Spider Lily

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Zusammenfassung

Ein Stalker-Romance-Buch! Die Studentin im letzten Jahr, Maeve, zieht ein ruhiges Leben vor und widmet sich voll und ganz ihrem Studium. Doch eines Tages entdeckt sie ein mysteriöses Geschenk vor ihrer Haustür. Anfangs von dem heimlichen Verehrer fasziniert und neugierig, beginnt ihre Welt sich zu verdunkeln. Die Geschenke nehmen einen verstörend obsessiven Ton an, und Maeve wird von dem Gefühl verfolgt, beobachtet zu werden. Ihre Paranoia wächst, als sie die Möglichkeit eines Stalkers in Betracht zieht. Ihr friedliches Dasein bricht zusammen, während sie mit der beunruhigenden Veränderung ihres Lebens ringt.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
32
Rating
3.8 8 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

1

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Für dich.

In Liebe.

Ich wünsche dir einen schönen Tag.


Ich betrachtete die ungelenke Handschrift auf der Karte noch einmal und hielt verwundert die Spinnenlilie, die an der Schachtel befestigt war. Wer könnte mir das geschickt haben? Ich kenne niemanden, der mir so etwas schicken würde.


Oder habe ich etwa einen Verehrer? Mein Herz setzte einen Schlag aus, und bei dem Gedanken stieg mir die Röte ins Gesicht. Ich schüttelte den Kopf, um diesen abwegigen Gedanken zu verscheuchen, und ging zurück ins Haus.


Ich nahm eine Tasse, stellte die Spinnenlilie hinein und lächelte, bevor ich sie ans Fenster stellte.


Ich starrte noch einmal auf die Karte, bevor ich sie vorsichtig zwischen die Seiten meines Tagebuchs legte.


Mein Blick fiel auf die Wanduhr und ich fluchte leise: „Verdammt! Ich komme zu spät zu seiner Vorlesung.“ Ich rannte aus der Tür und vergaß dabei nicht, die Packung Kekse in meine Tasche zu stecken.


Ich rückte meine Brille zurecht und klopfte hastig auf mein zerzaustes Haar, als ich die Treppe hinunterlief. Dabei stieß ich mit jemandem zusammen. Ohne den Kopf zu heben, murmelte ich: „Entschuldigung.“


Nachdem ich das Gebäude verlassen hatte, sah ich einen großen Lastwagen und Männer, die große Kartons hineinbrachten.


Ein neuer Nachbar? Es gab in dem Haus keine freie Wohnung mehr, außer der direkt neben mir. Vielleicht hat endlich jemand Pech gehabt und sie gemietet.


Es gab sogar das Gerücht, dass es in der Wohnung spukte. Ich zuckte mit den Schultern und rannte los zur Uni.


„Mae!“ Ich fuhr herum, als mein Name gerufen wurde, und sah meine Freundin Stella, die elegant auf mich zuging. Ich sah ganz anders aus als sie.


„Hi“, murmelte ich zurück.


„Bist du mit dem Projekt fertig?“, fragte sie und ergriff plötzlich meine Hand, was mich zusammenzucken ließ. Ich zog meine Hand schnell zurück.


Ich hasse Berührungen! Körperkontakt! Können Menschen nicht miteinander reden, ohne so grabschig zu sein?


Sie brummte genervt, lächelte mich dann aber schwach an und hob beschwichtigend die Hände. „Sorry, Mae. Ich wollte nur nachfragen.“ Ich wusste, dass es ihr überhaupt nicht leidtat. So war sie immer, wenn sie etwas wollte.


„I-ch b-in fer-tig mit al-lem.“


„Du hast alles gemacht?“


„Mmmm“, machte ich und rieb mir unbewusst über den Arm, um die Stelle abzuwischen, die sie berührt hatte.


„Wow!“, quietschte Stella und sprang auf mich zu. „Ich kann es nicht glauben. Vielen Dank!“ Sie grinste, ließ mich los, stieß mir in die Schulter und ging dann weg. Sie ließ mich einfach allein zurück.


Ich schüttelte den Kopf, klopfte die Stelle ab, die sie berührt hatte, und seufzte. Ich kann es kaum erwarten, dass die Uni vorbei ist.


Als ich das Klassenzimmer betrat, wurde ich sofort von den anderen beiden Gruppenmitgliedern mit Fragen bestürmt. Ich wünschte, ich könnte mich einfach in Luft auflösen.


„Mae!“


„Ich habe gehört, du bist mit allem fertig.“


„Ja“, antwortete ich und legte meine Tasche auf den Tisch.


„Das ist gut“, lächelte Stella. „Habe ich nicht gesagt, dass es okay ist, wenn man nichts macht? Weil ich wusste, dass unsere Mae alles erledigen wird“, prahlte sie und warf ihr rotes Haar zurück.


Sie drehte sich zu mir und legte den Kopf schief. „Deshalb habe ich den Professor auch gebeten, mich immer in deine Projektgruppe zu stecken. Du bist so ein leichtes Opfer, Mädchen.“


Ich lächelte verlegen. Es war mir egal, wer recherchierte oder schrieb, solange ich die Präsentation nicht machen musste.


