Kapitel Eins - Jo
„Hey, Sexy.“ Ein bulliger Typ mit fettigen Haaren lallte mir zur Begrüßung entgegen. Er war locker doppelt so alt wie ich. Seine Hand schnellte vor und er begrapschte mir den Arsch.
Heute war meine vierte Schicht im El Diablo. Das ist eine Biker-Bar, die vom Anführer der größten örtlichen Motorradgang betrieben wird, den Twisted Carnage. Man sagt, der Kerl sei absolut gnadenlos. Er soll sich aber gut um seine Angestellten kümmern. Oh, und anscheinend ist er verdammt heiß. Die anderen Kellnerinnen quatschen viel – verdammt viel. Ich habe diesen geheimnisvollen Mann noch nicht gesehen. Aber ich muss zugeben, dass meine Neugier geweckt war.
So taktvoll wie möglich schob ich die Hand des Mannes von meinem Hintern. Er grapschte aber sofort wieder zu. Es schien, als hätten wir jede Nacht mindestens einen dieser aufdringlichen Besoffenen, die man in ihre Schranken weisen muss. Mit einem Augenrollen packte ich seine Hand diesmal fester an. Ich hielt ihn nicht für eine Gefahr. Nur für einen schmierigen, alten Sack.
Trotz meiner Gegenwehr wollte er seine Hand nicht von meinem Arsch nehmen. Mein Herz klopfte schneller. Ich fragte mich, ob er gefährlicher war als die anderen Mistkerle, mit denen ich es bisher zu tun hatte. Ein Blick auf seine Lederweste verriet mir, dass sie sich von den anderen unterschied. Ich überdachte meine Einschätzung noch einmal.
„Lass mich los!“, schrie ich den Mann an.
Seine Pupillen weiteten sich. Sein Griff wurde fester und er riss mich zu sich heran. Ich landete mit dem Arsch direkt auf seinem Schoß. Ich wehrte mich und zappelte herum. Ich versuchte verzweifelt, aus seinem Griff freizukommen. Er schlang jedoch seine Arme um mich. Aus seinem Blick sprach pure Lust und Boshaftigkeit. Ein nasses Gefühl drang in mein Ohr, als er seine Zunge hineinstieß. Gleichzeitig drückte er mich fester an sich. Mein Herz drohte, direkt durch meinen Brustkorb zu springen.
„Komm schon, Schätzchen. Du willst doch das Trinkgeld, oder?“ Seine bedrohliche Stimme dröhnte in meinem Ohr. Seine ekelhaften Lippen pressten sich gegen mein Ohrläppchen. Eine kühle Nässe glitt über meine Haut. Ein flaues Gefühl von Ekel breitete sich in meinem Bauch aus. Er streckte die Zunge raus und leckte mir den Hals hinunter.
Mein Körper bäumte sich auf, um ihm zu entkommen. „Nein, will ich nicht. Lass mich los!“ Sein Griff war zu stark. Ich kam keinen Zentimeter voran. Mein Herz raste und mein Atem wurde schnell und flach.
Ein Schauer des Abscheus durchlief mich. Schmerzhafte Erinnerungen tanzten knapp unter der Oberfläche. Sie drohten, mich in einer Welle aus Panik zu überrollen. Ein Kribbeln glitt über meine Gliedmaßen. In meinen Ohren rauschte es. Meine Sicht wurde dunkel. Ein Schwindelgefühl erfasste mich und Übelkeit stieg in mir auf.
Das darf nicht wahr sein.
Nicht jetzt.
Nicht in einer so prekären Lage.
Meine Brust fühlte sich eng an. Ich rang nach Luft.
Oh Gott. Ich darf jetzt keine Panikattacke bekommen.
Nicht, während meine Brüste in seinen schmutzigen Händen stecken. Er fummelte und grapschte an ihnen herum. Seine raue Zunge fühlte sich an wie Sandpapier auf meiner Haut, während sie wieder hoch zu meinem Ohr glitt. Die Fesselung und der Kontrollverlust weckten tragische Erinnerungen. Es war ein anderes Leben, an das ich mich lieber nicht erinnern wollte.
Ich wehrte mich. Ich kämpfte nicht nur gegen ihn, sondern führte auch einen inneren Kampf. Es war ein emotionaler Krieg. Dieser könnte mich in noch größere Gefahr bringen, als ich ohnehin schon schwebte. Mit neuem Elan wehrte ich mich gegen ihn. Ich wollte aus seinem Griff raus. Ich wollte seinen Dreck von mir runter haben.
„Wie viel willst du? Fünfzig Dollar? Einhundert?“ Er stieß seine Hüften vielsagend gegen mich. Seine erbärmliche Erektion war fast schon lachhaft.
„Ich will, dass du mich loslässt“, fauchte ich ihn an. Er warf den Kopf in den Nacken und lachte nur.
Seine Hand krallte sich fest. Er quetschte meine Brust so hart, dass mir ein kleiner Schrei entwich. Meine Brust verkrampfte sich. Ich blickte wild umher und suchte Hilfe. Seine Freunde lachten nur. Sie tranken weiter und genossen die Show, die er abzog.
Da ich diesen Job wirklich brauche, kämpfte ich um die Kontrolle über meine Gefühle. Ich wollte nicht ausrasten und eine Szene machen. Ich konnte es mir nicht leisten, das hier zu vermasseln. Aber ich würde nicht wieder zum Opfer werden. Ich weigerte mich, irgendwem noch einmal diese Macht über mich zu geben.
