Wenn der Donner grollt | Natural Disaster #1

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Zusammenfassung

Enemies to friends to lovers, forced proximity, forbidden romance, slow burn. Mit Federico Acosta in einem Flugzeug und während eines Zwischenstopps festzustecken, sollte für Allegra die Definition der Hölle sein. Sie hasst Flugzeuge, aber sie hasst Federico noch viel mehr. Doch es kommt völlig unerwartet: Federico lenkt sie während des Fluges ab und ist beim Zwischenstopp ein wahrer Charmeur. Sie sollte ihn nicht wiedersehen wollen oder Zeit mit ihm verbringen. Sie sollte ihn verachten. Aber sie kann es nicht. Sie will ihn. Zu dumm, dass sie ihn nicht haben kann. Schließlich ist Federico Acosta der Ex-Freund ihrer Zwillingsschwester und der einzige Mann, den ihre Schwester jemals geliebt hat. Warnung: Diese Geschichte richtet sich aufgrund der derben Sprache und sexuellen Inhalte an ein erwachsenes Publikum (+18). Dies ist der erste Band der Natural Disaster-Reihe.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
48
Rating
5.0 11 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Das Flugzeug war voll, und Ally verabscheute es.

An Flugzeugen und Flügen gab es eine Menge zu hassen. Sie hasste die Schlangen bei jedem Schritt, vom Check-in-Schalter über die Sicherheitskontrolle bis zum Einstieg. Es waren überall endlose Menschenmassen, die nur warteten. Sie hasste es, von einer Seite des Flughafens zur anderen zu rennen, während ihr Herz raste und sie ein Handgepäckstück mit sich schleppte, das für normale Standards wahrscheinlich zu schwer war. Sie hasste den Lärm und die Hektik.

Aber was sie beim Fliegen am meisten verabscheute, war, in dieses Metallteil einzusteigen und zu beten, dass es nicht abstürzt. Es kam ihr vor, als würde man sein eigenes Todesurteil unterschreiben.

Das war keine irrationale Angst. Sicher, sie war noch nie in einen Flugzeugabsturz oder einen ähnlichen Unfall verwickelt gewesen. Aber Flugzeuge stürzten oft genug ab, man konnte es ja in den Nachrichten sehen. Es geschah nicht oft genug, um als extrem gefährlich zu gelten, aber oft genug, um in ihr Angst auszulösen.

Was konnte sie tun, um ihr Leben zu retten, während sie über 4.500 Meter über dem Boden flog? Nichts. Nur sich mit ihrem drohenden Ende abfinden. Es könnte wehtun, oder – wenn sie Glück hatte – würde sie einen Herzinfarkt erleiden, während das Flugzeug in die Katastrophe stürzte.

Fliegen war weder körperlich noch geistig gut für ihre Gesundheit. Während des gesamten Fluges stellte sie sich verschiedene katastrophale Szenarien vor. Beim Rollen könnte das Heck des Flugzeugs auf den Boden aufschlagen und abreißen. Bei der Landung könnten die Räder versagen, oder der Pilot war ein Idiot und setzte die Maschine so auf, dass der Rumpf auf den Boden krachte.

Oh, und während des Fluges könnte ein leichtes Schwanken darauf hindeuten, dass die Maschine flugunfähig war und abstürzte. Zwei Flugzeuge könnten zusammenstoßen, weil eines von Wolken verdeckt war und keine klare Sicht hatte. Die Triebwerke könnten den Geist aufgeben. Oder der Treibstoff würde nicht ausreichen, um sie von Punkt A nach Punkt B zu bringen, und weit und breit wäre kein Hudson River zur Notlandung in Sicht.

Es gab unendlich viele Szenarien.

Und jedes einzelne endete mit einem Aufprall auf den Boden. Und das alles klang extrem schmerzhaft.

Ein kleines Schwanken oder Ruckeln während des Fluges ließ Allys Herz gefährlich schnell schlagen. Sie hatte sich schon Gedanken über die Folgen für ihre Gesundheit gemacht.

Als sie also das Flugzeug betrat und (schon wieder!) in der Schlange stand, glaubte sie, dies sei ein weiteres schreckliches Abenteuer. Die Tatsache, dass sie in kurzer Zeit noch einen weiteren Flug vor sich hatte, gefiel ihr überhaupt nicht.

