Prolog
Ich kam aus den Tiefen des Clubs, die kühle Nachtluft angenehm auf meiner verschwitzten Haut. Die Straßenlaternen warfen ein warmes Licht und ich fühlte mich fast schon behaglich in ihrem Schein, nach der Dunkelheit und den grellen Lichtreflexen unten auf der Tanzfläche. Meine Ohren dröhnten noch von den Bässen, so als könnten sie die Stille nicht ertragen. Leise Gespräche und Gelächter drangen dumpf zu mir durch, als ich eine Zigarette aus der Schachtel zog. Ich ließ meinen Blick langsam über die Leute schweifen, die in Gruppen beieinander standen. Manche waren auch nur zu zweit, wild flirtend oder bereits ineinander verschlungen, die Welt um sich herum vergessend. Ein träges Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Die Welt zu vergessen kam mir im Moment nicht wie das Dümmste vor. Ich wandte mich um auf der Suche nach einem bekannten Gesicht, als ich sie sah. Sie stand etwas abseits, von mir abgewandt. Im Gegenlicht einer der Laternen konnte ich nur ihre Silhouette erkennen. Groß und verdammt weiblich, auch wenn sie mit ihren losen Klamotten alles daran zu setzen schien, das zu verbergen. Die Haare hatte sie zu einem dicken Zopf geflochten, aus dem sich bereits vereinzelte Stränen lösten. In ihrer schmalen Hand hielt sie eine Zigarette und der nächste Zug erhellte kurz ihr Gesicht. Gerade Nase, die Unterlippe ein wenig voller als die Obere und lange Wimpern, die ihre halb geschlossenen Augen umrahmten. Rauch stieg von ihren Lippen auf und blieb im Schein der Laterne über ihr schweben. Fuck, das war heißer als es sein sollte. Wie von selbst bewegte ich mich in ihre Richtung.
"Hast du Feuer für mich?"
Meine Stimme war heiser vom Alkohol, der halb leeren Packung Kippen und dem Bedürfnis, sie an mich zu ziehen, ihren Duft einzuatmen und sie zu schmecken. Langsam drehte sie sich zu mir herum, ihr Blick abschätzig. Das Blau ihrer Iris jagte mir ein Schauer über den Rücken, während sie die Hand in ihre Hosentasche steckte ohne mich dabei aus den Augen zu lassen. Mein Blick wanderte langsam ihre Nase hinab zu ihrem Mund. Kurz stockte mir der Atem als ich auf halbem Weg ein rotes Mal an ihrer linken Wange entdeckte. Es wand sich ihren Hals hoch, wie eine Pflanze. Mein vernebelter Verstand versuchte mir irgendetwas zu sagen, irgendeine Erinnerung hervorzukramen, doch alles was ich denken konnte war, "scheiße, bist du schön."
Ich wandte meinen Blick erst ab, als sie mir mit einem Klicken die Flamme hinhielt. Ich senkte meinen Kopf zu ihr, hin zum Feuer, als würde ich mich vor einer Königin verbeugen.
Als ich mich wieder aufrichtete hatte sie ihren Blick nach wie vor nachdenklich auf mich gerichtet und ich hielt unwillkürlich die Luft an. "Kennen wir uns nicht?", fragte sie schließlich. Und dann traf mich die Erinnerung, wie ein Schlag ins Gesicht.