Prolog
Das Versprechen
Die Sterne waren in dieser Nacht hinter dem Smog verborgen.
Ich stand am Rand der Startplattform, den Helm unter den Arm geklemmt, und versuchte, mir den Horizont einzuprägen – jedes Licht, jeden Wolkenkratzer, jeden Atemzug von Zuhause. Denn in ein paar Stunden würde ich das alles hinter mir lassen.
Nur für ein Jahr, sagten sie.
Zwölf Monate außerhalb der Welt. Eine Mission. Ein Versprechen, dabei zu helfen, den Grundstein für die Zukunft der Menschheit in den Sternen zu legen. Ich hatte schon schwierigere Dinge für weniger noble Ziele getan. Das hier fühlte sich zumindest nach einem Sinn an.
„Bist du sicher, dass du das willst?“, fragte meine Schwester Ashley leise. Sie stand neben mir, die Arme fest verschränkt, als würde sie versuchen, die Zeit anzuhalten. „Du könntest immer noch einen Rückzieher machen.“
Ich lächelte. „Du klingst wie Dad.“
„Dad heult im Transporter“, sagte sie. „Mom versucht so zu tun, als würde sie es nicht. Und Oma hat gesagt, wenn du mit Tentakeln zurückkommst, lässt sie dich nicht ins Haus.“
Das brachte mich zum Lachen – ein echtes Lachen, das einem bis in die Knochen geht. Das brauchte ich.
„Ich werde schon klarkommen“, sagte ich zu ihr. „Es ist doch nur eine Mission.“
Ashley starrte mich an, als würde sie etwas sehen, das mir verborgen blieb. „Du warst noch nie ‚nur‘ irgendetwas.“
Der Startturm bebte unter unseren Füßen. Das Pre-boarding würde bald beginnen.
Ich sah zurück auf die Stadt. Die Lichter schimmerten wie zerbrochene Sternbilder. Jede Erinnerung, die ich hatte, war dort unten – Geburtstage, Liebeskummer, Sonntagsessen, nächtliche Lernmarathons. Der Geruch von Zimt und verbranntem Toast am Morgen. Dads Lachen. Ashleys Musik, die immer zu laut war.
Ich ließ das alles zurück.
Aber ich hatte einen Job zu erledigen.
Ich musste die Erde stolz machen.
„Ich komme zurück“, sagte ich.
„Das will ich hoffen“, flüsterte Ashley. „Denn du hast es versprochen.“
Ich nickte.
Und ich meinte es ernst.