Prolog
Prolog
Riesige Scharen stürzen in die Tiefe
Das Leben ist Chaos. Mit dem ersten Atemzug kannst du Welten erschaffen oder niederbrennen.
In deinen Augen spiegelt sich Unschuld, doch der Moment deines Untergangs ist geboren. Du beginnst zu schreien, weil du dein Schicksal kennst.
Genau in diesem Moment siehst du deinen Tod voraus. Du siehst, was unvermeidbar ist. Du siehst dein Schicksal.
Egal, wie grausam es sein mag. Und wieder schreist du. Dann endlich die Erlösung. Die Wärme deiner Mutter umfängt dich.
Sie drückt deinen kleinen, hilflosen Körper an ihre Brust. Du atmest ihre Liebe ein, dein Schrei verstummt. Der Augenblick ist verflogen. Ein Schleier legt sich über dein Wissen.
Erlösung! Vergessen!
„Wisst ihr, warum Babys schreien?“ Ihre Stimme klang klar und entschlossen, fast an sich selbst gerichtet.
Lucinda lag im Gras. Ihre Augen waren geschlossenen, während der warme Sommerwind mit ihren Locken spielte. Sie atmete tief ein, fühlte die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Dann ging ihr Blick zur Seite. Neben ihr lag Vexir. Sein Gesicht wirkte entspannt. Ein schelmisches Lächeln huschte über seine Lippen.
„Du schon wieder mit deiner Philosophie. Genies einfach die Ruhe. Bald machen wir uns auf den Weg, dann kannst du uns wieder auf den Geist gehen.“
Lucinda schnaufte verächtlich und drehte ihren Kopf auf die andere Seite. Das Gras kitzelte ihre Wange. An diesem Ort war es besonders grün. Wenn man es genau nahm, war an diesem Ort alles intensiver.
Die Gänseblümchen wippten farbengetränkt von einer auf die andere Seite. Sie waren weiß und doch von einer Klarheit umgeben, als ob sie scharf gestellt wurden.
Auf der anderen Seite, wurde sie von einer weiteren Person begrüßt. Auch diese, hielt recht wenig von ihren Überlegungen. Er war in seinen eigenen Gedanken vertieft. Seine Augen beobachteten eine Schahr von Vögeln, die wild krähend den Himmel eroberten.
Heute standen die Wolken besonders tief. Die Polarlichter durchbrachen den Himmel. Sie zeigten ihre wilde Farbenpracht. Diese leuchteten so hell, das selbst das Tageslicht sie nicht zu vertreiben vermochte.
Kyle nahm Lucindas Hand in die Seine. Er drückte ihr einen zärtlichen Kuss auf den Handrücken.
„Warum Babys schreien?“ wiederholte Kyle die Frage.
Er lächelte über diesen Einfall. Ihre tiefe Verbundenheit hatte erst vor kurzem begonnen. Es waren nur einige Tage vergangenen, seitdem sie sich unverhofft begegneten.
Vexir knurrte amüsiert über das groteske Szenario. Da lagen sie nun, alle drei im Gras versunken. Sie lauerten, sie warteten, während das frische Blut noch an ihren Händen klebte.
Ihre Köpfe berührten sich. Ihre Körper bildeten einen dreizackigen Stern. Die Vögel kammen immer näher, sie schriehen, sie kreischten. Sie bereiteten sich auf den nächsten Angriff vor.
Nichts war hier so friedlich wie es schien.
Die Erde hatte bereits von dem Blut der Toten gekostet. Zerfetzte Körper lagen um sie rum. Vogelartige Menschen, mit verstümmelten Gliedern. Ihre Schnäbel waren aufgerissen, sie erstickten an ihrem Hass. Sie kammen immer in Scharen, ausgehungert.
Nur von einem Trieb geleitet, von ihrem Hunger.
Vexir sprangt als erstes auf. Er leckte sich genüsslich über die Lippen. Voller Vorfreude blitzen seine Augen auf. Er spürte seine göttliche Energie. Ein tiefes Lachen erfüllte die Luft.
Kyle folgte dem Beispiel ihres Streitkämpfers. Bedächtig erhob er seinen muskulösen Körper. Er hatte es nicht eilig, denn die Vögel befanden sich noch nicht in ihrer Reichweite. Kyle reichte Lucinda die Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen.
„Gut, dann soll es so sein.“ Lucinda war keinesfalls auf seine Hilfe angewiesen und doch ergriff sie seine Hand. Ihr Körper schwebte sachte über der blutgetränkten Erde. Auch ihre Schatten machten sich für den Kampf bereit.
Das Krächzen der Vögel klangt wie eine Melodie des Todes. Sie liesen sich fallen. Ihre Flügel eng an ihren Körper gepresst. Riesige Scharen stürzten in die Tiefe. Ihr Ziel vor Augen, verlangten sie nach Fressen.