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PARKING ALLISON

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Summary

Allison steht auf Kriegsfuß mit dem Schwimmteam, nicht weil ihr Ex, Parker Fenton, Teil davon ist. Es ist etwas Anderes, dass sie an ihnen haßt. Ein Spiel, das zu Beginn eines jeden Semesters startet. Jeder vom Schwimmteam wirft den Namen eines Mädchens in den Pott, zusammen mit 1000 Dollar. Gewinner ist der, der sein gezogenes Los am schnellsten ins Bett bekommt. Niemand weiß, wer die Namen sind, noch ob die Mädchen, die sie im Arm halten, Teil dieses ekelhaften Spiels sind. Herausfinden tut man es nur, wenn der eigene Name plötzlich im Pott landet. Parker Fenton ist Captain des Schwimmteams und macht sich keine Gedanken um das Spiel, dass sein Team jedes Jahr spielt. An Mädchen mangelt es ihm nicht und sein Interesse ist relativ gering ernsthaft mitzuspielen, bis er Allison's Namen zieht. Die Schwester seines besten Kumpels Mitchell und seine Ex. *** Denkt ihr, dass Schwimmer ruhig ihre Bahnen ziehen? Ich nicht. Unter der Wasseroberfläche ist lange nicht alles so ruhig, wie man denkt ;-)

Genre:
Romance / Drama
Author:
CHARLIE PETER
Status:
Complete
Chapters:
41
Rating:
5.0 7 reviews
Age Rating:
18+

Augustapfelsaft

ALLISON

Sie schlugen sich schon über eine halbe Stunde. Immer wieder wirbelten ihre Körper über den kleinen Rasen in unserem Vorgarten. Eigentlich war es kein Garten und kein Rasen. Es waren fünf mal zehn Meter Dreck, mit ein paar dünnen gelben Grashalmen, da dieser Sommer wenig Regen gebracht hatte.

Keiner von Beiden schien nachgeben zu wollen und mich interessierte, was dieses Mal der Grund war, weswegen sich mein Bruder Mitch schlug. Er war viel kräftiger, als der schmächtige Junge, mit dem er sich prügelte. Wie ich meinen Bruder kannte, hatte er es sicher nicht verdient.

Mittlerweile hatte Mitch eine Platzwunde über dem rechten Auge und seine blonden Haare waren schweißnass und verklebt mit Erde. Seine Knie waren aufgeschlagen und mit Dreck beschmiert, genauso, wie T-Shirt und Hose.

Sein Opfer sah nicht besser aus. Seine haselnussbraunen Haare waren lang und gelockt und ich konnte sein Gesicht nicht erkennen. Jedoch war ich mir sicher, dass ich ihn noch nie gesehen hatte. Alleine diese großen, langen Locken wären mir im Gedächtnis geblieben.

Er war meinem Bruder definitiv unterlegen und ich fragte mich, wie lange das noch gut gehen würde. Ich sollte Mitleid mit ihm haben, doch ich hatte Keines. Ich wußte, mein Bruder würde sofort aufhören, wenn er darum anflehen würde. Stolz mussten sie untereinander klären.

“Was meinst du? Sollen wir einschreiten?“, fragte mich meine Tante Marie gelassen und gab mir etwas von dem noch warmen Augustapfelsaft, den sie gerade gemacht hatte. Ich nahm ihr den Becher aus der Hand und schaute auf den kleinen Baum, an dem wir die Äpfel heute Morgen abgenommen hatten. Es war die einzige Pflanze, oder Baum, der nie müde wurde zu wachsen und zu gedeihen.

Seine Frucht war zu mehlig, wenn sie süß war und zu sauer, wenn man in die Frucht noch kräftig hineinbeißen konnte. Er war wie das Leben, nicht perfekt, man musste etwas daraus machen.

Mitchell schlug sich mittlerweile mit Jedem, der ihn schief ansah oder ein dummes Kommentar über unsere Eltern abließ. Manchmal reichte ein gehäßiges Lachen schon aus, dass er durchdrehte.

