Von der Leichtigkeit des schwersten Loses
Das Buch, das die Hexe aus den tiefsten Tiefen der Höhle heranschleppte, war größer als sie. Nicht viel. Vielleicht eine Handbreit. Aber es reichte, dass sie ein Bild der Lächerlichkeit darstellte.
Sie keuchte und stöhnte unter dem Gewicht, was sie jedoch nicht davon abhielt die Gestirne vom Himmel zu fluchen.
„Was fällt euch nichtsnutzigen, dürren, kopflosen Blagen ein, mich zu belästigen? Könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen?“
Culann, der links neben mir stand, ließ ein Schnauben erklingen. Er hatte wohl Mühe, sich das Lachen zu verkneifen. Fann, die rechts neben mir stand, hielt mit der Linken ihren Oberkörper umschlungen und stützte die Rechte darauf ab. Ihre Handfläche verschloss ihren Mund. Auch sie, schien gleich losprusten zu wollen. Ich hingegen, kannte die alte Vettel Metis schon mein Leben lang. Wobei kennen wohl das falsche Wort war. Vor allem den Kindern wurde von Metis erzählt. Von der Hexe, die im Alleingang, das Wasser davon abgehalten hatte, auch das letzte bisschen Land von Ebb zu verschlingen.
Niemand hatte ihrer Voraussicht geglaubt. Deswegen hatte sie sich dem Verderben alleine gestellt und gewonnen. Wenn die Geschichten wahr waren, jedoch zu einem hohen Preis. Das Wasser hatte sie hinabgezogen. Die besten Schwimmer Ebbs hatten sie lange gesucht und schlussendlich in dieser Höhle, in der wir nun drei standen, gefunden.
Sie hatte nicht mehr zurück an die Oberfläche wollen, jedoch akzeptiert, das wir sie besuchen und um Rat fragen dürfen.
„Aber Metis, du bist unser Orakel“, entgegnete ich ihren Flüchen.
Sie hielt in ihrer Schlepperei inne und starrte mich böse an.
„Unser? Quanis steh mir bei! Dein! Dein und deinem vermaledeiten Volk, du minderbemittelte Wasserpest. Aber wie soll es anders sein, du hast ja in der Schule nicht aufgepasst! Und widersprich mir ja nicht! Meine Voraussicht hat mir dein Scheitern gezeigt!“ Ich lief rot an. Sie erdolchte mich mit einem letzten Blick, dann schleppte sie das riesige Buch weiter.
Sie wuchtete das Buch auf einen Stein, der ihr bis an ihre Ellenbogen reichte.
„Mein einziges Ziel war, seit ich diese Welt das erste Mal gesehen und angeschrien habe, einfach in Frieden zu leben. Aber die heilige Dreischeinheiligkeit musste ausgerechnet mich mit der Voraussicht beschenken.“ Sie wuchtete das Buch auf und spuckte auf den felsigen Untergrund.
„Nichts für ungut Quanis, du gibst mir wenigstens Obdach.“ Sie spuckte ein weiteres Mal auf den Boden. Ich blickte zuerst Fann an, dann Culann. Die beiden waren erbleicht und hatten Augen, so groß wie Rossperlen. Sie sahen aus, als hätten sie Quanis höchst persönlich gesehen. Einen Quanis, der sehr wütend war. Was sie jedoch nicht wissen konnten, dass zu Spucken, eine Ehrerbietung für den Gott war.
„Ich weiß echt nicht, welches Viech zwischen deine Ohren geschissen und damit deine Gedanken verdreht hat, damit du diese zwei Staubkörner hier runtergezehrt hast.“
Ich machte einen Schritt nach vorne, gleichzeitig den Mund auf. Sie hob ihren knorrigen Zeigefinger. „Hab ich dir gesagt, du sollst reden? Natürlich weiß ich, warum du diese zwei Staubkörner hier runter gezerrt hast! Ich weiß alles! Lass mir nur für einen kurzen Moment die Illusion, dass ich nichts weiß. Also ...“ Sie senkte ihren knorrigen Zeigefinger zu ihrem Mund, ließ ihre dürre Zunge hervorschnellen und den Finger ablecken, dann senkte sie ihn runter auf die Seiten. Sie blätterte und blätterte, leckte zwischenzeitlich ihren Finger ab und blätterte weiter. Dann hielt sie plötzlich inne und schielte mich böse über den oberen Buchrand hinweg an.
