Bleibe ruhig
In den tiefen WĂ€ldern von South Carolina, wo die BĂ€ume wie alte WĂ€chter in den Himmel ragen und das Sonnenlicht sich durch das BlĂ€tterdach schlĂ€ngelt, entsteht an einem glĂŒhend heiĂen Sommertag ein neues Kapitel in meinem Leben. Gemeinsam mit meinem Vater Henry und meiner Stiefmutter Grace erheben wir meine zweistöckige moderne Glasvilla aus den Schatten der Natur. Ein Bauwerk, das die Grenzen zwischen Innen und AuĂen verschwimmen lĂ€sst, wie die Geheimnisse, die tief in den WĂ€ldern verborgen liegen.ï»ż
Mein Name ist Mia Jones, ein Name, der auf den Winden der VerĂ€nderung getragen wird, wĂ€hrend ich mich im Alter von 21 Jahren von den Weiten Washingtons in die geheimnisvollen WĂ€lder von South Carolina begebe. Mein Herz schlĂ€gt im Takt der VerheiĂung, die in der Zusage fĂŒr mein Psychologiestudium liegt, ein Wegweiser fĂŒr meine Seele in die Tiefen des menschlichen Geistes.
FĂŒr mich ist dieses Haus mehr als nur ein GebĂ€ude aus Glas und Stahl. Es ist ein Spiegel meiner TrĂ€ume, ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft sich in den Scheiben widerspiegeln, wĂ€hrend die Sonne ihre goldenen Finger ĂŒber die Fassade gleiten lĂ€sst.
âDas Essen ist im Ofen, du musst heute nicht kochen. Alle elektrischen GerĂ€te sind installiert, die Lampen leuchten und das Ăberwachungssystem ist aktiviert. Den TĂŒr-Code habe ich neben dem Ăberwachungsdisplay notiert. Habe ich etwas vergessen, Grace?â Sein leicht verwirrtes Verhalten zaubert mir ein LĂ€cheln auf die Lippen. Nervös dreht er sich um und blickt durch das gerĂ€umige Wohnzimmer.
âReg dich nicht auf. Alles ist bestens versorgt. Mia wĂŒrde sich freuen, wenn du sie endlich in Ruhe lassen wĂŒrdestâ, sagt meine Stiefmutter Grace und bringt mich zum Schmunzeln. âIch möchte nur sicherstellen, dass ihr an nichts fehltâ, verteidigt sich mein Vater. Er streicht sich einmal ĂŒber sein volles, edelweiĂes Haar und wird von mir liebevoll umarmt. âEs ist alles erledigt, Papa. Ihr könnt jetzt zurĂŒckfahren. Sonst verpasst ihr euren Flug nach Japan, von dem ihr so lange getrĂ€umt habt.â Ich reibe beruhigend ĂŒber seine Schulter. âVielleicht sollte ich ohne ihn fliegen?â, neckt Grace ihn erneut und zaubert mir ein weiteres LĂ€cheln ins Gesicht. âOkay, okay. Ich gehe schonâ, hebt er beschwichtigend beide Arme an. âWir sehen uns, Schatz. Pass auf dich auf und melde dich, wenn etwas sein sollte.â Grace umarmt mich, bevor sie die TĂŒr öffnet und hinausgeht. âKeine wilden Partys, und dein Handy bleibt die ganze Zeit eingeschaltetâ, mahnt mein Vater mit dem Finger auf mich gerichtet. Ich nicke und verabschiede mich mit einer herzlichen Umarmung. Als Grace im Auto hupt, hat mein Vater keine andere Wahl, als mich loszulassen und mit TrĂ€nen in den Augen die Villa zu verlassen. âDu bist so schnell erwachsen geworden. Das ist einfach zu viel fĂŒr michâ, jammert er, wĂ€hrend er die AutotĂŒr öffnet.
So habe ich mich von ihnen verabschiedet, zu Abend gegessen und bereite mich nun in meinem Zimmer auf den Schlaf vor. Vor meinem Schminktisch richte ich meine langen, lockigen orangefarbenen Haare und creme mein helles Gesicht mit den Sommersprossen ein. Ich trage ein weiĂes kurzes Nachtkleid mit einem tiefen Ausschnitt, das sanft an meinem zierlichen Körper liegt. DrauĂen tanzt der Regen sanft gegen das Panoramafenster wie ein leises Klavierkonzert, jeder Tropfen eine Note in der nĂ€chtlichen Symphonie. Das Mondscheinlicht dringt durch die Fenster wie ein vertrĂ€umter Liebhaber, der sanft die Dunkelheit durchdringt und mein Zimmer in ein zauberhaftes GemĂ€lde aus Schatten und Licht taucht.
