Kapitel 1 Ab mit ihnen in die Zellen!
Heute haben wir unseren Highschool-Abschluss! Es war eine wilde Fahrt. Ich bin jedenfalls froh, dass es vorbei ist. Alex und Baron sind da weniger glücklich. Ihre Glanzzeiten als Star-Quarterback und Linebacker des Football-Teams sind vorbei. Vorbei sind auch die Tage, in denen sie um die Aufmerksamkeit der billigen Cheerleader konkurriert haben. Ich verstehe das ja. Die Mädchen werfen sich den beiden förmlich an den Hals, wie Fleischbrocken beim Metzger. Aber verdammt! Einfach nur eklig!
Ich stehe auf der Bühne und nehme meinen Kunstpreis entgegen. Ich habe eine Skulptur meiner Mutter gemacht. Es ist eine Büste ihres Kopfes. Die linke Seite ist das Gesicht von Momma, während die rechte Seite Arielle zeigt. Ihre violetten Augen strahlen aus dem Gesicht der Büste. Ich habe sie aus weißem Marmor gehauen. Das soll zeigen, wie wichtig meine Mutter für die gesamte Spezies der Wölfe ist! Nach heute wird sie im Foyer des Schlosses stehen. Großvater und Großmutter wollen, dass sie das Prunkstück des Königreichs wird. Ich bin so stolz auf mich. Es hat fast zwei Jahre gedauert, sie fertigzustellen, und ich habe dafür mehrere Preise in der Kunstwelt gewonnen.
Als unsere Namen aufgerufen werden, blamieren uns unsere Familien bis auf die Knochen. Sie schreien und brüllen unsere Namen durch die Gegend. Unsere drei jüngeren Geschwister sind am lautesten. Momma und Daddy haben Aiden vor acht Jahren bekommen. Als sie vor drei Jahren mit Daniella und Gabriella schwanger wurde, war sie geschockt! Ich war total aus dem Häuschen, Schwestern zu bekommen. Alex fand es hingegen einfach nur widerlich, dass unsere Eltern noch Sex hatten! Barons Eltern haben vor neun Jahren Delilah bekommen. Sie ist das Ebenbild von Tante Celia. Zum Glück hat sie aber das Temperament von Onkel Cody. Tante Celia hat nämlich ein echtes irisches Gemüt! Sie wirft ständig mit Zeug um sich. Ich habe gelernt, mich wegzuducken wie ein Profi!
Die Zeremonie war vorbei und die Hüte flogen in die Luft. Danach machten wir uns alle auf den Weg zum Rudelhaus, um zu feiern. Wir zogen uns alle Badesachen an. Ich zog mir noch Shorts und ein Tanktop drüber, dann ging es zum See am südlichen Rand der Grenze. Wir teilen uns den See mit dem Harvest Moon-Rudel. Das sind Verbündete, obwohl wir selten jemanden von ihnen sehen. Der Alpha ist Kendrick Drake. Er übernahm vor fünf Jahren das Amt, als sein Vater starb. Damals gab es eine Reihe von Aufständen durch Rogues, die viele von uns trafen. Er war damals erst 16 Jahre alt. Mit Alex ist er bis zu einem gewissen Grad befreundet. Die meiste Zeit hat er damit verbracht, sein Rudel wieder aufzubauen. Er hat Mitglieder angeworben und Krieger trainiert. Er geht selten auf Partys oder verlässt sein Rudel aus anderen Gründen als geschäftlichen. Er soll ein gerechter und fairer Alpha sein, auch wenn man ihn als Einzelgänger bezeichnet.
Wir hatten ein großes Lagerfeuer angezündet. Die Jungs grillten Burger und Hotdogs. Momma hatte Kartoffel- und Nudelsalate sowie gebackene Bohnen geschickt! Daddy hat uns für die Party tatsächlich Bier erlaubt, was uns alle überrascht hat! Baron rannte plötzlich auf mich zu und warf mich über seine Schulter. Er rannte zum See, hob mich über seinen Kopf und schmiss mich mitten hinein. Wichser! Ich tauchte auf und spuckte Seewasser, gerade als er mit einer Arschbombe vom Seil sprang und direkt neben mir landete!
Alexander brüllte ihn an: „Baron, hör auf mit dem Scheiß und komm helfen! Du Faulpelz!“ Ich lachte: „Ooh, Beta! Du hast Ärger. Ich sehe Berge von Papierkram in deiner Zukunft!“ Ich lachte und schwamm davon. Ich beobachtete, wie die Mädchen einen riesigen Kreis um die Jungs bildeten. Das war so lustig! Man konnte förmlich sehen, wie sie alle die Göttin anbeteten, dass einer von ihnen ihr Mate wird. Was die meisten nicht wissen: Als Royals spüren wir unsere Mates leichter und früher als andere. Wenn eines dieser Mädchen die Gefährtin von Alex oder Baron wäre, wüssten die Jungs das bereits. Sie lassen trotzdem nichts anbrennen! Das wiederum verstehe ich nicht. Ich habe mir all meine ersten Male für meinen Mate aufgehoben! Ich will nur ihn!
