The Ace of Spades (Eine Mafia-Romanze)

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Zusammenfassung

WREN Sie rissen mich aus meinem beschissenen, halbfertigen Leben und zerrten mich in einen Albtraum aus Masken, Waffen und Blut. Ich war nichts als ein Druckmittel für den Mann, der mich verraten hat. Und er — Ace — er sollte mein Kerkermeister sein, ein Monster ohne Herz hinter dieser Maske. Aber jedes Mal, wenn er mich berührt, zerbreche ich. Jedes Mal, wenn er mich ansieht, will ich glauben, dass noch etwas Menschliches in ihm steckt. Ich sollte ihn hassen. Ich sollte kämpfen. Aber irgendwie sind seine Hände auf meiner Haut das Einzige, was sich an diesem gottverlassenen Ort sicher anfühlt. ACE Sie sollte keine Rolle spielen. Nur ein Tauschobjekt. Ein Kollateralschaden. Ein weiterer Name im Kontobuch. Aber in der Sekunde, als ich sie sah, zerbrach etwas in mir — oder vielleicht erwachte es. Sie ist vorlaut, leichtsinnig und auf eine Weise wunderschön, die mich innerlich zerreißt. Ich soll sie bewachen, sie brechen, wenn ich muss, sie unter Kontrolle halten. Aber der Gedanke, dass jemand anderes anrührt, was mir gehört, lässt mich die Welt niederbrennen wollen. Sie weiß es noch nicht, aber ich werde sie niemals gehen lassen. Selbst wenn ich sie zerstören muss, um sie zu behalten.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
39
Rating
4.9 35 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel Eins

WREN

„Bist du sicher, dass da Alk drin ist? Sch-schmeckt nämlich nicht so.“

Die sichtlich betrunkene Frau starrt mit glasigem Blick auf ihren Drink. Sie lallt, während sie sich schwer auf den Tresen stützt und versucht, mich zu fokussieren.

Ich spüre, wie mein Puls steigt. Doch ich unterdrücke die bissige Bemerkung und entscheide mich für eine Antwort, die eher nach Humor als nach reiner Zickigkeit klingt.

„Hast du schon mal daran gedacht, dass ich einfach eine verdammt gute Barkeeperin bin?“ Ich bin überrascht, dass meine Stimme nicht vor Gift trieft. Schließlich stehe ich schon seit Stunden kurz vorm Explodieren.

Ich brauche dieses Trinkgeld.

Ich schnappe mir meinen silbernen Shaker und haue den Deckel mit angestauter Aggression drauf. Dann fange ich an, ihn hin und her zu rütteln und lasse meinen Frust lieber an dem armen Ding aus als an den Gästen.

Heute Abend habe ich echt die Schnauze voll von allen.

Kannst du mir den neu machen?

Das Eis nimmt fast das halbe Glas ein. Ich will mehr Sprit!

Sechs Dollar für ein Bier? Das ist doch Wucher.

Mein Gesicht bleibt eine unbewegte Maske, während ich die Margarita mixe.

Sie hat Glück, dass ich ihr überhaupt noch was gebe. Vorhin hat sie erst das Glas ihrer Freundin umgestoßen – sie ist eindeutig stramm.

„Ich will einfach nur, dass du ihn neu machst“, jammert die Frau und sieht mich bittend an. Ich schenke ihr ein gequältes Lächeln und nicke. Als ob ich echt die Zeit hätte, einen Drink auf genau dieselbe beschissene Art neu zu machen, während die Schlange bis zur Tür steht. Ich hätte Eric nicht sagen sollen, dass ich dieses Klassentreffen allein schmeiße. Aber ich brauche die Kohle.

Gott weiß, dass ich das Geld brauche. Vor allem, seit mein kleiner Honda angefangen hat, so beängstigende Geräusche zu machen.

Aber mein Stolz steht mir mal wieder im Weg. Ich nehme mir immer zu viel vor und merke den Fehler erst, wenn es zu spät ist.

Ich blicke genervt in die Runde. Alle starren mich erwartungsvoll an, während die Frau vor mir wie ein Kind mit dem Fuß aufstampft.

„Okay“, gebe ich schließlich nach. Ich weiß, dass sie mich sonst nicht in Ruhe lässt.

Ich nehme ihr den Drink ab und stelle ihn hinter die Bar, während ich mit dem anderen Arm den Shaker schüttle. Ich gieße die Margarita in ein Glas mit Salzrand, stecke eine Limette dran und reiche sie dem gut aussehenden Mann, der geduldig gewartet hat.

„Bitte sehr, der Herr“, scherze ich mit einem Grinsen. Mein Verlobter Derrick lächelt und nimmt einen großen Schluck. Seine blonden Haare fallen ihm in seine blauen Augen.

„Danke für den Drink, Schatz.“

„Gerne, Babe.“ Ich werfe der Frau an der Bar einen Seitenblick zu. Sie trommelt ungeduldig mit den Fingern und seufzt. „Jetzt muss ich mich um die da kümmern“, sage ich so leise, dass nur Derrick es hört. Die Frau brabbelt betrunkenes Zeug vor sich hin, während sie ihr Handy rausholt. Ihre Nägel klackern nervig auf dem Display herum.

Wahrscheinlich schreibt sie gerade eine miese Bewertung bei Yelp.

