Kapitel 1 – Die Abschlussfeier
„Eddy, steh auf. Es ist Zeit zum Aufwachen“, sagte ich zu Eddy. Er hielt mich fest umschlungen und weigerte sich, aus dem Bett zu steigen.
„Nur noch ein kleines bisschen, dann stehe ich auf. Du fühlst dich so weich an“, grummelte er. Er drückte seinen Kopf wie ein Baby fest an meine Brust.
„Das sagst du jedes Mal. Heute ist deine Abschlussfeier und du musst aufstehen“, sagte ich. Ich versuchte, mich aus seinem Griff zu winden. Seine Arme schlossen sich jedoch nur noch fester um mich.
„Eddy.“
„Schon gut, schon gut, ich bin ja wach.“ Er setzte sich auf und gab mir einen Kuss auf den Kopf. Dann machte er sich auf den Weg ins Bad. Kurz vor der Tür blieb er stehen und drehte sich zu mir um.
„Du bist übrigens wunderschön.“
„Du kriegst mich nicht mit unter die Dusche. Wenn du also schlau bist, gehst du jetzt ins Bad. In zehn Minuten bist du wieder draußen.“
„Ja, Mami“, sagte er und verschwand im Badezimmer.
Heute war seine Graduierung, und trotzdem musste ich ihn aus dem Bett werfen. Wir hatten noch etwa eine Stunde Zeit. Ich wusste genau, dass er ewig brauchte, um fertig zu werden. Du denkst jetzt sicher so was wie:
„Ich dachte, eigentlich brauchen Frauen immer so lange.“ Tja, nicht, wenn der Mann sich fünfmal umzieht, nur um von seiner Frau die richtige Reaktion zu bekommen.
Eddy war genau so ein Typ. Er liebte es, wenn ich ihm Komplimente für sein Outfit machte. Er war ein echter Selbstdarsteller, aber ich wollte ihn gar nicht anders haben.
„Bist du sicher, dass du nicht doch mit mir duschen willst? Ich sehe verdammt heiß aus, weißt du“, rief Eddy aus dem Bad. Ich ignorierte ihn einfach.
Neun Minuten später kam er aus dem Badezimmer.
„Du weißt, dass es Handtücher nicht ohne Grund gibt? Du musst hier nicht mit deinem kleinen Freund vor meiner Nase herumwedeln.“
„Dir gefällt er doch. Besonders, wenn er in dir steckt“, sagte er mit einem Augenzwinkern und verschwand im begehbaren Kleiderschrank.
Ich schüttelte nur den Kopf über seine Art und ging selbst ins Bad. Ich weigerte mich, mit ihm zu duschen, weil ich genau wusste, was dann passieren würde. Mit Eddy gab es kein unschuldiges Duschen. Wir kämen am Ende eine Stunde zu spät zu seiner Feier.
Nach dem Duschen trocknete ich mich ab und band mir das Handtuch um. Dann verließ ich das Bad.
„Was hältst du hiervon?“ Ich hatte es ja gesagt.
„Ich dachte, wir hätten gestern schon entschieden, was du anziehst. Warum fragst du mich jetzt schon wieder?“ Ich ging zum Frisiertisch und ließ das Handtuch fallen. Dann nahm ich meine Bodylotion und fing an, mich einzucremen.
„Brauchst du Hilfe dabei?“ fragte Eddy. Im Spiegel trafen sich unsere Blicke. Das Funkeln in seinen grünen Augen verriet mir, dass wir die Verspätung wohl nicht mehr verhindern konnten.
„Eddy, bleib, wo du bist“, warnte ich ihn. Er hörte natürlich nicht auf mich und kam mit langsamen, gezielten Schritten auf mich zu.
„Du weißt, dass ich dir nicht widerstehen kann. Du wirst jeden Tag schöner und dann soll ich dich nicht anfassen?“
„Eddy, du kommst zu spät“, flüsterte ich und versuchte schwach, ihn von mir wegzudrücken.
„Sieht es so aus, als ob mich das kümmert? Ich gehe nur zu dieser Feier, um Fotos mit dir zu machen, damit ich sie einrahmen kann. Ansonsten würde ich meine Zeit viel lieber damit verbringen, deinen Körper zu verehren.“ Er beugte sich zu meinem Hals und fuhr mit der Nase hoch zu meinem Ohr.
