1. Coreys Geburtstag
❞ 𝐉𝐔𝐍𝐄
»Hast du alles?«, ruft Brady aus dem Bad heraus, wo er sich gerade noch rasiert. Ich werfe einen letzten Blick in den Holzkorb, der im Flur neben unserer Wohnungstür steht.
»Die Blumen, das Geschenk, Pralinen, die Konfettikanone«, zähle ich laut durch, damit er es hören kann.
»Was ist mit den Wunderkerzen?«, erkundigt er sich und steckt den Kopf zur Badtür heraus. Ich lache beim Anblick seines noch halb mit Rasierschaum bedeckten Gesichts.
»Stimmt, die hätte ich fast vergessen!« Brady rollt gespielt mit den Augen und verschwindet wieder, um sein Werk zu vollenden.
Als er zwei Minuten später in den Flur hinaus tritt, komme ich nicht drum herum, ihm einen Kuss auf die frisch rasierte Wange zu geben. »Du siehst verdammt gut aus«, flüstere ich ihm neckisch ins Ohr und mustere Brady noch einmal von oben bis unten.
Der Mann meiner Träume trägt einen schwarzen, maßgeschneiderten Anzug und sieht aus wie ein Männermodel, das man mir vom Cover des GQ Magazin direkt in die Wohnung teleportiert hat.
Liebevoll streicht er mir eine schwarze Haarsträhne hinters Ohr und lächelt, bevor er zwischen zwei zärtlichen Küssen »Das kann ich nur zurückgeben« haucht. Er spielt an dem dünnen Träger meines glitzernden Cocktailkleides und streift ihn gefährlich weit von meiner Schulter herunter.
»Wenn wir nicht zu spät kommen wollen, würde ich das an deiner Stelle lieber lassen«, warne ich ihn mit einem Kichern und rücke den Träger wieder zurecht. Brady seufzt und wirft mir einen jämmerlichen Hundeblick zu.
»Ich kann dir einfach nicht widerstehen«, säuselt er kokett und küsst mich erneut. Dieses Mal jedoch etwas intensiver, sodass ich eine leichte Gänsehaut bekomme. Dieser Mann findet mich auch nach fünf Jahren noch so anziehend wie am ersten Tag und macht keinen Hehl daraus.
»Ich liebe dich, June Wilson, zukünftige Misses Wright«, flüstert Brady mir ins Ohr, als wir uns gemeinsam in dem großen Standspiegel betrachten, der im Flur unseres Penthouses steht.
Er ist einen Kopf größer als ich, athletisch gebaut und hat einen dieser Slided-Back Undercuts, die ich bei Männern echt heiß finde. Durch das Styling Gel liegen die oberen, längeren Haare leicht schimmernd an seinem Kopf an und runden das elegante Outfit perfekt ab.
»Und ich liebe dich, Brady Wright«, gebe ich zurück, während er die Arme von hinten um mich schließt und meinen Hals mit ein paar zärtlichen Küssen pflastert.
Widerwillig winde mich aus seiner Umarmung und lege ihm die Hände auf die definierte Brust. »Wir müssen los«, erinnere ich ihn ernst und nicke in Richtung Wohnungstür. Brady nickt nun auch und lässt endlich von mir ab. Seinem gierigen Blick nach, würde er mich eigentlich lieber gleich hier im Flur das teure Kleid vom Leib pellen und über mich herfallen.
⋯―⋯
»Na, altes Haus!«, grüßt Brady meinen Kumpel Corey, als dieser uns eine dreiviertel Stunde später die Tür öffnet. Hinter ihm dringt relativ laute Musik und ein wahres Stimmengewirr aus der Wohnung.
»Was heißt denn hier altes Haus? Ich bin jetzt dreißig und nicht hundert«, lacht Corey. Ein paar deutliche Lachfalten zeichnen sich neben seinen Augen ab. Der Jüngste ist er eben doch nicht mehr.
»Kommt rein, ihr Banausen«, fordert er uns mit einer einladenden Geste in seine Wohnung auf.
Noch im Flur falle ich Corey um den Hals und drücke ihn, so fest ich kann. »Happy Birthday, Corey! Heute sollst du hochleben.«
Gleich darauf überreiche ich dem breitschultrigen Footballer unser Geschenk, eingepackt in dunkelgrünes Papier, sowie den Blumenstrauß und die Likörpralinen, die er so gern isst.
»Oh, na vielen Dank, ihr beiden«, erwidert er freudig und nimmt die Präsente entgegen. »Ich stelle mal eben die Blumen in Wasser und räume die hier lieber weg, bevor ich alle auf einmal wegfuttere«, sagt er zwinkernd und schüttelt die Pralinenschachtel.
