Kapitel 1

Ich hatte Männer schon immer am liebsten auf den Knien. Genau dorthin gehörte ein guter Mann – in eine Haltung der Unterwerfung und bereitwilligen Gefolgschaft.
Eine Position zum Anbeten.
So begann meine erste Nacht auf der sterblichen Ebene: nackt, durchtränkt von rituellen Ziegenblut, eine Flasche Rum in der Hand, umringt von einer Gruppe vermummter Männer, die vor mir knieten – die Schwänze in der Hand.
Die Nacht, in der diese Männer mich aus der Under Plane beschworen haben, werde ich nie vergessen. Verdammt, manchmal vermisse ich die drogenvernebelten Orgien der 70er. In diesem Jahrzehnt war ich gut genährt.
„Eve, hörst du mir überhaupt zu?“ Die Stimme von Davina, meiner ältesten Freundin, riss mich aus meinen Gedanken.
Ich hob den Blick von meinem Latte und sah die Sukkubus an, die mir gegenüber saß. Ihr schwarzes Haar glänzte unter dem gedimmten Licht des Cafés wie frische Tinte. Das Sonnenlicht, das durch die Fenster fiel, ließ den versteckten Gelbstich unter dem falschen Blau ihrer Augen aufblitzen.
Menschen hatten sie zwanzig Jahre vor mir auf die Erde beschworen. Unsere Energien führten uns in London zusammen, und seitdem waren wir unzertrennlich. Als sie 1995 beschloss, nach New York zu ziehen, musste ich einfach mit. Seitdem sind wir hier, streifen durch die Stadt und laben uns an der sexuellen Energie von Männern, die sie uns nur zu gerne geben.
Drogen. Sex. Alkohol. Partys. Drogen. Sex. Alkohol. Partys. Der Kreislauf wiederholte sich über Jahrzehnte immer und immer wieder. Ein Tanz, den ich so gut kannte wie meine eigene Seele, und ein Lied, das ich im Schlaf singen konnte.
„Entschuldige, ich war in Gedanken versunken“, antwortete ich und tippte ungeduldig mit dem Fingernagel auf die Tischkante.
„Hm, du siehst hungrig aus.“ Ihre hübschen Augen schweiften durch das überfüllte Café, bevor sie sich vorbeugte und flüsterte: „Hast du dich in letzter Zeit genährt?“
Ich seufzte und lehnte mich zurück. „Nichts Vernünftiges. Die Männer in dieser Stadt sind fad und geschmacklos.“
„Stimmt nicht“, hauchte Davina. „Gestern haben sich zwei Männer vor mir in den Staub geworfen, nur um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Was für ein Leckerbissen sie waren, als sie am Ende zitternd und lechzend vor mir lagen.“ Ihr Blick wurde verträumt und hungrig.
„Ekstase gibt es heute nicht mehr so wie früher“, sagte ich. Und damit meinte ich nicht die Droge. Obwohl das natürlich auch wahr ist.
„Ich glaube, du bist einfach zu wählerisch.“ Während sie sprach, musterte meine verdorbene Freundin die Menge und nahm bereits ihre nächste Beute ins Visier. Sie spielte mit einer Strähne ihres rabenschwarzen Haars und hielt Blickkontakt mit einem Mann in einem maßgeschneiderten Anzug an der Kaffeetheke.
Während der Mann Davina bewunderte, nahm der beißende, einzigartige Geruch seines Verlangens zu. Der Duft von Erregung wirbelte durch die Luft und überlagerte den Geruch von gerösteten Kaffeebohnen und aromatischen Sirupen. Sein Bedürfnis nach meiner Freundin roch für mich nach Bergamotte und Leder.
Jeder hatte sein ganz eigenes Parfüm, wenn er erregt war. Manche waren schwach und geschmacklos. Andere waren reich und aromatisch. Die Intensität variierte, wobei die stärkeren bei meiner Art wie ein sofortiges Aphrodisiakum wirkten.
Ich hatte seit Wochen keine anständige Mahlzeit mehr gehabt.
Ein stechender Hunger zog sich durch meinen Magen. In meinem Inneren tat sich eine Leere auf. Ein Gefühl, das ich so noch nie gespürt hatte, als würde in meinem tiefsten Inneren etwas fehlen.
