Die verführerische Dunkelheit
Wednesday, May 02, 2019.
In einer Welt, die von lauten Stimmen und grellen Farben dominiert wird, finde ich meinen Platz in der Stille der Seiten. Mein Name ist Sienna, ich bin 19 Jahre alt und eine äußerst zurückhaltende Person. Meine soziale Phobie ist der Grund, warum ich bis heute keine engen Freundschaften geschlossen habe und mich lieber in die Welt meiner Bücher zurückziehe, anstatt das Leben in vollen Zügen zu genießen. Schon als kleines Mädchen war ich anders. Während andere Kinder fröhlich miteinander spielten und lachten, fühlte ich mich unwohl in ihrer Gesellschaft. Die Angst vor Ablehnung und Kritik machte es mir schwer, mich auf andere Menschen einzulassen. Stattdessen fand ich Trost und Geborgenheit zwischen den Zeilen der Bücher, die mein Zimmer füllten. Geschichten wurden meine Freunde, Charaktere meine Vertrauten.
Mein Rückzug in die Welt der Literatur wurde zu meiner Rettung, aber gleichzeitig auch zu meiner Gefangenschaft. Die Bücher erlaubten mir, Abenteuer zu erleben und in fremde Welten einzutauchen, ohne mich den Ängsten des realen Lebens stellen zu müssen. Doch je mehr ich mich in den Buchseiten verlor, desto mehr entfernte ich mich von der Möglichkeit, echte Verbindungen zu knüpfen. Doch nun, da ich den Schritt in die Erwachsenenwelt wage und mich mit den Herausforderungen des Lebens konfrontiere, verspüre ich den Drang, meine soziale Phobie zu überwinden.
Ich möchte nicht länger nur eine Zuschauerin im eigenen Leben sein, sondern aktiv teilnehmen und echte Freundschaften schließen. Es wird ein langer Weg sein, voller Hindernisse und Ängste, aber ich bin fest entschlossen, meinen Platz in dieser Welt zu finden und meine eigene Geschichte zu schreiben.
Und mein Umzug kommt wie gerufen!
Nachdem meine Mutter erneut geheiratet hat und ich gezwungen war, in eine kostengünstigere Gegend von New York zu ziehen, sehe ich dies als Chance, endlich auf eigenen Beinen zu stehen und nicht mehr von meiner Mutter abhängig zu sein. Mit großer Entschlossenheit habe ich sogar einen Job in der Nähe meiner neuen Wohnung gefunden. Es handelt sich um einen kleinen Imbiss, der nur Hamburger und Pancakes anbietet, aber zumindest ermöglicht es mir, meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Während die Mitarbeiter der Umzugsfirma gerade das letzte Stück vor meiner Haustür abstellen - meinen geliebten Schaukelstuhl - bezahle ich sie mit dem Geld, das ich von meinem Stiefvater erhalten habe. Es ist ein symbolischer Moment für mich, denn es markiert den Beginn meines unabhängigen Lebens in dieser neuen Gegend. Ich bin bereit, die Herausforderungen anzunehmen und mein eigenes Schicksal zu formen.
»Danke sehr«, sagen die Männer und steigen in den Fahrstuhl. Als ich meinen Schaukelstuhl in die Wohnung schieben will, muss ich damit aufhören, da ich hinter der Nachbarstür jemanden rufen höre.
»Aaah!! Aaaah! Aaah!!«, da stöhnt jemand.
»Das tut so weh!!!« Es ist eine Frauenstimme, die vor lauter Schmerz wie ein zersplittertes Glas durch die Luft schneidet.
»Du tust mir weh!!!« Jeder Schrei ist ein verzweifelter Versuch, die Qualen, die sie durchleidet, aus ihrem Inneren zu befreien.
»Aaaaah!!« Die Worte, die aus ihrem Mund kommen, sind wie spitze Pfeile, die sich in die Herzen der Zuhörer bohren und eine unerträgliche Melodie des Leidens erzeugen.
