Kapitel 1
Grimmauldplatz Nummer 12
Es war ein bewölkter, regnerischer Nachmittag beim Familienanwesen der Blacks. Am Grimmauldplatz Nummer 12, in London, sah das Wetter selten besser aus. Im Haus auf der Treppe, saß ein junger Knabe, mit schwarzen Haaren und stechend grauen Augen. Sirius Black. Der ältere Sohn der Familie, hielt einen cremefarbenen Brief in den Händen. Gerade mal elf Jahre alt, fühlte er eine Vorfreude, die ihm bis dahin nicht bekannt war. Sirius war größer als die meisten Jungen seines Alters. Ein aufstrebender junger Zauberer, der vor Neugierde und unbändiger Energie völlig sprühte. Seine Haltung strahlte sowohl Rebellion, als auch den ungestümen Wunsch nach Freiheit aus.
Das Fenster war offen und die Luft war kühl, aber in Sirius' Herzen brannte ein Feuer der Hoffnung. Heute hatte er seine erste Einladung nach Hogwarts erhalten – eine Schule für Hexerei und Zauberei, über die ihn seine Eltern bereits aufgeklärt hatten. Nun, nicht überaus ausführlich, sondern nur über ein einziges Haus. das Haus Slytherin. Bei jeglichen Fragen, die Sirius sonst über Hogwarts hatte, blieb er ohne Antwort zurück. Seine Familie, die stolze Black-Dynastie, hatte ihn ausschliesslich und unablässig über dieses ehrwürdige Haus unterrichtet, dessen Ruhm und Macht in den Geschichten, die sie ihm erzählten, wie ein leuchtender Stern erstrahlten.
„Slytherin", dachte Sirius. Das Wort hallte in seinem Kopf wider. Es war ein Begriff, der für seine Familie alles bedeutete. Ein Symbol von Macht, Reinheit und Elite. Doch für Sirius bedeutete es vor allem Kontrolle. Er konnte die vielen Gespräche mit seinen Eltern nicht vergessen – insbesondere mit seiner Mutter. Walburga Black hatte ihm immer wieder eingebläut, dass dies das einzig würdige Haus für einen Nachfahren ihrer Blutlinie sei.
„Es gibt keinen Platz für dich in einem anderen Haus", sagte sie immer. „Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw – diese Häuser sind für die Schwachen, die mit minderwertigem Blut." Sie spuckte fast, wenn sie von den anderen Häusern sprach.
„Warum eigentlich?", dachte Sirius. „Warum ist es so wichtig?" Er dachte darüber nach, was wohl in den anderen drei Häusern anders war. Wenn seine Eltern so schlecht über den Rest von Hogwarts sprach, musste es ein Geheimnis geben, welches ihn neugierig machte. Sirius spürte keine emotionale Verbindung für die alten Traditionen, die seine Eltern so sehr verehrten. Vielleicht war es genau das, was ihn von klein auf gestört hatte – die enge, strenge Welt, die sie ihm aufzwangen, ohne dass er eine Wahl hatte.
Sirius spielte mit dem Brief in seinen Händen und dachte über die Erwartungen nach, die auf seinen Schultern lasteten. Die Black-Familie erwartete von ihm nichts weniger als Perfektion, nichts weniger als die Einhaltung ihrer Prinzipien. Doch in Sirius tobte ein Sturm. Je mehr sie versuchten, ihn in das Korsett dieser Ideale zu zwängen, desto stärker wurde sein Drang, auszubrechen.
„Was, wenn ich nicht nach Slytherin will?", dachte er plötzlich und spürte, wie ihm bei dieser ketzerischen Idee das Herz schneller schlug. Jetzt, wo der Brief vor ihm lag und die Möglichkeit von Hogwarts so real geworden war, fühlte er bereits eine Art Zerrissenheit in sich. Durch ihn floss das Blut von Reinblütern, doch durch sein Herz floss die Energie von Herzlichkeit, Bendigslosigkeit und Freiheit.
