~ Solche Idioten gibts wohl in jeder Familie ~
Arc 6: Ferien
Die Abschlussprüfungen hatte Lan hinter sich gebracht und er bestand seinen Schulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 2,9. Der Durchschnitt war für die Aufnahme auf die AMN zu wenig, aber durch des, dass er ziemlich starke Fähigkeiten besaß und die Invasion vor der Tür stand, wurde er aufgenommen. Den Abschlussball hatte er sausen lassen, weil sein Gefährte sich im ewigen Schlaf befand und er mit niemandem anderem als mit ihm, dorthin gehen wollte.
Am Tag der offenen Tür in der AMN wurden für Lan neue Wächter ausgewählt, die nun alles taten, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Aber darum kümmerte sich Lan nicht. Er war dabei, seine Sommerferien zu genießen.
»Bist du mit deinem Packen fertig?«, fragte Shay, der sich etwas aufgewärmtes Blut aus einer Tasse gönnte.
»Ja!«, rief Lan aus dem Bad und kam mit einer kleinen Kulturtasche raus. Shay nickte, leerte seine Tasse, wusch sie schnell auf und verstaute sie im Küchenschrank.
»Dann ... halt dich an mich fest ... wir teleportieren ...«, sagte Shay, als Lan den Koffer zuzog.
»Och nö, ich dachte, wir fliegen?«, motzte Lan und Shay kicherte.
»Wer hat was von Fliegen gesagt?«, fragte Shay scheinheilig zurück und schon hörte man Würggeräusche.
»Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen!«, würgte Lan noch immer und richtete sich langsam auf. Er blickte seinen Gefährten hinterher, der zu einem Mann ging, der hinter einer Art ›Schalter‹ saß und er erkannte ihn auch wieder. Sie befanden sich in der Tiefgarage.
»Breston die Schlüssel bitte!«, sagte Shay und der Mann reichte ihm das, was er verlangt hatte. Shay drückte und neben Lan piepte ein Auto auf. Recht zufrieden mit dem Auto kam Shay zurück.
»So dann verstauen wir mal die Koffer!«, meinte Shay und machte sich an die Arbeit. Noch bevor Lan auch die Gelegenheit dazu hatte, einen Koffer in die Hand zu nehmen, waren sie schon im Auto und Lan hob leicht verdrossen die Arme.
»Angeber!«, murmelte er.
»Steig ein ... es geht los!«
Nachdem sie das Schloss verlassen hatten und auf dem Weg zur Stadt waren, drehte Lan sich zu Shay und fragte ihn: »Wie lange werden wir jetzt unterwegs sein?«
»Ich habe dir doch erzählt, wo mein Heimatland ist.« War nur die Antwort.
»Schon aber die Antwort ... Mit dem Pferd bist du ungefähr sieben bis acht Tage ohne Einkehr unterwegs ... war sehr aussagebedürftig!«
»So? Und ich dachte, du rechnest es in die heutige Zeit um? Dabei habe ich es dir sogar noch einfach gemacht. Dann eben so ... mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h bist du ungefähr dreieinhalb bis vier Stunden unterwegs.«
»Oh Mann Shay, deshalb weiß ich immer noch nicht, wo dein Heimatland ist. Liegt es im Norden, im Westen, Süden oder Osten? Welche bekannte Stadt liegt in der Nähe?«
»Ahh ... das hast du gemeint!«, gab Shay grinsend zurück. »Alpen!«
»Alpen?«, fragte Lan zurück.
»Jetzt sag mir bloß nicht, du weißt nicht, was die Alpen sind?!«
»Doch ich weiß, was die Alpen sind, so unwissend bin ich nun auch nicht!«, schnappte Lan und sah, wie Shay in sich hinein grinste. »Idiot!«, murrte er und schloss seine Augen. Denn was blieb ihm auch anderes übrig als während der Fahrt zu schlafen.
Lan döste hin und wieder mal weg und so verging die Fahrt sehr schnell.
»Aufwachen, wir sind da!« Wurde er geweckt und er blickte aus dem Fenster. Shay hatte vor einem Gasthof geparkt und Lan war leicht überrascht. Er dachte, er würde zu einem Schloss oder so was fahren, immerhin war Shay mal ein König gewesen.
»Was machen wir hier, ich dachte, wir fahren zu dir!«
»Tun wir auch! Aber jetzt wird erst einmal gegessen! Das ist die beste Gaststätte in der ganzen Umgebung.«
~ Ω Ω Ω ~
Die beiden betraten die Gaststätte und Lan war leicht überrascht. Immerhin war es bereits mitten in der Nacht und die Gaststätte war gerammelt voll.
