Prolog
~ ~ Dr. Chris Chambers ~ ~
Elf Jahre zuvor
„Erde an Chris!?“, schnauzte mein ältester Bruder Cal. „Hörst du mir überhaupt zu?“ Er nahm den Fuß vom Gas seines Streifenwagens und warf mir einen dieser berüchtigten Blicke zu, bei denen ich mich immer winzig klein fühlte.
Meine Lippen zuckten. „Was? Pff. Ja, natürlich.“
„Und ...“, hakte er nach.
Und was? „Okay.“ Ich hob grinsend eine Hand. „Nein, ich habe nicht zugehört.“
Cal murmelte etwas Unverständliches vor sich hin.
Mein Bruder wohnte in Big Springs, Howard County, und ich war aus Michigan zu Besuch, wo ich aktuell arbeitete. Ich flog immer runter, wenn ich frei hatte, oder fuhr nach Colorado, wohin meine Eltern gezogen waren, seit mein Vater aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangen war.
Cal hatte seinen Associate’s Degree gemacht, war zur Polizei gegangen und nach Texas gezogen, weil April, seine Frau, die er im College kennengelernt hatte, hier aufgewachsen war.
Ich hoffte, Michigan bald hinter mir lassen zu können. Adam, mein bester Freund, hatte mir den Tipp für eine Stelle am weltbekannten Mercy Heights gegeben. Er war schon eine Weile dort, und dort hatte er auch seine Frau Emma kennengelernt. Sie war die Leiterin der Herz-Thorax-Chirurgie. Ganz zu schweigen davon, dass sie genauso brillant wie wunderschön war. Er war ein verdammter Glückspilz.
Und ich hoffte, dass ich mit meinen hervorragenden Empfehlungen und einem guten Wort von Adam gute Chancen auf den Job hatte.
Die Zeit würde es zeigen, schätze ich.
Cal räusperte sich. „Ich habe gefragt: Warum kommst du nicht mit mir und April mit? Du hast die Woche frei, oder? Wir planen, hochzufliegen, um Jamie zu besuchen.“
Jamie war drei Jahre älter als ich und das mittlere Kind in unserer Familie. Zwischen ihm und Cal lagen nur achtzehn Monate.
„Du weißt, dass er und Claire gerade ihr erstes Kind bekommen haben, oder?“
Oh, ich wusste alles über ihr Kind. Das erste Enkelkind meiner Eltern war eine riesige Sache. Aber es war das Letzte, worüber ich reden – verdammt, worüber ich nachdenken wollte.
Doch nach dem festen Zug um den Kiefer meines Bruders zu urteilen, würde er das nicht einfach auf sich beruhen lassen. Hitze kroch mir in den Nacken, während Cal wie mit einer scharfen Handgranate vor meinen ohnehin schon angespannten Nerven spielte.
Tu’s nicht, Cal. Zieh nicht an dem Stift.
„Komm schon, Chris. Es ist Familie. Dein Neffe. Du willst ihn doch sicher kennenlernen, oder?“
Und da war sie, die Explosion in meiner Brust. Die Splitter rissen mir ein Stück der Lunge heraus.
Mein Grinsen verschwand. „Familie, Cal?“, zischte ich. „Willst du mich verarschen?“ Meine Stimme klang in meinen Ohren schrill, ein seltsamer Unterton, der so gar nicht zu mir passte. „Warum zur Hölle sollte ich das wollen – ihr Kind treffen?“ Die Explosion öffnete eine Büchse der Pandora, und weitere unangenehme Gefühle überrollten mich.
Doch Cal war noch nicht fertig. Verdammt noch mal, nein. Er hatte noch ein ganzes Arsenal an Granaten bereit.
„Glaubst du nicht, es ist an der Zeit, dass du ihnen verzeihst? Dass du nach vorne schaust, Chris? Du bist fast achtundzwanzig. Wie lange ist das jetzt her? Neun Jahre?“
Mein Kiefer zuckte, während ich sein Profil anstarrte. Was zum Teufel spielte es für eine Rolle, wie lange das her war?
Ein Teil von mir wollte lachen. Ich spürte, wie es in mir aufstieg und drohte, herauszubrechen.