Mit entblöĂten FĂŒĂen schreite ich behutsam zu meinem Schreibtisch, wo meine PsychologiebĂŒcher fĂŒr das bevorstehende Studium bereitliegen. Ich setze mich mit den BĂŒchern auf mein Bett und öffne die erste Seite, als plötzlich ein LĂ€rm am Hintereingang meine Aufmerksamkeit erregt. Ich stehe auf, trete vor das Panoramafenster und sehe einen Streifenwagen, der völlig deformiert und mit Kugeln verziert ist, mit einer Vollbremsung vor meiner Villa zum Stillstand kommen.
Zwei maskierte Gestalten steigen aus dem Wagen, gekleidet in tiefschwarze Tanktops und Jeans. Ihre dunklen Skimasken verbergen ihre Gesichter, doch ihre Augen strahlen eine bedrohliche Entschlossenheit aus. Sie zerren einen Mann in einem Anzug aus dem Kofferraum und schleudern ihn auf den Rasen. Seine blutende SchlÀfe und Nase lassen seine Angst deutlich erkennen, wÀhrend sie seine HÀnde und Beine fesseln.
âWas nun?â, spricht einer der maskierten MĂ€nner. âWir warten auf Black Lion. Er wird wissen, was zu tun ist.â Mit diesen Worten taucht jemand aus dem Wald auf einem tiefschwarzen Motorrad auf, das direkt auf meine Villa zusteuert. Mit geschickten Manövern stoppt er das Motorrad. Der Mann, der von dem Motorrad absteigt, strahlt eine dĂŒstere Aura aus, die mich vor Angst schlucken lĂ€sst.
Er ist gröĂer als die anderen MĂ€nner, ich schĂ€tze ihn auf 1,95 Meter. Er trĂ€gt eine Maske, die sein Gesicht vollstĂ€ndig verhĂŒllt und am Hinterkopf mit einem straffen Gummi festgezurrt ist. Diese Maske ist von einer weiĂen Skelettmusterung geprĂ€gt, mit dĂŒsteren schwarzen Konturen um die Augen, die Wangen und die ZĂ€hne. Sein Haar am Ansatz ist tiefschwarz, dicht und fĂ€llt sanft zur Seite, wĂ€hrend die Seiten Ă€uĂerst kurz rasiert sind. Besonders auffĂ€llig ist eine StrĂ€hne vorne, die so lang ist, dass sie bis zu den Lippen reicht.
Seine Augen strahlen in zwei verschiedenen Farben. Ein Auge weiĂblau, das andere lila, eine dĂŒstere und bedrohliche Kombination. Auf seinem Hals steht das Wort âDeadâ, eine grausame Erinnerung an vergangene SĂŒnden. Auf seinem muskulösen Körper trĂ€gt er nichts auĂer zahlreichen silbernen Ketten und eine frische Schusswunde am Rand seines Bauches. Ein Tattoo mit der Aufschrift âthe devil fucks you!â ziert sein SchlĂŒsselbein.
Zwischen seinen BrĂŒsten prangt ein Teufel mit flammenden, ausgebreiteten FlĂŒgeln, unterhalb der Brust. Auf seinem Bauch sind Dutzende von mysteriösen Symbolen tĂ€towiert, die unmöglich zu entziffern sind. Seine muskulösen Arme, an denen jede Ader sichtbar ist, sind von Flammen umgeben, die Dutzende von Skeletten verbrennen, die verzweifelt nach Hilfe rufen. Obwohl seine HĂ€nde in den tiefschwarzen Handschuhen verborgen sind, sind die Spuren der TĂ€towierungen an seinen Armen bis zu den HĂ€nden zu erkennen. Seine krĂ€ftigen Beine sind in einer tiefschwarzen sportlichen Hose mit vielen Taschen und Ketten verhĂŒllt. Der weiĂe Bund seiner Boxershorts blitzt hervor. Wenn seine robusten Stiefel den nassen Rasen betreten, wird sein Körper vom Regen benetzt. Die Regentropfen gleiten von seinen muskulösen BrĂŒsten hinab bis zum Bund seiner Boxershorts, als ob sie den Weg des Lebens nachzeichnen wĂŒrden, der unaufhaltsam seinen Lauf nimmt. Das Blut, das an der Stelle steckt, wo die Kugel eingedrungen ist, wird vom Regen fortgespĂŒlt, jedoch flieĂt sein roter Lebenssaft unbeirrt weiter, ein dĂŒsteres Zeugnis seiner Verletzlichkeit und StĂ€rke zugleich.