Eine Bedienung kam auf sie zu.
»Sie wünschen?«, fragte sie.
»Nightheart, wir haben reserviert!«, sagte Shay und schon nahm die Bedienung eine andere Haltung ein.
»Meine Herrschaften, wenn ihr mit bitte folgen mögt!«, sagte sie und ging voran. Sie führte die beiden durch die Gaststätte und in einem hinteren Teil hielt sie an. Lan bemerkte, dass ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde, und wunderte sich wieder. Nicht das er darüber erbost war, nein so war es ihm sogar lieber. »Bitte!«, sagte die Bedienung und die beiden setzten sich hin. »Wollen die Herrschaften gleich bestellen?«, fragte sie und Shay blickte Lan an.
»Ähm ... können wir die Karte haben?«, fragte er und sie nickte.
»Selbstverständlich!«, gab sie zur Antwort und einen kurzen Augenblick später, überreichte sie die Speise- und Getränkekarte. »Wenn die Herrschaften bereit zum Bestellen sind, mein Name ist Claudia. Ich bin heute Abend für die Herrschaften zuständig!«, sagte sie und ging.
Lan blätterte darin und suchte die Speisen für Menschen. Wie in allen Gaststätten war die Speise- und Getränkekarte auf die Wünsche der Menschen und magischen Wesen abgestimmt worden und wurde auch bald fündig.
»Was isst du?«, fragte Lan.
»Ich nehme das Tagesmenü und als Beilage, Blutgruppe 0«, antwortete Shay, ohne aufzublicken.
»Was ich dich schon immer mal fragen wollte, gibt es beim Blut unterschiede?«
»Ja, die gibt es. Ich bevorzuge Blutgruppe 0, die ist etwas süßer als die anderen, allerdings wenn man Blut aus der Vene eines Menschen trinkt, schmecken alle Blutgruppen fantastisch, jede auf ihre eigene Art lecker!«
»Ahh!«, gab Lan zurück und somit bekam er auch seine eigentliche Antwort auf seine nicht gestellte Frage. Denn er besaß die Blutgruppe A+ und es hatte ihn schon etwas verärgert, dass sein Gefährte eine andere Blutgruppe bevorzugte. Shay der diesen kurzen Moment von Lan bemerkt hatte, grinste natürlich wieder.
»Aber eine Blutgruppe sticht alle aus ... A+, sie schmeckt am besten, wenn ich sie, während eines Orgasmus trinke ...«, hauchte er mit rötlich gewordenen Augen. »Ich bekomme da nie genug und könnte mich reinlegen!« Schon leckte er sich über die Lippe.
»Tch!«, machte Lan nur und Shay schmunzelte.
»Und hast du dich entschieden, was du essen willst?«, fragte Shay und Lan nickte.
»Schnitzel!« War die Antwort. »Und als Beilage fettige triefende Pommes!« Shay nickte und hob seine Hand. Keine Minute später stand Claudia am Tisch und nahm die Bestellung entgegen.
»Cola und ein Glas Wein, das Tagesmenü mit 0 und Schnitzel hausgemacht. Haben die Herrschaften noch weitere Wünsche?« Wiederholte sie ihre Bestellung.
»Nein, das wäre vorerst alles, danke!«, sagte Shay und Claudia war wieder weg. Allerdings fühlte Lan sich etwas verlegen. Shay hatte nur seine Hand gehoben und Claudia die Bedienung kam sofort an den Tisch. Das war wohl der Vorteil, vom Adel zu sein, und schon fragte er sich, ob er oder seine Familie genauso diese bevorzugte Behandlung erhalten würde? Nun er brauchte nicht lange darüber zu überlegen, die Antwort war Nein. Talfon war eben kein Adelsname und von einer hohen Persönlichkeit abstammend auch nicht. Talfons waren nur einfach bürgerliche Leute aus dem Volk, mehr nicht.
»Claudia die Bestellung für Tisch 003!« Wurde sie vom Koch gerufen und sie machte sich auf dem Weg.
»Hat das Blut die richtige Temperatur?«, fragte sie nach.
»Das Blut ist Beilage ...«, rief der Koch und Claudia rieb sich die Stirn.
»Ja stimmt!«, dachte sie und nahm die Teller. Sofort machte sie sich auf dem Weg zu dem Tisch, an dem Shay und Lan saßen. Aber jemand, den sie sehr gut kannte, versperrte ihr den Weg.
