The Beta's Broken Mate (Buch 3 der The Regal Eclipse Pack Serie)

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Nachdem sie den Mord an ihrem Gefährten mitansehen musste, versucht Talia Sanders, ihr Leben für ihren neugeborenen Sohn wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Sie gibt sich selbst die Schuld an seinem Tod und hat Mühe, den Alltag zu bewältigen. Ragnar Asgrim hat über ein Jahrtausend auf seine Gefährtin gewartet. Als er Talia das erste Mal trifft, ahnt sie nicht, dass er ihre zweite Chance ist, während sie noch immer um den Verlust ihres ersten Gefährten trauert. Wird er ihr helfen können, sich zu erholen? Was wird passieren, wenn sie erkennt, dass sie einen weiteren Gefährten hat?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
66
Rating
4.9 91 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Januar 878

Chippenham

Ragnar Asgrim lag im Sterben. Vor ihm erstreckte sich der winterliche Abendhimmel in prächtigen Farben. Der Einbruch der Nacht stand kurz bevor und würde noch tiefere Temperaturen bringen. Ragnar war bereits bis auf die Knochen durchgefroren, obwohl er sich fest in seine warmen Felle gewickelt hatte. Er wusste, dass sein Leben zu Ende ging. Doch er würde mit dem Schwert in der Hand sterben und schon bald in Walhalla sein. Ein leises Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

Die Schlacht war erbittert gewesen. Sie hatten die meisten von Alfreds Männern getötet und den englischen König in die Flucht geschlagen. Sie hatten gut gekämpft, aber das alles kümmerte ihn nicht mehr. Er hatte seinen Teil beigetragen.

Nun war es vorbei. Die Schlacht, der Tag und bald auch sein Leben.

Er spürte nicht einmal mehr Schmerz. Das Schwert, das seine Seite aufgeschlitzt hatte, hatte ihn seltsamerweise nicht sofort getötet. Er wusste jedoch, dass es nicht mehr lange dauern würde. Er verblutete langsam. Mit jedem Augenblick spürte er, wie er kälter wurde.

Der Gestank des Todes erfüllte die Luft, da die Männer um ihn herum entweder tot waren oder im Sterben lagen. Ragnar bemerkte es kaum. Er hörte weder ihre Schmerzensschreie noch ihre Rufe nach Hilfe.

Seine Gedanken schweiften ab zu Edela, seiner Frau. Würde es ihr gut gehen? Sie war eine Dänin und dazu noch eine wunderschöne. Sie würde sicher einen anderen Mann finden, der ihr Bett wärmte. Sein einziger Trost war, dass er sein Kind nicht vaterlos zurückließ.

Dunkelheit legte sich über das Feld und er starrte hinauf zu den Sternen. Es waren so viele. Doch dann schob sich etwas in sein Sichtfeld und versperrte ihm die Sicht. Ragnar schnaubte genervt. Konnte er nicht in Frieden sterben?

„Willst du leben?“, fragte eine Stimme von oben.

Er versuchte, die Gestalt über ihm zu fixieren, aber seine Augen spielten nicht mit. „Ich glaube nicht, dass das möglich ist“, flüsterte er mit heiserer Stimme. Wann hatte er eigentlich zum letzten Mal etwas getrunken?

„Ich kann es möglich machen. Schwöre mir die Treue und du wirst so lange leben, wie du willst“, sagte die Stimme. „Lehne ab und ich lasse dich sterben.“

Ragnar blinzelte den Mann an. „Wer bist du?“

„Ich bin Ranald Remington, der Alpha-König“, antwortete die Stimme.

Ragnar runzelte die Stirn. Er hatte von Ranald Remington gehört. Der Mann war niemandem untertan und schwor keinem König die Treue, obwohl viele versucht hatten, ihn als Verbündeten zu gewinnen. Er ergriff für niemanden Partei und war nicht käuflich. Er hatte seine eigenen Leute und man sagte, sie seien gnadenlos. Sie waren in der Schlacht unbesiegt und wer sich gegen sie stellte, war so gut wie tot.