Unsere Eltern hatten den Sorgerechtsstreit mit Tante Marie zum Glück verloren. Sie hatten uns wiederholt tagelang alleine gelassen, um ihrer Arbeit nachzugehen, wie sie sagte. Fakt war, das sie sich selbst aus dem Weg gingen und nicht darüber sprachen, wer wann auf uns aufpassen sollte.

Alleine war nicht, dass sie nicht irgendwann spät Abends nach Hause kamen. Sie waren nie da, wenn wir wach waren, noch wenn wir ins Bett gingen. Essen waren wir oft mein Tante Marie und hatten uns lange nicht getraut, etwas zu sagen.

Es war erst aufgefallen, als sie einige Termine in der Schule wegen Mitch’s Prügeleien verpassten und das Jugendamt unangekündigt vorbeikam zu Uhrzeiten, an denen man erwarten würde, dass zwölfjährige nicht alleine sein würden. Beim ersten Mal hatten sie eine Ausrede noch akzeptiert, doch sie blieben hartnäckig, bis es nicht mehr zu verheimlichen war.

Tante Marie hat die Reißleine gezogen, wofür ich mehr als Dankbar war. Sie war die Schwester meiner Mutter und hatte uns eines Abends geholt. Da sie selbst als Sozialarbeiterin tätig war, wußte sie zu unserem Glück, was zu tun war.

Ich fragte mich, was der unbekannte Tropf angestellt hatte, ebenso, was ihn hierher trieb, dass sie sich hier prügeln mussten. Sie rollten mittlerweile langsamer durch den Dreck, doch noch nicht langsam genug, dass es in der nächsten halben Stunde aufhören würde.

“Wer ist das?“, fragte ich sie. Ich hatte diesen Jungen noch nie gesehen.

“Sein Name ist Parker Fenton. Er wohnt seit einer Woche bei den Kellers, nebenan.” Tante Marie warf mir einen nachdenklichen Blick zu. Die Kellers hatten keine Kinder, doch sie nahmen immer mal wieder ältere Pflegekinder auf, um ihnen eine Zukunft zu ermöglichen.

Die letzen Zwei, die ich kannte, waren vor ein paar Monaten ausgezogen. Sie hatten irgendwo eine Ausbildung begonnen und Marie erzählte mir, dass sie sie immer noch finanziell unterstützten. Er sollte froh sein, dass er die Kellers hatte, wenn er von ihn aufgenommen wurde und sich nicht in der ersten Woche gleich alles kaputt machen.

“Was ist Mitch’s Problem?“, fragte ich mürrisch. Es war eigentlich immer Mitch, der Streit anfing.

“Ich weiß nicht. Aber wir tragen so keine Meinungsverschiedenheiten aus”, antwortete meine Tante entschlossen und nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas Apfelsaft.

“Tun wir nicht”, stimmte ich zu.

Tante Marie war am Wochenende Rettungsschwimmerin im örtlichen Schwimmbad und nahm uns jedes Mal mit. Seit ließ sie Mitch jedes Mal schwimmen, wenn er sich daneben benahm. Mittlerweile war das ein bis zweimal pro Woche. Am Anfang waren es nur fünf Bahnen, die er schwimmen musste.

Da er sich regelmäßig prügelte, wurde er schnell besser, wir sind mittlerweile schon bei zehn Bahnen. Ich schwamm aus Spaß mit ihm immer mit. Da ich meine Kraft vorher nicht in einer Prügelei verschwendet hatte, konnte ich ihn oft noch schlagen.

Am Ende war mein Bruder zu erschöpft, um mit Tante Marie noch zu diskutieren und entschuldigte sich kleinlaut. Sogar bei mir, weil ich ihn nie verurteilte, sondern mit ihm am Abend da saß und ihm zuhörte, was ihm auf der Seele lag.