Zwischenstopps waren für sie der Inbegriff von langgezogenem Schmerz. Aber sie waren immer noch besser, als sechs Stunden lang ununterbrochen panische Gedanken zu haben. Zumindest konnte sie sich während der Zwischenstopps irgendwie ablenken.

Allerdings glaubte sie nicht, dass ihr Flug noch schlimmer werden konnte. Nichts könnte diesen Flug zum schlechtesten aller Zeiten machen, außer natürlich, das Flugzeug würde abstürzen.

Oder scheinbar doch etwas anderes, an das sie nicht gedacht hatte.

Da das Flugzeug voll war, war es schwer, es auf den ersten Blick zu bemerken. Die Sitze waren mit verschiedenen Gesichtern belegt. Verschiedene Frisuren, verschiedene Augen, Formen und Farben. Es war, als würde man eine Nadel im Heuhaufen suchen.

Aber als Allys Blick über die Sitze glitt und nach den wenigen freien Plätzen suchte, sank ihr das Herz in die Hose.

Ihre Augen weiteten sich ein wenig und ihr Mund blieb offen stehen.

Sie musste ein paar Mal blinzeln, um sich zu vergewissern, dass er wirklich da war und kein Hirngespinst. Wobei, warum sollte sie überhaupt an ihn denken? Es schien unwahrscheinlich, also ja, er war tatsächlich da und saß neben einem freien Platz.

Fantastisch!

Allys Blutdruck stieg, als sich ihr die Kehle zuschnürte.

Hatte das Schicksal sie so sehr auf dem Kieker, dass ihr Sitz direkt neben seinem war? Ernsthaft? War das ein Witz? Ally hatte keine Ahnung, aber sie betete zu jedem, der ihr zuhören würde, dass ihr Sitz nicht der direkt neben ihm war.

Niemand hörte ihr zu, denn warum sollte man schon auf solch kleine Gebete hören, wenn es auf der Welt wichtigere Probleme gab, wie Hunger, Krankheit oder Krieg. Oder ein abstürzendes Flugzeug.

Während Ally den Gang entlangschlurfte, überlegte sie, ob sie umkehren und sagen sollte, dass sie lieber aussteigen wollte. Es war egal, was das nächste Ticket nach Hause kosten würde.

Aber als sie stehen blieb, räusperte sich die Person direkt hinter ihr und brummte: „Geht’s noch?“

Es ging ihr nicht, aber sie zwang ihre Beine weiterzugehen, während ihr Herz mit jedem Schritt schwerer wurde.

Er hatte sie noch nicht bemerkt. Er würde sie vielleicht gar nicht bemerken.

Sie senkte den Kopf und zählte beim Gehen die Reihen.

9… 10… 11…

12!

Sie sah auf und fluchte innerlich. Sie musste neben Federico Acosta sitzen.

Oh, wenn ihre Schwester Nina das erst erfahren würde, würde sie es nicht glauben.

Ally versuchte, so unauffällig wie möglich zu sein. Aber vielleicht hörte jemand ihre Gebete und entschied sich, sie zu bestrafen, anstatt ihr zu helfen; denn genau in diesem Moment hob Federico den Blick von seinem Handy und sah sie direkt an.

Bring mich jetzt um!

Aber kein Blitz schlug in das Flugzeug ein, um ihrem Leiden ein Ende zu setzen.

Nein, als sie schließlich beschloss, dass ein Absturz gar nicht so schmerzhaft wäre, hatte das Schicksal versagt.

Federicos grüne Augen weiteten sich, als er sie erkannte, und seine Mundwinkel zuckten zu einem kleinen Lächeln. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Ally griff zu Plan E – mittlerweile glaubte sie, es sei D. Sie hatte den Überblick verloren.

Ignorieren war also angesagt.

