Prolog
-Josie-
Die Luft um mich herum war voller Freude und Vorfreude. Meine Brautjungfern standen im Kreis um mich herum. Sie halfen mir bei den letzten Vorbereitungen, bevor wir den Gang zum Altar entlanglaufen würden. Jedes kleinste Detail wurde beachtet, damit mein Aussehen perfekt war. Es fühlte sich unwirklich an, dass mein großer Tag endlich da war.
Ich grinste breit, als ich mich im Spiegel betrachtete. Mein Hochzeitskleid hatte elegante Kurven und der feine Schleier floss meinen Rücken hinunter. Das Make-up war perfekt aufgetragen und betonte mein Gesicht. Mein Herz klopfte wie wild vor Aufregung. Ich konnte das Glück kaum fassen, das in mir aufstieg. Dieser Tag versprach, einfach perfekt zu werden.
„Noch ein letzter Toast, bevor du offiziell vom Markt bist“, scherzte meine beste Freundin Katie. Sie stand mit einem Glas in der Hand auf und ihre Augen funkelten voller Schabernack.
Ich lachte über ihren Spruch. „Du tust ja so, als würde ich lebenslänglich kriegen.“
„Kommt der Sache ziemlich nahe“, neckte sie mich liebevoll und hob ihr Glas. „Lass uns den Moment genießen. Wir feiern diesen wunderschönen Tag und dein Happy End.“
Wir stießen gemeinsam an, während Gelächter und Jubel den Raum füllten. Doch als ich einen Schluck nahm, fiel mir die Tür auf. Sie ging einen Spaltbreit auf und ich sah das besorgte Gesicht des Trauzeugen. Er spürte wohl, dass etwas nicht stimmte, und winkte Katie zu sich nach draußen. Sie ging zu ihm und sie tauschten leise Worte aus. Ihre Gesichter sahen sehr ernst aus.
Die anderen Brautjungfern fingen an, ihre Sachen zu packen, aber mich überkam ein ungutes Gefühl. Ich wurde den Gedanken nicht los, dass etwas schiefgelaufen war. Vor allem, als ich Katie und den Trauzeugen beobachtete. Die Unruhe in ihren Augen deutete auf ein Problem hin. Das legte einen Schatten über die bisher so fröhliche Stimmung.
„Bist du bereit, Josie?“
Ich antwortete nicht. Als meine Brautjungfern merkten, wohin ich starrte, wurden sie still. Sie folgten meinem Blick. Katie bemerkte, dass alle auf sie schauten. Sie sah zurück und sah mir direkt in die Augen. In diesem Moment spürte ich eine ganz neue Spannung zwischen uns. Es war ein wortloses Verständnis. Es war, als wüsste ich schon, was sie mir gleich sagen würde, obwohl ich verzweifelt hoffte, dass es nicht wahr wäre.
„Was ist denn los?“, fragte jemand. Die Stimme klang wie durch Watte, weil ich so verwirrt war.
Der Trauzeuge wand sich unbehaglich. Er wollte ganz offensichtlich nicht derjenige sein, der die schlechte Nachricht überbringt. Langsam kam Katie auf mich zu. Jeder ihrer Schritte wirkte schwer und zögerlich.
„Ähm... Josie“, fing sie an. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich wurde kreidebleich. „Es gibt da etwas, das du wissen musst...“
Den Rest ihrer Worte bekam ich nicht mehr mit. Ihre Lippen bewegten sich zwar schnell, aber ich musste die Details gar nicht hören. Ich begriff auch so, wie ernst die Lage war. Die traurigen Gesichter der anderen bestätigten meine schlimmsten Befürchtungen.
„Josie...“, rief Katie. Aber ich ließ mich nicht trösten. Ich drängte mich an der Gruppe vorbei, während meine Gefühle Achterbahn fuhren.
„Hey, Josie!“, rief eine andere Stimme hinter mir her, doch ich hielt nicht an.
Ich zögerte nicht. Mit einem heftigen Stoß schubste ich den Trauzeugen zur Seite, sodass er stolperte. Er versuchte nach mir zu greifen, aber ich ließ mich nicht aufhalten. Tränen schossen mir in die Augen, während ich weglief. Mein Herz war schwer vor Verrat. Der Ort, den wir extra wegen seiner Schönheit ausgesucht hatten, war nun durch seinen Betrug besudelt.
Ich stürmte durch die Flure und wich den Blicken der Gäste aus. Ich hörte Stimmen, die nach mir riefen und mich anflehten, stehen zu bleiben. Aber ich ignorierte sie. Mein Wille trieb mich voran. Obwohl das Flehen und die Rufe hinter mir lauter wurden, entwickelte ich eine Geschwindigkeit, die ich mir nie zugetraut hätte.
Ich riss die Tür zum Ausgang auf. Den Schleier riss ich mir vom Kopf und warf ihn weg. Ich schlüpfte aus meinen Schuhen und raffte mein Kleid hoch, um aus dem Gebäude zu fliehen. Autos säumten die Straße, aber ich sah nur die wartende Limousine. Sie war meine Rettung. Der Fahrer stand ahnungslos daneben und machte gerade eine Pause.
„Fahren Sie!“, befahl ich und packte ihn am Arm.
Er sah mich erschrock an. „Was ist denn passiert?“
„Fahren Sie einfach, jetzt sofort!“, drängte ich mit verzweifelter Stimme. „Egal wohin. Nur weg von hier.“
Ohne weitere Fragen stieg ich ein und der Fahrer tat es mir gleich. Mit quietschenden Reifen rasten wir davon. Ich ließ die neugierigen Blicke und das Mitleid meiner Verwandten hinter mir. Ich konnte ihnen nicht gegenübertreten. Ich wollte ihre Enttäuschung und ihren Schmerz nicht sehen. Also floh ich wie ein Feigling...