Chosen Vampire

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Zusammenfassung

Ich war auf dem Weg in mein neues Leben. Nach dem Tod meiner Eltern war ich endlich so weit, nach vorne zu blicken und meinen Traum, Medizin zu studieren, zu verwirklichen. Aber ein Mann mit zwei ziemlich scharfen Zähnen -und damit meine ich nicht im übertragenen Sinne scharf -warf mir plötzlich vor, kein Mensch zu sein. Was zur Hölle? Man könnte sagen, dass mein Leben ab diesem Tag beendet wurde. Zumindest das Leben, was ich gekannt hatte. Und zu allem Überfluss gerate ich zwischen die Fronten eines Krieges, von dessen Existenz ich lieber niemals erfahren hätte. Was hält mein neues Leben für mich bereit? Oder endete es, bevor es richtig begonnen hatte?

Status:
In Arbeit
Kapitel:
5
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Prolog

Es ist dunkel, ich friere und habe seit Tagen nichts gegessen. Mein Mund fühlt sich trocken an, meine Beine sind wund gescheuert von den Ketten und ich habe das Zeitgefühl verloren, nicht ein mal den Monat könnte ich noch nennen. Ich bin aber schon eine ganze Weile hier, denn die Jahreszeiten geben mir einen Anhaltspunkt. Ob er mich vergessen hat? Es ist schon ein paar Tage her, seit er hier war. Darüber sollte ich eigentlich froh sein. Wenn da nur nicht der Hunger wäre, der mich Tag ein Tag aus quält. Aber ich habe Angst. Angst, mich ihm zu stellen und mich mit dem, was ich hier erfahren habe, auseinandersetzen zu müssen. Ich bin hier verloren in meinen Gedanken und klammere mich an der Hoffnung fest, jemand könnte mich doch noch finden. Nach einer Weile falle ich langsam in einen tiefen, traumlosen Schlaf, der mich von meinen Gedanken und Ängsten erlöst. Zumindest für eine kurze Zeit.


Gegenwart, Josie

Meine Hände waren schweißnass. Mein ganzes Leben lang hatte ich hiervon geträumt und jetzt war es endlich so weit. Auch wenn es das war, was ich immer wollte, war ich total nervös. Was, wenn ich es nicht packte?

Ich saß in einem Umzugswagen, der mit meinem kompletten , alten Leben bepackt war. Neben mir saß meine beste Freundin Charlie, die freudig zu dem Lied, das gerade im Radio lief, mitsang.

Wir waren auf dem Weg nach Wisconsin, unserem neuen zu Hause für die nächsten Jahre, denn wir würden dort Medizin studieren. Schon als Kind hatte ich davon geträumt, Menschen zu helfen und in Notsituationen beizustehen. Vor zwei Jahren, als meine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen und ich selbst mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen musste, wurde dieser Ort zu einem zweiten zu Hause für mich und der Entschluss, selber eines Tages Ärztin zu werden, verfestigte sich. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens und der Gedanke an diese Zukunft war der Grund, warum ich jeden Tag überstehen konnte.

„Wir sind gleich im Wohnheim, ich bin so aufgeregt!“, sagte Charlie und ich bog in eine Seitenstraße ein. „Da vorne musst du links abbiegen, dann sind wir am Ziel“.

Charlie und ich richteten unser gemeinsames Zimmer im Wohnheim ein. Wobei, eigentlich war nur Charlie am dekorieren und herumhüpfen, während ich bereits auf meinem schmalen Bett lag und über mein Leben nachgrübelte. Charlie war seit der ersten Klasse meine beste Freundin. Sie war die Art Mensch, die man nur lieben konnte. Mit ihren hellblonden, lockigen Haaren, den blauen Augen und schönen Kurven war sie eine Erscheinung, überall wo wir hinkamen. Sie war offen, hatte viele Freunde und ein nahezu perfektes Leben. Ihre Eltern unterstützten sie bei jeder Entscheidung und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich sie nicht beneidete. Obwohl wir so unterschiedlich waren, liebte ich sie wie eine Schwester. Ich hingegen war eher unauffällig. Mit meinen dunkelbraunen, langen Haaren, den braunen, etwas zu großen Augen, der kleinen Nase und meiner eher blassen Haut, fiel ich nie sonderlich auf. Aber das war absolut in Ordnung für mich. Nach dem Tod meiner Eltern hatten meine Großeltern mich zu sich geholt, doch mein Großvater erkrankte vor einem Jahr an Demenz und so zog er, gemeinsam mit meiner Großmutter, in ein Heim. Ich war mittlerweile 20 Jahre alt und habe es als Sprungbrett gesehen, endlich in mein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu starten. Ich kam auch super alleine zurecht, zumindest redete ich es mir ein. Meine Eltern hatten mir genug Geld hinterlassen, um meinen Traum erfüllen zu können und zu Studieren. Dafür war ich sehr dankbar.