Seine Zunge glitt wieder meinen Hals hinunter. Ich schauderte vor Ekel. „Jeder hat seinen Preis. Sag mir deinen und wir gehen nach hinten zum Ficken.“
„Lieber sterbe ich“, gab ich angewidert zurück und wand mich in seinem Griff.
„Das lässt sich einrichten“, spottete er. Er leckte mir über die Wange, bevor er in mein Ohrläppchen biss. Ich biss vor Schmerz die Zähne zusammen. Ich wollte ihm nicht die Genugtuung geben, zu hören, wie sehr es wehtat. „Deine Leiche zu ficken wird zwar nicht so aufregend sein. Aber du wirst trotzdem hübsch aussehen.“
Er schob eine Hand nach unten und drückte meine Schenkel auseinander. Mit einem groben Stoß presste er seine Hand zwischen meine Beine. Ich zitterte vor Schmerz über diese brutale Behandlung. Er senkte seine Stimme. Seine Worte waren Drohung und Versprechen zugleich. Wenn ich hier nicht wegkäme, hätte ich ein riesiges Problem. „Ich werde jedes Loch ficken.“
„Lass los“, forderte ich ihn auf. Ich kämpfte mit aller Kraft, um mich zu befreien. Seine Drohungen zeigten Wirkung.
Der Drecksack drückte meine Brust fest zusammen. Er kam mit seinem Gesicht näher, um mich zu küssen. Der Geschmack von Galle brannte in meinem Hals. Ich wusste, was ich tun musste. Der Job war mir egal. Der Selbsterhaltungstrieb übernahm das Kommando. Kein Job der Welt ist meine Sicherheit und Würde wert.
Als er näher kam, warf ich meinen Kopf nach hinten. Dann rammte ich ihn mit aller Gewalt nach vorne. Meine Stirn traf seine Nase mit einem befriedigenden Knacken. Sein Griff lockerte sich. Ich nutzte seine Verwirrung sofort aus, sprang auf und rannte zur Bar.
Der Job und die Meinung der anderen waren mir jetzt völlig egal. Ich drängte mich durch die Menge. Ich musste von ihm weg. Ich brauchte Sicherheit. Ich musste diesen schleimigen, ekelhaften Speichel von meiner Haut kriegen. Bei dem Gedanken wurde mir speiübel. Ich bahnte mir weiter meinen Weg durch die Menschenmassen. Wer nicht schnell genug Platz machte, wurde zur Seite geschoben.
Als ich die Bar erreichte, sah ich dem kräftigen Mann kurz in die Augen. Dann platzte es aus mir heraus: „Manny, ich muss eine Pause machen.“
Ich sah mich ängstlich um. Ich wollte sichergehen, dass mir dieser Mistkerl nicht gefolgt war. Dass ich ihn nicht sah, war Erleichterung und Terror zugleich. War er noch dort, wo ich ihn stehen gelassen hatte? Oder wartete er irgendwo in der Menge auf mich?
Manny muss die Angst in meinem Gesicht gesehen haben. Er nickte in Richtung der Tür hinter ihm. Ich rannte los zur Personaltoilette. Den ganzen Weg über sah ich mich über die Schulter um. Ich stieß die Tür auf, trat ein und knallte sie hinter mir zu. Dann lehnte ich mich dagegen, um zu Atem zu kommen.
Ich ging zum Waschbecken und drehte das Wasser auf. Ich ließ es warm werden. Während ich mich am Becken festkrallte, blickte ich in den Spiegel. Meine Stirn war schon ganz rot. Mit zittrigen Händen berührte ich die empfindliche Stelle. Ich atmete langsam aus.
Ich zog Papiertücher aus dem Spender und machte sie nass. Dann gab ich Seife darauf. Ich schrubbte mir damit das Gesicht und den Hals ab. Ich wollte seinen Geruch und seinen Speichel loswerden. Meine Haut brannte schon von dem harten Reiben. Ich tupfte sie trocken und starrte wieder in den Spiegel. Ich atmete tief ein und aus und schloss die Augen. Mein Puls sollte endlich wieder normal werden.
Als die Toilettentür aufging, schreckte ich zusammen. Ich verfluchte mich selbst, weil ich nicht abgeschlossen hatte. Ich hatte zugelassen, dass meine Gefühle und Ängste meinen Verstand ausschalteten. Das war dumm. Ich war schutzlos. Mein Blick fiel auf die Gestalt in der Tür. Es war das prächtigste Exemplar von einem Mann, das ich je gesehen hatte. Er trug Lederklamotten, wie ich sie hier im Club ständig sah. Auf seiner Weste waren mehr Aufnäher als bei jedem anderen Mitglied. Ich kniff nachdenklich die Augen zusammen und fragte mich, was das zu bedeuten hatte.
Vielleicht war es aber besser, wenn ich es gar nicht erst herausfand. Er hatte dunkles Haar und stechende Augen. Seine Muskeln spielten unter der Haut, als er sich im Türrahmen anlehnte und die Arme verschränkte. Sogar unter seinem Bartansatz sah man, dass sein Kiefer vor Wut angespannt war. Unbehagen stieg in mir auf. Ich starrte ihn weiter an und fragte mich, ob es draußen nicht vielleicht doch sicherer gewesen wäre.
„Alles okay?“, fragte er mit einer tiefen, grollenden Stimme. Ein Schauer lief mir über den Rücken.