»Claudia ... ich bin schon seit zwei Minuten hier und du hast mich immer noch nicht bedient!«, sagte dieser und musterte den Inhalt der Teller. »Hmm einer ist ein Vampir ... wahrscheinlich nur ein gewöhnlicher, wenn er so ein Billigessen bestellt und das andere ... ach her je ...«, dachte er und blickte wieder zu ihr hoch.
»Bitte verzeiht, eure Hoheit Owen, lasst mich das Essen servieren und dann bin ich bei Euch!«
»Scheiße!«, dachte der Koch, der die Szene beobachtet hatte. »Muss der Bengel gerade heute da sein?« Und nicht nur er, auch bei all den anderen Angestellten und dem Chef ging der gleiche Gedanke durch den Kopf. »Wir haben den jungen Herrn nicht bemerkt ...« Der Chef der Gaststätte schickte schnell die andere Bedienung, doch Owen wollte heute von Claudia bedient werden.
»Bitte eure Hoheit, Claudia hat im hinteren Teil sehr viele Gäste ...!«, versuchte die andere Bedienung ihn zu beruhigen und Owen winkte energisch ab.
»Im hinteren Teil sitzen nur zwei ... haben diese beiden Claudia ganz für sich alleine gebucht? Nein! Oder und außerdem wisst ihr, wer ich bin ... ich bin Graf Owen Knightblood. Der Erbe und mein Onkel war der große König Shay Nightheart. Allein deswegen kann ich verlangen, von wem ich bedient werden will!«
»Hey Owen ...!« Wurde er gerufen.
»Nun du scheinst Glück gehabt zu haben, meine Freunde verlangen nach mir!«, sagte Owen und ging grinsend zu seine Kumpels zurück.
Claudia brachte das Essen. Lan musterte sie kurz eingehend und blickte ihr nach, als sie den Tisch verlassen hatte.
»Lan ... alles in Ordnung!«, fragte Shay und Lan wandte sich von Claudia ab.
»Hmm sie benimmt sich plötzlich ganz anders!«, sagte Lan. »Und ihre Emotionen ...«
»Lass gut sein ... Iss, es wird sonst kalt!«, sagte Shay, der alles mitbekommen hatte. »Owen Knightblood, der Sohn von Eileen Knightblood und Pirmin Thaw. Eileen ist die erstgeborene Tochter von Cedric und Lavinia. Das Mädchen habe ich nur mal kurz gesehen ... Sie verliebte sich in einen bürgerlichen Vampir Pirmin Thaw und aus dieser Liebe entstand Owen. Der jetzt der Meinung ist, der Erbe der Grafschaft zu sein, weil seine Mutter Eileen die erstgeborene Tochter von Graf Cedric ist und er der erste männliche Nachkomme nach Cedric ist. Wie heißt es so schön, Irrtum ist menschlich ... na ja in seinem Fall wohl jungvampirisch. Aber was solls, wir sind hier, weil Lavinia uns zu seiner morgigen Volljährigkeitszeremonie eingeladen hat ... Eigentlich habe ich mich darauf gefreut, meine alte Familie wiederzusehen und meine Neue kennenzulernen, aber wenn ich mir ihn anschaue ... hach was für eine Qual! Solche Idioten gibts wohl in jeder Familie.«
Claudia bediente Owen, aber ohne ihre Aufmerksamkeit von Shay und Lan zu nehmen. Diese beide Gäste, waren für sie im Moment wichtiger als der Junge. Sie wollte ihre Arbeit gut erledigen, vor allem weil es sich um die Nighthearts handelte. Diese Familie war lange, bevor Graf Knightblood das Land übernahm, die Herrscher. Der Name hatte mehr Gewicht und sie wollte sich mit denen nicht verscherzen. Außerdem hatte die Gaststätte, dank der Nighthearts eine langjährige Tradition und hohes Ansehen erlangt. Ganz besonders während des großen Vampirkrieges, war die Gaststätte so eine Art Sammelpunkt geworden und der Chef, erzählte oft, wie seine Vorfahren, die ersten Menschen hier im Land waren, die von den Vampiren und magischen Wesen erfuhren und dienten auch als Spionage, wenn Jäger einkehrten.
Claudia bemerkte, dass die beiden mit dem Essen fertig waren, und wollte sich schon auf dem Weg machen, als sie wieder von Owen aufgehalten wurde.