Er stand auf und trat ins Wohnzimmer. Dort saßen Walburga- seine Mutter und Orion Black, ein massiver Mann mit einem strengen Gesicht und einem dunklen, durchdringenden Blick. Walburga war eine grosse Frau mit blonden langen Haaren und grauen Augen, wie Sirius sie hatte. Ihre Nase sah aus, wie die eines Adlers. Streng, riesig und unnachgiebig. Sie trug ein langes silbernes Kleid, dass zu ihrer Augenfarbe passte. Walburga hätte eine schöne Frau sein können; hätte ihr Wahn von reinem Blut sie nicht innerlich aufgefressen. Orion war etwas kleiner als Walburga, aber ebenfalls ein grosser statlicher Mann mit schwarzen Haaren. Er hingegegen, hatte braune Augen wie Regulus, Sirius' jüngerer Bruder. Orion war durch und durch in schwarz gekleidet, fast wie ein Priester. Ihre Gespräche über die „Würde" und „Ehre" des Blutes waren für Sirius kaum noch zu ertragen und oft fragte er sich, ob es mehr im Leben gab als die veralteten Traditionen, die sie so huldigten. Am Ende des Raumes spielte Regulus leise mit einem Spielzeugzauberstab. Regulus war von Natur aus ruhiger und fügte sich den Erwartungen der Familie. Oft schien er den Zorn ihrer Eltern auf sich ziehen zu wollen, was Sirius nur noch mehr frustrierte. Obwohl sie schon sehr früh unterschiedliche Wege einschlugen, spürte Sirius immer noch eine tiefe Verantwortung, Regulus zu beschützen.
Sirius seufzte leise. Regulus würde wahrscheinlich problemlos in das Haus Slytherin passen. Er war immer gehorsam, immer darauf bedacht, den Erwartungen zu entsprechen. Das war der Unterschied zwischen ihnen beiden. Regulus stellte nichts in Frage, akzeptierte die Welt so, wie sie von den Eltern diktiert wurde. Das würde sich auch nicht ändern. Der Einfluss auf Regulus war zu stark. Aber Sirius konnte das nicht. Er konnte nicht akzeptieren, dass sein Leben so vorbestimmt war.
„Was ist los, Sirius?", fragte Orion mit einer rauen Stimme, die nichts Gutes verhieß. Sirius wusste, dass sein Vater kaum mit einem Funken Interesse an seinen Gedanken oder Gefühlen aufwartete. „Du siehst aus, als hättest du etwas zu sagen."
„Was wäre, wenn ich in ein anderes Haus komme?", wollte er fragen. Doch er traute sich nicht, diese Worte auszusprechen. Stattdessen murmelte er: „Ich wollte nur nachdenken."
Orion musterte ihn mit seinem durchdringenden Blick, bevor er sich wieder zurücklehnte. Sirius konnte spüren, dass in diesem Raum für ihn kein Platz war, um er selbst zu sein. Alles hier war ein Monument der Erwartungen seiner Familie.
„Nachdenken?", wiederholte Abraxas Malfoy. Er war ein Freund der Blacks und wie so oft, wieder einmal zu Gast. Mit seinem schützend glatten, blonden Haar und den scharfen, blauen Augen, die Sirius kühl musterten, erinnerte Abraxas ihn immer daran, wie tief die Verbindungen zwischen den reinblütigen Familien waren. Abraxas war stolz, ein Malfoy zu sein, und er liebte es, seinen Einfluss in der Gesellschaft zu spüren. „Du weißt schon, dass Nachdenken für dich nicht gut ist", fügte Abraxas mit einem süffisanten Lächeln hinzu. „Es könnte die Schwäche des Blutes offenbaren."
Sirius schnaubte innerlich. Schwäche? Schwäche war, blind den alten Regeln zu folgen, ohne sie jemals zu hinterfragen. Doch das würde er ihnen nicht sagen – noch nicht.
Er atmete tief durch und antwortete ruhig: „Ich denke, dass es mehr im Leben gibt, als das, was wir glauben."
Die Worte brachen wie ein Donnerschlag im Raum. Ein unangenehmes Schweigen folgte, und die kalten Blicke seiner Eltern bohrten sich in ihn wie eiskalte Pfeile. Walburga sah ihn mit einem verächtlichen Blick an. Sie bemerkte schon lange, dass ihr rebellischer Sohn nicht dem Bild der Black Familie entsprach- im Gegenteil.