Weder Sex noch Nahrung schienen das in letzter Zeit zu füllen. Dabei drehte sich mein ganzes Dasein darum – und ich verhungerte.
„Wirst du dir den holen?“, fragte ich sie.
„Hm. Bin mir noch nicht sicher. Er hat gerade Kaffeesahne verschüttet und sie von seiner Hand geleckt. Das hat mich irgendwie abgetörnt.“ Sie rümpfte die Nase, zuckte mit den Schultern und drehte sich zum Fenster.
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Die Härchen in meinem Nacken stellten sich auf, und eine Hitzewelle überflutete meine Haut. Der Knoten in meinem Magen, der meinen urtümlichen Hunger mit meiner Seele verband, zog sich zusammen, als ein Schatten über das Caféfenster huschte.
Mein Hals wurde trocken, kalter Schweiß bildete sich auf meiner Haut, und meine Nerven begannen unter der Oberfläche zu kribbeln. Ein heftiger, zerrender Hunger wand sich in meinen Eingeweiden. Er legte sich um meinen Hals und schnürte ihn wie im Wahn zu.
„Eve?“ Davinas sinnliche Stimme klang besorgt. Ihre Finger legten sich um meine Hand, als wollte sie mich zurückholen. Doch eine Kraft hielt mich gefangen.
Wieder riss mich ein Hungeranfall durch den Körper. Jeder Atemzug fühlte sich an, als würde ich glühend heiße Wüstenluft einatmen, und das Höllenfeuer in meinem Blut wand sich wie Schlangen.
Die Zeit verlangsamte sich, als diese Präsenz am Fenster vorbeizog. Ich drehte den Kopf gerade noch rechtzeitig, um die Silhouette eines Mannes in Schwarz zu erhaschen, der am Fenster des kleinen Cafés an der Ecke vorbeiging.
Ein strahlendes Licht ging von ihm aus, in feinen Schattierungen von Rot. Es ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen und mein Herz gegen meine Rippen hämmern. Der Knoten in meinem Magen zog sich erneut zusammen, und meine Augen weiteten sich.
Gänsehaut prickelte wie Nadelstiche auf meiner Haut, und die Energie des Mannes draußen riss mich vom Stuhl. Mein Körper bewegte sich wie von selbst, hochgerissen von seiner Aura, als wäre ich ein kleiner Hund an der Leine.
Davinas Mundwinkel zuckte, und ein verschmitztes Glitzern lag in ihren Augen. „Oh, ich verstehe.“ Sie warf einen Blick aus dem Fenster, leckte sich über die Lippen und beobachtete, wie der Rücken des Mannes in der Menge verschwand. „Das unterdrückte Verlangen bei dem Typen ist bis hierhin spürbar. Du solltest besser los, Eve, Schätzchen, und dir die Maus krallen, bevor sie weg ist.“
Ohne sie ein zweites Mal anzusehen, griff ich in meine Handtasche und fischte ein Bündel Scheine heraus. Ich warf es blind zwischen unsere Tassen. „Danke für den Kaffee, Liebes. Wir sehen uns später.“
Ich hörte ihre Antwort kaum, so sehr hämmerte das Blut in meinen Ohren, als ich die Tür aufstieß. Dutzende Körper drängten sich auf den belebten Gehwegen, und Hupen schallten aus dem Nachmittagsverkehr.
Ein Wirrwarr aus Gerüchen drang in meine Nase. Ich schloss die Augen und ließ den Kopf in den Nacken fallen, während ich tief einatmete. Scharfer Hass, saure Eifersucht, bittere Angst und der süße, verführerische Duft des Verlangens.
Selbst mit geschlossenen Augen konnte ich das gleißend rote Licht des Mannes auf der Straße sehen und spüren. Mehrere Leute liefen an ihm vorbei und überdeckten seinen einzigartigen Geruch, doch die Intensität seiner Aura blieb um mich herum hängen und wies mir den Weg.
Seine unterdrückten Triebe waren süß, fast klebrig auf der Zunge. Nur ein kleiner Vorgeschmack, und doch wirkte er auf meinen Körper, als hätte ich gerade meinen ersten Schuss Ecstasy hinter mir. Die luststeigernde Wirkung seiner Aura reizte mich wie eine Jägerin auf der Pirsch.