„Hast du mir nicht zugehört Lir? Nun sprich endlich!“ Wenn ich vorher gewusst hätte, das Metis zu befragen, sich als so mühsam herausstellte, dann hätte ich es sein lassen. Hätte meine beiden Gefährten über das Nebelmeer gezerrt, statt hier runter in Metis Höhle.
„Wir wollen wissen, ob das, was uns verbindet, bleibt.“
Ihr Blick schwenkte über uns alle drei. „Ach Kinderchen. Warum müsst ihr auch immer mit so einer Leichtigkeit, das schwerste Los aussuchen?“
Sie blätterte weiter. Scheinbar unendlich lange vergrub sie ihre alte krumme Nase zwischen die Seiten. Als ihr Blick nach oben ruckte, waren ihre Augen blau wie der Himmel und das Wasser. Ein Krächzen, das sich anhörte, als würden die Steine dieser Höhle aufeinander reiben, entwich ihrem Mund.
„Wer stört die Götter?“ Ihr Gesicht schweiften umher, bis sie an uns hängen blieben.
„Ah! Junge Liebe, die Antwort sucht.“ Metis‘ dürrer Arm schoss nach vorne.
„Du! Der diese Erdgebundenen hier runter gebracht hast, tritt vor, damit ich dir dein Tabu auferlegen kann!“
Schreck fuhr mir durch alle Knochen. Sofort spuckte ich auf den Boden. Mir wurde schon während meiner Geburt von den Göttern ein Tabu auferlegt, ein zweites, das möglicherweise dem ersten widersprach, konnte ich nicht gebrauchen.
„Ich will, das du mir drei Schiffe von deiner eigenen Hände Arbeit baust. Eines das so schnell ist, das egal, wie hart die anderen am Wind segeln, nicht eingeholt werden kann.“ Metis hob ihren Zeigefinger, sogleich auch den Mittelfinger. „Eines, das so groß ist, dass alle Götter, egal welches Volkes, darin Platz finden, aber so klein zusammenfaltbar ist, das du es in der Hosentasche mit dir Tragen kannst.“
Metis hob den Ringfinger.
„Und dann baust du mir eines, das nur die Toten besteigen können. Hast du das geschafft, werde ich dir deine Fragen beantworten.“
Metis ergab sich in einem Hustenanfall, der schlimm war. Ich wollte schon um den Stein eilen, um ihr irgendwie zu helfen, dann atmete sie ruckartig tief ein und richtete sich wieder auf.
Ein Auge war schwarz, das andere Weiß. Sie hielt den Kopf so, dass nur das Weiße nach vorne blickte. „Musste das sein Karnu? Die Menschen sind fragil, wir besetzen sie mit Nachsicht.“ Metis Kopf ruckte herum, so schnell das ich verschreckt zurücktrat. Jetzt schaute das schwarze Auge nach vorne „Du kennst mich eine Ewigkeit mein Herz. Habe ich je auf deine Ratschläge gehört Lagan?“, säuselte Metis unheimlich. „Außerdem haben wir abgemacht, dass der nächste Mensch mir gehört. Es ist also deine Schuld, wenn dieser alte Fleischhaufen unter der Last zweier Götter stirbt.“
„Aber das hier ist wichtig Karnu.“ Metis‘ Kopf ruckte wieder herum das, dass weiße Auge uns anschauen konnte. Doch kaum hatte der, der sich Lagan nannte, fertig geredet ruckte ihr Kopf schon wieder in die andere Richtung. Metis‘ Zunge schoss hervor. Sie machte ein übles Würgegeräusch.
„Wichtig? Pah! Ich scheiß auf die Liebe und ich scheiß auf diese drei Menschlein.“
Und wieder wurde Metis‘ Kopf herumgeworfen. Hin und Her. Sie warf die Arme in die Luft und schlang sie um ihren eigenen Körper.