„Du wirst deine Meinung ändern, Sirius", sagte sie scharf. Du solltest dich schämen, wenn du in diese Schule gehst, ohne zu wissen, was unser Blut für dich bedeutet."
Sirius wollte antworten, doch die schleichende Verzweiflung schnürte ihm die Kehle zu. Wie konnte er ihnen erklären, dass die Welt, die sie ihm anbieten wollten, ihm nichts bedeutete? Er war gefangen zwischen dem, was sie von ihm erwarteten, und dem, was er selbst wollte.
Mit einem letzten Blick auf seine Eltern und Abraxas, der ihn immer noch herablassend musterte, wandte Sirius sich ab und stürmte aus dem Raum. Die Korridore des Hauses schienen sich zu verengen, als ob die Wände selbst versuchen würden, ihn zurückzuhalten. Jeder Schritt, den er machte, fühlte sich wie ein Schritt weiter weg von allem an, was ihm je gesagt wurde – von der Identität, die ihm aufgezwungen wurde.
Draußen angekommen, ließ er sich auf die Bank im Garten fallen. Hier war es ruhig, und der Gesang der Vögel übertönte das Gedöns der Stimmen in seinem Kopf. In seiner Brust pochte das Herz der Aufregung und des Unbehagens zugleich. Hogwarts! Die Vorstellung, dorthin zu gehen, ließ die innere Flamme seiner Wünsche lodern. Das ist ein Ort, an dem er vielleicht er selbst sein konnte, wo er Freunde finden und seine eigenen Entscheidungen treffen durfte.
Sirius saß noch eine Weile auf der Bank im Garten, als die Kühle der Nacht über ihn hereinbrach. Der Himmel wurde dunkler und die Stille war erdrückend. Nur ab und zu durch das Rascheln der Blätter im Wind unterbrochen. Slytherin – es war das Haus, das wie eine unsichtbare Kette an ihm zog, wie eine unausgesprochene Bürde, die er mit sich trug.
Er konnte nicht länger sitzen bleiben. Etwas in ihm drängte ihn, aufzustehen, sich zu bewegen – vielleicht, um den aufsteigenden Gedanken zu entkommen. Würde er das Erbe seiner Familie jemals abschütteln können? Diese Fragen nagten an ihm, und er spürte, wie sich der Zorn in seiner Brust weiter aufbaute.
Plötzlich hörte er Schritte hinter sich. Leise, fast unscheinbar, doch in der Stille des Gartens unüberhörbar. Er drehte sich um und sah Regulus, der auf ihn zukam. Sein jüngerer Bruder wirkte zögerlich, als wüsste er nicht genau, wie er sich nähern sollte. Regulus war immer derjenige gewesen, der den Erwartungen ihrer Eltern gehorchte, der nie die Grenzen überschritt.
„Sirius", sagte Regulus leise, während er sich neben ihn setzte. „Was ist los mit dir?"
Sirius schwieg einen Moment, bevor er antwortete. „Was los ist? Ich kann das nicht mehr ertragen, Regulus. Sie erwarten von mir, dass ich einfach gehorche, und ihre Ideale hinnehme, ohne zu hinterfragen, oder eine eigene Meinung darüber haben zu dürfen. Aber ich will das nicht!"
Regulus sah ihn an, seine Augen voller Sorge. „Aber... was willst du dann? Du musst nach Slytherin! Du... du wirst doch nicht in ein anderes Haus wollen?"
Sirius schnaubte. „Ich weiß nicht, was ich will, Regulus. Ich weiss nichts über die anderen Häuser und was mich erwartet. Aber ich weiss, dass ich nicht so sein will wie sie. Ich will nicht ständig darüber nachdenken müssen, ob jemand reinblütig genug ist oder ob ich dem Bild unserer Familie gerecht werde. Ich will frei sein."
Regulus starrte auf den Boden und sprach leise: „Frei? Aber... was ist Freiheit ohne Familie?"
Sirius schluckte hart. Es war eine Frage, die ihn selbst oft beschäftigt hatte, doch er hatte noch keine Antwort gefunden.
