Kapitel 1

Mila
Meine Freunde haben mich vor ihm gewarnt, aber ich bin seinem Bann verfallen. Louis ist einer dieser Typen, die dich aufreißen und dann fallen lassen. Ich dachte, ich wäre anders. Und das war ich auch, denn er hatte mich noch nicht abserviert. Nun, er hat zwar nicht die Worte „Es ist vorbei“ gesagt, aber er lässt mich einfach mitten im Date stehen und geht.
Wir sind beim Essen, als er einen Anruf bekommt. Er wirft mir diesen Blick zu, der mir sagt, dass das Date beendet ist, und schon will er sich wieder aus dem Staub machen. Ich bin froh, dass wir diesmal wenigstens schon beim Nachtisch waren.
„Ein andermal, Babe“, sagt er, steht auf und schnappt sich seine Jacke. Er würde mich doch nicht Babe nennen, wenn er mich nicht lieben würde, oder? Mit Daumen und Zeigefinger packt er mein Kinn und hebt meinen Kopf an. „So hübsch“, schnurrt er. Genau das verwirrt mich so an ihm.
Ich starre in seine Augen und versuche, ihn zu lesen, aber sie verraten nichts über das, was in ihm vorgeht. „Werde ich für dich jemals mehr sein als nur ein hübsches Gesicht?“, wage ich zu fragen, und er zieht eine Augenbraue hoch.
Sein Kiefer mahlt und seine Augen dunkeln nach. Mein Herz hämmert gegen meine Rippen und das Blut rauscht mir in den Ohren. „Ich werde dir sagen, wann es mehr geben wird. Aber jetzt brauchst du erst einmal deinen hübschen kleinen Arsch nach Hause zu bewegen. Ich habe Arbeit zu erledigen.“ Ein verschmitztes Lächeln zuckt über seine Lippen.
„Weißt du was? Ich habe es satt mit dir.“ Ich stoße ihn von mir und stehe auf. „Ich bin kein Fußabtreter, an dem du dir die Füße abwischen kannst, wann immer dir danach ist, Louis. Ruf mich nicht wieder an. Zwischen uns ist Schluss.“ Mein ganzer Körper bebt, weil ich ihm gerade die Stirn geboten habe. Ich glaube nicht, dass sich ihm schon mal jemand so entgegengestellt hat.
Ein zorniger Funke blitzt in seinem Gesicht auf, dann packt er mich am Hals und drückt mich gewaltsam zurück in den Stuhl. Der Stuhl kippt nach hinten, aber er hält ihn mit der anderen Hand fest.
„Du gehörst mir, bis ich sage, dass wir fertig sind“, knurrt er. Sein Handy klingelt erneut, er lässt meinen Hals los, um ranzugehen. „Fünf Minuten“, sagt er und legt auf. „Du wirst tun, was ich sage, Mila. Jetzt mach den Mund auf.“
Tränen laufen über mein Gesicht. Ich habe gesehen, wie er andere Menschen wie Dreck behandelt hat, und jetzt bin ich an der Reihe. Er wiederholt, dass ich den Mund aufmachen soll. Ich schüttle den Kopf, weil ich das nicht will.
„Du widersetzt dich mir?“ Er packt mein Kinn und drückt zu. „Mach den Mund auf.“ Als ich es tue, weil ich keine Wahl habe und er meinen Kiefer fest zusammendrückt, lächelt er. „Braves Mädchen.“ Dann spuckt er mir in den Mund. „Schluck es runter.“ Er lockert seinen Griff etwas.
Ich muss mich fast übergeben. Aber ich tue, was er verlangt. Dann beugt er sich zu mir herunter und küsst mich, während er mir seine Zunge tief in den Hals rammt. Das ist kein Kuss; er zeigt mir nur, dass er mit mir machen kann, was er will.
„Geh nach Hause, und wenn ich dich das nächste Mal anrufe, wirst du dich von deiner besten Seite zeigen.“ Er steht auf und zieht seine Jacke glatt. „Wir haben morgen Abend ein Firmendinner. Ich hole dich um acht ab.“ Dann geht er einfach weg und lässt mich wertlos und gefangen zurück.
