❄️Sexy Santa❄️
Ich wusste, dass es ein Fehler war. Wer bitte, ließ sich von seiner Freundin dazu überreden, in so eine Spelunke zu gehen? Wie jedes Jahr hätte ich zu Hause bleiben und mir einen Liebesfilm ansehen sollen. Mein Singledasein in dem Supermarktwein ertränken sollen, zusammen mit meiner Lieblingstiefkühlpizza.
»Julie, komm schon, das wird lustig«, hallte Sandras Stimme in meinem Kopf wider. Natürlich war es lustig auf einen Glühwein in New York am Weihnachtsabend auszugehen, aber doch nicht in einen Schuppen am Stadtrand, in dem jeder aussah, als wäre er ein Schwerverbrecher.
Seit fünfzehn Minuten war Sandra mit irgendeinem Typen, den sie letzte Woche, hier kennengelernt hatte, auf der Toilette. Was die da machten, konnte ich mir denken. Auch wenn der Kerl, der sich mir als Harlow vorgestellt hatte, so ziemlich höflich uns gegenüber war, war sein Auftreten doch eher fragwürdig.
Genauso wie alle anderen Typen hier drin. Als ich mich umsah, um nochmal nach Sandra Ausschau zu halten, entging mir nicht, dass mich fast jeder Kerl beobachtete. Ich fühlte mich unwohl und das lag nicht daran, dass ich angesehen wurde, nein, es lag eher daran, dass ich zu viel Glühwein intus hatte.
Ich hatte schon gut einen im Tee, machten wir uns nichts vor, ich konnte ja nicht mal mehr die Reklametafel an der Wand entziffern. Was stand da?
Die Buchstaben kamen mir entgehen und ich gab es auf. Vielleicht sollte ich mal nach meiner Freundin sehen und uns einen Uber rufen.
Mühsam erhob ich mich und nahm den unverwechselbaren Geruch von Zimt in mich auf. Obwohl der Barbesitzer keinerlei Sinn für räumliche Dekoration zu haben schien, roch es hier drin weihnachtlich.
Ein leichter Schwindel erfasste mich und ich hielt mich an der Tischkante fest, atmete tief ein und aus, bevor ich einen Fuß vor den anderen setzte.
Als ich die klebrige Tür aufstieß, von der ich sicher war, dass sie noch nie einen Lappen gesehen hatte, erstarrte ich. Im hinteren Bereich des Flurs standen zwei Männer.
Der eine Mann hatte den anderen Mann an die Wand gedrückt und hielt ihm ein Messer an die Kehle, während er ihm etwas ins Ohr flüsterte.
Wie in Zeitlupe kniff ich meine Augen zusammen, um mich zu fokussieren. Wer wusste schon, ob ich mir das nicht nur in meinem alkoholisierten Zustand einbildete, immerhin konnte man besoffen ganze Welten erschaffen. Möglich war alles!
Als ich endlich realisierte, dass mein Gehirn sich das nicht eingebildet hatte, blieb ich, wie eine Idiotin stehen und schlug mir die Hand vor dem Mund. Mein Verhalten zog natürlich die Aufmerksamkeit der beiden Kerle auf sich.
Ich wusste, dass ich in diesem Schuppen sterben würde. Warum hatte ich nicht auf meinen Instinkt gehört?
Allmählich glaubte ich ja, dass Instinkte sich ab einem Alter von siebenunddreißig Jahren ganz automatisch abschalteten, vor allem wenn man jedes Jahr zu Weihnachten von seiner Mutter zu hören bekam: »Mensch Julie, lad dir doch mal so eine Dating App runter. Da gibt es bestimmt ein paar nette Männer! Als dein Vater und ich noch jung waren...«
Genau ab da schaltete sich mein Gehirn meist immer aus. Es war nicht so, dass ich keine Kerle kennenlernte. Ich war durchaus ansehnlich, mit meiner wallenden kupferroten langen Mähne, meinen grünen Augen und einem eher sportlichen Körper, den ich täglich dazu antrieb eine Runde Laufen zu gehen.
Doch Kerle in unserer Stadt zu daten, war eine Katastrophe.
Ich hob die Hand, als würde ich die beiden begrüßen und lallte: »Ich habe nichts gesehen. Macht einfach weiter!«
Natürlich, noch bescheuerter ging es nicht. Julie, der Kerl hat ein Messer in der Hand, sieh zu, dass du wegkommst.
Doch meine Beine verweilten an Ort und Stelle. Instinkte schalteten sich auch in bedrohlichen Situationen ab, musste ich feststellen.
