Prolog
Laura
Schüsse peitschen durch die Luft, doch für mich ist das nichts Neues. Mein rotes Kleid leuchtet in der dunklen Nacht – ein schöner Anblick, der einen krassen Kontrast zu der Gewalt bildet, die sich direkt vor meinen Augen abspielt.
Mein Herz rast. Jeder Schlag hämmert wie verrückt in meiner Brust, als würde es jeden Moment zerspringen. Überall fällt Schuss um Schuss; das abgehackte, unrhythmische Knallen hallt unaufhörlich in meinen Ohren.
Ich sehe das Mündungsfeuer, rieche das beißende Schießpulver und spüre die Erschütterungen der Explosionen im Boden. Diese chaotische Sinfonie der Gewalt übertönt alles – ein brutaler Angriff auf meine Sinne.
Ich bin das gewohnt. Doch zum ersten Mal setzt mein Herz bei jedem Schuss einen Schlag aus.
Denn mein Ehemann ist dort. Er schießt präzise zurück und weicht den Kugeln mit einer tödlichen Eleganz aus.
Ich sehe den neuen Schützen, bevor er abdrückt. Seine Augen sind kalt und erbarmungslos, seine Waffe auf meinen Mann gerichtet.
Die Zeit bleibt stehen. Ich stürze mich mitten in das Gefecht. Mein rotes Kleid bauscht sich um mich wie eine Fahne des Widerstands, während ich meine Arme im selben Moment um meinen Mann schlinge, als der Fremde abdrückt.
Ich spüre es – den stechenden, brennenden Schmerz, als die Kugel mein Fleisch durchschlägt. Die Schockwelle bebt durch meinen ganzen Körper. Mein Mann spürt es auch; in seinen Augen sehe ich einen qualvollen Ausdruck – eine Mischung aus Wut, Entsetzen und etwas, das ich noch nie zuvor gesehen habe: Hilflosigkeit.
Ich sacke zusammen, und er hält mich fest, als ich falle. Die Welt um mich herum verschwimmt, das Geräusch des Kampfes wird zu einem fernen Grollen. Man sagt, dass das ganze Leben an einem vorbeizieht, bevor man stirbt. Aber warum taucht er in all meinen besten Erinnerungen auf? Warum dreht sich alles um ihn? Warum sieht Andreas Hidalgo so aus, selbst während die Dunkelheit langsam mein Sichtfeld verschlingt?
„Laura“, haucht er mit tiefer, schmerzgezeichneter Stimme. Das ist das Letzte, was ich höre, bevor die Dunkelheit mich vollständig verschlingt.
Der Tod holt uns alle. Doch in meinem Fall bin ich direkt auf ihn zugelaufen, und er hat mich ohne zu zögern mitgenommen – ausgerechnet an dem Tag, an dem ich geboren wurde.