Sobald er weg ist, renne ich zur Toilette und muss mich übergeben. Ich hasse ihn. Warum habe ich mich nur von seinem guten Aussehen und seinem Charme blenden lassen? Ich wische mir den Mund ab und wasche meine Hände. Mein ganzer Körper zittert wieder heftig. Es liegt nur daran, dass ich nervös bin, rede ich mir ein. Mit einem plötzlichen Kraftakt hebe ich den Kopf. Die Geräusche der Welt dringen langsam wieder zu mir durch, während ich hinausgehe. Ich weiß, dass die Leute starren werden und ihr Flüstern mir wie Schatten folgt. Sie wissen, dass ich ihm gehöre, und niemand wird es wagen, mich anzusprechen. Obwohl er eine mächtige Position in der Firma innehat, sind mir die Details seiner Aufgaben unbekannt.
„Sie sind alle gleich“, murmelt eine Frau leise, als ich an ihr vorbeigehe.
Sie ist offensichtlich so eine eingebildete Schlampe mit Geld. Ich halte den Mund, denn das würde mich nur in Schwierigkeiten bringen. Als ich nach draußen trete, holt mich die Realität wieder ein. Hier wimmelt es nachts von Vampiren, aber sie rühren dich nicht an, solange dich nicht jemand als sein Eigentum markiert hat. Und das will niemand.
Ich winke ein Taxi heran, das mich nach Hause bringt. Es ist nicht viel, aber meine Einzimmerwohnung bewahrt mich davor, auf der Straße zu landen. Mein Job als Online-Rezensentin bringt zwar nicht viel ein, aber es reicht zum Überleben. Das Restaurant heute Abend sollte eigentlich eine meiner Rezensionen werden, aber Louis hat alles ruiniert. Trotzdem schreibe ich, dass das Essen hervorragend war, und gebe vier Sterne.
Sobald ich bettfertig bin, mache ich es mir vor dem Fernseher gemütlich. Die Nachrichten laufen und ich setze mich auf. Früher hätte ich sofort weitergeschaltet, aber heute bleibe ich dran, weil es lokale Nachrichten sind. Die Reporterin berichtet von zwei jungen Frauen, die entführt wurden. „Passt auf euch auf, meine Damen“, sagt sie, bevor sie zum nächsten Thema übergeht.
Ich schalte den Fernseher aus. Das lässt mich fragen: Sind Menschen oder Vampire dafür verantwortlich? In letzter Zeit gab es viele Entführungen, und ich frage mich, warum. Die Polizei findet keinen Grund, und die Vampire zu befragen, ist zu gefährlich. Wer einmal in die Unterwelt gerät, kommt nicht mehr heraus.
Die Luft ist kühl, die Jahreszeit wechselt und der Winter steht vor der Tür. Ich krieche ins Bett und ziehe die weiche, warme Decke bis zum Kinn hoch. Ich freue mich nicht auf morgen Abend, aber jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als zu tun, was er sagt.
Mein Handy vibriert am Morgen. Es ist Jenna, die sich zum Kaffee in der Mittagspause treffen will. Ich scrolle kurz durch meine Newsfeed und raffe mich dann aus dem Bett. Meine Haare sind ein Chaos, also bürste ich sie erst einmal glatt. Später werde ich duschen und sie waschen.
Ich ziehe Leggings und ein T-Shirt an und esse einen schnellen Happen. Gestern Abend bekam ich nach der Rückkehr keinen Bissen runter. Es war das Demütigendste, was Louis mir je in der Öffentlichkeit angetan hat. Bei dem Gedanken schaudert es mich.
Nachdem ich noch ein paar Rezensionen fertig habe, packe ich meine Sachen und mache mich auf den Weg zu Jenna. Sie sitzt schon im Café und wartet auf mich.
„Ich dachte schon kurz, du kommst gar nicht mehr.“ Sie drückt mich fest.
„Sorry, ich bin zu spät. Der Bus stand im Stau. Beim nächsten Mal gehe ich zu Fuß.“ Ich küsse ihre Wange.
Wir setzen uns mit unseren Getränken und einem Sandwich hin. Ich erzähle ihr, was letzte Nacht passiert ist, und sie ergreift meine Hand. „Du musst von ihm wegkommen. Er ist pures Gift.“
„Ich habe versucht, mit ihm Schluss zu machen, aber schau, was passiert ist“, erinnere ich sie.
