Kapitel 1 – Tief ins Herz getroffen
Janet Stanmore
Ich lief am Straßenrand entlang und hielt meine Hand vor das Gesicht, um die Sonnenstrahlen abzuschirmen. Der Himmel war heute extrem hell, aber mein Körper wollte einfach nicht mitspielen. Seit letzter Nacht fühlte ich mich mies, aber ich zwang mich immer zur Arbeit, damit ich meine Familie über Wasser halten konnte. Mir war schwindelig und ich hatte Fieber.
Ich sah auf meine Uhr und stellte fest, dass es schon 07:12 Uhr war. Ich rannte mit meiner letzten Kraft zu dem Restaurant, in dem ich arbeitete.
„Janet, du bist fast zu spät!“, sagte mein Manager Tony. Ich nickte nur kurz und ging nach hinten, um mich umzuziehen.
Ich arbeite im Colton Restaurant. Es ist ein wirklich berühmtes und teures Lokal. Es ist immer voller bekannter Leute – Schauspieler, Schriftsteller und viele mehr. Ich habe sogar einmal Chris Evans getroffen!
Ich flitzte nach draußen, schnappte mir das Notizbuch und den Stift und machte mich bereit, die Gäste zu bedienen. Als ich ein Paar reinkommen sah, ging ich auf sie zu und setzte ein Lächeln auf mein blasses, krankes Gesicht.
„Guten Morgen. Hier ist die Speisekarte. Sagen Sie einfach Bescheid, wenn Sie bereit sind, zu bestellen.“ Ich lächelte, und sie nickten mir zu.
Ich ging zurück und wartete auf ihre Bestellung. Ich nahm ein Glas, goss Wasser ein und trank es, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich weiß, es ist nur Wasser, aber es tat meinem Hals gut.
Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit. Ich mache immer weiter, bis ich am Ende bin. Ich muss meinem kleinen Bruder helfen, seine Träume zu verwirklichen, und die Arztrechnungen bezahlen, um meinen Vater am Leben zu halten. Ich habe einen riesigen Berg an Verantwortung auf meinen Schultern.
Ich habe immer davon geträumt, eine Prinzessin zu sein, das Geld einfach zu genießen, glücklich zu sein, durch die Welt zu reisen, mir alles zu kaufen, was ich will, und im Ausland zu studieren. Doch mein Leben ist das genaue Gegenteil. Ich bin keine Prinzessin. Ich war nie an einer Uni, ich habe mir den Arsch aufgerissen und New York nie verlassen. Ich verdiene zwar ein bisschen Geld mit meinem Blog, aber das reicht nicht, wenn man in so einer verdammt teuren Stadt lebt.
Ich habe vor vier Jahren mit dem Bloggen angefangen. Es geht um Lifestyle, Tipps, Mode und so weiter. Es ist ein kunterbunter Blog und ich habe etwa 1,5 Millionen Follower. Das Interessante daran ist: Ich gebe in der Blog-Welt nie meine Identität preis. Niemand weiß, wer ich bin.
Buchstäblich niemand … Außer mir und GOTT.
Ich halte es von Anfang an geheim, weil ich kein Rampenlicht mag und zu schüchtern bin, der Welt mein Gesicht zu zeigen. In der Blog-Welt nenne ich mich RED HEART. Warum ich diesen Namen gewählt habe? Nun, das Herz ist ein Organ, das dich am Leben erhält, und ich bin genau dieses Organ für meine Familie.
Seit meine Mutter gestorben ist, ist alles aus dem Ruder gelaufen. Mein Vater ist auch nicht mehr derselbe. Er wirkte völlig leblos, bis er eines Tages auf dem Weg zur Arbeit zusammenbrach. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, und der Arzt sagte, sein Herz sei schwach und einige Gefäße würden nicht mehr richtig funktionieren.
Er wollte die Nachricht nicht wahrhaben und versuchte zu beweisen, dass er gesund genug war, aber das führte nur dazu, dass er wieder ohnmächtig wurde. Sein Zustand besserte sich nicht, und er fiel ins Koma.
Ich weiß, es macht mich traurig, so durchs Leben zu gehen. Kann ich mir nicht wünschen, dass ein Märchenprinz kommt und mich rettet?
Was für ein bescheuerter Wunsch, Janet, einfach nur dumm.
„Janet, nimm Tisch 7.“ Sarah stupste mich an, und ich nickte. Ich ging zu Tisch 7 und fand vier bekannte Milliardäre vor, bei deren Anblick Mädchen normalerweise die Knie schlottern. Es waren Sebastian Cesborn, Alexander North, Sky Locason und Max Cesantio. Ich schluckte nervös, reichte ihnen die Karte und wartete darauf, dass sie bestellten.
„Pilzsuppe und gegrillten Fisch mit der Colton-Geheimsoße“, sagte Alexander North, und ich schrieb es hastig auf.
„Tenderloin Steak, das Premium-Stück.“ Mein Kopf dröhnte plötzlich, aber ich notierte die Bestellung weiter.
„Doppel-Cheeseburger mit Zwiebelringen“, sagte Sky.
„Mach das Tenderloin Steak zweimal, mit Kartoffelbrei dazu“, sagte Max.
„Okay, darf ich die Karte wieder haben?“, fragte ich, aber sie ignorierten mich alle. Sie waren mit ihren Handys beschäftigt, also nahm ich die Karte einfach mit. Oh! Ich hatte vergessen, nach den Getränken zu fragen. Ich legte die Karte erst mal an den Tresen und ging mit einer Getränkekarte in der Hand zurück.
„Entschuldigung, meine Herren, was darf ich Ihnen zu trinken bringen?“, fragte ich höflich.
„Wollt ihr Bier?“, fragte Max die anderen.
„Klar“, antwortete Sky, und die anderen nickten.
„Alles klar, vier Bier.“ Ich nickte und entfernte mich höflich. Ich gab die Bestellungen durch. Die Getränke waren zuerst fertig, und ich brachte die vier Gläser Bier an den Tisch.
Plötzlich wurden meine Augen unscharf und mir wurde schwindelig. Es fühlte sich an, als würde die Zeit langsamer vergehen. Ich stolperte über einen Stuhl und verschüttete das ganze Bier über den Tisch der Milliardäre.
Das Schlimmste daran: Alles landete auf Sky Locasons Platz.
Es wirkte wie in Zeitlupe, aber als Sky Locason aufsprang und anfing zu fluchen, war die Realität schlagartig zurück.
„Verfickt noch mal“, fluchte er. Ich stand schnell auf und räumte die Gläser ab.
„Was ist denn hier los?“, fragte mein Manager Tony. Ich senkte den Kopf.
„Bist du eigentlich bescheuert?“
„Mr. Locason, es tut mir schrecklich leid wegen des Verhaltens meiner Mitarbeiterin. Wir …“
„Feuern Sie sie! Ihre Aufgabe war so simpel, aber sie hat alles über meinen Anzug und den Tisch gekippt“, sagte er wütend. Mein Kopf pochte, aber ich konnte jedes einzelne Wort verstehen, das aus seinem Mund kam.
Seine Worte trafen mich tief, es tat wirklich weh. Er ließ kein gutes Haar an mir und beschwerte sich bei meinem Manager. Ich sah, wie seine Freunde mich mitleidig ansahen. Ich verbeugte mich vor ihm.
„Es tut mir leid, Sir, ich war …“
„Komm mir nicht mit so einer Bullshit-Ausrede, Janet!“ Oh, er kannte also mein Namensschild. Ich hielt den Kopf gesenkt, bis er das sagte …
„Ein Mädchen wie du wird immer ganz unten stehen. Dein Job ist es nur, Leute zu bedienen, aber du hast sie enttäuscht.“ Er schüttete den Rest vom Bier grob in mein Gesicht. Meine Augen waren voller Tränen, aber ich blieb still.
„Es tut mir leid, Sir.“
„Feuern Sie sie!“, sagte Sky zu meinem Manager.
„Schlampe.“ Das war das Wort, das er sagte, bevor er den Tisch verließ. Seine Freunde folgten ihm, aber plötzlich klopfte mir jemand auf die Schulter.
„Beachte ihn nicht“, sagte Alexander North, klopfte mir auf die Schulter und ging hinaus.
Schlampe.
Dieses Wort hat mich tief in meinem Herzen getroffen. Noch nie hat jemand so etwas zu mir gesagt. Es tut so weh, wie er mich vor dem ganzen Restaurant beschimpft und verspottet hat. Ich gebe ja zu, dass ich einen Fehler gemacht habe, als ich das Bier verschüttet habe, aber muss er so mit mir reden?
Fick dich, Sky Locason.