"Komm schon, wir müssen feiern! Unser Leben fängt jetzt erst richtig an", schrie Charlie über die mittlerweile viel zu laute Musik hinweg, die aus ihrer Musikbox dröhnte. Sie kam auf mich zu und nahm meine Hände in ihre. Dann zog sie mich auf die Beine und ich gab nach. Wir tanzten und lachten, bis wir nicht mehr konnten und uns erschöpft auf den flauschigen Teppich, den Charlie mitgebracht hatte, fallen ließen. Versteht mich nicht falsch, ich war absolut dankbar für diese Chance und konnte es kaum erwarten, zu den ersten Vorlesungen zu gehen. Aber irgendwie hatte ich, seit wir in der Stadt angekommen waren, ein komisches Bauchgefühl. Ich war normalerweise kein sehr intuitiver Mensch, deshalb gab ich sonst nie etwas auf solche Gefühle. Aber es fiel mir schwer, das ziehen im Bauch abzuschütteln. Sicherlich lag es nur daran, dass ich nervös war.

Bis zu den ersten Einführungsveranstaltungen waren es noch vier Tage, also entschloss ich mich, ein wenig die Stadt zu erkunden. Charlie war begeistert und schloss sich mir an. Wir gingen ein wenig shoppen und suchten uns danach ein Cafe. Nach wenigen Metern wurden wir schon fündig und betraten ein süßes Cafe namens `Susi's´. Es war niedlich eingerichtet, fast wie ein gemütliches Wohnzimmer. Es gab Sofas und Sessel, einen kleinen Kamin und die Bedienung begrüßte uns direkt freundlich.

Wir setzten uns in die Nähe des Kamins auf ein breites Sofa und bestellten uns Kaffee. Wobei, das was Charlie sich bestellt hatte eher nach einem Dessert klang und wahrscheinlich nur aus Zucker bestand. Ich war da eher eine klassische Kaffeetrinkerin und bestellte mir einen normalen schwarzen Kaffee.

Nach wenigen Minuten kam ein Typ an unseren Tisch, den ich als klassischen Footballer einordnen würde. Er hatte dunkle, nach hinten gegelte Haare, ein breites Kreuz und ein Lächeln wie aus einer Zahnpasta Werbung. Kurz gesagt, absolut Charlies Typ. Ich kannte sie mittlerweile einfach zu gut.

"Hey, ihr beiden seid mir direkt aufgefallen und ich dachte ich komme mal rüber und stelle mich vor", sagte der Typ, doch er schaute nur Charlie an. Typisch. "Ich bin Daniel". Er reichte Charlie die Hand zum Gruß, drehte aber schnell die Handfläche nach oben und gab ihr einen zarten Kuss darauf. Würg. "Ich bin Charlie, freut mich dich kennenzulernen".

Charlie klimperte mit den Wimpern und ich wusste, ich war abgeschrieben. Aber ich war ihr absolut nicht böse, ich wusste, dass sie es nicht böse meinte. Es war auch nicht das erste Mal, dass sie von einem Typen angesprochen wurde. Nach einem intensiven Blick der beiden drehte sich Daniel zu mir und reichte mir die Hand. Er schüttelte sie kurz und ich murmelte ein: "Ich bin Josie", doch er hatte sich schon längst wieder an Charlie gewandt. "Ihr seid bestimmt Erstsemestler, hab ich recht? Eine Schönheit wie dich hätte ich mit Sicherheit sonst schon am Campus entdeckt". Dieser Typ gab wirklich Gas, das musste ich ihm lassen.

"Charlie, mir fällt gerade ein, dass ich noch einen Termin habe. Macht es dir etwas aus, wenn ich dich alleine lasse?", fragte ich sie und zwinkerte ihr zu.

"Ich passe auf deine Freundin auf, wenn sie das möchte", erwiderte Daniel und ich musste innerlich grinsen. "Danke, Schatz", flüsterte mir Charlie zu und ich machte mich auf den Weg zum Tresen, um meinen Kaffe in einen to go Becher umfüllen zu lassen. Ich drehte mich noch einmal zu den Beiden um und musste wirklich sagen, dass sie süß zusammen aussahen. Auch wenn ich wusste, dass es sehr wahrscheinlich nur eine kurze Liebelei sein würde. Aber Charlie machte das nichts aus, das wusste ich. Sie hatte schon viele Beziehungen und "probierte sich gerne aus", wie sie immer sagte. Dafür bewunderte ich sie irgendwie. Ich hatte, bis auf einen kurzen, sehr feuchten, Kuss in einer Bar vor einem Jahr, nicht viel Erfahrung mit Männern.