»Hol deine Faust daraus!! Hol ihn raus!!« In jedem Schrei liegt die ganze Tiefe ihres Schmerzes, der sich wie ein brennendes Feuer in ihrem Inneren ausbreitet.
»Gott!!! Du reißt mir meine Vagina auseinander!!« Es ist eine Stimme, die nach Erlösung sucht, nach einem Ausweg aus der Qual, die sie gefangen hält. Plötzlich verstummen die Schreie. Es wird so still, dass ich sogar meinen eigenen Atem hören kann. Als ich mich der Tür nähere, um zu lauschen, wird sie plötzlich aufgerissen, und ich muss einen Schritt zurückweichen. Vor mir steht eine entblößte Frau, ihr Körper in einer verdrehten Haltung. Sie verlässt die Wohnung und knallt die Tür zu. In einer Hand hält sie ihre Kleidung fest, in der anderen ihr Handy. Ihr Gesicht ist mit Sperma bedeckt, und die Flüssigkeit tropft sogar auf ihre Brüste. Zwischen ihren Beinen erkenne ich das Blut, das ihren Innenschenkel hinunterfließt.
»Du hattest recht. Ich hätte mein Jungfernhäutchen nicht im Internet verkaufen sollen«, gibt sie zu.
»Der Typ hat mich mit seiner Faust gefickt!« Sie spricht in ihr Handy und scheint jemandem eine Nachricht zu senden.
»Er hat wirklich seine Faust in meine Vagina gesteckt und an seinem Schwanz gerieben. Du hättest sehen müssen, wie erregt er war«, fährt sie fort und drückt mehrmals panisch auf den Fahrstuhlknopf.
»Gott... Ich stehe zwar auf harten Sex, aber das hier... ist eine Nummer zu groß für mich.« Sie schaut auf die Tür und schüttelt den Kopf. Dann steigt sie in den Fahrstuhl und verschwindet endgültig. Die Stille um mich herum erstarrt mich für einen Moment wie ein gefrorener Fleck. Doch als ich einen Blick auf das Schlüsselloch werfe und die Gestalt darin erkenne, die langsam auftaucht, fühle ich mich beobachtet.
Ich lasse meinen Schaukelstuhl draußen stehen, eile in die Wohnung und schließe die Tür hinter mir. Die seltsame Begegnung, die gerade stattgefunden hat, lässt mich verwirrt zurück, doch da mein Leben unaufhaltsam voranschreitet, verdränge ich den Moment und begebe mich in die Küche. Aus einer Kiste auf dem Boden, die all mein Geschirr enthält, nehme ich die kleine Kaffeemaschine heraus. Den Stecker stecke ich routiniert in die Steckdose, die Tasse rolle ich vorsichtig aus der Zeitung, in der ich sie sicher verpackt habe. Mein Handy lege ich auf die Arbeitsplatte, begleitet von einem Musikstück, das mit voller Leidenschaft gesungen wird.
“Bad Life...” summe ich leise, während ich den Filter in die Maschine einsetze und sie mit Kaffee fülle. Plötzlich spüre ich hinter mir eine unerklärliche Wärme, ein Duft, der wie aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Langsam drehe ich meinen Kopf nach hinten in Erwartung, doch finde nur Leere. Nichts außer der stillen Leere, die mich umgibt. Nachdem ich meinen Kaffee vorbereitet habe, bewege ich mich zur Öffnung, doch halte ich einen Moment inne, als ich am Türrahmen etwas Ungewöhnliches entdecke. Meine Finger gleiten über den frischen roten Fleck, der dort zu sehen ist. Ich reibe meine Fingerspitzen aneinander, in der Hoffnung zu erraten, was diese Spur bedeuten könnte. Offenbar haben die Leute von der Umzugsfirma nicht gut aufgepasst. Mit diesen Gedanken wische ich meine Finger an meiner kurzen Hose ab und verlasse schließlich die Küche.