"Möchtest du den nicht auch freie Entscheidungen treffen können Regulus? Freiheit ist das grösste Gut!" Sagte Sirius und sah dabei seinen Bruder erwartungsvoll an. Regulus jedoch, sah seinen Bruder nicht an. Er sah auf den Boden und murmelte: "Ich will nicht der Grund sein, der unsere Familie in Verlegenheit bringt." " Na wenigstens, bist du ehrlich!" sagte Sirius leicht gereizt.
Die beiden Brüder sassen schweigend nebeneinander, während die Dunkelheit des Abends über den Garten hereinbrach. Es war ein Moment des stillen Einvernehmens, doch Sirius spürte, dass sich die Distanz zwischen ihm und Regulus vergrößerte – eine Distanz, die bald unüberwindbar werden könnte.
Während Regulus noch sitzen blieb, erhob sich Sirius von der Bank und verließ den Garten ohne ein Wort zu sagen. Er war enttäuscht darüber, von seinem Bruder keine Unterstützung erwarten zu können. Und somit in ihm keinen Verbündeten sehen zu können. Siriu' Atem formte kleine Wolken in der kühlen Luft, doch er spürte die Kälte kaum. Seine Gedanken wirbelten umher, und der Unmut in ihm wollte einfach nicht verschwinden. Der Brief von Hogwarts war noch immer in seiner Tasche – eine ständige Erinnerung daran, dass sich sein Leben bald verändern würde. Doch wie, wusste er nicht.
Sirius' Herz schlug hart, als er an der Tür zum Wohnzimmer vorbeikam. Er wollte einfach nur in sein Zimmer, weg von allem, doch die Stimme seines Vaters hielt ihn auf.
„Sirius", rief Orion Black in seinem tiefen, rauen Ton. „Komm her."
Widerwillig drehte Sirius sich um und trat ins Wohnzimmer ein. Sein Vater sass wie immer in seinem hohen, ledernen Sessel, das Gesicht im Halbdunkel und nur schwach erleuchtet vom Feuer im Kamin. Die Flammen warfen flackernde Schatten auf die Wände, während die Stille zwischen ihnen wie eine unsichtbare Mauer stand.
„Setz dich", sagte Orion, und seine Stimme war ruhig, fast bedrohlich.
Sirius gehorchte, setzte sich jedoch mit verschränkten Armen und einem harten Blick in die Augen seines Vaters. Er war es leid, klein beizugeben, immer nur zu hören und zu gehorchen. Heute wollte er nicht mehr schweigen.
„Hogwarts wird bald beginnen", begann Orion und sah seinen Sohn prüfend an. „Es ist an der Zeit, dass du deine Rolle in dieser Familie verstehst."
Sirius spürte, wie der Ärger in ihm brodelte. „Meine Rolle?", wiederholte er kühl. „Was genau soll das sein?"
Orion lehnte sich in seinem Sessel zurück und musterte seinen Sohn mit kalten Augen. „Du bist ein Black. Und ich bin mir sicher, du weisst inzwischen, wo dein Platz ist. Mach uns keine Schande!"
Sirius kniff die Augen zusammen und fühlte, wie sich die Worte seines Vaters wie Ketten um seine Brust legten. „Und was, wenn ich nicht nach Slytherin will?" Die Worte kamen schneller, als er sie zurückhalten konnte.
Orion starrte ihn an, als hätte Sirius ihn gerade beleidigt. „Wie bitte? Du bist ein Black und Slytherin ist unser Erbe! Es ist das Haus der Macht, des Wissens – all das, was unsere Familie über Generationen hinweg aufgebaut hat!"
„Vielleicht will ich das nicht!", entgegnete Sirius scharf und stand auf. „Vielleicht will ich frei sein, meine eigenen Entscheidungen treffen und nicht das tun, was ihr von mir verlangt!"
Ein unangenehmes Schweigen folgte, und für einen Moment war nur das leise Knistern des Feuers zu hören. Sirius' Herz raste, doch er konnte nicht mehr zurück. Er hatte es ausgesprochen. Die unausgesprochene Rebellion, die in ihm wuchs, war jetzt deutlich zu hören und nicht mehr zurückzuhalten.