Ich schlenderte durch die Innenstadt mit meinem Kaffee und entschied mich, noch einen Abstecher in einen nahegelegenen Wald zu machen. Ich liebte es, in Wäldern zu spazieren und wanderte früher gerne mit meinen Eltern. Ich konnte dabei einfach wunderbar nachdenken, oder einfach die Seele baumeln lassen. Der Wald war ziemlich groß und ich nahm mir vor, nicht zu weit zu gehen, weil es bald dunkel werden würde. Ich war aber so in Gedanken, dass ich unbewusst dann doch immer weiter hineinging. Ich folgte einem Wanderpfad und wurde langsam nervös, weil ich so viele Abzweigungen genommen hatte, dass der Rückweg bestimmt nicht mehr leicht zu finden wäre. Ich war einfach zu sehr in Gedanken gewesen.

Plötzlich stand ein Mann vor mir auf dem Weg. Er schaute mir direkt in die Augen und zog langsam einen Mundwinkel hoch. Mein Herz schlug schneller, mir wurde plötzlich bewusst, dass ich tief in einem mir fremden Wald war und Charlie nicht wusste, wo ich war. Er kam langsam auf mich zu und ich wich automatisch zurück. Er war groß, bestimmt 1.90m, eher schmal gebaut, aber trotzdem muskulös. Er sah sogar ziemlich gut aus, wäre da nicht dieses teuflische Grinsen auf seinen vollen Lippen.

„Hallo, wen haben wir denn hier?“, sagte er mit einer fast schon melodisch klingenden Stimme.

„Ich will hier nur in Ruhe spazieren gehen“, sagte ich mit zitternder Stimme.

„Süße, es tut mir leid, aber du bist leider zur falschen Zeit am falschen Ort. Nimm es mir nicht übel, aber ich bin einfach verdammt hungrig“, sagte er und kam weiter auf mich zu. Plötzlich stand er direkt vor mir und griff mir an den Hals, keine Ahnung wie er sich so schnell bewegen konnte, aber meine Alarmglocken fingen an zu schrillen. „Lass mich..!“, fing ich an zu schreien, aber er würgte den Schrei mit seinem Griff ab und öffnete seinen Mund, der zwei lange, spitze Fangzähne zum Vorschein brachte. Ich hob mein Knie und trat ihm so fest ich konnte zwischen die Beine.

Knurrend ließ er kurz von mir ab und ich zögerte keine Sekunde. Ich rannte um mein Leben. Doch nach wenigen Schritten stand er erneut vor mir, grinste mich breit an und kam langsam auf mich zu. Ich wich vor ihm zurück, doch als ich mit dem Rücken gegen einen Baum stieß, machte er einen Satz nach vorne und rammte seine Zähne in meinen Hals. Ich schrie und versuchte verzweifelt, ihn von mir wegzustoßen, aber er rührte sich keinen Millimeter. Meine Knie wurden langsam weich und vor meinen Augen tanzten schwarze Punkte. Ich nahm die Welt um mich herum nur noch langsam wahr, alles war wie in Zeitlupe. Was passierte hier nur?

Plötzlich löste er sich von mir und sprang mehrere Meter zurück. Mein Herz raste und ich hatte Mühe, mich auf den Beinen zu halten. „Das kann nicht sein“, sagte der Mann überrascht und starrte mich an. Sein Gesicht war blutverschmiert. Das war mein Blut. Was zur Hölle war nur los mit diesem Typen? Ich versuchte mit aller Kraft, mich vom Baum abzustoßen und von hier wegzukommen, aber meine Beine gaben nach und mein Sichtfeld wurde immer kleiner, bis ich in eine tiefe Dunkelheit abdriftete.

Als ich aufwachte, brauchte ich einige Minuten um zu realisieren, wo ich war und was passiert war. Wobei ich auf beides keine genaue Antwort wusste. Meine Füßen waren angekettet und ich lag auf einem kalten Betonboden. Mein Kopf fühlte sich an, wie mit Watte gefüllt. „Ah, da ist jemand wach geworden. Willkommen in deinem neuen zu Hause. Gefällt es dir?“, sagte der Mann, der mich entführt hatte in einem provozierend belustigtem Ton. „ Ach, wie unhöflich von mir, mein Name ist Paul. Wie heißt du, Süße?“

„Was soll das Ganze, wo bin ich hier?“,fragte ich mit belegter Stimme. Ich versuchte mit aller Mühe, meine Panik zu unterdrücken, aber es gelang mir nicht wirklich. In einem Augenblick stand er noch mehrere Meter von mir entfernt, doch im nächsten kniete er bereits direkt vor mir und griff mir an den Hals. Vor Schreck stieß ich einen Laut aus, doch er packte zu und drückte mich gegen die Wand hinter mir. „Ich habe dich nach deinem Namen gefragt und finde es doch sehr unhöflich, wenn du mir diesen nicht verrätst.“, sagte er mit bissiger Stimme. „Josie“, hauchte ich ihm entgegen. „Geht doch“, sagte er zufrieden und rückte von mir ab. „Josie, weißt du eigentlich, wie wertvoll du für mich bist?"