Ragnar war ein Däne. Auch er war gnadenlos. Was hatte er zu verlieren? Nichts. Und er konnte alles gewinnen.

„Ich werde dir die Treue schwören“, flüsterte er. Er wusste, dass seine Wunde tödlich war und man nichts mehr für ihn tun konnte.

Remington grunzte. „Gut.“ Er hielt Ragnar einen Becher an die Lippen. „Trink.“

Ragnar öffnete seine trockenen Lippen. Etwas Metallisches berührte seine Zunge und rann ihm die Kehle hinunter. Blut, dachte er und hustete kurz. Das Blut entwich seinen Lippen und tropfte in seinen langen Bart.

Remington hielt den Becher fest, bis Ragnar alles ausgetrunken hatte. Danach zückte Remington ein Messer und schnitt sich in die Hand. Er ließ sein Blut über Ragnars Wunde tropfen. Ragnars Körper erwärmte sich und er spürte ein Kribbeln in seiner verletzten Seite. Kraft und Macht durchströmten ihn plötzlich.

„Du bist jetzt an mich gebunden.“ Ranald Remington stand auf und reichte Ragnar die Hand. Ragnar griff danach und Remington zog ihn mit erstaunlicher Kraft auf die Beine. „Komm.“

Remington drehte sich um und rannte los in die Wälder, die das Feld umgaben. Ragnar fasste sich an die Seite. Sie war zwar blutverschmiert, aber unversehrt. Er schüttelte verwundert den Kopf und rannte Remington hinterher.

Sie liefen eine Stunde lang, bis sie an eine kleine Lichtung kamen. Ragnar wunderte sich, dass er das Tempo halten konnte. Er hatte immerhin viel Blut verloren. Er war zwar gut in Form, aber seine Wunde war eigentlich tödlich gewesen. Jetzt fühlte er sich besser und stärker als je zuvor.

Drei weitere Männer warteten auf der Lichtung. Einer von ihnen trat auf Ragnar zu und reichte ihm die Zügel eines Pferdes. Dann stieg er auf sein eigenes Tier und folgte den anderen in die Nacht. Ragnar sah ihnen kurz nach und spürte, dass sich sein Leben für immer verändern würde. Er schwang sich auf das Pferd und ritt ihnen in die Dunkelheit hinterher.

Sie ritten einige Stunden, bis sie schließlich auf einer Lichtung anhielten. Ragnar fühlte sich merkwürdig. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er war überrascht, dass er noch am Leben war. Stattdessen fühlte er sich frisch, als könnte er noch stundenlang weiterkämpfen. Seine Sinne wirkten schärfer, aber er war sich fast sicher, dass er den Verstand verlor. Es musste der Blutverlust sein, denn er hörte Stimmen in seinem Kopf. Genauer gesagt, eine Stimme.

„Du wirst nicht verrückt. Ich bin dein Wolf, Rollo. Du verwandelst dich in einen Werwolf“, sagte die Stimme.

Ragnar rieb sich die Augen. Er fragte sich, was in dem Blut gewesen war, das er getrunken hatte. Es war ein seltsames Gefühl, als würde seine Haut jucken.

Remington hielt plötzlich mit seinem Pferd neben Ragnar an. „Du verlierst nicht den Verstand. Du musst absteigen.“

Ragnar sah zu ihm auf. „Was passiert mit mir?“ Er glitt vom Pferd.

„Zieh dich aus.“

Er konnte gar nicht anders, als Remington zu gehorchen. Es war höchst seltsam. Er zog seine Kleider aus und stand nackt da. Er sah zu, wie einer der anderen Männer vorritt und die Zügel seines Pferdes ergriff. Wollten sie ihn hier ohne Kleidung und ohne Pferd zurücklassen? Er würde erfrieren.

„Joseph, du läufst mit ihm“, rief Remington einem anderen Mann zu.

