert.“
„Oh Gott.“, Ginio wusste sofort um was es ging, „Das ist nicht gut.“
„Eben.“
„Wisst Ihr denn schon, wer der Geber und wer der Empfänger wird?“
Erik sagte nichts und zog sein Oberteil hoch, womit er Ginio seine Linien auf dem Körper präsentierte.
„Perfekt. Bedeutet, du wirst der Imperator und Xilim dann dein Guardian.“
„Genau.“
„Bedeutet, Ihr habt…“
„Haben wir!“, unterbrach Xilim.
Ginio stand auf und lief kopfkratzend herum: „Nun. Da Du bereits die Solo-Zeremonie gemacht hast vor sieben Jahren, wirst Du sie nicht wiederholen. Wenn es nun den Onarier gibt, wird er ganz sicher die große Zeremonie mit seinem Solo-Part beginnen. Dann gibt es die Möglichkeit, dass er der Aurum wird, oder eben nicht.“
„Und wir gehen davon aus, dass er es nicht wird.“, fügte Xilim hinzu.
„Korrekt. Wenn das der Fall ist, besteht nun der Onarier darauf, den nächsten Schritt, die gemeinsame Zeremonie, mit Erik durchzuführen.“
„Korrekt. Dies möchten wir verhindern, was jedoch nicht einfach wird.“
„Könnt Ihr nicht darauf bestehen, dass Ihr beide es zuerst macht?“, fragte Ginio.
„Das habe ich versucht. Es endete in einer heftigen Diskussion und wir konnten uns nicht einigen. Daher bleibt der Anspruch des Onariers aktuell, dass er als erstes die Zeremonie gemeinsam mit Erik vollziehen will.“
„Das ist gefährlich.“, Ginio setzte sich wieder.
„Ist es das denn wirklich?“, fragte Erik leise.
Ginio war erst überrascht, dass Erik etwas sagte: „Oh ja, ist es für Sie.“
„Dich.“
„Dich. Entschuldige, aber ja, kann es sehr wahrscheinlich sein.“
„Ich habe Ihm schon von den sexuellen Vorlieben der Onarier erzählt.“
„Hast Du? Von Ihren Haken-Schwänzen?“
„Genau.“
„Fürchterlich.“, Ginio stand auf und lief gezielt zu einem Buch, „Ich denke nicht, dass ein Onarier diese Funktion der Haken am Schwanzafter unterdrücken kann.“
„Schwanzafter?“, murmelte Erik zu Xilim.
„Es ist halt eine natürliche Funktion, welche die Garantie der Befruchtung sichern soll.“, kam Ginio blätternd zurück, „Hier haben wir es.“, er drehte das Buch zu Xilim und Erik. Darin waren gezeichnete Bilder vom Geschlechtsakt der Onarier zu sehen. Der Schwanz eines Onariers war in einer Art Schlauch wohl verborgen. Dieser Schlauch hatte am äußeren Ende diese besagten Haken. „Der Schwanzafter wird ebenfalls hart und beim Eindringen verhaken sich diese Haken in der Vulva der Onarierfrau, erst dann tritt das Glied des Onariermannes ein und ejakuliert wenig später. Dies könnte für Dich sehr schmerzhaft, wenn nicht tödlich sein, denn Dein After wird nicht die Muskelkraft und Dicke haben, die eine Onarische Vulva hat.“
„Das ist sehr detailliert beschrieben.“, meinte Xilim.
„Das ist mir alles bewusst, hat Xilim mir schon sehr gut erklärt. Daher geht es uns darum, wie der genaue Ablauf sein wird. Wird Brakakus in der Quelle bleiben und ich muss dann zu Ihm einsteigen, oder gibt es eine Art Pause zwischen den Akten?“, fragte Erik nun direkt.
Ginio schlug das Buch zu und stand auf, um ein weiteres zu holen: „Nein. Wenn dieser Brakakus seine Solo-Zeremonie vollzogen hat… egal ob erfolgreich oder nicht… muss mindestens ein Quell-Zyklus durchlaufen sein, bevor eine weitere Zeremonie möglich ist.“, er fand sein Buch.
„Wie lange dauert ein Quell-Zyklus?“
„Das sind meist dreißig Minuten.“, Ginio setzte sich wieder und blätterte.
