Das Flüstern des Blutbaums

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Zusammenfassung

Niemand betritt den Schwarzen Wald – dort steht der Blutbaum, ein uraltes Wesen, das Seelen verschlingt. Elias, ein skeptischer Gelehrter, wagt sich hinein, um die Wahrheit hinter den Legenden zu finden. Doch das Flüstern des Baums lockt ihn tiefer in einen Albtraum, aus dem es kein Entkommen gibt. Der Blutbaum ruft – und er ist hungrig.

Genre:
Horror/Mystery
Autor:
carlos
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

der Blutbaum

Niemand im Dorf sprach laut über den Schwarzen Wald, doch jeder kannte die Geschichten. Kinder wurden mit den Legenden erzogen, und selbst die Mutigsten wagten es nicht, die Grenze zum Wald zu überschreiten. Dort, so hieß es, wuchs der Blutbaum – ein monströser Baum, älter als die Zeit, gefüttert vom Leid und den Seelen derer, die dumm genug waren, ihn zu stören. Doch Elias war anders. Ein junger Gelehrter, frisch zurückgekehrt von der Universität, wo er gelernt hatte, die Vernunft über Aberglauben zu stellen. Geschichten über „verfluchte Bäume“ und „dämonische Wälder“ waren für ihn nichts als Bauernmärchen, geschaffen, um Ungehorsame in Schach zu halten. Es war eine besonders kalte Nacht, als Elias entschied, die Wahrheit zu finden. Der Mond war blutrot – ein seltenes Himmelsereignis, das den Dorfbewohnern Angst einjagte. Elias jedoch sah es als Omen für einen Neubeginn, einen Triumph der Aufklärung. Mit einer Laterne und einem Notizbuch ausgerüstet, begab er sich allein in den Schwarzen Wald. Die Stille war erdrückend. Kein Vogel sang, keine Tiere raschelten im Unterholz. Es war, als hätte der Wald die Zeit angehalten. Je tiefer Elias eindrang, desto mehr schien die Dunkelheit seine Laterne zu verschlingen. Bald wurde ihm klar, dass er nicht allein war – Schatten flitzten zwischen den Bäumen, und ein leises Flüstern begleitete ihn. Es war unverständlich, wie ein Windstoß, der durch die Blätter streicht, doch es schien ihn zu rufen. Nach Stunden des Wanderns erreichte er eine Lichtung. Dort stand er: der Blutbaum. Elias' Atem stockte. Der Baum war gigantisch, sein schwarzer Stamm von knorrigen Wurzeln umgeben, die sich wie Klauen in den Boden krallten. Seine Äste waren verdreht wie gequälte Arme, die verzweifelt zum Himmel griffen. In der Mitte des Stammes war ein Schädel eingewachsen – menschenähnlich, aber grotesk, mit glühenden, roten Augenhöhlen. Blut sickerte aus dem Schädel und rann in zähflüssigen Strömen an der Rinde hinunter, wo es sich in einer Lache am Boden sammelte. Elias konnte nicht widerstehen. Er trat näher, seine Faszination verdrängte die Angst. Das Flüstern wurde lauter, klarer.„Hilf uns...“ hauchten die Stimmen, erstickt und gequält. „Wer seid ihr?“ fragte Elias, seine Stimme bebend. Keine Antwort. Doch als er die Hand ausstreckte, um die Rinde zu berühren, zuckte er zurück. Es fühlte sich warm an, lebendig. Plötzlich begannen die Wurzeln des Baums sich zu bewegen. Sie zogen sich zusammen und gruben sich tiefer in den Boden. „Komm näher...“ flüsterte eine tiefere, dunklere Stimme aus dem Baum. Es war kein Betteln, sondern ein Befehl.Elias spürte, wie etwas an ihm zerrte – nicht körperlich, sondern geistig. Es war, als würde der Baum in seinen Verstand eindringen. Bilder flackerten vor seinem inneren Auge: Menschen, die in den Baum gezogen wurden, ihre Gesichter schmerzverzerrt. Ihre Schreie wurden Teil des Flüsterns. „Du bist der Nächste“, knurrte die Stimme. Elias drehte sich um, wollte weglaufen, doch die Wurzeln waren schneller. Sie schossen aus dem Boden, umschlangen seine Beine und zogen ihn zu Boden. Die Laterne fiel und erlosch, während Elias verzweifelt schrie. Die Augen des Schädels leuchteten hell, und der Baum begann zu lachen – ein tiefes, höhnisches Geräusch, das den gesamten Wald erfüllte. Elias wurde in die Dunkelheit gezogen, seine Schreie wurden leiser, bis sie verstummten. Am nächsten Morgen war der Wald still wie zuvor. Ein Jäger fand die Laterne von Elias am Rand des Waldes. Sie war von einer schwarzen Substanz überzogen, die nach Eisen roch. Niemand im Dorf fragte nach Elias – sie wussten, was geschehen war. In der folgenden Nacht erschien eine neue Flamme im Schädel des Blutbaums. Ein weiteres Paar Augen glühte rot, und das Flüstern wurde lauter.


Der Baum war hungrig – und er würde niemals satt werden.