Ich musste ihn finden, ihn schmecken. Ich wollte mich an seinem Vergnügen laben und mich daran satt essen. Mein Geruchssinn, der nagende Hunger und meine Sukkubus-Instinkte zogen mich hinter ihm her.
Die Menge stoppte an einer belebten Kreuzung. Die Welt um mich herum wurde unscharf, als mein Blick auf den breiten Schultern eines Mannes in Schwarz kleben blieb. Sein kurzes, hellbraunes Haar fing das Sonnenlicht ein und bewegte sich leicht in der sanften Herbstbrise.
Dieses köstliche, zum Anbeißen süße Licht ließ mich über die Lippen lecken. Ich atmete aus, trat näher und schmiedete meinen Angriffsplan.
Ich war schon ewig nicht mehr so ausgehungert, so begierig und so von einer Mahlzeit angelockt worden. Das Leben war nur noch ein blinder Schleier aus belanglosen Begegnungen, und der Mann vor mir war ein Licht in der Dunkelheit. Ein Festmahl für ein verhungerndes Wesen.
Die aufgestaute Sinnlichkeit dieses Mannes – dieses Leuchtfeuers – brodelte und dampfte wie ein Vulkan. Nicht ganz inaktiv, aber auch nicht ausgebrochen. Schlafend, unterdrückt, zurückgehalten von einer gewaltigen Willenskraft. Die Erotik seines bewachten Sehnens ließ mein Innerstes erzittern.
Menschen drängten sich auf dem Gehweg und warteten unter der piependen Fußgängerampel. Ich atmete aus und ließ ein wenig von meiner Höllenfeuer-Energie in die Luft entweichen. Die Menge teilte sich wie ein Vorhang, verunsichert und gelenkt von meiner Kraft, ohne es zu merken.
Eine Gestalt stand unbewegt da, starrte nach vorne und wartete geduldig auf das grüne Licht. Mein Herz setzte aus, als er den Kopf drehte und sein attraktives Profil enthüllte. Eine markante Nase, ein Lächeln, das bis in die Augen reichte, und ein ganz leichter roter Schimmer an seinem dunklen Bartansatz entlang des kräftigen Kiefers.
Der Wind des Schicksals schob mich vorwärts. Jeder Plan, den ich mir zurechtgelegt hatte, um den wehrlosen Mann zu verführen, verflog, als ich plötzlich stolperte. Ich taumelte nach vorne und prallte gegen seinen Arm, weil seine Anziehungskraft mich regelrecht aus den Schuhen riss.
Ein tiefes Grollen entfuhr ihm, als mein Körper seinen Arm rammte und ein ledergebundenes Buch aus seiner Hand flog. Es klatschte mit der Vorderseite nach unten auf den Gehweg.
Zeit und Raum blieben stehen. Der Zwischenraum unserer Körper knisterte vor aufeinandertreffenden Energien. Sein Duft traf mich wie ein Schlag – ich fing fast an zu sabbern.
Es lag eine süße Würze in seinem Aroma. Eine Mischung aus Zimt, Kardamom, Ingwer und Zucker, die über dem männlichen Duft auf seiner Haut schwebte. Als ich blinzelte, sah ich eine Bäckerei vor meinem geistigen Auge, und er war die weiche, warme Apfel-Zimt-Schnecke, die frisch gebacken auf dem Tresen lag.
Und ich wollte davon abbeißen.
„Tut mir schrecklich leid!“, sagte ich, bückte mich und hob das Buch auf.
„Schon gut. Unfälle passieren.“ Seine Stimme war rau und so tief, dass sie durch mich hindurchging, sich in meinem Bauch verfing und alles dort zum Spannen brachte.
Bevor ich aufsah, zuckte ich zusammen, als ich den Titel las, der mich aus meiner Hand heraus anstarrte.
Heilige Bibel.
Das Buch brannte nicht auf meiner Haut – das war eine lächerliche Theorie, die sich Abergläubische ausgedacht hatten. Dennoch fühlte ich mich unwohl. Ich gab es ihm zurück, als wäre es beschmutzt.
„Alles in Ordnung bei dir?“, fragte er und riss mich aus meinen Gedanken.
