Kennzeichen D: Love & Crime & Rock'n'Roll

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Zusammenfassung

Privatdetektiv Müller soll eine Vermißtanzeige aufnehmen. Wenn das mal gutgeht ... da soll ein Kind auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verschütt gegangen sein, nämlich, und ich schrieb alles auf.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
3
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Schnüffel-Müller, Rita Attraktivinski und ich

„Kommst du mit ins Wohnzimmer Gottes, Herbert?” Bei diesem Fragezeichen wogte ihr Busen wie die Seeschlacht von Lepanto, behauptete mein sexistisch veranlagter Kollege Müller später, ohne rot zu werden. Ich dagegen schaute nur in ihre tiefgrünen Augen und sagte mit Verehrung in der Stimme, aber bestimmt: „Nein”, weil ich ein Himmelfahrtskommando befürchtete und nicht schon heute in der Hölle landen wollte wie diese Terroristin, hinter der wir alle drei her waren ― Bernd Müller und Rita Attraktivinski als beste Privatdetektive Berlins sowie ich, der Protokollant aus Potsdam.

Müller ist sowieso ein schräger Vogel. Paul Celans poetischen Evergreen „Schwarze Milch der Frühe” hat er in seinem Abiturs-Aufsatz als Druckerschwärze auf weißem Zeitungspapier gedeutet und anschließend dreist behauptet, Dank zugewanderter Fachkräfte sei der Tod kein Meister mehr aus Deutschland, sondern heute eher global unterwegs nach Deutschland. Rita Attraktivinski ist seine ― also Müllers ― Praktikantin und übernimmt inzwischen öfter mal die Führungsrolle, weil sie so viele zeitgenössische Krimis im TV gesehen hat.

„Dann komm wenigstens mit zu dem Pizzafritzen”, sprach sie nun, öffnete den Kragenknopf der preußischblauen Button-Down-Bluse und zurrte ihren postgelben Schlips auf halb acht. Waffenhändler lächeln jetzt, weil sie dabei an Panzerfriedhof Ukraine und eins, zwei, drei, ganz viele schwarze arabische Zahlen denken. Letztere will ich natürlich in keinster Weise diskriminieren, genauso wenig wie die roten deutschen Zahlen des sogenannten „Sondervermögens” der sogenannten „Unsere Bundesregierung”.

Sie sah übrigens so toff und taff wie Claire Waldoff aus, Rita, diese erwähnte dritte Menschin, die genau wie Müller und ich auf das Braunschweiger Gymnasium am Löwenwall ging.

Natürlich erst, nachdem diese Oberschule für Knaben ihre Aula auch für Löwinnen öffnete. Jenes Gymnasium hatten unsere friedliebenden Vorfahren nach jenem Carl Friedrich Gauß benannt, den ältere Semester noch vom 10-Westmark-Schein her kennen.

Seit der Wiedervereinigung mit unseren Brüdern und Schwestern von drüben haben wir ja den Euro als Westpaket im Dauerauftrag für unsere Brüder und Schwester von der Leyen in Brüssel auf den Weg gebracht. Ein Euro soll angeblich so viel wert sein wie zwei D-Mark. Wenn ich mir heute die Lebensmittelpreise angucke, dann wurde sich irgendwie dabei verrechnet und ich verstehe schon, warum und wieso sie Carl Friedrich Gauß nicht mehr abbilden wollen. „Der heißt jetzt im Jenseits Propeller-Calle“, erzählte mir gerade gestern die dritte Frau, „weil er sich dauernd im Grabe umdreht. Und wir dürfen auf dem Brüsseler Geld der Zukunft Brücken, die ins Nichts führen,

und Wolkenkuckucksfenster der Multikultology Church bestaunen.

Aber der Kölner Dom, die Sacra Familia und das Ulmer Münster sind mir zehnmal lieber als diese Symbole.“ (Auch ganze Sätze der Heldin meiner Geschichte geben nicht unbedingt die Meinung ihres Protokollanten wieder.)

Müller sagte zerstreut „Tschüß!“, kehrte dann noch einmal kurz zurück wie Inspektor Columbo und fragte eine Frage noch: „Wie hieß diese gemeingefährliche Terrortussi, die wir endlich zur Strecke bringen wollen?“

„***“, antwortete Praktikantin Rita, „der Name muß aber unter uns bleiben, damit wir erstens selber keinen Ärger und zweitens auch ihren Symphatisantensumpf trockengelegt kriegen. Bye, Bye, Müllerchen, und vergiß deinen Schirm nicht.“

Also Schnüffel-Müller ab mit Schirm und wir zwei ab in die Pizzeria Martin-Luther/Ecke-Pater-Pio-Straße, wo ich ihr dann erst mal die Geschichte vom Bei von Tunis erzählt hab. Der hatte nämlich eines Nachts den fürchterlichen Albtraum, er sei nicht länger der Bei, der Tunis regiert, sondern bloß noch Bei, das den Dativ regiert. Leider lachte nicht mal der Kellner, aber egal: Meine eigenen Witze immer und überall sind die besten, wenn Du mich fragst.

Hier bei diesem Italiener gibt es zwei Speisekarten, übrigens. In der Lutherdeutschen heißt die Pasta Nudeln und die Pizza Mafiatorte. „Heute morgen hab ich mich erst mal bei der Mafia entschuldigt“, sagte Rita. „Weil, gestern noch hab ich manchmal von der Merkel-Ampel-Mafia geredet. Aber das war ja voll gelogen und geschäftsschädigend, denn die Mafia schützt Leib und Leben aller Seelen, bei denen sie abkassiert. Und ein guter Ruf ist immer noch besser als zwanzig Bundestagsmandate.“

Das sehe ich genauso und wollte eigentlich eine seriöse Geschichte erzählen, ein sogenanntes „Narrativ“. Aber die Augen sind die Fenster der Seele. Meine Pizzapartnerin schaute mir so tief in die Augen, dass es mir durchs Herz bis in den Klammerbeutel und zurück ging, und dann zischte sie wie die Schlange im Paradies: „Ich weiß schon, was du von mir willst, du dummgeiler Macho! Ich verstehe solche Triebtäter wie dich auch ohne Worte nur zu gut, seit ich auf dem Gymnasium am Löwenwall mit großem Latinum zur Klassensprecherin gewählt worden bin.”

„Das stimmt doch gar nicht”, leugnete ich und fütterte noch nach: „Nein heißt Nein!”

„Ach hör doch auf, ich hab genau gesehen, wie du mir bis zum Schamhaar in den Ausschnitt geguckt hast!” Sie winkte den Kellner heran und sprach dann so laut, dass es der ganze Laden hören konnte: „Wir sind noch nicht mal verheiratet und dieser Strolch fragt mich, ob ich mit ihm schlafen will!”

Alle Köpfe flogen herum außer meinem und ich mußte mir doch schließlich auch von meiner ehemaligen Verlobten nicht alles gefallen lassen. Deshalb brüllte ich noch lauter zurück: „Was haben Sie gesagt? 6.000 Euro für eine Nacht?? Ja, können Sie denn auf einen Zehntausender rausgeben???”

***

Es kommt noch besser, Fortsetzung folgt!