„Red mit mir, Chris. Du sprichst nie darüber.“
Ja, und das wollte ich auch weiterhin nicht, aber jetzt hatte er die Wunde wieder weit aufgerissen ... „Darf ich dir eine Frage stellen, Cal?“
„Schieß los“, sagte er mit etwas zu viel Begeisterung für meinen Geschmack.
„Hättest du das jemals... mir gegenüber getan?“
Sein Schweigen sprach Bände, während er schwer durch die Nase ausatmete.
„Du kennst doch den Spruch, Blut ist dicker als Wasser, oder?“ Ich beobachtete, wie sich seine Finger fester um das Lenkrad klammerten. „Einfache Frage, Cal. Ja oder nein.“
Ich hörte ihn ein paar Flüche murmeln.
„Nein“, antwortete er schließlich.
„Nun, warum glaubst du dann, dass ich jemals vergessen werde, was sie getan haben?“
„Ich sage nicht, dass das, was sie getan haben, richtig war. Aber –“
Ich unterbrach ihn: „Verdammt, natürlich war das nicht richtig.“ Es brannte immer noch. Es tat weh. Selbst nach all den Jahren.
Aber er ließ nicht locker und hieb weiter auf mein Herz ein. „Sie haben sich verliebt, Chris.“
„Ja“, spottete ich. „Das haben sie.“
Und genau in diesem Moment war mein Geist wieder bei ihr. Bei Claire. Und jedes Mal, wenn ich die Kiste mit diesen Erinnerungen öffnete, sah ich das Mädchen, mit dem ich aufgewachsen war. Das Mädchen von nebenan. Ihre hübschen braunen Augen, das lange dunkle Haar und ihr süßes Lächeln.
Sie sagte, sie liebte mich.
Sie hatte sogar meinen verdammten Ring angenommen, kurz bevor ich fürs College wegging. Sie war mein Ein und Alles, oder zumindest so viel, wie man das mit achtzehn sein kann, schätze ich.
Claire war mein Erstes für so viele Dinge gewesen. Und ja, so klischeehaft es klingt, wir haben uns für den Abend des Abschlussballs aufgehoben – und leider zählt das für mich immer noch zu einem der besten Abende meines Lebens.
Pathetisch, ich weiß.
Und als ich nach meinem ersten Semester nach Hause kam, hatte sich für mich nichts geändert.
Aber verdammt. Für Claire hatte sich alles geändert.
Und mit zitternder Lippe und verdammt unechten Tränen erzählte sie mir, dass sie sich in Jamie verliebt hatte, meinen Bruder.
Sie sagten, es täte ihnen leid.
Sie sagten, es sei einfach passiert.
Sie hat sich für ihn entschieden.
Und der Tritt in die Eier: Sie sagte mir, sie würde mich immer noch lieben – wie einen Freund.
Freunde? Ha. Sie hatte mein Herz gerade eingeschläfert, wie einen verdammten Hund, und sie wollte meine Freundin sein!?
Also tat ich das Einzige, was mich davor bewahrte, völlig durchzudrehen. Ich bin sicher, jeder um mich herum hielt mich für melodramatisch, als ich den Kontakt abbrach. Ich weigerte mich, mit ihnen zu sprechen. Tat so, als würden sie gar nicht existieren.
Warum konnte keiner von ihnen sehen, dass es für mich die schlimmste Art von Verrat war?
Ich war Jamie immer am nächsten gestanden. Ich hatte zu ihm aufgeschaut. Er war ein Football-Star. Eine Legende. Mein verdammter Held, und er wusste, was sie mir bedeutete.
War es, weil sie mit achtzehn dachten, ich sollte einfach darüber hinwegkommen können? Weitermachen?
Ich hätte ihn niemals – niemals – so hintergangen, denn Blut bedeutete mir etwas.
„Sie würden sich freuen, wenn du kommst.“
„Ja“, stieß ich hervor. „Und ich würde mich freuen, Elvis zu treffen. Aber das wird wohl nichts.“ Nenn mich verbittert, aber das war etwas, worüber ich einfach nicht hinwegkam.