Seine PrĂ€senz erfĂŒllt den Raum mit einer beĂ€ngstigenden Aura, die meine Beine zum Zittern bringt, als stĂŒnde ich vor einem Abgrund, der in die Dunkelheit hinabfĂŒhrt. Seine Erscheinung ist wie ein Schatten, der die Luft um mich herum verdunkelt und eine KĂ€lte in mir auslöst, die bis tief in meine Knochen dringt. Es ist, als ob die dĂŒsteren Geheimnisse der Nacht in seiner Gestalt Gestalt angenommen haben und sich in meinen Gedanken festkrallen wie bösartige DĂ€monen.
Seine Augen, die in einem unheimlichen Ton leuchten, durchdringen meine Seele und enthĂŒllen AbgrĂŒnde von Dunkelheit und Verzweiflung. Jede Bewegung seiner starken Arme und Beine erweckt eine unbeschreibliche Angst in mir, als wĂ€re ich Zeuge eines albtraumhaften Schauspiels, das keine Grenzen kennt.
âBringt ihn reinâ, hallt die befehlende Stimme durch die Nacht, kalt und unnachgiebig wie der Schatten, der ĂŒber der Szene liegt. Die Worte durchdringen die Dunkelheit und lassen keinen Raum fĂŒr Widerspruch oder Zweifel. Ein Hauch von Angst und Drohung schwingt in der Stimme mit, und die maskierten MĂ€nner gehorchen dem Befehl, ohne zu zögern, als ob sie Marionetten in einem dĂŒsteren Spiel wĂ€ren, das von unsichtbaren FĂ€den gelenkt wird.
Als die beiden maskierten MĂ€nner den verletzten Mann anheben, wird mir schlagartig bewusst, dass die TerrassentĂŒr unverschlossen ist. Ein Schauer lĂ€uft mir ĂŒber den RĂŒcken, als ich die Gefahr erkenne. Mit aller Macht renne ich aus meinem Zimmer, eile zwischen den TĂŒren und dem Panoramafenster durch den schmalen Gang und stĂŒrze mich die Treppe hinunter. Vor der HaustĂŒr angekommen, versuche ich panisch den Code einzutippen, der an der Wand steht. Ein schneller Blick zurĂŒck genĂŒgt, um den maskierten Mann mit den unheilvollen Augen zu erkennen, wie er auf mich aufmerksam wird.
Bevor ich die letzte Zahl eintippen kann, hĂ€mmert er so kraftvoll mit dem FuĂ gegen die TerrassentĂŒr, dass sie aufschwingt. Mit einem Schreckensschauer durchfĂ€hrt mich die pure Angst, und ich verstecke mich hastig unter dem kleinen Beistelltisch, als er mit seinen GefĂ€hrten in den Raum eindringt. Die Dunkelheit umhĂŒllt mich wie ein schĂŒtzender Mantel, wĂ€hrend ich den Atem anhalte und das dumpfe Pochen meines Herzens in meinen Ohren widerhallt.
âSchaut nach, ob jemand noch oben istâ, verlangt er von seinen Komplizen mit einer unheilvollen AutoritĂ€t in der Stimme. âOh ja! Es wird Zeit, die WĂ€nde wieder mit unserem Symbol zu kennzeichnen. Ich hoffe, sie bluten mehr als die letzten Typen. Da hatte das Blut nicht mehr fĂŒr das letzte Wort gereichtâ, prahlt einer der MĂ€nner mit einer makabren Freude, die mir einen Schauer ĂŒber den RĂŒcken jagt. Vor Angst pressen meine HĂ€nde an meine Lippen, um nicht laut aufzuschreien.
âSpinn nicht herum, Ceyce! Wir werden hier fĂŒr eine Weile bleiben, und ich möchte kein Chaos habenâ, mahnt der andere, der nun den Arm des gefesselten Mannes loslĂ€sst. Die beiden MĂ€nner eilen an mir vorbei, und ich presse meine Augen fest zusammen. Als ich höre, wie sie die Treppen nach oben rennen, wage ich es langsam, sie wieder zu öffnen. Ein perfekter Blick auf den Mann mit der Skelettmaske bietet sich mir, wie er sich nun in Richtung der offenen KĂŒche bewegt. Auf seinem RĂŒcken ragen zwei gigantische, tiefschwarze dĂ€monische FlĂŒgel empor, als wĂ€ren sie seine eigenen, zwischen ihnen steht ein Name in unentzifferbaren Schriften. In seinem Hosenbund steckt eine Waffe, und mein Herz droht vor Angst zu zerspringen.