Ich hasse den Umgang mit Menschen. Ich verbringe meine Zeit lieber in meinem Zimmer und schwärme für fiktive Charaktere, als mich mit echten Menschen abzugeben.


Und das Projekt alleine zu machen, hat sogar Spaß gemacht.


„Wo ist die Datei?“, fragte Stella ungeduldig. Sie wühlte in meiner Tasche, hielt inne und sah mich an, bevor sie die Packung Kekse herauszog.


Ich schreckte auf und nahm sie ihr hastig ab. „Du k-annst auf me-inem Lap-top nach-se-hen“, sagte ich und drückte die Kekse an mich.


Alle Augen waren auf mich gerichtet, und ich wollte am liebsten im Boden versinken. Ich hasse es, wenn alle mich anstarren. Ich will einfach nur meine Ruhe haben. Normalerweise beachteten sie mich erst, wenn es Zeit für das Projekt war.


„Hmmm“, machte Stella und kam auf mich zu. In ihren Augen blitzte das übliche Funkeln auf: Sie wollte mich verspotten. „Was ist das denn, Mae?“


„Je-mand hat es vor mei-ner Tür ab-ge-legt“, antwortete ich und lächelte bei der Erinnerung an den süßen Zettel und die Blume.


Stella lachte und lenkte damit noch mehr Aufmerksamkeit auf uns. „Jemand hat das dagelassen, und du lächelst wie eine Blöde?“, fragte sie.


Ich nickte. „Viel-leicht be-komme ich ja-“, sie riss mir die Schachtel aus der Hand.


„Was m-achst du d-a?“


„Du glaubst im Ernst, du könntest einen Verehrer abkriegen?“, spottete sie. „Ich meine, schau dich an“, sie zeigte mit dem Zeigefinger auf mich. „Du stotterst so schlimm, dass ich mir die Ohren spitzen muss, um dich zu verstehen“, sagte sie. „Und du trägst diese schäbigen, viel zu großen und zerlumpten Klamotten.“


„Wenig-stens be-nutzt du dei-ne Oh-ren mal für et-was“, murmelte ich.


„Was hast du gesagt?“, ihre Stimme wurde schrill.


„Ich-“


Stella ließ die Kekse fallen. „Ups, meine Hand ist abgerutscht. Vielleicht, weil ich so schwache Arme habe“, kicherte sie.


Mir stiegen Tränen in die Augen. Ich wollte die Kekse so gerne in Ruhe genießen. Sie waren meine Lieblingskekse und so teuer, dass ich sie mir nur selten leisten konnte. Jetzt hatte ich sie geschenkt bekommen, und Stella hatte sie einfach fallen lassen.


Ich hob den Kopf und starrte sie mit verweinten Augen an, doch Stella lachte nur trotzig. „Warum starrst du mich so an?“, rief sie und verdrehte genervt die Augen.


„Wie auch immer“, winkte sie ab. Sie öffnete ihre Handtasche, holte einen Stapel Geldscheine heraus und knallte ihn auf den Tisch.


„Setzen Sie sich!“, befahl der Professor. Die Studenten murrten und wandten sich von dem aufkeimenden Drama ab.


Gott sei Dank!


Stella findet immer eine Gelegenheit, mich lächerlich zu machen.


Ich ging zu meinem Platz am Fenster, biss mir wütend auf die Lippen und umklammerte meinen Stift. Ich warf einen Blick auf Stella, die mit ihrem Haar spielte, und sah, wie die Jungs wie Fliegen um sie herumschwirrten.


Ich wünschte, sie würde hinfallen und ihr eingebildetes Gesicht ruinieren! Ich wünschte, sie wäre tot! Ich wünschte, sie würde einfach aufhören zu existieren! Ich wünschte, sie würde einfach verschwinden. Ich hasse sie!


Ein lauter Schlag auf meinen Schreibtisch riss mich aus meinen Gedanken. Der Professor starrte mich finster an.


„Was glauben Sie eigentlich, was Sie in meiner Vorlesung tun?“, fuhr er mich an. Ich schreckte hoch, knüllte mein Gekritzel zusammen und steckte es hastig in meine Tasche.


Ich kann nicht glauben, dass ich so dunkle Gedanken über Stella habe. Niemand darf das sehen.


„Ist es, weil Sie eine Spitzenstudentin sind und denken, Sie können in meinem Kurs machen, was Sie wollen?“, tadelte er mit nasaler Stimme. „Dann halten Sie jetzt die Präsentation!“


Ich blieb wie angewurzelt stehen. Die Präsentation halten! Wie bloß?! Ich wusste nicht einmal, wie ich anfangen sollte.


Ich sah, wie Stella bereits am Podium stand und mir ein spöttisches Lächeln zuwarf. Mit klopfendem Herzen ging ich nach vorne. Ich konnte das Pochen in meinen Ohren hören und hoffte inständig, dass es niemand sonst bemerkte.


