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Im Bann der Kunst -Revised Edition

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Zusammenfassung

Neue, ĂŒberarbeitete Fassung online Liebe Traumwanderer, “Im Bann der Kunst” hat eine grĂŒndliche Überarbeitung erhalten. Die Geschichte bleibt dieselbe, doch vieles wurde gestrafft, vertieft und an einigen Stellen neu erzĂ€hlt. Die Spannung sitzt enger, die Vorahnungen sind frĂŒher gesĂ€t, und das Geheimnis um Bild 27 zieht sich jetzt noch konsequenter durch die ganze Geschichte. Diese Fassung ist der aktuelle Stand nach vielen Jahren Arbeit an diesem Stoff, der Wurzeln bis 1998 zurĂŒckreicht. Ich freue mich riesig, wenn ihr euch die neue Version anschaut und mir eure EindrĂŒcke dalasst. Was funktioniert fĂŒr euch besser, was fehlt euch vielleicht von der alten Fassung? Jedes Feedback hilft mir sehr. Danke, dass ihr mit auf diesen dunklen Weg kommt. đ’Œ© 𒅌 Angela 𒁃 𒁍

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
17
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

1. Der erste Blick

Das Bild bemerkte sie, lange bevor sie davor stehen blieb.ï»ż

Die Luft in der Galerie war schwer vom Geruch frischer Farbe und dem dezenten ParfĂŒm der Besucher. GedĂ€mpfte GesprĂ€che vermischten sich mit dem leisen Klirren der GlĂ€ser. Niemand sprach besonders laut. Fast schien es, als fĂŒrchteten die Menschen, die dargestellten Gestalten könnten erwachen, wenn man ihre Ruhe störte.

Sie bewegte sich langsam zwischen den Werken hindurch. Nicht weil sie jedes einzelne verstehen wollte. Kunst musste fĂŒr sie nicht verstĂ€ndlich sein. Sie musste etwas auslösen.

Ein GefĂŒhl.

Eine Erinnerung.

Manchmal auch nur ein Unbehagen, das sich nicht erklĂ€ren ließ.

Leise Klaviermusik erfĂŒllte den Raum. Die ersten Töne perlten durch die Galerie, verloren sich zwischen den Stimmen und verbanden sich wieder zu einer melancholischen Melodie. Der Klang legte sich wie ein Schleier ĂŒber die Bilder.

Vor einem GemÀlde blieb sie stehen.

Es zeigte eine sitzende Frau. Das Knie hochgezogen, den Körper seltsam kantig, beinahe gebrochen. Die Linien wirkten hastig und unruhig, als hĂ€tte der KĂŒnstler Angst gehabt, der Augenblick könnte ihm entgleiten.

Die Augen der Frau waren leer.

Und doch hatte sie das unangenehme GefĂŒhl, angesehen zu werden.

Sie trat nÀher.

Die Farben drÀngten sich rau aneinander. Licht und Dunkelheit kÀmpften um jede Linie des Körpers. Die Frau auf der Leinwand wirkte nicht gemalt. Sie wirkte gefangen.

Einige Schritte weiter entdeckte sie das Bild einer anderen Frau. Ihr Körper bestand aus weichen, langgezogenen Linien. Der Kopf war leicht zur Seite geneigt, die Haut in warmen Farben gehalten. Alles an ihr wirkte verletzlich.

Nur ihre Augen nicht.

In ihnen lag eine Tiefe, die den Betrachter verschlucken konnte, wenn er zu lange hinsah.

Sie wandte sich ab.

Das nĂ€chste Werk erschien zunĂ€chst wie ein wirres Farbenspiel. Erst nach einigen Sekunden formten sich Gestalten zwischen den Pinselstrichen. Gesichter, HĂ€nde und geöffnete MĂŒnder. Sie waren so geschickt in den Farbschichten verborgen, dass man sie nur sah, wenn man wusste, wonach man suchte.

Oder wenn sie gesehen werden wollten.

Ein fast unhörbares Summen vibrierte in der Luft.

Sie hielt den Atem an.

FĂŒr einen Moment glaubte sie, eine der Gestalten hĂ€tte den Kopf bewegt.