„Mama und Papa wollen dich dort haben. Wir alle wollen dich dort haben, Chris.“
„Mensch, Cal. Hör auf mit dem schlechten Gewissen, ja?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, dass mich jemand vermissen wird.“
„Verdammt. Chris“, schnauzte er. „Natürlich würden sie –“ Sein Funkgerät unterbrach seine Tirade.
„Wir haben eine Meldung über eine Ruhestörung in der Evergreen 3334. Häusliche Gewalt“, kündigte eine knisternde Stimme an.
„Bist du bereit, mitzukommen?“, fragte er mich.
„Klar.“ Verdammt, alles war besser, als mich weiter mit der Vergangenheit und seinem Verhör zu beschäftigen.
Cal schaltete das Blaulicht ein, und gut sechs Minuten später hielten wir vor der angegebenen Adresse. Wir waren die Ersten vor Ort.
Wenn ich mich umsah, wirkte es wie eine ruhige Nachbarschaft, die man nicht mit Ärger in Verbindung bringen würde. Gepflegte Grundstücke mit ordentlichen Vorgärten. Einige mit stolz wehenden amerikanischen Flaggen.
Aber was wusste ich schon?
„Scheiße!“, sagte Cal und löste seinen Sicherheitsgurt. Ich folgte seinem Blick, als er aus dem Auto stieg, und gleichzeitig sah ich, wie er das Holster seiner Waffe entriegelte.
Dort, in einem dunklen, offenen Türrahmen, stand ein Mädchen. Sie war nicht allein. An sie geklammert war ein jüngeres Kind – ein Junge? Ich konnte es nicht genau sagen, aber ihre Schultern bebten, als würden sie weinen.
Von meinem Platz aus konnte ich ihr Gesicht nicht genau erkennen, aber es war klar zu sehen, was sie in ihrer zitternden Hand hielt.
Eine Waffe.
Heilige Scheiße.
Cal gab sich als Polizist zu erkennen und forderte sie auf, die Waffe fallen zu lassen und auf ihn zuzukommen.
Sie blieb wie angewurzelt stehen und sah dann über die Schulter zurück in das Haus.
„Schau mich an. Hierher“, ermutigte sie mein Bruder.
Ihr Kopf wirbelte zurück und ihre Füße bewegten sich langsam, bis sie ins Licht der Veranda traten.
Das gab mir eine bessere Sicht, während ich mich nach vorne lehnte.
„Ich muss dich bitten, die Waffe fallen zu lassen“, wies er sie ein zweites Mal an.
Sie fiel aus ihren Händen, und ich atmete zum ersten Mal richtig tief durch.
„Gut. Das ist gut. Komm jetzt zu mir. Ich helfe dir.“ Er wurde in seinem Tonfall weicher. „Es wird alles gut.“
Sie machte einen Schritt und dann noch einen, während sie beide Arme um das Kind schlang, das sie hielt und dessen Schluchzen ich jetzt deutlich hören konnte.
Ich versuchte, ihren Gesichtsausdruck zu deuten. Sie war ein hübsches kleines Ding. Konnte nicht mehr als, was? Zehn Jahre alt sein?
„Genau so. Das machst du toll, Süße“, hörte ich das Beben in Cals Stimme, als er versuchte, sie zu beruhigen. „Komm weiter auf mich zu.“ Er neigte seine Waffe etwas nach unten und bedeutete ihr mit der anderen Hand, näher zu kommen.
Sie machte ein paar weitere zögerliche Schritte.
In der Ferne hörte ich weitere Sirenen auf uns zukommen. Im Rückspiegel sah ich ihre blinkenden Lichter. Rot. Blau.
Meine Augen fixierten wieder das Mädchen; sie fing an, rückwärts zu gehen und ließ den Blick nervös über den Vorgarten schweifen.
Mein Bruder funkte die Zentrale an und fragte nach der Ankunftszeit der Rettungskräfte.
Ich hörte, wie die Leitstelle ihm mitteilte, dass sie bereits unterwegs waren, es aber eine Verzögerung gab.
Cal fluchte.
Die zwei Streifenwagen, die nun neben dem Auto meines Bruders hielten, machten die Motoren aus. Die Beamten stiegen aus, insgesamt vier, und zogen ihre Waffen. Einer behielt meinen Bruder im Auge, die anderen beobachteten die beiden Kinder.