„Bedeutet, wir hätten dreißig Minuten Zeit, dass wir selber in die Quelle steigen?“
„Nein.“
„Nein?“, fragte Xilim.
„Ich denke, ich weiß, was Ihr vorhabt.“
„Das wäre?“, fragte Xilim gespannt.
„Ihr könnt nicht während des Quell-Zyklus einfach hineinspringen. Dann wird die Zeremonie nicht funktionieren. Der Zyklus ist dafür da, dass sich die Quelle selbst wieder reinigt. Es dauert bis zu dreißig Minuten, bis sämtliche Fremdstoffe verschwunden sind. Also ihr müsst wirklich ganze dreißig Minuten warten, bevor Ihr reinspringen könnt.“
„Verstehe.“, Xilim schien aufzugeben.
„Bedeutet, wir sollten eher die Ersten sein, die in die Quelle treten. Nicht die schnellsten.“
„Korrekt.“, bestätigte Ginio. „Ihr wollt als Erstes zusammen in die Quelle, um zu verhindern, dass dieser Brakakus Dich in der Zeremonie mit Ihm verletzt.“
„Genau.“
„Und das könnt Ihr nicht organisieren?“
Xilim stand genervt auf: „Das habe ich versucht. Der Onarische Imperator besteht darauf, als würde er es wissen, dass sein Sohn durch Erik der Aurum wird. Er weiß aber nicht, dass wir bereits miteinander geschlafen haben und somit Erik erkennbar der Aurum wird.“
„Ach, sie haben Deine Markierungen noch nicht gesehen?“, fragte Ginio.
„Nein.“
„Wieso nicht?“
Xilim schaute Ginio fragend an: „825 Jahre zuvor?“
„Du denkst, sie würden das nochmals machen?“
„Vielleicht nicht das, aber was ist, wenn sie es in irgendeiner Art versuchen?“
„Was sollten Sie machen? Er ist eindeutig der Aurum. Es nützt nichts, wenn Sie ihm den Unterarm abtrennen. Nur Ihr gemeinsam als Paar, Du der Guardian, der der Geber ist, und Du als der Aurum, der der Empfänger ist. Dein Sperma ist die Energiequelle für Erik.“
„Sein Sperma ist eine Energiequelle?“, fragte Erik.
„Ja.“, Ginio verstand nicht, warum sie es nicht wussten, „Ihr habt miteinander geschlafen und ich gehe davon aus, wenn ich so direkt sein darf, dass Du Ihn Ihm gekommen bist. Bedeutet, dass Dein Sperma diese Linien auf Eriks Körper ausgelöst hat. Es sollten auch weitere Fähigkeiten möglich sein.“
„Telepathie.“
„Genau. Das geht?“, fragte Ginio gespannt.
„Ja.“
„Aber nur von Ihm zu mir.“, betonte Xilim am Fenster fast traurig.
„Dann dreht das Spiel um und es geht auch andersrum.“
„Das haben wir vermutet, aber noch nicht umgesetzt.“
„Sein Sperma ist Deine Energie. Wenn Du Sprünge machst, oder Kraftfelder, ja sogar, wenn Du mit Ihm in Gedanken sprichst, verlierst Du Energie. Körperkraft. Du wirst schwach…“
„Wie beim Sprung mit dem Shuttle.“, Xilim kam zurück.
„Genau richtig. Das ist das beste Beispiel.“
„Aber da hatten wir noch nicht miteinander geschlafen!“
„Weil es die erste große Aktion mit Deiner eigenen Energie war. Du könntest auch Dich selber sozusagen aufladen, dass dauert aber sehr lange im Vergleich mit Xilims Sperma.“
„Verstehe. Wieder etwas gelernt.“, meinte Erik.
„Ihr könnt mich alles fragen, ich helfe immer gerne.“
„Also…“, begann Erik zu Xilim, „Ich denke, wir sollten direkt zur Quelle springen, sobald sie bereit ist, noch bevor Brakakus dort sein kann. Nur so können wir gemeinsam als Erstes die Zeremonie durchführen.“
„Könnt Ihr nicht mit diesem Brakakus reden und es Ihm erklären?“
„Das hatte ich doch versucht!“, meinte Xilim wieder genervt.
„Aber er weiß nichts, von Eurer Verbindung und den Linien auf seinem Körper!“
„Was sind das eigentlich für Linien?“, fragte Erik sich selbstbetrachtend.