Er versprach jedes Mal Besserung und ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ich war dankbar dafür, dass es nur Raufereien waren und er noch nie jemanden ernsthaft verletzt hatte. Doch langsam wurde er stärker und es nur noch eine Frage der Zeit, bis das böse endete.

Ich sah auf den schlaksigen Jungen mit den haselnussbraunen Haaren. Er lag jetzt unter Mitch und seine Locken, die viel zu lang waren, gaben endlich einen Blick auf sein Gesicht preis.

Seine Lippe war aufgeplatzt und seine geschwollene, linke Wange färbte sich schon rosa. Selbst in diesem Zustand war es faszinierend, dass er noch so glücklich über seine ausweglose Situation schien. Er sah mich siegessicher an und ich musste nun doch schmunzeln.

Sein Kinn war aufgeschürft und seine Arme drückten sich gegen Mitch’s Schultern, als wenn er ihn davon abhalten wollte, ihm die Sicht auf mich zu verdecken. In seinen Augen funkelte so viel Kampfgeist, dass er noch lange nicht bereit war aufzugeben.

“Der hat noch Kraft”, murmelte ich und zeigte auf den Parker Jungen.

“Leider Beide”, stimmte mir Tante Marie zu. “Ich hol die Handtücher. Willst du ihnen sagen, was sie erwartet?” Ich nickte und ging grinsend auf die Beiden zu. Dicht neben ihren Köpfen blieb ich stehen.

Es dauerte einen Moment, bis sie aufhörten und zu mir aufblickten. Ich hörte Mitch schnaufen und sah ihn seinen Kopf schüttelnd heben.

“Nicht schon wieder”, murmelte er und verpasste Parker noch einen Seitenhieb in die Rippen. Der zuckte zwar ein wenig, doch wehrte sich nicht mehr gegen ihn.

Mitch rollte sich von ihm und legte sich auf seinen Rücken. Er krümmte sich ein wenig und bewegte nacheinander seine Gliedmaßen, als wenn er testete, ob sie noch funktionierten. Ihm ging es augenscheinlich gut und ich schaute wieder zu unserem neuen Nachbarn.

Er legte seinen Kopf neben meinen Füßen in den Sand und funkelte mich mit seinen grünen Augen an. Sie waren so grün, wie das Gras, das um seinen Kopf hätte wachsen sollen. Er fuhr sich mit seiner großen Hand über sein Gesicht und zuckte kurz, als er seine Schürfwunden an der Wange berührte.

Er ließ seine Hand dennoch über seinen geschlossenen Augen und klopfte mit der anderen Hand gegen meine Waden. Erst war ich irritiert, was diese Geste sollten, dann trat ich schnell einen Schritt zurück. Ich hatte nur einen Jeans-Rock an und warf ihm trotz seiner galanten Art einen bösen Blick zu.

Vielleicht hätte ich ihm eher dankbar sein sollen, dass er mich darauf aufmerksam machte. Als mein Schatten aus seinem Gesicht verschwand, ließ er seine Hand von seinem Gesicht fallen. Sein Grinsen wurde nur noch größer und ich wünschte mir, dass Mitch ihm noch eine verpassen würde.

“Wir klären das im Becken”, sagte ich trocken und sah zu meinem Bruder. Ich streifte mir über meinen Rock und wenn ich mich selbst nicht in diese Situation gebracht hätte, hätte ich Mitch noch angespornt, ihm eine zu verpassen. Mein Bruder schüttelte nur seinen Kopf, wußte aber auch, dass er gegen Tante Marie’s Regeln nichts auszurichten hatte.

“Nicht schon wieder, Allie”, brummte Mitch und raffte sich auf. Er klopfte sich seine Shorts ab, was nichts brachte und reichte Parker eine Hand. Zu meiner Überraschung nahm er sie sofort und ließ sich von ihm hoch. Als er sich aufrichtete war er größer als ich vermutetet hatte, ebenso noch dünner und schlaksiger.