Die Bewegung des Mannes mit dem Messer, war so schnell, dass ich es erst realisierte als der andere Mann, sich ängstlich an die Kehle fasste und sich kurzerhand zum Hinterausgang schleppte. Dabei rief er sowas wie: »Danke!«, in meine Richtung.
Hey, vielleicht hatte ich ihm gerade den Arsch gerettet. Das würde sich gut in meinem Dating Profil machen: Rettet Menschen aus bedrohlichen Situationen, scheint aber für sich und ihre Wahrnehmung null Instinkte zu besitzen. Leichtes Opfer und Katzenliebhaberin. Mag Käse und Glühwein.
Der Mann mit dem Messer, der bedrohlich und groß war, kam jetzt langsam auf mich zu. „Alles klar, hau ab", schrie mein Gehirn, aber seine dunklen Augen ließen mich stehenbleiben. War ich eigentlich verrückt geworden? Hallo? Der Kerl hat ein Messer in der Hand!
Zu spät, jetzt stand er vor mir.
Seine Mundwinkel hoben sich zu einem Lächeln und Scheiße Ja, war das Sexy. Mit dem Lächeln konnte er glatt den Sexy Santa spielen. „Ho! Ho! Ho! Ich bringe dir Geschenke in Form von Orgasmen, die sich gewaschen haben."
Gedanklich stellte ich mir vor, wie er nur mit einer Weihnachtsmütze auf dem Kopf vor mir stand und mir sein Glöckchen zeigte.
»Süße, du hast hier hinten nichts zu suchen.«
Ich wettete, wenn er mit der Stimme Worte wie: „Zieh dich aus oder leg dich hin!", befahl, ließ er Wünsche wahr werden.
Aus dem Sexy Santa wurde ein Polizist und als ich ihm gerade meine Hände hinhalten wollte, damit er mich verhaften konnte, fiel mir Sandra wieder ein.
Ich nuschelte so was wie: »Toilette.«
Das war eher ein erbärmlicher Versuch von Anreihung an Buchstaben, doch anscheinend schien er mich verstanden zu haben.
Sein Lächeln wurde noch breiter und seine dunklen Augen leuchteten. »Die wäre eine Tür weiter gewesen. Komm, ich bringe dich hin.«
Warum nickte ich und ließ mich von ihm wegführen? Eindeutig hatte ich viel zu lange keinen Sex gehabt. Sein starker Arm legte sich um mich. »Du bist völlig betrunken. In so einer Bar wie dieser, sollte man sich nicht so betrinken.«
Rügte der Kerl mich etwa?
»Nun, vermutlich sollte man auch niemanden mit einem Messer bedrohen, oder?«, sprudelten die Worte aus mir heraus, ehe ich sie zurückhalten konnte.
»Glaub mir Süße, der Kerl hat es verdient.«
Mehr sagte er nicht und stieß die Tür zu der Toilette auf. Das Bild, welches sich uns da bot, war na ja...
Sandras Beine waren um Harlows Hüften geschlungen, während er sie an der Wand nahm.
Der Kerl neben mir seufzte.
»Alter Harlow, wie oft habe ich dir gesagt, wenn du ne Mieze ficken willst, dann nicht in meiner Bar.«
Sandra kam gerade zum Höhepunkt und ich wusste, dass ich das Bild nicht mehr aus meinem Kopf bekommen würde. Der Kerl hörte nicht auf, sich in ihr zu bewegen, doch er hob seine Hand zu einem Mittelfinger in unsere Richtung.
Ich legte den Kopf schief, um seinen wirklich guten durchtrainierten Arsch zu bewundern.
Mann, wenn der Arsch von dem aussah, war ich neugierig darauf zu erfahren, wie er vorne herum bestückt war. Sandra würde mir Berichterstattung leisten müssen.
Mein Sichtfeld wurde dunkel, indem mir Sexy Santa, neben mir seine Hand vor die Augen hielt. Was dachte er, dass ich zwölf war?
Ich riss sie weg und blickte ihm ins Gesicht. Hatte er gerade eigentlich auch schon diese Lippen, die zum Küssen einluden gehabt? Vermutlich schon.
Ich starrte ihm darauf und vergaß, was ich eigentlich sagen wollte.
Er ließ die Tür wieder zufallen und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. Mir entging nicht wie er dabei seine Muskeln anspannte unter seinem schwarz, rot karierten Holzfällerhemd. Unwillkürlich biss ich mir auf die Lippe und fuhr wieder meinen eigenen Kopfporno.
»Ich hoffe, du musst nicht dringend? Ansonsten kann ich dir oben in meiner Wohnung meine Toilette anbieten.«
Trotz des Messers in seiner Tasche und der noch vor kurzen bedrohlichen Situation, schien er nett zu sein.