„Schatz, ich habe Angst um dich. Warum kommst du nicht für ein paar Tage zu mir? Tauch unter, dann sucht er sich hoffentlich ein anderes Mädchen“, fleht sie mich an.
„Nach heute Abend werde ich so tun, als wäre alles in Ordnung zwischen uns. Dann macht er mir das Leben nicht noch schwerer“, verspreche ich ihr.
Sie wirkt erleichtert, dass ich auf ihr Angebot eingehe. Sie hatte den Typen nur einmal getroffen, und da hat er sie wie Dreck behandelt, ohne dass ich etwas sagen konnte. Ich bin jetzt seit vier Monaten mit ihm zusammen, und anfangs behandelte er mich wie eine Prinzessin. Jetzt weiß ich, dass das nur war, um mein Vertrauen zu gewinnen. Dann kam er eines Abends zu einem Treffen und sah, wie ich mich mit einem Typen unterhielt. Er wurde aggressiv und zwang mich zu Dingen, die ich nicht wollte, und entschuldigte sich danach immer mit seiner Eifersucht. Ich wusste nie, wann sein Schalter umgelegt wurde. Seine Stimmungsschwankungen sind in den letzten zwei Wochen völlig unberechenbar geworden.
Als ich Jenna verlasse, bekomme ich eine Nachricht von Louis, dass ich für heute Abend ein rotes Kleid brauche. „Oh, toll“, schnaube ich. Ich dachte, ich käme mit meinem schwarzen Cocktailkleid davon. Jetzt muss ich also noch los und etwas kaufen.
Ich verbringe den Nachmittag damit, das perfekte Kleid zu finden, denn ich weiß, wenn es nicht passt, wird Louis sauer. Ich habe fast aufgegeben, als ich in einen kleinen Laden in einer Seitenstraße gehe. Er wirkt verdammt teuer, aber ich bin angenehm überrascht, als ich sehe, dass die Kleider zum halben Preis verkauft werden.
„Das ist die Ware der Designer aus der letzten Saison. Ich verkaufe alles zum halben Preis. Wenn dir etwas gefällt, kann ich gegen eine kleine Gebühr noch Anpassungen vornehmen, falls es nicht richtig sitzt. Aber mehr Größen habe ich nicht da.“
„Ah, danke. Ich brauche ein rotes Kleid für heute Abend.“ Ich beiße mir auf die Unterlippe, da mich auf den ersten Blick nichts so richtig anspricht.
„Rot, sagst du?“ Ein strahlendes Lächeln huscht über ihr Gesicht. „Da hätte ich vielleicht genau das Richtige für dich. Die sind heute erst reingekommen, ich habe sie noch gar nicht durchgesehen.“ Sie drückt meinen Arm und flitzt nach hinten in den Laden. Einen Moment später kommt sie mit einem wunderschönen roten Satinkleid zurück.
Es ist an der Brust ein wenig freizügig, aber ich kann nicht meckern, es ist wunderschön. Ich habe keine andere Wahl, als es zu nehmen. Wenigstens wird Louis damit zufrieden sein. Ich habe noch schwarze Glitzerschuhe, die dazu passen, also mache ich mich auf den Heimweg. Ich lege das Kleid aufs Bett und gehe erst einmal duschen und Haare waschen.
Mein Handy vibriert mit einer Nachricht von Louis, der sichergehen will, dass ich fertig bin. Ich verdrehe die Augen und antworte, dass ich mir nur noch die Haare mache und in zehn Minuten bereit bin.
Ich schlüpfe gerade in meine Schuhe, als es an der Tür klingelt. Ein letzter kurzer Blick in den Spiegel, dann schnappe ich mir den Schal, den ich mir über die Schultern lege. Als ich die Tür öffne, steht er da im schwarzen Smoking – verdammt, er sieht so sexy aus. Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer, als er lächelt.
„So verdammt hübsch.“ Er reicht mir die Hand und führt mich zum Auto, das draußen wartet.
„Du siehst heute sehr gut aus“, mache ich ihm ein Kompliment, als wir einsteigen. Ein Chauffeur fährt uns. „Was ist das für eine Art Abendessen?“
„Wirst du schon sehen.“ Er lässt seinen Blick über mich schweifen. Dann gleitet seine Hand an meinem Bein entlang, schiebt den Schlitz des Kleides weiter auf und wandert höher. Er erreicht mein Seidenhöschen und schüttelt missbilligend den Kopf. „Zieh es aus“, verlangt er.