„Aber Karnu. Ich will, dass nicht von dir hören. Sonst rede ich nicht mehr mit dir.“
Und wieder schaute das schwarze Auge nach vorne.
„Hrmpf!“ Karnu schienen die Entgegnungen auszugehen. Culann wandte sich uns zu. „Sollten wir nicht etwas tun? Das kann ihrem Nacken nicht guttun.“ Ich zuckte mit den Schultern. Während Fann nur steif nach vorne blickte.
„Auf keinen Fall“, zischte Fann. „Karnu duldet keine Unterbrechung oder Widerspruch.“
„Wie die meisten Götter“, sagte ich vor mich hin.
„Ja, aber Karnu ist schlimmer. Er verschließt die Anderswelt und ist Herr der dunklen Wege. Er bestimmt, welche Konas und Geister diese Welt betreten dürfen. Wenn du ihn wütend machst, kann er mit einem Augenzwinkern die Anderswelt leeren und auf dich hetzen.“
Metis zog sich ruckartig auf den Felsen und fokussierte Fann. „Ganz Recht Liebchen. Du scheinst aufgepasst zu haben, wenn die Alten sprachen. Und jetzt, zu eurem Anliegen.“
Metis‘ Kopf beugte sich wieder herum.
„Sei nachsichtig.“
„Nein!“ Das schwarze Auge erfasste mich. „Hast du gehört, was diese Wasserpfütze seinem Knecht aufgebürdet hat? Wir müssen die Last für eine unserer Antworten mindestens verdoppeln.“
„Karnu nein!“
„Doch! Fann! Tritt vor!“ Mit erhobenen Schultern schlich Fann zwei Schritt vor.
„Ich will, dass du uns eine Burg erbaust. Natürlich Aaalleiiin!“
Uns allen blieb nicht verborgen, wie er das letzte Wort betonte.
„Karnu!“
„Schweig endlich LAGAN!“ Ein lautes Schnauben durchzog die Höhle.
„Nicht gerade sehr einfallsreich“, flüsterte Culann. Leider war es für den Gott, der sich Karnu nannte, zu wenig leise.
„Wer unterbricht KARNU! DU kannst FROH sein, dass dein GOTT noch kommt und dich HOFFENTLICH ordentlich BESTRAFT! Sonst würde ich das JETZT TUN“ Kanus Blick wendete sich wieder Fann zu.
„Schade ist er nicht mein Knecht. Was gäbe ich darum, ihn bestrafen zu dürfen. Und jetzt zu dir Liebchen.“
„Nenn sie nicht Liebchen Karnu. Sie ist eine starke, selbstbewusste Frau!“
„LAGAN! Du untergräbst meine AUTORITÄT und DOMINANZ! Wenn die MENSCHEN mich nicht UNTERBRECHEN sollen, dann sollst DU DAS AUCH NICHT TUN!“
Metis atmete laut Schnauben durch ihre Nase ein und aus. Ihre Nasenflügel blähten sich so sehr, als ob sie wirklich Flügel wären und davonfliegen wollten.
„FANN! Du baust mir eine Burg. Eine, die größer ist als jedes Haus, jedes Schloss und jeder Baum! Diese Burg soll an einem Platz stehen, wo alle dunklen und hellen Wege zusammen kommen!“
Metis brach erschöpft über dem Buch zusammen. „Leck mich am A... “ Sie konnte nicht zu Ende fluchen. Aus offenem Mund, der Nase und ihren Augen floss plötzlich Rauch. Er floss den Stein entlang auf den Boden, kroch auf uns zu und an uns herauf.
Die Stimme, die wir jetzt hörten, die kam nicht mehr von Metis, sondern von überall her und war umschmeichelnd wie die Schwaden selber.
„Der Liebe sollte man sich nicht verwehren. Noch ihr zusätzliche Last aufbürden. Meine Aufgabe für meine Hilfe, soll die Einfachste sein. Culann, bau mir eine Türe. Sie soll von deiner Welt in meine führen und von meiner in deine.“
Die Schwaden zogen sich zurück. Doch dass, was sie preisgaben, ließ den Schreck in mich fahren. Überall brachen Spalten und Risse auf.