„Faszinierend, nicht wahr?“

Sie fuhr herum.

Der Mann hinter ihr war groß und wirkte auf eine schwer erklĂ€rbare Weise vertraut. Silbergraue SchlĂ€fen durchzogen sein dunkles Haar. Sein Gesicht war von feinen Linien gezeichnet, die mehr von Erfahrung als von Alter erzĂ€hlten.

Er trug einen dunkelblauen Anzug. Tadellos, aber nicht steif. Der Knoten seiner Krawatte war ein StĂŒck vom Kragen gelöst. Ein kleiner, vermutlich bewusst gesetzter Bruch in seiner ansonsten vollkommenen Erscheinung.

Seine Augen waren klar und warm.

Zu warm, dachte sie fĂŒr einen flĂŒchtigen Augenblick.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich es verstehe“, sagte sie.

Er stellte sich neben sie und betrachtete das Bild. Dabei kam er ihr nahe, ohne ihre persönliche Grenze zu ĂŒberschreiten.

„Manchmal geht es nicht darum, ein Bild zu verstehen. Viel interessanter ist, was es in uns erkennt.“

Sie sah ihn von der Seite an.

„Was es in uns erkennt?“

Ein LĂ€cheln erschien auf seinen Lippen.

„Was fĂŒhlen Sie, wenn Sie es betrachten?“

Sie wandte sich wieder der Leinwand zu. Die verborgenen Gesichter waren verschwunden. Nur Farben und Schatten blieben zurĂŒck.

„Unruhe“, sagte sie schließlich. „Als wĂŒrde darin ein Kampf stattfinden.“

„Zwischen welchen Seiten?“

Sie dachte einen Augenblick nach.

„Licht und Dunkelheit vielleicht.“

„Gut und Böse?“

„Das wĂ€re mir zu einfach.“

Sein LĂ€cheln wurde breiter.

„Warum?“

„Weil die meisten Menschen beides in sich tragen.“

Er musterte sie jetzt aufmerksamer. Nicht aufdringlich, aber so eindringlich, dass ihr warm wurde.

„Und welche Seite gewinnt?“

„Wahrscheinlich die, die wir fĂŒttern.“

Etwas flackerte in seinen Augen auf. Zufriedenheit vielleicht. Oder Wiedererkennen.

„Nicht jeder sieht das“, sagte er.

„Vielleicht sehen es viele und geben es nur nicht gerne zu.“

Ein leises Lachen entwich ihm.

„Sie ĂŒberraschen mich.“

Seine Aufmerksamkeit gefiel ihr. Nach ihrer letzten Beziehung hatte sie sich von MĂ€nnern ferngehalten. Zwei Jahre lang hatte sie Einladungen ausgeschlagen, Nachrichten unbeantwortet gelassen und sich eingeredet, ihr wĂŒrde nichts fehlen.

Nun stand ein Fremder neben ihr und schaffte es mit wenigen Fragen, eine TĂŒr zu öffnen, die sie lĂ€ngst verschlossen geglaubt hatte.

Gemeinsam gingen sie weiter.

Vor jedem GemĂ€lde fragte er sie nach ihrem ersten Gedanken. Nicht nach dem KĂŒnstler, der Technik oder dem möglichen Wert. Er wollte wissen, was sie empfand.

Vor dem Bild eines Mannes mit einem goldenen Becher sagte sie „Gier“.

Vor zwei beinahe identischen Gestalten dachte sie an Neid.

Ein General mit gebrochenem Schwert erinnerte sie an Zorn.

„Menschen hassen oft jene, die etwas besitzen, das ihnen selbst fehlt“, sagte sie. „Schönheit, Erfolg, Liebe oder einfach nur GlĂŒck.“

„Und ist dieser Hass gerechtfertigt?“

„Hass findet immer eine Rechtfertigung.“

„Das war nicht meine Frage.“

Sie sah ihn an.

Seine Stimme klang noch immer freundlich. Trotzdem hatte sich etwas verÀndert.