„I- ich...“, stammelte ich und nestelte nervös an meinen Fingern. Alles, was ich recherchiert hatte, war wie weggeblasen, als hätte ich nie gelernt. Alle brachen in Gelächter aus.


Ich wollte nur noch weinen.


„Sind Sie sicher, dass Sie an diesem Projekt teilnehmen wollen? Sie können ja nicht einmal das verteidigen, woran Sie gearbeitet haben!“


„I- ich...“, ich wollte mich entschuldigen, aber meine Stimme versagte. Scham überkam mich.


Warum konnte ich nichts sagen? Meine Stimmbänder verweigerten den Dienst und meine Zunge fühlte sich schwer an.


„Auch wenn Sie eine sehr gute Studentin sind, heißt das nicht, dass Sie keine einfache Präsentation halten können. So enttäuschend!“, der Mann schüttelte den Kopf. „Und Sie müssen lernen, mit dem Stottern aufzuhören und wie eine normale Studentin zu sprechen.“ Er machte ein abfälliges Geräusch und winkte mich vom Podium weg.


Meine Beine fühlten sich schwer an. Eine Träne rollte über meine Wange und ich wischte sie schnell weg.


Der Tag hatte gut angefangen, aber Stella hat alles ruiniert. Ich war mir sicher, dass sie den Professor dazu angestiftet hatte, mich auf dem Kieker zu haben.


Alle Professoren wussten, dass ich stotterte und selten redete, aber dieser Mann hatte es auf mich abgesehen. Meine introvertierte Art machte mein Stottern nur noch schlimmer.


Stella lächelte stolz auf dem Podium und las das Projekt vor, als hätte sie die ganze Arbeit allein gemacht.


Ich schüttelte den Kopf und betete, dass die Zeit schnell vergehen würde, damit ich nach Hause in mein Bett rennen und in meine fiktiven Welten abtauchen konnte.


Mein einziger Zufluchtsort.


~**~


Nach der Uni ging ich zum Supermarkt und kaufte Junkfood, weil ich zu faul zum Kochen war. Ich bemerkte, dass der Flur voller leerer Kartons stand und seufzte. Ich räumte die Kartons von meiner Wohnungstür beiseite, damit ich hinein konnte.


Ich betrat mein Zimmer – mein sicherer Hafen. Ich warf meine Tasche in eine Ecke und ließ mich erschöpft aufs Bett fallen.


Endlich! Mein Bett nahm mich nach diesem langen, stressigen Tag auf, ohne mich zu verurteilen.


Als ich spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen, setzte ich mich abrupt auf und nahm mein Handy zum Lesen heraus. Ich wollte der Welt entfliehen.


Ich war so sehr in die fiktive Geschichte vertieft und damit beschäftigt, auf Kommentare anderer Leser zu reagieren, dass ich die Zeit völlig vergaß.


Es war bereits Nacht. Ich streckte mich und zog meinen zu großen Pullover und die Hose aus. Meine Brüste waren endlich frei aus dem Käfig, den man BH nennt! Ich tanzte gerade innerlich vor Freude, als es an meiner Wohnungstür klopfte.


Ich hielt inne und vergewisserte mich, dass es wirklich an meiner Tür war, denn meine Eltern kamen so gut wie nie zu Besuch. Ich zog mir ein weites Nachthemd über und ging zur Tür.


Ich öffnete die Tür einen Spaltbreit und sah ein Prachtexemplar von einem Mann, der mich charmant anlächelte. Ich riss die Augen auf, dann prüfte ich noch einmal meine Zimmernummer, und der Fremde lachte leise.


„Hi, ich bin Judd, dein neuer Nachbar. Ich bin erst heute eingezogen“, stellte er sich vor. Ich nickte nur heftig. Der neue Nachbar war so verdammt gutaussehend, dass ich innerlich quietschte, während die Hitze in meine Wangen und Ohren stieg.


„Ich habe ein Café die Straße runter; komm doch mal vorbei und probier was. Wenn du einmal probiert hast, willst du immer wieder kommen“, er zwinkerte mir zu.


„Okay“, schluckte ich.


„Hier, nimm“, er reichte mir ein Tablett, das mit einem weißen Tuch abgedeckt war. „Ein Friedensangebot“, lächelte er, wobei seine Grübchen deutlich zum Vorschein kamen.


Gott! Er hat Grübchen!


„Danke“, ich nahm es schnell entgegen und wandte meinen Blick von seinem hübschen Gesicht ab.


„Ich bi- bin Mae-ve. Sc-schön dich kennenzulernen“, murmelte ich und schloss die Tür, nachdem er noch etwas sagte.


„Ganz meinerseits. Ich hoffe, wir haben eine tolle Zeit als Nachbarn.“


„Ich auch“, sagte ich und ließ mich mit klopfendem Herzen hinter der Tür zu Boden sinken.


Und mein Tag endete dann doch noch gut.

Danke fürs Lesen ♥

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