„Das sind die Aurum Linien, diese werden während der Zeremonie golden und bleiben auf Dir dann sichtbar.“, erklärte Ginio so nebenbei.
„Die bleiben?“, fragte sich Erik leise.
„Wenn die Onarier gesehen hätten, dass sie keine Chance auf den Aurum haben, wäre das eine enorme Niederlage für sie. Allein nur, dass der Sohn das vollständige Emblem hat, war ein Wunder. Wenn sie nun sinnlos nach Ronaris gekommen sind, wäre das eine Niederlage für dieses Volk und wer weiß, was dann mit der Allianz wird.“
„Was redest Du da?“, fragte Ginio. „Nur weil sie erneut nicht den Aurum stellen, werden sie nicht die Allianz verlassen.“
„Woher weißt Du das?“
„Woher weißt Du das!“, betonte Ginio.
„Ich denke, wir sollten mit Brakakus reden und Ihm alles unter vier oder sechs Augen erklären. Ich habe ein gutes Gefühl, dass er es verstehen wird.“
„Er ist wie sein Vater, da kann man nichts erklären.“, Xilim war sich sicher, „Du hast Ihn erlebt, wie er darauf bestanden hat, es mit Dir zuerst zu machen.“
„Wir haben noch drei Tage Zeit. Lass uns mit Ihm treffen und wir sprechen mit Ihm.“
„Ich denke, das ist eine gute Idee!“, bestätigte Ginio Erik.
Xilim schaute Erik an.
„Ich habe ein gutes Gefühl bei Brakakus.“
Xilim seufzte: „Gut. Ich liebe Dich zu sehr, als Dir nicht zu vertrauen.“
Erik legte seine Hand auf Xilims riesigen Oberschenkel.
„Sehr schön.“, er stand auf, „Es ist unglaublich toll, Euch so zusammen zu sehen. Xara war auch richtig begeistert, als sie hörte, dass Ihr beide vorbeikommt. Lasst uns was trinken im Garten.“
Dann standen Xilim und Erik ebenfalls auf und folgten Ginio aus der Bibliothek. Im Flur Richtung Garten blieb Erik kurz stehen: „Ich muss kurz auf die Toilette!“
„Beim Haupteingang links von hier.“, zeigte Xilim.
Erik lief durch das Haus und bewunderte diese Mischung aus Natur und Hausbau, er blieb kurz an den Familienbildern stehen und hörte dann von weitem etwas zerbrechen. Er überlegte kurz, dachte an die Soldaten, und lief weiter in die Richtung, die Ihm Xilim gezeigt hatte. Er kam also dem Haupteingang des Hauses entgegen, welcher leicht aufstand.
„Ungewöhnlich.“, murmelte er und lief zur Tür. Auf dem Weg zu dieser Tür sah er draußen von weiten den Kleinbus, wovor eigentlich die Soldaten in Reihe stehen sollten, aber er erkannte nichts. Er öffnete die Eingangstür, um genauer zum Kleinbus zuschauen. Er erkannte, dass dort nur einer der Soldaten war, aber nicht mehr stehend.
„Was…?“, fragte er sich und schaute sich vorsichtig um.
Kein anderer Soldat war zusehen. Er dachte kurz nach und war sich der unsicheren Lage bewusst. Es war etwas faul hier. Fünf Robotersoldaten wurden unschädlich gemacht. Die Eingangstür zu Xilims Elternhaus war offen. Das Geräusch von zerbrochenem Etwas. Klar mussten Eindringlinge im Haus sein.
Stolz und sicher drehte sich Erik um und betrat das Haus wieder, öffnete die Eingangstür etwas mehr als zuvor. Als er ganz im Haus stand hörte er eine Stimme hinter der Tür hervorkommend: „Hallo Erik.“
Er drehte sich zu der Stimme und sah drei dunkle Gestalten vor sich.
„Brakakus?“, dann wurde Ihm ein Tuch vor die Nase gehalten und er konnte noch erkennen, wie Brakakus lächelnd Ihn auffing. Eriks Wahrnehmung verschwand etwas und er konnte nur noch sehen, dass Ihm Brakakus eine Art Tuch um den Kopf wickelte. Dann verlor er jedes Bewusstsein.
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