„Nein“, antwortete sie. „Er ist nicht gerechtfertigt.“

„Und doch ist er ĂŒberall.“

Er ließ seinen Blick ĂŒber die Besucher gleiten. FĂŒr einen Moment wirkte es, als sĂ€he er keine Menschen, sondern eine Sammlung noch unbemalter Gesichter.

Ein Schauer lief ihr ĂŒber den RĂŒcken.

Die Klaviermusik endete. Applaus erfĂŒllte die Galerie, doch er wirkte gedĂ€mpft und weit entfernt.

Er begleitete sie zum Ausgang.

„Vielleicht könnten wir unser GesprĂ€ch fortsetzen“, sagte er. „Bei einer anderen Ausstellung oder einem TheaterstĂŒck.“

Bevor sie antworten konnte, zog er sein Handy aus der Innentasche seines Sakkos. Auf dem Display war bereits ein leeres Kontaktfeld geöffnet.

Er reichte es ihr.

Sie nahm das GerÀt entgegen. Seine WÀrme haftete noch auf dem Glas. Der Cursor blinkte im Eingabefeld.

Eine falsche Ziffer wĂŒrde genĂŒgen.

Dann bliebe dieser Abend eine schöne, folgenlose Erinnerung.

Sie sah auf.

Sein Blick ruhte auf ihr. Ruhig, geduldig und so aufmerksam, als wĂŒrde er nicht auf ihre Telefonnummer warten, sondern auf eine Entscheidung.

Sie tippte ihre tatsÀchliche Nummer ein.

„Ich melde mich“, sagte er.

Dann verschwand er zwischen den Besuchern.

Sie sah ihm nach, bis sie ihn nicht mehr erkennen konnte.

Erst da bemerkte sie, dass sie noch immer vor dem letzten Bild der Ausstellung stand.

Die Leinwand war fast vollstÀndig schwarz. Nur in ihrer Mitte schimmerte ein heller Fleck. Vielleicht der Umriss eines Gesichtes. Vielleicht auch nur eine Spiegelung.

Darunter befand sich keine Beschreibung.

Keine Nummer.

Kein Name des KĂŒnstlers.

Als sie sich vorbeugte, glaubte sie, feine Linien in der dunklen Farbe zu erkennen. Zwei Augen, die jedoch nicht sie betrachteten.

Ihr Blick galt etwas hinter ihr.

Sie drehte sich um.

Dort war niemand.

Als sie erneut zur Leinwand sah, war auch das Gesicht verschwunden.

Fast eine Woche verging, bevor der Mann sich meldete.

Seine Nachricht enthielt nur eine kurze Einladung zu einer Ausstellung. Ausgerechnet an jenem Abend sollte sie an einem lange geplanten Seminar teilnehmen.

„Vielleicht ein anderes Mal“, schrieb sie und legte das Handy enttĂ€uscht zur Seite.

Wenige Stunden spÀter wurde das Seminar abgesagt.

Ihre Freundin reagierte begeistert.

„Das ist kein Pech, das ist ein Zeichen. Du gehst zu dieser Ausstellung und ĂŒberraschst ihn.“

„Ich weiß nicht.“

„Seit zwei Jahren verkriechst du dich. Irgendwann musst du wieder etwas wagen.“

Am Abend brachte ihre Freundin ein schwarzes Kleid vorbei. Es saß eng am Körper und ließ sie selbstbewusster wirken, als sie sich fĂŒhlte.

WĂ€hrend sie im Badezimmer ihre Haare richtete, vibrierte ihr Handy.

Ihre Freundin nahm es vom Tisch.

Auf dem Display erschien eine zweite Nachricht.

Nox Imago.

Das 27. Bild wartet bereits.

Darunter stand ein weiterer Satz.

Nicht jedes Kunstwerk wurde freiwillig geschaffen.

Die Freundin las die Nachricht zweimal. Dann löschte sie sie.

Als die Frau aus dem Badezimmer zurĂŒckkam, lag das Handy wieder an derselben Stelle.

„Du siehst großartig aus“, sagte ihre Freundin lĂ€chelnd. „Heute Abend wirst du einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“

Im dunklen Display spiegelte sich fĂŒr einen Moment ein Gesicht.

Es gehörte keiner von ihnen.

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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