„Wir müssen hier raus!“, drängte Culann. Ich blickte zu Metis, in die langsam wieder Leben kam, dann zu Fann deren Augen schreckgeweitet waren.
Metis rappelte sich auf, schlug das Buch zu, hob es hoch und rannte, als wären ihre Beine wieder zwanzig anstatt neunzig, in die Höhle hinein. „Ich hab es verdammt nochmal gewusst! Nie hat man seine vermaledeite Ruhe! Quanis steh mir bei!“ Sie blickte kurz über die Schulter, dann richtete sie wieder ihren Blick nach vorne und spuckte auf den Boden.
Culann zog an meinem Handgelenk. „Wir müssen hier wirklich raus!“ Ich löste mich von seinem Griff, drehte mich um. Gemeinsam rannten wir auf das Wasserloch zu, während hinter uns die ersten Steine aus der Höhle brachen. Wir sprangen, tauchten unter, gleichzeitig löste ich das Seil von meiner Brust und wickelte es Culann und Fann um die Hüfte.
Wir waren noch nicht weit gekommen, da brach die Höhle hinter uns zusammen. Ich verstärkte meine Züge, weil das nun unruhige Wasser, unberechenbar war und ich wollte nicht, das es uns mit den sinkenden Steinen nach unten zog, noch wollte ich, das den beiden die Luft ausging. Doch zu schnell steigen durfte ich auch wieder nicht. Es war eine verfluchte Krux.
Trotz aller Sorgen kam die Wasseroberfläche immer näher. Ich sah, dass Culann und Fann die letzten Meter selbständig nach oben schwammen und wie Walkälber die Wasseroberfläche durchbrachen und einatmeten, als täten sie es das erste Mal. Ich trieb in einigem Abstand, so weit das Seil das es zuließ um sie herum. Sicherte sie, gegen das erneute Absinken und etwaige Angriffe von außen, damit sie durchatmen und für einen kurzen Moment ausruhen konnten.
„Können wir an Land“, sagte Culann endlich. Ich nickte. Dann Fann. Sie begann vorauszuschwimmen, Culann folgte und ich blieb am Ende. Um sie weiter zu schützen und sie im Blick zu haben.
Kaum spürten sie Land unter sich, machten sie noch knapp ein halbes Dutzend Schritte, dann ließen sie sich in den von den Brandungswellen feuchten Sand fallen. Ich blieb im Wasser knöcheltiefen Wasser stehen, blieb aber still, weil ich das verdauen musste, was ich gesehen hatte.
Fanns Oberkörper schoss plötzlich hoch. „Was war das?“ Ihre Frage war so nichtssagend, dass ich mit den Schultern zuckte. Culann der noch immer nicht lag, machte jedoch den Mund auf.
„Das war Duhan, der Neblige. Einer meiner Götter“, fügte er den zweiten Satz unnötigerweise hinzu. „Er beschützt die Krieger, vor allem die Verwundeten unter ihnen und wenn er sich wieder zurückzieht, hinterlässt er Zerstörung und Tod.“
„Was hat er gemeint, du sollst ihm eine Türe in seine Welt bauen?“, bohrte Fann weiter und strich sich ihre schwarzen nassen Haare aus dem Gesicht. „Ist er ein Totengott?“
Culann schüttelte vehement seinen Kopf, was zur Folge hatte, das auch er seine braunen Haare aus seinem Gesicht streichen musste.
„Er lebt dazwischen. Zwischen der unseren, und der Welt der Götter.“
„Aber jetzt mal ernsthaft. Waren das die Götter gewesen oder einfach nur Metis?“ Ich zuckte mit den Schultern.
„Mir haben sich die Götter nie gezeigt“, antwortete ich ihr.
„Mir auch nicht“, antwortete Culann.
„Ebenso“, bestätigte nun auch Fann.
„Und ob es Metis gewesen war, kann ich selber nicht sagen. Ihr habt es vorher schon gewusst, dass es auch für mich der erste Besuch bei Metis gewesen ist.“
„Was sollen wir jetzt tun? Ich mein selbst meine Aufgabe, eine Tür zu bauen, die in die Zwischenwelt führt, ist, glaube ich nicht so einfach, wie Duhan sich das vorstellt“, meinte Culann.