Orion erhob sich langsam, seine Augen fest auf Sirius gerichtet. „Freiheit?", zischte er, und seine Stimme war eisig. „Du sprichst von Freiheit, ohne zu verstehen, was sie bedeutet. Freiheit bedeutet Macht, und Macht erhält man nur durch Stärke und Loyalität. Alles andere ist eine Illusion, die dich schwach macht."
Sirius schüttelte den Kopf, unfähig zu glauben, dass sein Vater es wirklich so sah. „Das ist nicht Freiheit! Das ist Kontrolle. Ihr wollt mich zu etwas machen, das ich nicht bin!"
Orion trat näher, bis er direkt vor seinem Sohn stand. Er sprach jetzt langsamer und leiser. „Du wirst lernen, was es heißt, ein Black zu sein, Sirius. Ob du es willst oder nicht."
Sirius stürmte die Treppe hinauf in sein Zimmer, sein Herz hämmerte wild in seiner Brust. Der Streit mit seinem Vater hatte nichts gelöst, doch er fühlte sich seltsam erleichtert, endlich ausgesprochen zu haben, was er so lange in sich getragen hatte.
Er ließ sich aufs Bett fallen und stellte sich vor, wie er die Ketten ein- für alle Mal sprengen würde. Plötzlich erschien wie aus dem Nichts in seinen Gedanken ein bunter Vogel. Er war gross, mit einem wunderschönen, glänzenden roten–orangen Federkleid. Er flog durch die Lüfte und sang ein Lied von unschätzbarer Melodie. Sirius hörte die Klänge, als würde jemand mit ihm sprechen. Er schoss auf und starrte sofort aus dem Fenster, doch da war nichts zu sehen. War das ein Phönix? War das echt oder nur in seinem Geist? Er fing an zu lachen. Ein Glücksgefühl und eine Wärme, wie er sie nie zuvor gekannt hatte breitete sich in seinem Herzen aus. Und woher dieses Bild und dieses Gefühl auch kommen mochte. Es fühlte sich nicht weniger echt an, als die endlosen Diskussionen mit seinen Eltern. Sirius ließ sich auf's Bett fallen und schlief nach dieser wundervollen „Begegnung" sofort ein.
Der Sommer verging, und je näher der Tag von Sirius' Abreise nach Hogwarts rückte, desto stärker wurde die Spannung im Haus. Seine Eltern sprachen kaum mit ihm, und Regulus schien sich zurückzuziehen, als würde er versuchen, zwischen den Welten von Sirius und ihren Eltern zu vermitteln.
Doch Sirius war fest entschlossen. Er würde seinen eigenen Weg finden, und Hogwarts war der erste Schritt in die Freiheit.
Als der 1. September endlich anbrach, bereitete sich Sirius auf seine Abreise nach Hogwarts vor.
Er war gerade dabei, sein Gepäck für die Abreise nach Hogwarts zusammenzustellen, als er ein leises, widerwilliges Knurren aus der Dunkelheit des Flurs hörte. Kreacher, der Hauself der Familie Black, schlich mit gebeugtem Rücken und mürrischem Gesichtsausdruck heran. Seine großen, trüben Augen funkelten kurz, als er Sirius sah, und es war schwer zu sagen, ob der Ausdruck in seinen Augen eine Mischung aus Abscheu und Neugierde oder schlicht Missgunst war.
„Kreacher bringt dem jungen Herrn seine Tasche", murmelte der Elf, während er das schwere Gepäck vorsichtig auf den Boden stellte. Seine Hände zitterten ein wenig, und er warf immer wieder kleine, verärgerte Blicke in Sirius' Richtung. „Der junge Herr sollte wissen, dass Kreacher es nicht versteht... warum ein Black-Spross solche Gedanken hat, so... freiheitsliebend", zischte er mit einem kaum verhohlenen Unterton des Missfallens. „Die ehrenwerte Familie Black hat stets die Tradition bewahrt..."
Sirius beobachtete den Hauselfen für einen Moment. Kreacher war alt und verbittert, ein treuer Diener, der sich in den Idealen und Regeln der Familie Black völlig verlor. In gewisser Weise war er das perfekte Symbol für all das, was Sirius verabscheute. Der Elf war in seinen Ketten gefangen, genau wie er selbst. Der Unterschied war, dass Kreacher seine Ketten liebte.