Die Party ist in vollem Gange. Unsere Musik dröhnt und die Mädchen tanzen und versuchen, die Aufmerksamkeit von Alex und Baron zu erregen. Corey, Alex’ Gamma, kommt zu mir herüber und reicht mir ein Bier. Er setzt sich neben mich. Ich lache und frage: „Was ist mit deinem Gesicht passiert?“ Er schaut verwirrt: „Was meinst du? Mit meinem Gesicht ist alles okay.“ Ich sagte: „Von wegen! Bist du wieder in der Sonne eingepennt?“ Er zuckt mit den Schultern und ich lache noch lauter: „Du hast wieder Abdrücke von der Sonnenbrille um die Augen! Du Vollidiot!“ Er lacht und sagt: „Besser als eine Besserwisserin zu sein!“ Dann sagt er: „Wetten, ich bin schneller auf der Insel?“ Und rennt los!
Ich renne hinterher und schreie: „Schummler!“ Er springt zwei Sekunden vor mir ins Wasser. Ich schwimme so schnell ich kann und hole ihn erst kurz vor dem Sandstrand ein. Wir laufen das Ufer hoch und ich schnaufe: „Ihr seid alle so unnötig groß! Dein ganzer Körper ist mir eine ganze Länge voraus, bevor ich überhaupt anfangen kann zu paddeln.“ Er lacht sich kaputt: „Groß zu sein ist extrem nützlich! DU bist unnötig klein! Du benutzt Magie, um Kaffeetassen aus dem Schrank zu holen!“ Ich mache eine Handbewegung und befördere ihn direkt in die Krone der Eiche!
Ich lasse ihn erst wieder runter, als er droht, es Momma zu sagen... mal wieder! Ich grinse: „Du bist so eine Petze!“ Er antwortet, dass das nur so sei, weil ich ihn ständig auf Bäume, in Schränke oder unter die Veranda verfrachte. Ich protestiere: „Das ist das erste Mal in diesem Jahr, dass ich dir was getan habe!“ Er lacht: „Ja! In diesem Jahr. Und wir haben erst Mai.“ Ich lächle. „Na gut, Punkt für dich.“
Ich genoss gerade die Ruhe, als ich es hörte. „Corey, hör mal. Hörst du das? Pfoten... jede Menge!“ Ich schickte Alex eine Gedankenverbindung. Alex, ich höre das Donnern von Pfoten aus Richtung Süden. Mindestens 50 Wölfe! Alarmiere das Rudel. Corey und ich kommen zurück. Wir sprangen beide in den See und schwammen wie die Irren. Wir erreichten Alex und Baron genau in dem Moment, als die Wölfe aus dem Wald brachen! Rogues!
Sie hielten nicht an, sondern stürmten direkt auf uns zu. Wir vier machten uns kampfbereit. Alex hatte alle außer uns zurück zum Rudelhaus geschickt und Daddy und Onkel Cody alarmiert. Wir sahen, wie die Rogue-Wölfe begannen, uns am See zu umzingeln. Da sahen wir vier Wölfe hinter den Rogues aus dem Wald kommen. Dann begriff ich es: Harvest Moon jagte sie. Sie trieben sie direkt zum See. Daddy erreichte uns mit zwanzig Kriegern und wir stürzten uns in den Kampf. Ein Rogue-Wolf sprang mich an. Ich wich aus und verpasste ihm einen Tritt gegen den Kopf. Ich legte mit einem Ellbogenschlag in seine Rippen nach, packte ihn am Schwanz, drehte mich und schleuderte ihn gegen einen Baum. Dort blieb er liegen.
Die Rogues waren erledigt oder abgehauen. Daddy war stinksauer. Er brüllte über den See: „Kendrick! Jag deinen Müll nicht auf unsere Seite der Grenze! Kümmere dich dort drüben darum!“ Kendrick – ich nehme an, es war der riesige schwarze Wolf – drehte uns einfach den Rücken zu und stolzierte davon. Daddy murmelte: „Arschloch“ und drückte mich fest an sich. „Das hast du gut gemacht, Prinzessin! Ich bin so stolz auf dich!“ Ich sonnte mich in seinem Lob. Ja, ich bin ein echtes Papi-Mädchen! Dann sagte er: „Räumt hier auf! Alle Überlebenden... ab mit ihnen in die Zellen!“