»Bitte junger Herr ...!« Weiter kam sie nicht, weil sie sah, wie der Mann, der sich das Schnitzel bestellt hatte, auf sie zukam. Er strich sich kurz durch die Haare und lächelte verlegen.
»Bitte verzeihen Sie, aber könnten Sie mir den Weg zur Toilette zeigen. Ich sehe hier keine Ausschilderung ...« Verblüfft blickte sie den jungen Mann an, dann wanderte ihr Blick zu Owen, der wirklich sehr breit grinste und ihr Blick wurde wütend.
Das war die Peinlichkeit hoch drei. Der junge Herr Nightheart musste extra aufstehen, um nach dem Weg zur ... zur ... sie wagte es nicht, weiter darüber nachzudenken, und verfluchten den verzogenen Bengel.
»Bitte verzeiht mir, dass ich nicht aufmerksam genug war. Es tut mir außerordentlich leid ....«, entschuldigte sie sich.
»Kein Problem!«, sagte Lan und Owen kniff kurz seine Augen zusammen.
»Hmm der Typ ist ein Mischling ... das rieche ich, menschlich und das andere kenne ich nicht ... und er hat eine Gefährtenmarkierung an sich ... von einem Vampir ... aber seine Klamotten ... die sind aus einem kleinen Billigmarkt. Und die Frisur, die sieht aus, als ob eine Ungelernte darüber war«, dachte Owen.
Lan bedankte sich bei Claudia und ging in die Richtung, die sie ihm gezeigt hatte und Claudia, die bemerkt hatte, das Owen sich von ihr abgewandt hatte, ging an dem Tisch, an dem Shay saß.
»War alles zu Eurer Zufriedenheit?«, fragte sie, während sie die leeren Teller nahm, und Shay nickte lächelnd.
»Das war sehr köstlich, danke und geben Sie ein Lob an die Küche weiter!«, sagte Shay und sie erstrahlte.
»Gebe ich weiter. Möchtet Ihr noch etwas bestellen?«, fragte sie.
»Für meine Begleitung noch eine Cola und ich hätte gerne noch ein Glas Wein!«, bestellte Shay, und Claudia nickte.
»Sehr wohl!«, sagte sie und ging wieder.
»Ich möchte zu gerne wissen, wer diese Typen sind!«, murrte Owen.
»Welche Typen?« Wurde er gefragt.
»Die im hinteren Teil sitzen. Claudia gibt denen viel zu viel Aufmerksamkeit. Das ist nicht normal!«
»Och komm, nur weil du jetzt mal nicht an erster Stelle stehst!«
»Ich stehe hier an erster Stelle oder hast du vergessen, wer ich bin!«
»Wie könnte ich das, eure Hoheit, aber sind wir nicht hier, um dich zu feiern? Du hast morgen deine Erwachsenenzeremonie und du trittst offiziell in die Reihenfolge der Erbschaft ein. Eure zukünftige Lordschaft Graf Owen Knightblood!«
Plötzlich war es Owen, als ob jemand sich über ihn lustig machte. Ein Kichern drang an seine Ohren und er drehte sich zu diesem Geräusch um.
»Der belauscht uns!«, dachte er und stand auf. Mit festen Schritt ging er zu Shay und starrte ihn herausfordernd an.
»Darf ich fragen, was hier so lustig ist?«, fragte Owen und Shay blickte ihn leicht verdattert an.
»Ich weiß nicht, was du meinst?«, fragte Shay zurück und legte sein Handy provokativ auf den Tisch.
»Du? Ich kann mich nicht erinnern, dir das ›du‹ erlaubt zu haben! Ich bin eure Hoheit Owen Knightblood, Erbe der Grafschaft Knightblood.«
»Schön ... und? Und zurück zu deiner Frage, ich weiß immer noch nicht, warum es dich gestört hatte, dass ich lache?«, fragte Shay, der sitzen blieb. Das war Owen noch nie untergekommen, dieses plumpe Verhalten. Schon gar nicht, nachdem er sich vorgestellt hatte.
»Du scheinst anscheinend nicht zu wissen, wer ich bin!«
»Doch du hast dich eben vorgestellt und ich weiß immer noch nicht, warum es dich stört, wenn ich lache. Ist es hier verboten, sich zu amüsieren?«
»Wie ist dein Name, damit ich dich zur Rechenschaft ziehen kann. Du hast soeben den Erben der Grafschaft Knightblood beleidigt!«
»So habe ich das? Wie es mir scheint, bist du derjenige der mich beleidigt!«, sagte Shay und die Auseinandersetzung blieb nicht unbemerkt.
Claudia hielt sich an einem Tablett fest und in der Gaststätte wurde es still. Es kam schon ein paar Mal vor, dass der junge Herr Owen Knightblood wegen einer Lappalie ausgerastet war. Shay bemerkte dies und lächelte leicht.
»Nun es scheint, dass du diese Show öfters abziehst? Nun, nichts für ungut. Ich würde es begrüßen, wenn du ...«
»Junger Herr ... junger Herr ... hier seid ihr!« Wurde Shay von einer weiblichen, energischen und strengen Stimme unterbrochen. »Wie ich es mir dachte ... Ihr wisst, dass Ihr heute Abend nirgends hingehen solltet ...« Alle in der Gaststätte atmeten erleichtert auf, als sie die Frau sahen und selbst Shay musste unwillkürlich schmunzeln. »Immer führt Ihr Euch auf, wie ein Kleinkind. Meine Güte und morgen wollt Ihr zu den Erwachsenen gehören, wenn Ihr es nicht einmal zustande bringt, eine einfache Anweisung zu befolgen. Mit Euch ist es echt zum Haareraufen!«, schimpfte sie und sie nahm kein Blatt vor dem Mund.
»Uaa ... Nanni Nolwenn, was machst du denn hier!«, schluckte Owen hart und schon bekam er einen Hinterkopfklaps.
»Was ich hier mache? Ihr könnt Fragen stellen junger Herr. Euch hinterherlaufen, wie einem Baby!«, sagte sie und rieb sich die Augen. Erst dann blickte sie auf und sah einen für sie sehr bekannten Mann sitzen. Kurz lächelte sie und nickte ihm zu.
»Nolwenn du untergräbst meine Autorität!«, versuchte Owen und handelte sich wieder einen Klaps ein.
»Welche Autorität? Glaubt Ihr, König Shay Nightheart hätte Autorität!«
»Nolwenn hör auf, dieser Vampir hat mich beleidigt, ich muss ihn zurechtweisen!«
»Ach papperlapapp, kommt, wir gehen. Ihr habt heute schon zu genügend Ärger verursacht!«
»Nolwenn, diese Beleidigung kann ich nicht auf mich sitzen lassen!«
»Und wenn ich Ihr wäre, würde ich mich auf die Zeremonie vorbereiten und nicht hier sitzen und die kostbare Zeit verschwenden. Meine Güte, ich kann es gar nicht glauben, dass Ihr morgen Eure Volljährigkeitszeremonie habt, so wie Ihr Euch benehmt, aber es ist immer das Gleiche mit den Bengeln. Egal ob sie Nightheart heißen oder Knightblood!« Bei dem Namen Nightheart rieb sich Shay leicht die Schläfen und lachte sich fast ins Fäustchen. Nur Nanni Nolwenn grinste ihn etwas spöttisch an, zwinkerte kurz und zog Owen an den Ohren durch die Gaststätte.
Noch bevor sie die Tür erreicht hatte, drehte sie sich um.
»Wenn ihr Morgen alle der Zeremonie mit beiwohnen wollt, so rate ich euch allen, nach Hause zu gehen. Auch wenn es dieser Nichtsnutz nicht verdient hat!«
»Nolwenn ....!«, jammerte Owen auf, doch weiter hörte man ihn nicht, denn die Tür wurde geschlossen.
Nanni Nolwenn war auch Shays Nanni gewesen, die Nanni von Kendrick und von Lavinia und sie ist die Schwester von Elmet Nightheart. Und sie war die Einzige, die gewusst hatte, dass Shay Nightheart nicht hingerichtet worden war. Dennoch behielt sie es sich für sich, denn sie hatte ein Gefühl, dass sie es nicht sagen durfte. Schließlich besaß sie die Fähigkeit, der Sicht und wurde als das nächste Orakel ausgewählt. Aber bis sie diese Aufgabe übernehmen konnte, müsste sie viele Tausende Jahre alt sein und diese Fähigkeit müsste das Maximum erreichen. Aber bis dahin war es noch ein sehr langer Weg.
Während das Orakel bis weit in die Zukunft blicken konnte, schaffte es Nolwenn von sich aus gerade mal ein Jahr, wenn überhaupt. Aber manchmal bekam sie Visionen, die viele Jahrhunderte in die Zukunft waren, so auch, dieser Moment, als sie Shay in dieser Gaststätte wieder sehen würde.