Ragnar runzelte die Stirn, als er sah, wie der andere Mann ebenfalls abstieg. War das ein Test für seine Ausdauer? Plötzlich wünschte er sich, er hätte Remingtons Angebot abgelehnt.

„Du musst mir die Kontrolle überlassen“, sagte die Stimme in seinem Kopf.

Ragnar ignorierte sie und beobachtete, wie auch Joseph sich auszog. Der Mann wandte sich ihm zu. „Bleib dicht bei mir, damit du dich nicht verirrst.“

„Was ist hier los?“, fragte Ragnar ihn, während die anderen losritten. „Erwarten sie, dass wir sie einholen?“

Joseph lachte und seine Augen leuchteten hellgrün auf. „Das wird kein Problem sein. Wolf, du musst dir die Kontrolle vielleicht mit Gewalt holen.“

Ragnar fühlte sich plötzlich, als wäre er in den hintersten Winkel seines eigenen Verstandes gedrängt worden. Was passiert hier?

„Tut mir leid, dass ich dir das antun muss. Aber es ist Zeit für die Wandlung. Es ist einfacher und weniger schmerzhaft, wenn ich die Kontrolle habe“, sagte die fremde Stimme wieder.

„Wer bist du?“ Ragnar spürte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Angst. Was geschah mit ihm? War er gestorben?

„O nein, du bist quicklebendig. Lebendiger als je zuvor. Ich habe es dir gesagt: Ich bin Rollo. Und du, Ragnar Asgrim, hängst für den Rest deines Lebens mit mir zusammen. Es ist Zeit.“

Plötzlich fand sich Ragnar im Schnee kniend wieder. Er hatte keine Ahnung, wie er dorthin gekommen war. Und dann änderte sich schlagartig alles. Seine Sinne schärften sich noch mehr. Er sah Joseph neben sich, der lächelnd auf ihn herabblickte.

„Ah, gut. Dann wollen wir mal.“

Zu Ragnars völligem Erstaunen verwandelte sich der Mann in einen großen, grauen Wolf. „Was ist er?“, rief er in seinem Geist aus. Das schien im Moment seine einzige Art der Verständigung zu sein.

„Er ist ein Werwolf. Ein Mann mit der Gabe, sich nach Belieben in einen Wolf zu verwandeln. Es ist noch mehr als das, aber für den Moment ...“ Die Stimme hielt inne. „Ich bin mehr als nur eine Stimme, weißt du. Ich bin derjenige, der gerade das Sagen hat.“

„Das ist Wahnsinn“, murmelte Ragnar, als Joseph in die Richtung davonlief, in die die Pferde geritten waren. Ragnar sah, wie er Joseph folgte. „Ich kann mit einem Wolf nicht mithalten.“

„Du kannst es, und wir tun es gerade“, sagte die Stimme zuversichtlich.

„Wie? Ich bin kein Wolf.“ Ragnar konnte immer noch nicht glauben, dass er ein Gespräch mit einer Stimme in seinem Kopf führte.

„Oh doch, das bist du. Du bist ein Wolf. Und du unterhältst dich gerade mit mir, der Stimme in deinem Kopf. Ich kontrolliere gerade deinen Körper, der jetzt sehr wohl ein Wolfskörper ist. Erinnerst du dich, wie der Alpha dir sein Blut gegeben hat?“, fragte die Stimme.

„Ja.“

„So bist du zum Werwolf geworden. Sein Blut hat deine Heilung beschleunigt und dich verwandelt. Je eher du diese Kleinigkeit akzeptierst, desto besser. Du bist nicht verrückt, ich verschwinde nicht mehr und ich habe einen Namen. Dann kannst du anfangen, das Ganze zu genießen. Du bist ein Krieger. Weißt du eigentlich, wie mächtig du jetzt bist?“

Ragnar wurde daraufhin still, während sie die Pferde einholten und neben ihnen her trotteten. Ihm wurde klar, dass die Männer gewusst hatten, was passieren würde. „Sind sie alle Werwölfe?“

„Ja. Der Alpha ist der König. Er ist der Stärkste von allen. Sie alle können sich in Wölfe verwandeln, genau wie Joseph und jetzt auch du. Sie alle haben einen Wolf in sich“, erklärte ihm die Stimme.