Ich signalisiere Brady, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, sich mit der Konfettikanone und den Wunderkerzen an Daniel zu wenden. Unser Plan ist es nämlich, pünktlich um 22 Uhr, zu Coreys Geburtszeit, anzustoßen und es Konfetti regnen zu lassen.
Während mein Verlobter sich also zu Daniel begibt, nehme ich mir ein Sektglas von der kleinen Housebar und schlendere zu meinen Freundinnen Maeve und Sienna hinüber, die es sich auf der breiten Ledercouch im Wohnbereich gemütlich gemacht haben.
»Hey, Süße«, begrüßen die beiden mich im Chor und ich lächle glücklich.
»Na ihr zwei Hübschen. Seid ihr gut drauf?«, erkundige ich mich, während ich genau zwischen ihnen platz nehme.
»Na logo«, versichert Sienna mir mit quietschiger Stimme und prostet mir zu.
»Und was ist mit dir?«, will ich schließlich auch von Maeve wissen, die ebenfalls bis über beide Ohren strahlt und mir die Stirn küsst.
»Alles bestens”, antwortet sie knapp. Ihr breites Grinsen untermauert ihr Aussage, sodass weitere Nachfragen nicht zwingend notwendig sind.
»Meinst du, er wird sich über unser Geschenk freuen?«, flüstert Sienna nach einer Weile verstohlen, als Corey außer Hörweite ist. Ich nicke ihr mit einem wissenden Blick zu.
Es steht außer Frage, dass er sich darüber freuen wird. Sie, als seine Freundin, müsste das eigentlich wissen.
Ich für meinen Teil bin mir ziemlich sicher, dass Corey vor lauter Freude tatsächlich ganz aus dem Häuschen sein wird. Wir haben nämlich heimlich eine Rafting Tour und ein anschließendes Wochenende in einer Waldhütte organisiert, zu der wir ihn alle begleiten werden. Das wird eine unvergessliche Zeit für unsere Clique, auf die wir uns bereits alle riesig freuen.
⋯―⋯
21:58 Uhr beginnen Daniel und Brady die Wunderkerzen zu verteilen, damit wir sie gleich anzünden können, und wir versammeln uns in einem kleinen Kreis um Corey, der uns mit ratloser Miene beobachtet.
»Leute, was geschieht hier?«, fragt er gespielt unsicher und folgt mit dem Blick dem Feuerzeug, welches herumgereicht wird und eine Wunderkerze nach der anderen zum leuchten sprühen.
Dann sind es nur noch 10 Sekunden bis 22 Uhr und jeder von uns beginnt die letzten Sekunden runter zu zählen.
»Zehn - neun - acht - sieben - sechs - fünf - vier - drei - zwei - eins - HAPPY BIRTHDAY!«, rufen wir alle im Chor und Daniel lässt endlich die Konfettikanone explodieren, die einen gold-grünen Schnipselregen über Coreys Kopf ablässt, der daraufhin vor Freude laut zu lachen beginnt.
»Oh Mann, ihr seid wahnsinnig«, ruft er über das Gelächter, das darüber hinweg ausbricht.
»Na ja, vielleicht sind wir ein klein wenig verrückt«, gebe ich schulterzuckend zu und umarme ihn noch einmal. Sein herbes Männerparfum kitzelt mir in der Nase.
»Wir sind vielleicht sogar noch etwas verrückter, weil wir noch das hier für dich haben«, setzt Landon noch einen drauf und zückt den Umschlag mit dem Gutschein für das Rafting und das Wochenende im Holzhaus.
Corey klappt der Mund auf. Er braucht ein paar Sekunden, bis er seine Sprache wiederfindet: »Aber ihr habt mir doch schon Geschenke überreicht.« Zögerlich nimmt er den Umschlag entgegen.
»Da kannst du mal sehen, wie viel du uns bedeutest, Buddy«, lacht Brady und klopft ihm kumpelhaft auf die Schulter. »Nun mach schon auf!«
Er macht, was Brady verlangt und bekommt immer größere Augen, als er begreift, was da auf dem Gutschein geschrieben steht. »Das kann ich unmöglich annehmen, Leute. Das kostet doch ein Vermögen«, flüstert er schließlich gerührt und blickt zwischen uns allen hin und her.
Jetzt ist es Sienna, die ihm um den Hals fällt und dann zufrieden über die erfolgreiche Überraschung sagt: »Ach, was, mein Schatz. Wir haben alle zusammengelegt und das total gern.«
»Das wird richtig geil, Leute. Danke noch mal!« Coreys Augen glitzern vor Freude und weil sich ein wenig Wasser zwischen den Lidern angesammelt hat.
»Ey! Heul uns jetzt bloß nicht«, scherzt Daniel und gibt ihm einen leichten Klaps gegen die Schulter.
»Niemals!« Doch Coreys Schniefen verrät, dass er zumindest kurz davor war, ein paar Tränchen zu verdrücken.