Sie wandte den Blick ab, griff nach ihrem zu schweren Handgepäck und versuchte, es hochzuwuchten. Sie hatte keinen Erfolg. Warum hatte sie gedacht, es sei eine gute Idee, für fünf Tage ein zusätzliches Outfit einzupacken? Sie hatte keine Ahnung. Es war ja nicht so, dass sie geplant hätte, ihre Kleidung absichtlich zu ruinieren oder sich dreimal am Tag in die Hose zu machen. Beim Packen, in ihrer Vorfreude darauf, ihre beste Freundin in Kalifornien zu besuchen, war es eine gute Idee gewesen. Jetzt, im Flugzeug, während sie mit ihrem Gepäck kämpfte, war es alles andere als das.

Federico bemerkte ihre Anstrengung. Ally war sicher, dass die Leute aus der ersten Reihe mitbekamen, wie schwer sie sich damit tat, ihr Handgepäck in das Fach über ihr zu schieben. Also stand er von seinem Gangplatz auf und schnappte sich ihre Tasche. Mit einer Hand (wie war das möglich? Ally hätte vor Ungerechtigkeit fast geweint) hob er ihr Gepäck hoch und platzierte es über seinem Sitz. Dann sah er zu ihr herunter und lächelte.

Ally presste die Lippen zusammen und atmete aus. Sie würde seine Existenz anerkennen müssen. Sie würde sich bei ihm bedanken müssen.

Ihre Lippen bildeten eine gerade Linie, als sie den Blick senkte, nickte und murmelte: „Danke.“

Sie schob sich an ihm vorbei und ließ sich auf ihren Mittelsitz fallen. Ihr Blick blieb starr geradeaus gerichtet, aber sie spürte, wie er sich zu ihr drehte und sie beobachtete. Seine Brauen zogen sich zusammen, als er sie studierte.

Als er eine Weile nichts sagte, glaubte sie, er hätte ihre kalte Schulter verstanden und würde sie in Ruhe lassen.

Dann sagte er: „Alles okay bei dir, Ally?“

Sie schloss die Augen und atmete aus. Ohne ihn anzusehen, brummte sie: „Ja.“

Seine Augen verengten sich, während er sie weiter musterte. „Sicher?“

Warum redete er immer noch mit ihr? „Ja“, antwortete sie wieder, ohne ihn anzusehen. Sie holte ihr Handy heraus, um ihm zu zeigen, dass sie in Ruhe gelassen werden wollte.

Er ließ sie nicht in Ruhe. „Warum siehst du mich dann nicht an?“

Sie runzelte die Stirn und warf ihm einen wütenden Blick zu.

Seine Augenbrauen hoben sich überrascht. Ein kleines Lächeln zuckte um seinen Mund, als fände er die Situation amüsant. Ally wusste nicht, was daran komisch sein sollte.

„Wow“, sagte er mit humorvollem Unterton. „Was habe ich getan, um diesen Blick zu verdienen?“

Oh, was du getan hast, willst du wissen…

Ally wusste zwar nicht genau, was Federico angestellt hatte. Aber Ally wusste, dass ihre Schwester Nina ein paar Monate mit Federico Acosta ausgegangen war. Es war bei weitem nicht ihre längste Beziehung, aber die intensivste. In dem Sinne, dass Nina total verrückt nach dem Typen war.

Ihre Zwillingsschwester neigte dazu, keine Emotionen zu zeigen; es war, als wäre sie gegen sie allergisch. Sie weigerte sich zu weinen, als ihr Vater einen Job in Südamerika annahm und seine Töchter erneut verließ. Sie lachte selten in der Nähe von Cole, einem der lustigsten Menschen, die Ally kannte. Sie nahm kaum zur Kenntnis, dass sie als eine der klügsten Schülerinnen der ganzen Klasse ausgezeichnet wurde und ein Vollstipendium erhalten hatte.

Aber bei Federico hatte Nina gelächelt. Nina hatte glücklich und erfüllt gewirkt. Und Nina hatte geweint – nicht nur ein bisschen –, sondern ganze Bäche, als sie sich trennten.

Eines Tages war zwischen Nina und Federico noch alles in Ordnung gewesen. Ally war sich sicher, dass Federico der Richtige für Nina war. Und das Nächste, was Ally mitbekam, war, dass Nina am Boden zerstört war und aus mysteriösen Gründen mit Federico Schluss gemacht hatte. Nina hatte Ally oder irgendjemand anderem nie anvertraut, was zwischen Federico und ihr vorgefallen war. Niemand wusste, warum Nina sich entschieden hatte, ihn zu verlassen.

Aber was auch immer es war, es musste etwas Großes und Unverzeihliches gewesen sein.

Also, als die gute Schwester, die Ally war – loyal bis zur Selbstaufgabe –, hasste sie Federico aus tiefstem Herzen.

Ally weigerte sich, Federico zu antworten. Ihre Augen kniffen sich noch mehr zusammen und sie drehte den Kopf, um nach vorne zu schauen.

Sie spürte, wie Federico neben ihr seufzte. „Also ignorieren wir uns…“, murmelte er, als er sich wieder in seinen Sitz zurücklehnte. Der Sitz quietschte unter seinem Gewicht.

Ally war froh, dass er es verstanden hatte. Aber so sehr sie ihn auch ignorieren wollte, sie konnte es nicht. Seine Präsenz war erdrückend. Er war zu groß für das Flugzeug, ihre Schultern berührten sich und eines seiner Beine war gegen ihres gepresst. Ihre Haut kribbelte bei seiner Berührung, sie fühlte ihn atmen und sich auf seinem Sitz hin- und herschieben, als wäre er unbequem.

Sie schloss die Augen, obwohl ihre Sinne dadurch nur noch wacher wurden.

Sie konnte sein Seufzen und sein Atmen hören. Sie konnte sein holziges Parfüm riechen. Sie konnte seine Wärme und seine behaarten Arme spüren.

Sie musste sich wieder auf ihrem Sitz zurechtrücken und versuchte, ihren Arm von ihm wegzubewegen. Das war jedoch unmöglich. Sie konnte nirgendwohin ausweichen, und egal wie sehr sie zur anderen Seite rückte, Federico nahm immer noch ihren Platz ein.

Das würde ein langer Flug werden.

Nach ein paar Minuten Stille, als die letzten Passagiere ihre Plätze eingenommen hatten, kündigte das Flugpersonal den Beginn des Rollens zur Startbahn an. Allys Blutdruck stieg.

Alle chaotischen Szenarien flogen ihr durch den Kopf.

Sie holte tief Luft und kramte nach ihren Kopfhörern. Ihre Hände tasteten ihre Jeans vorne und hinten ab. Nichts. Dann glitten ihre Hände über ihren Körper, aber die Kopfhörer waren nirgends zu finden.

Sie erinnerte sich, dass sie sie in ihr Handgepäck gepackt hatte.

Sie starrte wütend nach oben.

Im Ernst?

Es war zu spät, sie sich zu holen. Außerdem müsste sie Federico um Hilfe bitten, und Ally weigerte sich, mit ihm zu reden, sofern es nicht absolut notwendig war.

Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, während sie sich in ihre Gedanken steigerte. Sie brauchte eine Ablenkung, irgendetwas, um ihren Kopf davon abzuhalten, sich den schlimmsten Weg vorzustellen, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben.

Die Zeit wurde knapp, als die Flugbegleiter die Sicherheitsvorkehrungen für den Notfall zeigten. Und dann rollten sie zu ihrer Startposition, während sie die Sicherheitsgurte der Passagiere kontrollierten.

Endlich bewegte sich das Flugzeug auf die Startbahn.

Allys Hände waren schweißnass, während sie angestrengt nachdachte. Es gab absolut nichts, um sie abzulenken. Kein Magazin, nicht einmal der verdammte Sicherheitsflyer.

Da war allerdings noch etwas. Ally zweifelte, ob das eine gute Idee war. Aber es war das oder vor Angst sterben.

Als das Flugzeug nach vorne beschleunigte, wusste Ally, dass es kein Entkommen mehr gab.

Sie öffnete die Augen und ihr Blick traf auf grüne Augen. Federico starrte sie mit besorgtem Ausdruck an. Seine Stirn war in Falten gelegt.

„Bist du sicher, dass alles okay ist?“, fragte Federico ein letztes Mal.

Obwohl ihr die Kehle zugeschnürt war, schaffte Ally es, mit hämmerndem Herzen zu sprechen. „Nein. Red mit mir.“

„Was?“

„Red mit mir, lenk mich ab“, sprudelte es aus ihr heraus, als könnte sie die Worte nicht schnell genug sagen. „Ich habe Flugangst.“