„Kreacher, weißt du was?" Sirius' Stimme war ruhig, aber es lag ein Hauch von Trotz darin. „Vielleicht bin ich anders. Vielleicht will ich keine verstaubten Traditionen und alten Ideale verteidigen. Ich will... frei sein, das zu tun, was ich für richtig halte."
Kreacher schaute ihn mit Abscheu an und murmelte, kaum hörbar: „Der junge Herr spricht wie ein Schwächling, der nichts von Ehre und Reinheit versteht. Wie bedauerlich... wie verräterisch." Er wandte sich ab, als ob er den Anblick von Sirius nicht länger ertragen konnte, doch bevor er ging, hielt er kurz inne und fügte mit einem ernsten Blick hinzu: „Aber Kreacher wird immer hier sein... Kreacher wird immer den wahren Erben der Familie Black dienen. Kreacher weiß, wer loyal ist."
Sirius schüttelte den Kopf, die Worte des Elfen hinterließen ein Gefühl der Beklommenheit in ihm. Kreacher war nur ein Diener der alten Werte, genau wie seine Eltern, doch sein Verhalten zeigte Sirius einmal mehr, wie stark der Einfluss der Familie auf alle im Haus war.
Sirius sah Kreacher nach, wie er sich wieder in den Schatten des Hauses zurückzog. „Leb wohl, Kreacher", murmelte er, obwohl er wusste, dass der Elf ihn nicht hören würde – oder nicht hören wollte.
Abreise
Die Kutsche, die sie zum Bahnhof King's Cross brachte, ratterte leise durch die engen Straßen Londons. Sirius sass mit verschränkten Armen da, die Blicke seiner Eltern kaum beachtend. Er fühlte sich wie ein Gefangener, der auf seine Hinrichtung wartete – aber gleichzeitig auch wie ein Rebell, der kurz davor war, das System zu stürzen. Während der Fahrt schaute Sirius aus dem Fenster und sprach kein Wort. Seine Familie hatte ihn nie verstanden- oder nicht verstehen wollen.
Am Bahnhof King's Cross in London angekommen, bewegte sich die Familie Black zielstrebig durch die Menschenmenge. Die Plattform 9 drei viertel, war wie ein geheimes Tor zu einer anderen Welt – eine Welt, in die Sirius bald eintreten würde. Er sah, die dampfende rote Lokomotive, die zum Hogwarts-Express gehörte.
„Sirius", sagte Walburga plötzlich und zog ihn zur Seite. Ihr Blick war scharf, ihre Stimme kalt. „Vergiss nicht, was du bist. Du bist ein Black. Ein Slytherin. Mach uns keine Schande." Sie sah ihn mit einem Blick an, der keine Widerrede duldete. „Und erinnere dich: Wir beobachten alles." Sirius dachte bei diesen Worten, seine Familie müsse einen riesigen Sprung in der Platte haben, da sie sich dauernd wiederholten.
Er biss sich auf die Zunge, die Wut stieg in ihm auf. Er wollte etwas sagen, wollte sich auflehnen, aber die jahrelange Disziplin, die in ihm verankert war, hielt ihn zurück. Er wandte sich ab, und lief auf die Lokomotive zu. Ohne sich umzudrehen, stieg Sirius in das gewaltige Fahrzeug. Nach wenigen Minuten, ertönte das laute Horn und der Hogwarts Express fuhr los.
Im Zug suchte er sich einen freien Platz in einem Abteil. Der Lärm und die Aufregung der anderen Erstklässler drangen nur gedämpft an sein Ohr. In seinem Inneren tobte der Kampf. Was, wenn er tatsächlich in Slytherin landen würde? Was, wenn er nie der werden könnte, der er sein wollte? Er konnte seit Tagen, ja Wochen, an nichts anderes denken.