Ich pustete mir eine Strähne aus dem Gesicht und versuchte meine Stimme natürlich sexy klingen zu lassen. Ob er sich von einer Besoffenen verführen ließ? So weit war es mit mir gekommen, jetzt machte ich schon die Schwerverbrecher an.
»Das was die da machen, könnten wir auch machen, in deiner Wohnung über der Bar.«
Verblüfft hob er eine Braue. Das Grinsen in seinem Gesicht nahm zu und er lehnte sich ein wenig zu mir vor, dabei schwappte dieser Zimtgeruch, den ich auch schon in der Bar gerochen hatte zu mir herüber.
»Wie viel Glühwein hast du getrunken, Süße?«
»Ne Menge«, erwiderte ich und zwinkerte.
»Alles klar!«, stieß er amüsiert kopfschüttelnd aus.
»Na, dann komm mal mit«, forderte er und ohne wirklich darüber nachzudenken, lief ich ihm hinterher.
Blinzelnd öffnete ich die Augen. Der Geruch verriet sofort, dass ich nicht in meinem Bett lag. Es roch nach Zimt und der zum Glück nicht ganz so schlimme Kater verriet, dass ich mich gestern wie eine Irre aufgeführt hatte. Der Kerl, der mich mit in seine Wohnung genommen hatte, hatte gemeint, dass ich meinen Rausch ausschlafen sollte. Ich hatte mich wie eine völlig verrückte benommen und mich an ihn ran geschmissen.
Anscheinend war ich echt an einem Tiefpunkt angekommen. So erbärmlich. Ich zog mir die Decke über den Kopf und seufzte viel zu laut auf.
Kurze Zeit später öffnete sich die Schlafzimmertür.
»Guten Morgen, meine kleine Liebeselfe.«
Röte stieg mir ins Gesicht, als ich mich daran zurückerinnerte. Er hatte mich nach meinem Namen gefragt und ich hatte geantwortet, dass ich seine Liebeselfe sei.
Konnte sich Bitte, irgendwo ein Boden auftun und mich verschlucken?
Die Matratze seines Bettes, das wirklich sehr bequem war, senkte sich und kurzerhand zog er mir die Decke von meinem Kopf. Instinktiv schloss ich meine Augen. Ach, jetzt schienen meine Instinkte wieder zu funktionieren!
»Ich kann dich trotzdem sehen, auch wenn du die Augen schließt.«
Okay Julie, es wird Zeit der Tatsache ins Auge zu blicken.
Noch bevor ich meine Augen öffnete, plapperte ich drauflos. »Es tut mir wirklich leid, ich bin sonst...«
Ich stockte. Als ich meine Augen langsam öffnete, erfasste ich ein paar nackte Tatsachen, in Form von einer muskulösen Brust, die man sicherlich als Waschbrett benutzen konnte. Wow! Meine Libido meldete sich augenblicklich zurück.
Komm schon Sexy Santa, ein kleiner Ritt mit der Elfe gefällig?
Er räusperte sich. »Hier oben sind meine Augen.«
Ich wusste, wo seine Augen waren, doch dieser Anblick! Langsam, sehr langsam ließ ich meinen Blick über ihn gleiten. Seinen gut durchtrainierten Body, bei dem ich mir durchaus vorstellen konnte, meine Zunge darüber fahren zu lassen. Seinen kräftigen Hals, der verriet, dass er definitiv viel Nackenmuskulatur Training machte und seinem kantigen Kiefer, über den ich ebenfalls mit der Zunge fahren würde. Danach würde ich bei seinen Lippen weitermachen. Ich war feucht, als ich endlich bei seinen Zartbitterschokoladen Augen ankam, die im völligen Kontrast zu seinen hellblonden Haaren standen. Der Kerl sah aus, als wäre er dem Cover von Men's Health entsprungen.
Ich fuhr mir durch mein Haar, um irgendwie einen halbwegs normalen Eindruck zu erwecken. »Was machst du beruflich?«, fragte ich und wusste selber nicht mal genau, warum ich das wissen wollte.
Leicht kniff er die Augen zusammen, während sich kleine Grübchen auf seinen Wangen bildeten, was ihn gleich noch eine Nuance attraktiver aussehen ließ.
»Mir gehört die Bar. Doch bevor wir uns gegenseitig unseren Lebenslauf erzählen, würde ich gerne erstmal deinen Namen wissen, meine kleine Liebeselfe.«
Ich konnte nichts dagegen unternehmen, dass ich jetzt lächeln musste. Er schien nicht nur nett zu sein, sondern auch Humor zu haben. »Ich heiße Julie und wie heißt du?«
»Freut mich Julie. Ich bin Jackson.«
Jackson. Ja, er sah aus, wie ein Jackson.