„Schau mich an. Nur mich. Niemand hier wird dir wehtun“, versuchte mein Bruder sie zu beruhigen.
Die anderen Beamten bewegten sich um Cals Auto herum, und einer von ihnen fragte das Mädchen, ob jemand im Haus sei. Sie nickte.
Sie gaben meinem Bruder ein Zeichen. Er nickte kurz, dann übernahmen sie die Führung und bewegten sich am Rand entlang auf das Haus zu, bereit einzudringen.
Ich beobachtete immer noch das Mädchen, wie sie sich fest an das jüngere Kind klammerte. Sie selbst war ziemlich klein, und ich fragte mich, wie sie ihn überhaupt halten konnte.
„Chris!“, rief mein Bruder über die Schulter. „Ich brauche deine Hilfe.“
Was zum Teufel? Wollte er meine Hilfe?
Ich löste meinen Gurt, öffnete die Tür und stieg aus, wobei ich sie offen ließ. Sorge stand Cal ins Gesicht geschrieben. Mein Bruder liebte Kinder, und ich wusste, wie sehr er es hasste, zu Einsätzen gerufen zu werden, bei denen sie mitten in solch beschissene Situationen gerieten.
Und das hier sah verdammt schlimm aus, auch ohne die Hintergründe zu kennen.
„Kannst du sie für mich untersuchen? Die Sanitäter sind auf dem Weg, aber ich will, dass du einen Blick drauf wirfst.“
Mit hämmerndem Herzen nickte ich und ging auf die Kinder zu. Meine Schritte waren langsam, die Hände hob ich hoch, damit sie sahen, dass ich keine Gefahr für sie darstellte.
Als ich näher kam, bohrten sich durchdringende blaue Augen, erfüllt von blankem Entsetzen, in meine.
Mir blieb die Luft weg. Ich verstand es nicht. Lebensgefährliche Situationen waren nichts Neues für mich, aber die Verzweiflung in ihrem Gesicht löste in meinem Inneren etwas aus.
Aus dieser Nähe sah ich einen Schnitt über ihrem rechten Auge. Da war ein blauer Fleck auf ihrer linken Wange und Sprenkel, die wie Blut aussahen, auf ihrer linken Kieferseite. Nichts, was Narben hinterlassen würde... zumindest nicht auf der Haut.
Sie zitterte so heftig, während sie den kleinen Jungen umklammerte, der – wenn ich wetten müsste – ihr Bruder war.
Ich lächelte und sprach sanft. „Hey, Süße. Ich bin Arzt.“ Es schien wichtig, das zu sagen, für den Fall, dass sie Angst vor der Polizei hatte. „Darf ich näher kommen und dich und deinen Bruder untersuchen?“
Ihre Augen weiteten sich und ihre Unterlippe bebte.
Mein Herz hämmerte bis zum Hals. „Ich verspreche dir, ich werde euch nicht wehtun – keinem von euch.“
Was zum Teufel war in diesem Haus passiert?
Sie nickte, unterdrückte aber ein Schluchzen. Ich konnte fast hören, wie ihr Herz gegen ihren winzigen Brustkorb hämmerte.
Ich warf einen schnellen Blick auf sie, jetzt weniger als einen Meter entfernt. Barfuß, in einem pinkfarbenen Schlafanzug. Er sah etwas schmutzig und vielleicht eine Nummer zu klein aus, aber eines war klar: Sie brauchte ein Bad und eine ordentliche Mahlzeit.
„Hey“, sagte ich, das Lächeln fest auf den Lippen. „Du machst das toll, Süße.“
Verdammt noch mal.
Ihr Brustkorb sackte in sich zusammen, ihre Augen rollten nach hinten, und sie klappte wie ein Anker zusammen. Ich fing beide gerade noch auf, bevor sie auf das Gras fielen.
Ihr gemeinsames Gewicht war schwerer als erwartet. Ich kämpfte um mein Gleichgewicht, schaffte es aber irgendwie, uns alle sanft zu Boden zu bringen. Ich hielt sie gut fest und stellte mir all die Szenarien vor, die diese beiden Kinder heute – oder vielleicht schon seit Jahren – mitansehen oder ertragen mussten.