Plötzlich öffnete sich die Tür seines Abteils. Ein Junge, mit ebenfalls wirrem schwarzem Haar wie er es selbst hatte, und einem schiefen Lächeln trat ein. „Hey, ist hier noch Platz?", fragte er. Ohne wirklich auf eine Antwort zu warten, und setzte er sich einfach auf die gegenüberliegende Bank. Sirius musterte ihn kurz. Der Junge strahlte eine gewisse Unbekümmertheit aus, die ihm gefiel. Es war, als hätte dieser Junge keinerlei Angst vor den Erwartungen, die auf ihm lasteten.
„Ich bin James", sagte der Junge und streckte ihm die Hand entgegen. „James Potter. Und du?"
Sirius zögerte kurz, dann nahm er die Hand. „Sirius Black."
James hob die Augenbrauen. „Ein Black, huh? Ich habe schon von deiner Familie gehört. Ziemlich alte Zaubererfamilie, oder?"
Sirius zuckte mit den Schultern. „Ja, könnte man sagen."
James grinste breit. „Na ja, solange du nicht so bist wie der Rest, wirst du und ich uns bestimmt gut verstehen."
Sirius konnte nicht anders, als zu lächeln. „Ich werde mein Bestes geben."
Von diesem Moment an verging die Zugfahrt wie im Flug. James erzählte Geschichten über seine Familie, die ganz anders klang als die von Sirius. Die Potters waren bekannt dafür, freundliche und gerechte Zauberer zu sein. Und obwohl sie auch reinblütig waren, legten sie keinen Wert auf diese alte Blutideologie, die Sirius so verabscheute. Deshalb, gehörte die Familie Potter auch zu den Blutsverrätern, so wie alle reinblütigen Zaubererfamilien, die dieser Ideologie nicht folgten. Es war eine neue Welt, die sich ihm langsam eröffnete. Er spürte, dass James der erste Freund sein könnte, den er je hatte.
Als der Zug schließlich in Hogsmeade ankam, wurden die Erstklässler vom Wildhüter Rubeus Hagrid herzlich in Empfang genommen. Mit einer lauten aber freundlichen Stimme, forderte er sie auf, sich in die Boote zu setzen. „Erstklässler, hier herüber! Verteilt euch gleichmässig in die Boote" verkündete der er.
Über den schwarzen See treibend, konnte Sirius seine Aufregung kaum noch verbergen. Hogwarts ragte in der Dunkelheit vor ihnen auf. „Sie nur, wie gross das Teil ist" sagte James begeistert. Erleuchtet von zahllosen Lichtern, raubte dieses gewaltige Schloss ihnen beinahe den Atem. Dies war es. Dies war der Ort, an dem sich alles ändern würde.
Ankunft in Hogwarts
In Hogwarts angekommen, wartete bereits eine strengwirkende, schlanke, in smaragdgrün gekleidete Hexe auf die Schüler. "Erstklässler, ich begrüsse sie alle in Hogwarts, unserer Schule für Hexerei und Zauberei. Bitte folgen sie mir in die große Halle". Die Schaar folgte der Hexe wie geheissen in den Schlossvorhof bis zur grossen Halle. Die Halle war riesig und überall flogen wunderschöne weisse Kerzen in der Luft. Es gab vier lange Tische die längsweg gereit waren. An jedem Tisch sassen bereits Schüler mit unterschiedlich farbenen Umhängen. Grün, Gelb, Indigoblau und Rot. Ganz zuhinterst in der Halle war noch ein langer Tisch, der quer stand. An dem Tisch sassen mehrere Lehrpersonen. Stille trat ein, als ein älterer Mann mit langem grauem Haar, langem Bart und ebenfalls grauem Umhang in die Mitte trat und vor einem Podium stehen blieb.
"Herzlich willkommen! Bevor wir mit dem Festmal beginnen, werden die Erstklässler in ihre rechtmässigen Häuser eingeteilt. Professor McGonagall, bitte" Der ältere Mann applauddierte und die ganze Halle tat es ihm gleich.
Es war Professor Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore. Der Schulleiter und mächtigste Zauberer der Zaubererwelt, der vor ihnen stand und gesprochen hatte.
Nun, stand wieder Professor McGonagall vor den Schülern mit einem ausgerollten Pergament. Sie räusperte sich.