„Du riechst so verdammt gut und unwiderstehlich“, flüsterte er. Seine Hand wanderte nach unten. Doch genau in dem Moment, als er die Stelle erreichte, die sich schon nach ihm sehnte, klingelte sein Handy.
Das Klingeln wirkte wie ein Eimer kaltes Wasser. Es erinnerte mich daran, dass wir einen Termin hatten.
„Das ist noch nicht vorbei“, sagte er. Er gab mir einen schnellen Kuss auf die Lippen und ging zu seinem Telefon.
Ich atmete tief durch. Dann schnappte ich mir schnell meine Sachen und verschwand im Kleiderschrank, damit er mich nicht noch mal abfangen konnte.
Schließlich waren wir beide fertig angezogen. Ich trug ein kurzes schwarzes Kleid, schwarze Heels und eine rosa Handtasche. Eddy trug nach einigem Hin und Her eine schwarze Hose und ein hellblaues Hemd. Das Sakko ließ er einfach weg.
„Na, was für ein Gentleman“, frotzelte ich, als er mir die Autotür aufhielt. Ich stieg ein, er ging um den Wagen herum und ließ den Motor an. Dann fuhren wir los.
Auf dem Weg zur Uni bemerkte ich, dass Eddys Handy ständig klingelte. Er weigerte sich jedoch hartnäckig, ranzugehen.
„Was, wenn es wichtig ist?“ fragte ich ihn. Er sah kurz zu mir rüber, wandte den Blick aber sofort wieder der Straße zu.
„Was meinst du?“ fragte er zurück.
„Na, die Person, die dich die ganze Zeit anruft. Vielleicht ist es ja wichtig und du gehst einfach nicht ran“, sagte ich.
„Es ist nichts Wichtiges“, erwiderte er mit einem Lächeln.
„Na gut.“
Die Anrufe hörten nicht auf. Eddy schaltete das Handy schließlich stumm. Ich war fast versucht nachzusehen, wer da anrief, hielt mich aber zurück.
An der Uni angekommen, liefen wir Hand in Hand zur Aula, in der die Abschlussfeier stattfinden sollte.
Bald darauf ging es los. Die Studenten wurden nacheinander aufgerufen, um ihre Zeugnisse abzuholen. Eddy war noch nicht an der Reihe, aber er wirkte wie immer völlig tiefenentspannt.
„Und nun zum besten Absolventen dieses Jahrgangs, meine Damen und Herren: Wir präsentieren Ihnen Mr. Edward Arnold.“ Was?! Mit offenem Mund starrte ich Eddy an und fiel ihm um den Hals.
„Ich bin so unglaublich stolz auf dich“, sagte ich strahlend.
„Das bedeutet wohl, dass ich heute Abend eine tolle Belohnung bekomme, weil ich dich so stolz gemacht habe“, flüsterte er mir ins Ohr. Er ließ wirklich keine Gelegenheit für seine schmutzigen Gedanken aus.
Voller Stolz sah ich zu, wie er die Bühne betrat, um das Zeugnis entgegenzunehmen, für das er so hart gearbeitet hatte.
Ich jubelte und klatschte, als ich bemerkte, dass sein Handy wieder klingelte. Auf dem Display stand eine unbekannte Nummer.
Sollte ich abheben? Nein, besser nicht. Ich ignorierte den Anruf und konzentrierte mich wieder auf die Feier. Eddy hielt gerade eine ziemlich witzige Rede. Als er an seinen Platz zurückkam, setzte er mir seinen Doktorhut auf und drückte mir sein Zeugnis in die Hand.
„Ich bin stolz auf dich.“
„Danke, mein Schatz. Jetzt ist es Zeit für die Fotos.“
Wir standen auf und gingen nach draußen. Während wir noch am Fotografieren waren, klingelte sein Handy schon wieder.
„Entschuldige mich kurz, ich gehe da mal eben ran“, sagte er und ging ein Stück weg.
Ich wartete auf ihn, als ich plötzlich eine vertraute Stimme meinen Namen rufen hörte. Ich drehte mich um.