Er schüttelte sich den Dreck aus seinen Haaren und fühlte nach der Platzwunde an seiner Lippe. Das waren volle Lippen und nicht nur weil sie durch Mitch’s Schlag geschwollen war.

“Du weißt, wie es läuft”, murmelte ich und betrachtete den langen, dünnen Körper von Parker. Eigentlich war er wie für’s Schwimmen gemacht und diese Lippen zum Küssen.

“Kannst du schwimmen?“, fragte Mitch ihn so beiläufig, als hätten sie sich eben nicht geschlagen.

Etwas irritiert zog er sich sein ausgewaschenes Shirt zurecht, welches er heute Abend wohl wegschmeissen müsste. Es war an einigen Stellen zerrissen und war dazu ohnehin viel zu kurz für seine Größe.

Parker strich sich seine haselnussbraunen Locken aus dem Gesicht und sein Gesicht gab für eine Sekunde das volle Ausmaß der Auseinandersetzung preis. Seine langen Locken hatten jedoch ein Eigenleben und verbargen sofort die Hälfte wieder davon. Sie hingen ihm zum Teil auf seinen Schultern, teils um seine Ohren, teils über seiner Stirn, als würde er sie sich selbst schneiden.

Die dunkelbraunen Strähnen, waren an einigen Stellen von der Sonne gebleicht und spielten mit seiner sonnengebräunten Haut. Ich vermutete, dass sie selbst im Winter einen gesunden Farbton behielt, ganz im Gegensatz zu mir.

Einige Strähnen hingen ihm über seinen Augen, andere klebten an seinen Wimpern, andere an seinen Ohren. Der Dreck in seinen Haaren machte sie nicht unattraktiver. Ich selbst und einige meiner Freundinnen würden sterben für solche Haare, wenn auch einen besseren Friseur diese Pracht finden würden.

Ich war so fasziniert von seinen Haaren, dass ich fast nicht bemerkt hätte, dass Mitch mit ihm jetzt vor mir stand. Es war selten, dass außer Mitch jemand größer war als ich und es hatte etwas ungemein Faszinierendes.

“Klar kann ich schwimmen”, zwinkerte er und schaute mit einem breiten Grinsen auf mich herab. Ich sah auf eine große Zahnlücke zwischen seinen Schneidezähnen, ansonsten waren alle perfekt weiß, grade und gepflegt. Wie konnten ein schlechter Haarschnitt und eine Zahnlücke so interessant sein.

Seine dicken schwarzen Wimpern versuchten nicht einmal das Leuchten in seinen Augen zu verbergen. Erst als Mitch ihn mit der Schulter zur Seite schubste, wendete er seinen Blick überrascht zu ihm. Das leise Kichern, was danach kam, bedachte mein Bruder nur mit einem bösen Blick.

“Freust du dich auf’s Schwimmen? Wir reden hier nicht von einer Bahn”, sagte Mitch abfällig.

“Nein, aber auf die Gesellschaft deiner Schwester.” Er beachtete Mitch gar nicht mehr, der sich hinter ihm räusperte. Seine Augen lagen auf mir und wenn ich es nicht besser wüßte, hätte ich geglaubt, er versuchte mit mir zu flirten.

“Gut. Wir gehen jetzt schwimmen und du kommst mit”, sagte ich und Tante Marie tauchte hinter uns mit drei Handtüchern auf.

“Warum?” Er war sichtlich neugierig und sah Tante Marie neugierig an. Seine grünen Augen schmunzelten amüsiert und ich war mir sicher, dass es in einer Stunde grüne, müde Augen sein würden. Wahrscheinlich würden sie dann nicht mehr so aufgeweckt sein.

“Wir prügeln uns nicht bis zur Erschöpfung. Wir schwimmen, um unsere überflüssige Energie loszuwerden und das Essen für heute Abend ist auch schon fertig. Du bist eingeladen, wenn du zwischendurch nicht absaufen tust”, antwortete ihm meine Tante lachend. Die Neugier in seinen Augen war aufregend zu beobachten. Ich wußte nicht, was ihn an dem reizte, was meine Tante eben gesagt hatte, doch sie wurde noch größer.