„Ihr beiden habt wenigstens keine Größenangabe. Ich muss eine Burg bauen, die alles an Größe übertrifft und die Wege der Toten und der Lebenden zusammenführt“, empörte sich Fann.
„Glaub ja nicht, dass ich die einfachste Aufgabe habe Fann“, gängelte ich sie.
„Schon alleine der Kahn, den nur die Toten betreten dürfen. Wie soll ich als Lebender das Schiff auftakeln, wenn ich es nicht betreten darf?“
Fann ließ sich wieder nach hinten in den feuchten Sand fallen.
Culann stand auf. Seine braunen Augen funkelten, beinahe wütend. „Wir wollen zusammen bleiben. Deswegen haben wir das alles gemacht. Ich hasse Wasser und hab mich überwunden. Lir hat die Geduld bewiesen, mir das Schwimmen beizubringen. Ich bin nicht umsonst fast abgesoffen! Wir ziehen das durch! Ich will meine Antwort von Duhan, ich will nämlich bis zu meinem Ende mit euch zusammen bleiben. Er muss mir sagen, ob das möglich ist.“
Fann richtete sich wieder auf. Ihre grünen Augen erfassten zuerst mich, dann Culann. Sie sprang auf ihre Füße. „Ja, ich auch! Karnu und Lagan werden einen Weg für uns finden!“
Ich blickte über meine Schulter zurück aufs Meer. Es hatte sich beruhigt und aufgeklart. Endlich konnte ich aus dem Wasser treten und schloss meine beiden Gefährten in meine Arme.
Der Mann in meinen Armen hob seinen Kopf ruckartig und knallte gegen mein Kinn. Der Schmerz fuhr einmal durch meinen Kopf und dann meinen Rücken runter.
Er zeigte empört nach vorne, und dachte nicht einmal dran, sich für den Zusammenstoß zu entschuldigen.
„Das war eine dumme Geschichte Nea!“, ereiferte er sich. Kein erstaunen, wie ich eine Geschichte in die Luft hatte malen können. Wie er mit eigenen Augen durch Lirs Augen die Geschichte der drei Gefährten hatte mitansehen können.
„Das ist keine dumme Geschichte“, wehrte ich ab. „Wenn man bereit ist, sich auf sie einzulassen, dann lernt man viel aus ihr.“
„Sie hat kein Ende.“
„Und kein Anfang“, ergänzte ich. „Und trotzdem kann man von ihr lernen.“
„Und was?“
Ich verdrehte die Augen.
Ab ihm.
Ab mir.
Wie hatte ich nur auf die Idee kommen können. Das er eine meiner Geschichten verdient hätte. Ich schob ihn von mir runter, kroch aus dem Bett, suchte meine Sachen zusammen und zog mich an.
„Fanns Burg steht noch heute. Eines von Lirs Schiffen, das Wasserpferd, das schnellste Schiff dieser Welt, ist immer noch seetüchtig. Nur bei Culanns Türe scheiden sich die Geister. Die einen sagen, es sei der Strudel, die anderen meinen, es sei eine verborgene Türe in Fanns Festung.“ Ich beugte mich runter und schnürte meine Stiefel. Als ich wieder hochkam, hatte er sich endlich aus dem Bett geschält und stand nun auf der gegenüberliegenden Seite.
„Die Liebe lässt einen seltsame und unmögliche Dinge tun. Vor allem wenn gerade die Zuneigung die du zu einem anderen Menschen empfindest, nicht wünschenswert, ja sogar unterdrückt wird. Aber sie honoriert das, indem sie die Welt eine solche Liebesgeschichte, nicht vergessen lässt.“
Ich hatte mich fertig angezogen und öffnete die Türe. „He halt, wohin gehst du?“
„Ich suche neue Geschichten.“ Stolz schritt ich den Flur entlang und konnte noch einen leisen, jammernden Abschiedssatz hören: „Und wer bezahlt das Zimmer?“