Ragnar schwieg und dachte über das Wenige nach, das er über Ranald Remington wusste. Er hatte sich aus dem Krieg herausgehalten, obwohl ihm beide Seiten Angebote gemacht hatten. Jeder wusste, dass er und seine Männer tödlich waren. Hätte er eine Seite gewählt, wäre ihr der Sieg sicher gewesen. Es war eine Ehre, sich seinen Männern anzuschließen, was nur selten vorkam. Jetzt verstand Ragnar, warum. Er sah ein, warum diese Männer so gefährlich waren. Joseph war kein kleiner Wolf. Er fragte sich, wie er selbst wohl aussah.

„Später“, sagte die Stimme.

„Wie war noch mal dein Name?“, fragte Ragnar. Wenn er tatsächlich für immer an diese Stimme gebunden sein sollte, sollte er sie wohl besser kennenlernen.

„Rollo.“

„Ragnar. Bleiben wir für immer so?“, fragte Ragnar. Würde sein Wolf immer die Kontrolle behalten?

„Nein. Bald müssen wir anhalten, aber ich denke, das wissen sie. Dann verwandeln wir uns zurück und du wirst erst mal einige Stunden schlafen“, erklärte Rollo.

„In Ordnung.“

Schließlich erreichten sie eine große Burg. Plötzlich gab Rollo die Kontrolle an Ragnar zurück. Er stolperte fast, fing sich aber rechtzeitig.

„Stell dir vor, wie du als Mensch aussiehst“, sagte Rollo in seinem Kopf.

Ragnar grummelte innerlich. Aber als er bemerkte, dass Joseph wieder ein Mensch war und alle ihn ansahen, tat er genau das. Er spürte, wie sein Körper begann, sich zu verändern. Es tat weh, aber es war auszuhalten. Es dauerte jedoch etwas länger, als ihm lieb war. Er stand auf und ärgerte sich darüber, wie sehr ihm alles wehtat und wie müde er plötzlich war.

Remington trat mit einer Decke vor und legte sie ihm um die Schultern. „Komm, ich zeige dir dein Zimmer. Du kannst dich waschen und dann schlafen. Deine Sachen sind schon dort. Wenn du wach bist, werden wir reden.“

Ragnar nickte und folgte dem Mann in die Burg. Drinnen war es viel luxuriöser, als er erwartet hatte, aber er nahm sich keine Zeit, sich umzusehen. Er war einfach zu erschöpft. Er folgte Remington durch ein Labyrinth von Fluren und ging an anderen Leuten vorbei, die ihn neugierig musterten.

Remington blieb schließlich vor einer Tür stehen und öffnete sie. „Das hier ist dein Zimmer. Wenn du aufwachst, werden wir essen und reden.“ Er drückte Ragnars Arm, klopfte ihm auf die Schulter und ging.

Ragnar betrat den Raum und sah sich um. Seine Sachen lagen zum Glück auf dem großen Bett. Er sah sie sofort durch und war froh, dass nichts fehlte. Er besaß nicht viel: nur seine Kleidung, Felle, einen Beutel mit Geld, der noch voll war, und vor allem sein Schwert.

Er räumte alles vom Bett, trat zu einem Waschbecken und goss Wasser aus einem Krug hinein. Das Wasser war noch warm. Ragnar wusch sich damit das Blut von seiner Wunde ab. Sie war vollständig verheilt, aber es war eine Narbe geblieben. Er starrte sie verwundert an und wusch sich dann weiter.

Das Zimmer war nicht groß, aber es war das schönste, in dem er je gewesen war. Er kehrte zum Bett zurück, schlug die Felle zurück und legte sich nackt hin. Er deckte sich zu und fiel sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf.