Herz in Dur, Kopf in Moll

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Zusammenfassung

Levin will raus aus dem Irgendwas. Richtig Musik machen, groß rauskommen – nicht nur träumen, sondern durchziehen. Doch Berlin ist laut, schnell, übervoll. Und dann ist da Romy: unabhängig, direkt und anders als alles, was er kennt. Eine Geschichte über Liebe im Großstadtchaos, vom Drang, etwas aus sich zu machen – und von der Frage, ob Nähe und Freiheit wirklich zusammenpassen. Dies ist keine perfekte Liebesgeschichte. Dies ist eine Geschichte für die, die nachts nicht schlafen und immer noch hoffen.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
16
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Hallo, Berlin

Der Zug ruckte leicht, als er in den Berliner Hauptbahnhof einfuhr. Ein leises Quietschen, dann ein endgültiges Stillstehen. Levin Carter stand auf, zog seinen Rucksack über die Schulter und nahm seine Reisetasche vom Gepäcknetz.

Er fühlte sich müde, ausgelaugt, aber gleichzeitig vibrierte da etwas in ihm – die Rastlosigkeit, die ihn schon sein ganzes Leben lang begleitete.

Es war die gleiche Rastlosigkeit, die ihn immer wieder dazu gebracht hatte, aufzubrechen, sich neu zu erfinden, irgendwo anders zu suchen, was er glaubte, noch nicht gefunden zu haben.

Er trat auf den Bahnsteig, zog seine Kapuze über den Kopf und blinzelte in das Neonlicht der Bahnhofshalle.

Berlin.

Der Geruch von U-Bahn-Schächten, Bratwurstständen und nassem Asphalt mischte sich in der Luft. Menschen schoben sich an ihm vorbei – Touristen mit riesigen Koffern, Geschäftsleute mit Eile in den Schritten, Jugendliche mit zerfetzten Jeans und lauten Stimmen.

Die Stadt war riesig, laut, pulsierend. Und er war nur ein kleines Staubkorn darin.

Er war von einer Kleinstadt hierhergezogen. Dort, wo sich jeder kannte, wo er immer das Gefühl gehabt hatte, ausbrechen zu müssen. Wo er Musik machte, aber nie das Gefühl hatte, dass es wirklich jemand verstand. Wo er lernte, studierte, arbeitete, weil er dachte, es würde ihm Halt geben. Doch es hatte nie gereicht. Berlin war seine Hoffnung auf ein neues Kapitel. Er war offiziell hier, um Mathematik zu studieren, aber das war nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit war es die Musik, warum er her kam.

Mit seinem Gepäck kämpfte er sich durch das Gewirr von Rolltreppen und Gängen, bis er schließlich draußen stand. Die kühle Nachtluft traf ihn ins Gesicht, vermischt mit dem Dröhnen der Stadt. Taxis hielten an, Leute riefen sich durcheinander Dinge zu, irgendwo spielte jemand Gitarre. Levin zündete sich eine Zigarette an, zog tief und ließ den Rauch langsam aus seinen Lungen entweichen.

Seine neue Wohnung war in Neukölln, einer dieser Gegenden, die in den letzten Jahren von Künstlern, Studenten und verlorenen Seelen geflutet worden waren. Er hatte sie nur auf Fotos gesehen – zwei winzige Zimmer, kaum Möbel. Der Vermieter, ein mürrischer älterer Mann, hatte ihm den Schlüssel gegen eine Kaution per Post geschickt, mit der knappen Anweisung, sich in den ersten Tagen nicht über Lärm oder die Nachbarn zu beschweren. „Neukölln lebt“, hatte in seiner letzten Mail gestanden.

Er nahm die U-Bahn. Die Fenster spiegelten sein Gesicht wider – die kurzen dunklen Haare unter der Kapuze, die scharfen Gesichtszüge, der Bartansatz, der ihn ein bisschen älter wirken ließ, als er war. Seine Arme waren voll mit Tattoos, jedes einzelne eine Geschichte, ein Stück von ihm, das er nicht vergessen wollte.

Neukölln war genau das, was er erwartet hatte. Die Straßen waren voller Bars, Spätis, Menschen, die in Gruppen vor den Läden standen, tranken, lachten. Er zog seine Tasche hinter sich her, suchte die Adresse, die auf seinem Handy stand. Als er vor dem grauen Mietshaus ankam, in dem er jetzt wohnen würde, fühlte er wieder dieses Kribbeln in der Brust – Nervosität, Aufregung, Angst.

Die Wohnung war kalt, als er die Tür aufschloss. Der Boden knarrte unter seinen Schritten. Er stellte seine Tasche ab, ließ sich auf die Matratze fallen, die auf dem Boden lag – sein provisorisches Bett. Die Wände waren kahl, die Fenster ohne Vorhänge. Ein Raum mit Potenzial.

Er lag eine Weile da, lauschte den Geräuschen der Stadt. In seinem Kopf war das Chaos – Gedanken, Erinnerungen, Fragen. Er dachte an seine Mutter, die ihm einen langen, besorgten Blick zugeworfen hatte, als er gegangen war. An all die Nächte, in denen er wachgelegen und sich gefragt hatte, ob er jemals irgendwo wirklich ankommen würde.

Mathematik war immer ein Zufluchtsort für ihn gewesen. Da gab es klare Regeln, eine Lösung, die am Ende immer stimmte. Anders als in seinem Leben, das sich wie ein ständiges Irren anfühlte. Aber Musik – Musik war das Einzige, das ihn wirklich verstehen ließ, was er fühlte.

Er zog sein Notizbuch aus der Tasche, blätterte durch alte Zeilen, unfertige Texte, Fetzen von Gedanken. Die Worte kamen in seinem Kopf durcheinander, suchten nach einem Rhythmus. Irgendwo in der Ferne heulte eine Sirene, jemand lachte laut auf der Straße. Er atmete tief durch.

Willkommen in Berlin.