»Trinkst du Kaffee, Julie?«
Ich verdrehte die Augen. »Ich sterbe für Kaffee?«
»Das wollte ich hören.«
Er zeigte zu der Tür. »Wenn du rauskommst, ist links die Toilette. Frische Handtücher findest du im Regal neben dem Waschbecken. Wenn du den Gang runterläufst, kommst du in die Küche, da warte ich dann auf dich.«
Er zwinkerte und erhob sich gleichzeitig. All seine Pracht stand jetzt vor mir und wenn ich nicht erst überprüfen wollen würde, dass ich nicht wie ein Waschbär im Gesicht aussah, hätte ich mich jetzt auf ihn gestürzt.
Galant und sexy setzte er sich in Bewegung, um aus dem Zimmer zu kommen, doch er hielt nochmal kurz vor der Tür inne.
»Deine Sachen sind übrigens vollgekotzt, die habe ich entsorgt. Im Schrank kannst du dir was von mir nehmen.«
Dann ging mir ein Lichtchen auf und ich hob die Decke an. Ich trug nur einen BH und einen Slip. Er hatte mich ausgezogen und die Kotze weggewischt.
»Entschuldigung!«, gab ich kleinlaut von mir.
Er winkte ab. »Wenn man in einer Bar arbeitet, sieht man so einiges.« Mit den Worten verschwand er.
Als ich zwanzig Minuten später, auf nackten Sohlen, in einem übergroßen Hemd und einer Boxershorts, in die Küche lief, stieg mir der Geruch von frisch gemahlenen Bohnen in die Nase. Er stand nur in einer Jogginghose am Herd und schob mit dem Wender in der Pfanne etwas hin und her. Mit begeisterter Faszination betrachtete ich das Spiel seiner Muskeln.
Als er sich umdrehte, hing mir beinahe ein Sabberfaden aus dem Mund. Er grinste.
»Was macht eine Frau wie du in so einer Bar?«
Schulterzuckend, antwortete ich: »Verzweiflung.« Keine Ahnung warum ich so ehrlich zu ihm war. Aber irgendwas verriet mir, dass ich es sein konnte. »Ich bin das, was man Dating untauglich nennt.«
Sein Mund verzog sich wieder zu diesem attraktiven Lächeln und er ließ seinen Blick über meine nackten für ihn freiliegenden Beine wandern. »Kann ich nicht behaupten.«
Oh ja, der Ritt mit dem Sexy Santa würde schneller als gedacht kommen.
»Jetzt ich«, sagte ich und er nickte, während er den Herd ausstellte. »Warum bedrohst du Leute mit einem Messer?«
Seine Augen hinterließen ein Prickeln auf meinem Körper, als er ihn immer noch genau inspizierte.
»Der Kerl hat Geld aus meiner Kasse geklaut«, erwiderte er und setzte sich gleichzeitig in Bewegung. Als er vor mir stand, legte er seine Finger unter mein Kinn und schob es zu sich hoch.
Instinktiv öffnete ich meine Lippen, so angetan von ihm.
»Vielleicht hat die Suche ein Ende«, raunte er.
Ich schluckte schwer.
»Es kommt ganz darauf an, wie gut du mit deinem Glöckchen umgehen kannst.«
Kaum merklich verzog er seinen Mund und mein Körper schien in Flammen aufzugehen. Fest packte er meine Hüften, hob mich hoch und setzte mich auf den Küchentisch. Sein Duft nach Zimt verstärkte sich und vermischte sich mit Kaffee. Sanft legte er seine Lippen auf meine und begann zärtlich an ihnen zu knabbern.
Der Sexy Santa hatte es eindeutig drauf.
Alles in mir vibrierte und summte, als er seine Hände auf Wanderschaft schickte. Meine Beine legten sich um seine Hüften und zogen ihn näher zu mir. Die beachtliche Beule, die sich gegen meine Mitte drückte, nahm ich als Einladung, um mich an ihm zu reiben.
Kurz bevor er sein Glöckchen in mich schob, raunte er an meinen Lippen. »Die Suche hat definitiv ein Ende, meine kleine Liebeselfe.«
Wer hätte das gedacht, dass ich am Weihnachtsabend in einer schmierigen Bar, meinen Sexy Santa treffen würde? Und ganz unter uns Ladys, die Ho! Ho! Ho! Geschenke, hatten es definitiv in sich.
Einen schönen ersten Advent, ihr Lieben🕯️