“Dann hole ich schnell meine Shorts”, lachte er und und seine angeschlagene Lippe platzte auf. Das Blut lief ihm über das Kinn und verlegen wischte er es mit seinem T-Shirt von der Lippe.

“Komm, du kannst auch in den Dingern schwimmen.” Mitch schlug ihm auf die Schulter und gestikulierte auf sich selbst. Der arme Kerl wußte nicht, dass Mitch eine Boardshorts anhatte und seine ihn nur am schnell Schwimmen hindern würde.

“Ich denke, das wird zum ersten Mal interessant”, flüsterte meine Tante und wir folgten den ihnen ins Schwimmbad. Was auch immer zwischen den Beiden stand, es schien verflogen. Sie lachten und unterhielten sich auf dem Weg, als würden sie sich schon ewig kennen. Ich hätte gerne aufgeschlossen, doch dafür hätte ich Marie alleine lassen müssen. Sie tat, im Gegensatz zu mir, was sich gehörte. Doch ich wollte so gerne lauschen.

Marie ließ mich meine Streits mit Mitch immer im Schwimmbad austragen und am Ende waren wir so erschöpft, dass wir nicht mehr dazu in der Lage waren, auch nur ein Wort zu wechseln. Es war das erste Mal, dass wir sie es Jemand anderem vorschlug. Nun, heute war auch das erste Mal, dass er sich in Marie’s Vorgarten mit jemandem schlug.

Mitch winkte am Einlass und wir gingen an den anderen wartenden Gästen vorbei. Es war nicht, weil Marie hier arbeitete, sondern weil wir auch eine Jahreskarte besaßen. Naja, vielleicht ein bisschen von beidem. Da sie hier auf freiwilliger Basis im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Wasserwacht arbeitete, hatte ich nicht wirklich ein schlechtes Gewissen, dieses Privileg zu genießen.

Mitch und Parker gingen ohne zu zögern auf das Becken. Sie scherzten und schubsten sich, als würden sie sich schon jahrelang gut verstehen. Ich wünschte mir so sehr zu verstehen, was da vor sich ging.

“Sie haben sich doch eben noch geprügelt”, flüsterte ich zu meiner Tante.

“Das weiß ich auch.”

“Und, worum ging es?” Es interessierte mich brennend, ich war gewillt mit zu schwimmen, um es zu erfahren.

“Wir werden es erfahren”, entgegnete sie gelassen.

“Weißt du was?”

“Nein.” Genervt setzte ich mich auf einen Startblock, als die zwei ihre Positionen einnahmen. Von Mitch hatte ich nichts anders erwartet. Ich fragte mich, ob Parker ihn einfach imitierte oder wußte, was er tat.

Marie stiess einen Pfiff aus und die Zwei glitten zeitgleich ins Wasser. Entweder war Parker talentiert oder wußte genau, was er tat.

“Interessant”, murmelte ich.

“Da sagst du was”, antwortete meine Tante.

Wir zwei sahen den Zweien beeindruckt hinterher, wie sie ins Becken tauchten, aufstiegen und ihre Arme ins Wasser schlugen. Noch bevor ich etwas zu Marie sagte, hatten sie das Ende der Bahn erreicht und wendeten. Sie schwammen auf uns schneller zu, als ich es bislang von Mitch gewohnt war.

“Mitch ist schneller heute”, murmelte ich und sah die Beiden zu meinen Füßen wenden. Marie trat hinter mich und legte eine Hand auf meine Schulter. Ähnlich wie Mitch, biss sich der Parker-Junge mit Übermut die ersten Bahnen durch.

Ich saß mittlerweile am Beckenrand und ließ meine Beine ins Becken baumeln. Marie lehnte gegen den Startblock und verfolgte alles genauso gespannt, wie ich.

Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, als Parker anstatt zu wenden, kurz auftauchte und mich verschmitzt angrinste. Er sah nicht so aus, dass sein dünner Körper ihn noch eine Bahn schwimmen ließ.

“Du gibst auf?“, frage ich ihn und spritzte ihm ein wenig Wasser ins Gesicht. Sein Lächeln wich dem Kampfgeist in seinem Gesicht. Er stieß sich ab und ich wußte, er hatte seine Chance vertan. Er war gute zehn Meter hinter Mitch. Dennoch holte er mehr aus seinem Körper heraus, als ich erwartet hatte.

“Siehst du das?“, fragte Marie.

“Was meinst du?”

“Er ist ein Schwimmer. Er ist perfekt für Mitch.”

“Was meinst du?“, fragte ich noch einmal, weil ich nicht wußte, worauf meine Tante hinaus wollte.

“Ich habe Mitch noch nie so schnell schwimmen sehen und Parker macht sogar Strecke gut.” Ich hielt mich am Beckenrand fest und sah auf meine Beine, die im Wasser baumelten. Die zwei wendeten erneut und Mitch lag nur nur noch gute vier Meter vorn. Parker holte immer mehr auf und Marie und ich kippten fast ins Becken, um besser zu sehen, was im Wasser passierte.

Ich dachte, dass es jetzt genug wäre, doch Mitch schwamm weiter, ebenso wie Parker. Die nächsten Bahnen, die sie zogen, wurde meine Tante das erste Mal nervös. Es sah wirklich so aus, als würde sie jeden Moment eingreifen.

“Ich weiß nicht”, murmelte sie. Wir sahen, wie sie sich im Schneckentempo zum gegenüberliegenden Beckenrand durchschleppten und in langen, kraftlosen Schlägen zurück zu uns an den Beckenrand kraulten.

“Spring hinein”, rief Marie mir zu, als sie noch gute fünf Meter von uns entfernt waren.

“Was?“, fragte ich entgeistert.

Sie schwang ihren Arm mit einem langen Zeigefinger und ich tat, was sie mir gesagt hatte. Mein Shirt zog sich voll Wasser und wollte sofort an die Oberfläche, während der Jeansrock das Gegenteil tat.

Neben mir spritze das Wasser auf und ich hörte meinen Bruder sofort meinen Namen fluchen.

“Allison, wir sind noch nicht fertig”, keuchte er.

“Nicht meine Entscheidung.”

“Allison, also”, hörte ich neben mir Parker gluckern und sah ihn um mich herum schwimmen. Er tauchte immer wieder auf und unter. Ich drehte mich immer wieder in die Richtung, in der er vor mir spielerisch auftauchte, bis seine leuchtend grünen Augen total erschöpft an der Wasseroberfläche blieben.

Seine Locken hingen ihm platt am Hinterkopf und er konnte sich kaum mehr über dem Wasser halten. Ich schwamm etwas näher zu ihm und er spuckte immer wieder Wasser.

“Allison Cooper”, stellte ich mich vor. Er neigte seinen Kopf und das zauberhafteste Lächeln, dass ich je gesehen hatte erschien auf seinem Gesicht. Dann zog er an meiner Hand, die ich ihm reichte und ich hatte Mühe nicht unterzugehen.

“Allie, raus”, hörte ich Mitch hinter mir motzen. Ich entriss Parker meine Hand schlug gegen das Wasser, so dass Parker sich an dem kleinen Schwall verschluckte. Wütend schwamm ich an ihm vorbei und zog mich schnell über den Beckenrand aus dem Wasser. Ich griff nach dem Handtuch, das Marie mir hinhielt und trocknete mich ab.

“Zeit für eine ordentliche Mahlzeit und eine Erklärung, was das sollte.” Aus den Augenwinkeln sah ich wie Marie den Beiden ein Handtuch hinhielt und sie lachend den Kopf schüttelte.

Mitch ließ stöhnend seinen Kopf auf den Beckenrand fallen und verharrte für einen Augenblick, bis er sich aus dem Wasser zog.