Mein Kopf schnellte hoch, und ich sog eine volle Ladung seines appetitlichen Aromas ein. Der dünne Streifen meines Tangas war bereits durchweicht und klebte fest an meiner pochenden Muschi. Ich unterdrückte den Drang, ihn einfach umzuschubsen und ihn mitten auf der Straße zu reiten, damit ganz New York es sehen konnte.
„Oh, ja, ich bin...“, meine Worte blieben mir im Hals stecken, mein Blick fixierte den weißen Block am Ansatz seines Halses. Der Kollar eines Geistlichen – eines Mannes, der sich dem christlichen Gott verschrieben hatte.
Ein verdammter katholischer Priester.
„Mir geht es gut, Pater“, erwiderte ich, klimperte mit den Wimpern und legte all meinen Charme in ein verführerisches Lächeln. Trotz des Kragens an seinem Hals streckte ich meine Kraft aus und ließ Ranken aus Lust und Begehren durch die Luft gleiten.
Nicht, dass ich mich sehr anstrengen musste. Die rote Aura, die um ihn flackerte, reagierte sofort, als er mich musterte. Erregung blitzte in seinen anregenden, waldgrünen Augen auf, als sie über mein hautenges rot-schwarzes Kleid glitten. Er holte fast unhörbar Luft, bevor er seinen Blick mühsam von meiner Brust abwandte.
Das Brennen in mir wurde schlimmer. Flammen leckten an meinem Inneren, und die Macht meiner Sehnsucht breitete sich in der unmittelbaren Umgebung aus. Aber dieser grüne Blick hob sich und deutete in den Himmel.
Er leistete Widerstand.
Wie zum Teufel konnte er mir widerstehen?
„Pater?“, sagte ich.
Der Priester räusperte sich und hielt das heilige Buch gegen seine trainierte, breite Brust. Sein Anzug spannte über den wohlgeformten Muskeln, die sich unter dem Stoff verbargen. Ich wollte meine Zähne in seine Kleidung schlagen und sie von seinem Körper reißen.
„Pater Dean von der Immaculate Conception, gleich um den Block.“ Sein Kehlkopf bewegte sich, und ein Muskel zuckte an seinem Kiefer.
Dann sprang die Ampel auf Grün und die Menge auf dem Gehweg trat auf die Straße.
„Tut mir leid, ich muss los. Aber dir geht es wirklich gut?“ Ohne nachzudenken, griff er nach meinem Arm, mit dem ich ihn angestoßen hatte. Ein elektrischer Schlag jagte durch meinen Arm, als seine Finger meine Haut nur ganz flüchtig berührten.
Ein Stöhnen stieg in meinem Hals auf, und ein Sturm braute sich in meiner Magengegend zusammen.
„Mir geht es vollkommen gut, Pater. Danke.“
Zufrieden mit meiner Antwort, riss er sich aus meinem Griff und wandte sich der Straße zu. Ich beobachtete vom Gehweg aus, wie der Priester die Straße überquerte und im Fußgängerstrom untertauchte. Die rote Energie um ihn herum hatte sich nach unserer Begegnung aufgeladen und vibrierte nun in einem neuen, kräftigen Karmesinrot.
„Pater Dean“, schnurrte ich, während ich ihm zusah, wie er wegging. Mein Körper pulsierte, und der Knoten aus Hunger in meinem Magen war zu einem hartnäckigen Schmerz geworden, der zwischen meinen Schenkeln widerhallte.
Ich hatte schon viel zu lange nichts mehr gerochen, das so köstlich war wie dieser verbotene Leckerbissen. Er war die Antwort auf ein Gebet, das ich nie laut ausgesprochen hatte, und ich brannte darauf, mich an den Jahren aufgestauten Verlangens in seinem Körper zu laben.
Was auch immer er war, wer auch immer er war – er war der Preis am Ende einer Herausforderung, und ich war entschlossen, sie zu gewinnen. Dieser Priester würde mir gehören, komme, was wolle – und ich hatte schließlich schon genug von der Hölle gesehen.
Ich kannte seinen Namen und wusste, wo ich ihn finden konnte. Jetzt, wo seine sinnliche Essenz in meinen Sinnen eingebrannt war, konnte ich ihn aufspüren und verfolgen. Wenn die Sonne unterging und die Welt in Dunkelheit hüllte, würde ich Pater Dean in seinen Träumen einen Besuch abstatten und den ersten Stein für ein aufregendes neues Spiel legen.