„Was? Ich laufe doch nicht auf einem schicken Dinner ohne Slip herum!“ Ich schiebe seine Hand weg.
„Du wirst heute tun, was ich sage.“ Er beugt sich über mich. Eine Hand legt sich um meinen Hals, während die andere unter mein Kleid fährt und mein Höschen nach unten reißt. „Wenn du es wagst, heute Abend irgendetwas zu sagen oder zu tun, das mich anpisst, wirst du es bereuen.“ Er lässt mich los und ich falte meine Hände ineinander, damit sie nicht so zittern.
Es kostet mich alle Kraft, nicht in Tränen auszubrechen. Danach werde ich mich definitiv bei Jenna verstecken. Als wir ankommen, stehen wir vor einer riesigen Villa mitten im Nirgendwo. Na toll, keine Chance, mich krank zu melden und abzuhauen. Warum habe ich nicht darauf geachtet, wohin wir fahren?
Die Tür öffnet sich, Louis steigt zuerst aus und reicht mir die Hand. Er lächelt süßlich, und während wir zum Eingang gehen, flüstert er mir ins Ohr, ich solle alle höflich anlächeln.
Das Innere ist prächtig und exquisit eingerichtet; detaillierte Stuckarbeiten zieren die Wände, und der Duft von altem Holz und Bohnerwachs steigt mir in die Nase. Mein Herz rast bei dem Anblick der großen Treppe, oben steht ein Mann. Er starrt direkt auf mich, was mich zutiefst beunruhigt.
Louis holt mich aus meiner Starre und wir gehen in einen anderen Raum. Mehrere Frauen tragen rote Kleider, daher fühle ich mich jetzt nicht mehr ganz so deplatziert. Ich entspanne mich ein wenig, als Champagnergläser herumgereicht werden.
Es wirkt wie ein ganz normales, nobles Treffen, aber dann schaue ich mir die anderen Frauen genauer an. Keine von ihnen sieht glücklich aus, und die Männer an ihrer Seite zischen ihnen ständig etwas ins Ohr.
Tabletts mit kleinen kulinarischen Meisterwerken werden herumgereicht. Gerade als ich mir einen Shrimps-Toast nehmen will, hält Louis mich am Handgelenk fest. Sein Ton ist kalt und abweisend, als er sagt: „Nicht für dich.“ Und als wollte er mir ein fuck you an den Kopf werfen, nimmt er sich selbst ein paar und frisst sie wie das Schwein, das er ist.
So geht es die nächste Stunde weiter. Wir laufen herum und er führt das ganze Wort. Gelegentlich stellt er mich vor. Ich bleibe höflich und bete, dass das alles war für heute Abend. Ich will nur noch nach Hause und dann verschwinden.
Eine Glocke läutet, und jemand führt uns in einen anderen Raum. Dort gibt es ein erhöhtes Podium, auf dem ein Mann steht. „Würden bitte alle Damen nach vorne kommen?“
Eine Hand auf meinem Rücken gibt mir einen Schubs. „Das bist du, Hübsche“, grinst Louis.
Eine eisige Angst packt mich. Ich starre ihn voller Wut an. „Was soll das, Louis?“, flüstere ich, meine Augen weit vor Verwirrung und Angst.
„Das, meine schöne Mila, ist der Moment, in dem du an den Meistbietenden verkauft wirst.“ Ein hinterhältiges Grinsen spielt auf seinen Lippen. „Sei jetzt ein braves Mädchen und bring mir Geld ein.“
Die anderen Mädchen in den roten Kleidern werden ebenfalls nach vorne beordert, mich eingeschlossen. Wir sind insgesamt zehn. Jetzt dämmert es mir. Ist das das Schicksal derer, die spurlos verschwinden? Ich werde nie wieder nach Hause kommen, oder?
Oh Gott, was für ein Start. Liebst du Vampirgeschichten? Nun, diese hier wird stellenweise düster, und natürlich werden die Plot-Twists, die ich so liebe, dich dazu bringen, mich anzuschreien.