“Coop, ich wollte dich fragen, ob du mit mir ein Eisessen gehst?” Parker schwamm immer noch Kreise im Wasser wie ein kleiner, dünner Delphin.

“Ich sagte dir schon, das wird sie nicht”, hörte ich meinen Bruder neben mir schimpfen. Das war der Grund? Deswegen haben sie sich geschlagen? Ich wußte gerade nicht, was ich sagen soll.

***

“Also, Coop. Was machen wir als nächstes?” Parker aß sein Eis, als wäre es ein Apfel, während meines schon in meiner Hand schmolz. Was sollte das mit dem Spitznamen für mich und warum sprach er ihn aus, als hätte er es schon hundert Mal getan?

“Mitch und Marie warten sicherlich auf mich.”

Nachdem er mit zu uns zum Abendessen gegessen hatte und allerhand von sich erzählt hatte, bestand er auf seine Einladung zum Eisessen. Es war nur schwer seinem Charme zu widerstehen und meine Tante und Mitch hatten es schon nach der ersten Stunde aufgegeben.

Tante Marie, als er den Augustapfelsaft lobte und Mitch, als er ihm Löcher über das Schwimmen in den Bauch fragte.

“Gut, dann gehen wir nach Hause”, zuckte Parker unbeeindruckt mit den Schultern. “Es ist ja nicht so, dass ich dich morgen nicht sehen werde”, zwinkerte er mir zu.

“Warum habt ihr euch geschlagen?” Es nagte ein wenig an mir, dass ich es nicht wußte, obwohl ich wahrscheinlich um mich ging.

“Wann bist du sie los?” Er griff nach meinem Eis und aß es in wenigen Bissen auf, ohne mir zu antworten. Sollte man ein Eis nicht lecken, schlecken oder wenigstens genießen?

“Was meinst du?” Ich wischte mir den Rest Eis an meinen Fingern galant an meinem Rock ab. Er war immer noch nass und es funktionierte, was soll’s.

“Du drehst dich schon die ganze Zeit von mir weg. Ist es wegen dem häßlichen Ding in deinem Mund?” Wäre meine Zahnspange lose gewesen, ich hätte sie sicherlich verschluckt, so stark musste ich husten.

Ich hatte versucht, ihn nie direkt anzusehen, wenn ich sprach, ebenso als ich von meinem Eis aß. Meine Zähne waren eine Katastrophe und ich zeigte sie niemandem gerne. Mein Ehemann wird mich so nicht sehen, hat Marie immer gesagt, als sie mir das Ding verpasste.

“In einem Jahr”, räusperte ich mich.

“Das halte ich aus”, antwortete er unbeeindruckt.

“Was meinst du?” War das die einzige Frage, die ich stellen konnte? Ich ohrfeigte mich innerlich für meinen Mangel an Worten.

Parker grinste und entblösste eine perfekt, weiße Zahnreihe. Ich drehte mich einfach weg, peinlicher konnte es nicht mehr werden.

“Parker, lass gut sein.” Zum Glück waren wir jetzt fast Zuhause. Dieses Date, Eisessen, was auch immer es war, verwandelte sich gerade in einen Alptraum. “Schaust du dir gerade meine Zahnspange an?“, entrüstet blieb ich stehen.

Parker’s Körper versteifte sich und wurde noch ein paar Zentimeter größer, als er sich zu mir umdrehte. Er legte eine Hand auf meine Wange und fächerte seine Finger über sie. Er versank völlig in seinen Gedanken und strich mir mit seinem Daumen über die Unterlippe. Es war, als hätte mich ein Schmetterling gestreift.

“Es ist nur ein Jahr”, murmelte er.

“Wovon redest du?”

“Das ich dich liebend gern küssen würde. Geht das mit dem Ding?”


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A/N:

Wer denkt, dass Schwimmer ruhig ihre Bahnen ziehen? Ich nicht. Unter der Wasseroberfläche ist lange nicht alles so ruhig, wie es scheint ;-)

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