Dimitri

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Zusammenfassung

Ein kleiner Junge läuft einsam und allein durch den winterlichen Wald. Kurz, bevor er erfriert, findet ihn Raphael, ein Vampir, und nimmt ihn mit auf die Burg seines Königs. Dort soll Dimitri fortan dem Thronprinzen als Sklave dienen, doch bald schon werden die zwei Kinder beste Freunde.

Genre:
Fantasy
Autor:
Maurolycos
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
20
Rating
4.5 2 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

Ganz allein stolperte der kleine Junge durch den winterlichen Wald. Seine Tränen waren für den Moment versiegt, doch deutlich konnte man noch ihre Spuren in dem dreckigen Gesicht sehen. Inzwischen fror das Kind fürchterlich in seiner dünnen Kleidung und auch die Zehen in den durchnässten Schuhen waren längst blau gefroren.

Fest drückte er ein schmutziges Tuch an den schmächtigen Körper. Doch für ihn war es kein bloßes Tuch. Seine Mutter hatte es ihm genäht. Wenn man genau hinsah, konnte man abgenähte Arme und Beine, sowie einen Kopf mit einem aufgestickten Gesicht erkennen. Es war das wertvollste, was das Kind besaß. Es war die letzte Erinnerung an seine Mutter. Erneut flossen stumme Tränen über das kleine Gesicht. Er vermisste seine Mutter, doch sie würde ihn nie wieder in ihre Arme schließen.

So kalt und heftig wie dieser Winter war, so heiß und trocken war der Sommer gewesen. Nicht nur die Ernte seiner Familie war verdorrt, auch den anderen Familien war es ähnlich ergangen. Jeder im Dorf war hungrig gewesen, doch am schlimmsten hatte es seine Mutter getroffen. Sie hatte das wenige, das sie hatte, zum Großteil an ihren Erstgeborenen abgetreten, damit wenigstens der Junge nicht vor Hunger wach im Bett liegen musste.

Doch dadurch hatte ihr Körper keine Kraft gehabt, als mit der großen Kälte das Fieber kam.

Weinend war der Junge über dem leblosen Körper seiner Mutter gelegen und hatte sich erst von ihm gelöst, als sein Vater gewaltsam die kleinen Hände vom kalten, leblosen Körper der Mutter gelöst hatte.

Tröstende Worte hatte er keine gehabt für das Kind. Dafür Schläge und Beschimpfungen.

„Hör auf zu heulen, wie ein Mädchen. Jungen weinen nicht.“ hatte er ihn angefahren und ihm eine Ohrfeige verpasst, dass der Handabdruck des Vaters noch eine Stunde später zu sehen gewesen war.

Leise begann der Junge zu schluchzen und legte die Hand bei der Erinnerung an seine Wange. Dann zuckte er jedoch zusammen und biss sich auf die Lippe. ‚Bloß nicht weinen…’ dachte er.

Völlig erschöpft ließ sich das Kind auf einen Baumstamm sinken. Einen Monat war es her, dass seine Mutter ihn verlassen hatte. Er hatte sich wirklich gefreut, als sein Vater ihn heute mit in den Wald nehmen wollte. Er hatte sich auch nichts dabei gedacht, als sein Vater ihn auf einen Baumstumpf gesetzt hatte. Nicht einmal, als er mit den Worten „Warte hier auf mich, ich bin gleich zurück.“ gegangen war, hatte er sich etwas dabei gedacht. Doch eine Stunde später war dem Kind klar gewesen: der Vater würde nicht zurück kommen.

Seit Stunden stolperte er nun schon durch den Wald, versuchte, den Heimweg zu finden, versuchte, sich warm zu halten. Zu allem Überfluss war auch noch ein Schneesturm aufgezogen. Zitternd am ganzen Körper und von der Erschöpfung überwältigt rollte sich das Kind unter den tief hängenden Ästen einer Tanne zusammen. Er wollte nur noch schlafen.

Kurz darauf umarmte ihn eine gnädige Dunkelheit, doch noch immer umklammerten die kleinen, vor Kälte starren Finger, den Fetzen Stoff.