"Jupiter Rachel!" Ein Mädchen mit braunen Haaren und hazelfarbenen Augen stand auf und lief zögerlich nach vorne. Sie setzte sich auf den Stuhl und wartete gespannt. Der Sprechende hut wurde ihr auf den Kopf gesetzt.
"Hmmmmh uuuh schwiiierig.." sagte der Hut. "Du würdest in jedes Haus passen. Nicht einseitig, oh nein, oh nein. Begeisterung dafür, über den Tellerrand zu blicken was?- RAIVENCLAW!"
Ein Junge mit blonden Haaren und einer Augenfarbe, so blau wie der Himmel, kam ebenfalls nach Ravenclaw.
Nun wurde ein Mädchen aufgerufen deren Haarfarbe dunkelbraun, wie ihre Augenfarbe war. Der Hut steckte sie sofort nach Gryffindor.
Es war eine Folter, abzuwarten, bis Sirius endlich an die Reihe kam. Dieser Moment entschied über seine Zukunft. Seine Hände schwitzten und er wusste nicht, ob ihm kalt oder heiss war. die Reihen rückten nach vorne. Er wusste, dass der Moment kommen würde – der Moment, in dem er vielleicht in die gleiche Falle geraten würde, in der seine Familie seit Generationen gefangen war.
„Black, Sirius!"
Der Name hallte durch die Halle, und plötzlich schien jede Bewegung zu erstarren. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Sirius schluckte schwer und trat vor. Mit zitternden Händen setzte er sich auf den Hocker, und der Sprechende Hut wurde ihm auf den Kopf gesetzt.
Für einen endlosen Moment herrschte Stille in seinem Kopf, dann hörte er die Stimme des Hutes.
„Ah... ein Black", murmelte der Hut. „Ja, ja, ich sehe... mutig, sehr mutig. Aber auch rebellisch. Du hinterfragst alles, nicht wahr? Sehr interessant... deine Familie erwartet, dass du nach Slytherin gehst. Doch ich sehe etwas anderes in dir. Etwas, das... Freiheit will."
Sirius hielt den Atem an. „Bitte", flüsterte er in Gedanken. „Nicht Slytherin. Ich will meinen eigenen Weg gehen."
Der Hut schwieg für einen Moment, dann sagte er laut und deutlich:
„Gryffindor!"
Die Halle brach in Jubel aus, und Sirius spürte, wie eine riesige Last von seinen Schultern fiel. Er war frei. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er eine Wahl getroffen, die seine eigene war.
Nun kam James an die Reihe. Lässig trat er nach vorne und liess sich auf den Stuhl plumpsen. Überall um ihn herum ragten die vier Hausbanner von Gryffindor, Slytherin, Hufflepuff und Ravenclaw stolz in die Höhe. Doch James hatte nur ein Haus im Sinn: Gryffindor. Schon seine Eltern waren dort gewesen, und er spürte, dass er dort hingehörte.
Professor McGonagall nahm den Hut und setzte ihn ihm vorsichtig auf den Kopf.
Kaum hatte der Hut seine Stirn berührt, hörte James eine leise, nachdenkliche Stimme in seinem Kopf. „Ah, interessant", murmelte der Hut. „Du hast eine Menge Mut und Entschlossenheit... eine starke Persönlichkeit, das ist sicher. Ein bisschen Eitelkeit und Selbstbewusstsein... ja, ja... du bist ehrgeizig, aber das passt auch zu Gryffindor, nicht wahr?"
James' Grinsen wurde noch breiter. „Gryffindor", dachte er lautlos. „Ich gehöre nach Gryffindor."
Der Hut lachte leise. „Das dachte ich mir. Keine Frage, es wird für dich nur Gryffindor!"
Die Halle brach in Jubel aus, als der Sprechende Hut das letzte Wort fast triumphierend verkündete. James sprang von dem Hocker ging begeistert zum das Gryffindor-Tisch, wo er von den anderen Gryffindors mit begeisterten Rufen empfangen wurde.
An diesem Tag begann seine Reise als stolzer Gryffindor, und das Abenteuer seines Lebens nahm seinen Lauf. Genau wie Sirius; nur das James das Glück hatte, aus einer Familie zu stammen, die ihn stehts unterstützten.