Er öffnet den KĂŒhlschrank und hebt einige GetrĂ€nke hoch, lĂ€sst sie jedoch wieder zurĂŒckfallen. âWie kann man in einer solchen Villa leben und keinen Alkohol besitzen? Als wĂ€re ich zu Gast beim Papst!â, donnert er und schlĂ€gt die KĂŒhlschranktĂŒr mit voller Wucht zu. Meine Augen klappen vor Angst zusammen, als die Vorstellung, getötet zu werden, mich lĂ€hmt. Der maskierte Mann durchsucht nun die Schubladen und SchrĂ€nke, holt ein scharfes Messer, einen kleinen Löffel und eine Dose mit scharfem Chilipulver heraus, lĂ€sst heiĂes Wasser ins Waschbecken flieĂen und hĂ€lt den Lappen darunter, ohne auf den Schmerz zu achten. Er dreht den Wasserhahn ab, zerdrĂŒckt den Lappen und verlĂ€sst die KĂŒche wieder. Diesmal öffnet er ungeduldig den Erste-Hilfe-Koffer.
Er lĂ€sst sich schwer auf die Couch fallen, stellt die Utensilien neben sich ab und öffnet den Deckel der Chilipulverdose. Mit bedrohlicher Langsamkeit zieht er die Maske bis zu seinem Nasenbein hoch, und ich erkenne seine vollen, rötlichen Lippen, voller Symmetrie und beinahe verfĂŒhrerisch in ihrer Grausamkeit. Ein schauriges Schauspiel entfaltet sich vor meinen Augen, als er seine Zunge herausstreckt und sein Zungenpiercing sichtbar wird, bevor er den ganzen scharfen Chilipulver in seinen Mund kippt. Die leere Dose schleudert er auf den Tisch, zieht die Maske herunter und beginnt mit dem Messer die Kugel aus der Wunde zu entfernen.
Mit jedem Schnitt, der tiefer geht, spritzt mehr Blut hervor, und mein Magen verkrampft sich vor Ekel und Panik. Als er seinen Kopf minimal in meine Richtung dreht, schlieĂe ich die Augen aus purer Angst, dass er meine Anwesenheit spĂŒren könnte. Die Stille wird von dem gerĂ€uschvollen Schmatzen und dem tropfenden Blut untermalt, ein verstörendes Konzert des Schreckens, das in meine Seele eindringt und mich erstarren lĂ€sst. Die Vorstellung, dass er mich entdecken könnte, lĂ€sst mich erstarren, als ob ich ein Opfer in seiner dĂŒsteren Inszenierung wĂ€re, unfĂ€hig, mich zu bewegen oder zu atmen.
Ich wage es, ihn wieder anzusehen. Er scheint die Kugel so positioniert zu haben, dass er nun mit dem kleinen Löffel vorgehen kann. Mit geschickten Bewegungen nimmt er die Kugel und wirft sie zusammen mit dem Löffel in eine SchĂŒssel. Der nasse, heiĂe Lappen drĂŒckt er auf die blutende Wunde, sĂ€ubert die Umgebung und öffnet anschlieĂend erneut den Erste-Hilfe-Koffer.
âWas fĂŒr eine ScheiĂe ist das denn?â, entfĂ€hrt es ihm, als er feststellt, dass der Koffer auĂer selbstgemachten Keksen nichts Brauchbares enthĂ€lt. Mein Vater hat vergessen, mir einen ordentlichen Erste-Hilfe-Koffer zu besorgen. VerblĂŒfft starrt er auf die Kekse, als wĂ€re er selbst nicht sicher, was er mit ihnen anfangen soll. Sein Kopf gleitet erneut langsam in meine Richtung. Mit den HĂ€nden, die immer noch fest an meinen Lippen haften, schlieĂe ich die Augen. Ein dumpfes GerĂ€usch lĂ€sst mich aufschrecken, und als ich sie wieder öffne, sehe ich, dass er den Koffer auf den Tisch geworfen hat und sich zur Kommode neben der KĂŒche bewegt.
Die Hand drĂŒckt er an die blutende Stelle, er durchwĂŒhlt die Schubladen, doch findet nicht, wonach er sucht. Langsam nĂ€hert er sich mir. Meine Augen schlieĂen sich, mein Herz hĂ€mmert gegen meine Brust. Ein Schatten fĂ€llt auf mein Gesicht, und ich öffne sie wieder. Der maskierte Mann steht vor mir, seine Beine sind deutlich erkennbar. Langsam geht er in die Hocke, eine Hand am Tisch, die andere mit dem blutigen Messer schlaff herabhĂ€ngend. Er neigt den Kopf zur Seite und betrachtet mich von oben bis unten, selbst mein Tanga entgeht seinem aufmerksamen Blick nicht, da ich meine Beine so weit nach oben gezogen habe, dass er einen unverhĂŒllten Blick auf meinen Körper hat.
Sein Atem klingt wie das FlĂŒstern des Windes in einem verlassenen Friedhof, gefĂŒllt mit den Seufzern der Vergangenheit und den Schrecken der Zukunft. In seiner Gegenwart fĂŒhle ich mich wie eine verlorene Seele, gefangen im Netz seiner dĂŒsteren Macht, unfĂ€hig, mich von seinem bannenden Einfluss zu befreien!