Als ich auf sie hinunterblickte, hob der kleine Junge den Kopf. Wässrige blaue Augen, dieselbe Farbe wie bei seiner Schwester, spähten zu mir auf.
„Hey, kleiner Mann.“
Seine Haut war so blass, selbst mit den roten Flecken auf seinen Wangen. Seine Lippen waren leicht bläulich und sein schokobraunes Haar, genau wie das seiner Schwester, hätte dringend eine Wäsche nötig.
Er konnte nicht mehr als, was? Vier oder fünf sein.
Wieder machte ich eine visuelle Untersuchung, fragte aber auch: „Kannst du mir sagen, ob du irgendwo verletzt bist?“ Von dem, was ich sehen konnte, gab es keine akuten körperlichen Verletzungen.
Er schüttelte den Kopf.
„Ist das deine Schwester?“
Er nickte und schniefte. „Beffanie“, sagte er.
„Beffanie?“, wiederholte ich, dann machte es Klick. „Bethany, Beth? Deine Schwester heißt Bethany?“
Sein kleiner Kopf wippte. „Und wie heißt du, kleiner Mann?“
„Beck“, sagte er diesmal deutlicher.
„Hallo, Beck. Ich bin Chris. Kannst du dich neben mich setzen, damit ich Bethany untersuchen kann? Um sicherzugehen, dass es ihr gut geht?“
Ich legte Beth vorsichtig flach hin. Beck löste seine Arme von ihrem Hals und ließ sich von mir neben mich setzen. Ich wuschelte ihm durch das Haar. „Gut. Bleib einfach da sitzen, okay?“
Meine Aufmerksamkeit galt nun seiner Schwester. Ich prüfte ihre Vitalfunktionen. Mein erster Gedanke war, dass sie eine situative Synkope erlitten hatte; ihr kleiner Körper reagierte über auf den emotionalen Stress. Aber ich würde den Sanitätern Bescheid geben, damit sie sie zur Sicherheit auch auf eine kardiale Synkope untersuchten.
Ich fühlte mich etwas wohler, als ich Becks kleine Hand auf meinem Arm spürte. Ich sah zu ihm. „Ja, Beck?“
Er sah auf seine Schwester hinunter. „Beffanie, ist sie okay?“, schniefte er und wischte sich mit der anderen Hand über die Nase.
„Klar, kleiner Mann. Sie schläft nur.“ Ich hob den Kopf, als ich die Sirenen hörte. Die Sanitäter waren nah.
Ich sah wieder zu Beck. „Ich bringe dich und deine Schwester an einen sicheren Ort, okay?“ Ich hatte keine Ahnung, warum ich das sagte, aber weitere Versprechen sprudelten aus mir heraus. „Wo euch niemand wehtun kann.“
Er ließ die Unterlippe hängen, nickte aber wieder.
„Alles wird gut“, versprach ich erneut.
Und in diesem Moment wusste ich es. Egal was passierte. Ich würde dafür sorgen, dass es diesen beiden Kindern gut ging. Dass sie sicher waren.
Er nickte, lächelte aber nicht. Wahrscheinlich glaubte er kein Wort von dem, was ich sagte. Doch aus dem Augenwinkel sah ich, wie einer der Polizisten, der im Haus gewesen war, wieder herauskam. Sie riefen Cal zu, dass die Gefahr neutralisiert sei, und er steckte seine Waffe weg.
Ich war nicht sicher, was das bedeutete, aber bei dem Gesichtsausdruck, den er hatte – was auch immer sie drinnen gefunden hatten, es war nicht gut.
Cal steckte seine Waffe weg und kam auf uns zu, gerade als die Sanitäter eintrafen. „Danke, Chris“, sagte er zu mir, doch seine Augen ruhten auf den Kindern. Er hockte sich hin, sah Bethany und dann Beck an und lächelte.
„Ich fahre mit ihnen mit. Ins Krankenhaus.“
Cal öffnete überrascht den Mund, blinzelte, nicht ganz verstehend. „Was? Willst du das?“
Ich sah auf Bethany hinunter. „Ja.“