Sie lässt laut ihre Kaugummis platzen und kriegt gar nichts mehr mit. Ihr Blick klebt am Bildschirm, während sie auf ihren Beinen hin und her schwankt.

„Viel Glück, Kleines. Du weißt, es ist noch nicht zu spät, Eric anzurufen...“

„Ich schaff das schon“, fahre ich meinen Verlobten an. Das war ein bisschen zu heftig, sogar für meinen Geschmack. Derrick sagt nichts mehr. Er formt nur mit weit aufgerissenen Augen ein „Okay“ und hebt abwehrend die Hände. Er geht zurück zu seinen Freunden am Billardtisch. Sie lachen und johlen, während sie sich darüber streiten, ob jemand schummelt.

Derrick klopft seinem Kumpel auf die Schulter und lacht. Alan hat die weiße Kugel direkt versenkt und seine gestreifte Kugel komplett verfehlt. Ich blicke auf und mein Lächeln erstirbt. Jason, ein Freund von Derrick, winkt mir von der anderen Seite des Tisches zu. Ich winke mit einem falschen Lächeln zurück. In meiner Brust steigt Wut auf diesen Kerl auf, der meinen Verlobten immer wieder mit nach unten zieht.

Derricks Wochentage sehen immer öfter aus wie seine Wochenenden. Er ist fast jede Nacht unterwegs, säuft und feiert. Währenddessen hocke ich zu Hause und versuche, mich von meinen harten Schichten an der Bar zu erholen. Ich weiß, dass Jason schuld ist. Er ist für Drogen und wilde Partys bekannt – oft mit Stripperinnen – und war schon oft im Knast. Derrick behauptet, er sei ein guter Kerl mit einem schlechten Ruf, also halte ich den Mund.

Es bringt nichts, Derricks Entscheidungen infrage zu stellen. Das habe ich in den letzten Jahren gelernt.

Schließlich wende ich den Blick von Jason ab und schaue meinem Verlobten zu. Er nimmt seinem Kumpel das Queue ab, visiert an und locht die Kugel mühelos ein.

Was für ein Mann.

Ich lächle, bevor ich mich umdrehe. Ich schütte den Drink der betrunkenen Frau in den Shaker und mixe ihn neu. Dann gieße ich ihn zurück ins Glas. Oben in den Strohhalm gebe ich einen Schuss Wodka, nur für den Geschmack, und reiche es ihr. Sie merkt natürlich nichts, nimmt einen Schluck und nickt grinsend.

„Perfekt, danke“, lallt sie und dreht sich um. Ihre Absätze knicken fast unter ihr weg. Ich schnaube verächtlich, während sie zu ihren Freundinnen in der Ecke watschelt. Die Hyänen lachen und filmen mit ihren Handys, wie eine andere Frau ihren Arsch zur lauten Musik schüttelt.

Ich habe hart gearbeitet, damit mein Laden nicht zu so einer Bar wird. Aber das passiert wohl, wenn ein Haufen überdrehter Frauen ihr Klassentreffen feiert. Sie müssen allen zeigen, dass ihr Leben gar nicht so erbärmlich ist, wie es eigentlich aussieht.

Ich ignoriere sie einfach. Sie bringen mir Geld und die Nacht geht irgendwann vorbei.

Der Rest der Schicht vergeht wie im Flug. Es sind so viele Leute da, dass ich ständig mixen, ausschenken und abkassieren muss. Nebenbei muss ich mir dämliche Anmachsprüche von Typen anhören, die glauben, sie hätten eine Chance, obwohl ich einen riesigen Klunker am Finger trage.

Als es ruhiger wird und der Feierabend naht, küsse ich meinen Verlobten zum Abschied. Ich sage ihm, dass ich ihn liebe und wir uns zu Hause sehen. Die Aussicht auf ein langes, heißes Bad, mein Kindle und meine Katze Bug hält mich auf den Beinen. Ich will endlich das Buch zu Ende lesen, das ich in den letzten Tagen verschlungen habe, auch wenn meine Füße höllisch wehtun.

„Letzte Runde!“, rufe ich in den Lärm. Meine Stimme klingt enthusiastischer als den ganzen Abend. Die letzten Gäste verstehen den Wink und bezahlen. Dank des Alkohols geben sie großzügiges Trinkgeld. Als der letzte Kunde rausstolpert, knipse ich das „OPEN“-Schild aus. Ich atme tief durch und fahre mir mit den Fingern durch das dunkle Haar.

Ich lasse mich auf einen Barhocker sinken und verziehe das Gesicht. Meine Füße pochen. Ich kreise meine Knöchel, um den Schmerz zu lindern, aber es bringt nichts.

Oh ja, ein heißes Bad muss definitiv sein.

Ich genieße den kurzen Moment der Stille. Dann zwinge ich mich wieder hoch, um mit dem Aufräumen anzufangen. Je schneller ich fertig bin, desto eher habe ich ein Glas Wein in der Hand.

Ich schnappe mir einen Lappen und wische den Tresen und die Hocker ab. Ich entferne verschütteten Alkohol, Schweiß und hoffentlich keine Kotze. Ich sammle leere Gläser, Teller und Servietten ein, wasche ab und räume die Spülmaschine ein.

Normalerweise macht mein Koch den Dreck weg, während ich die Kasse mache und wische. Aber ich habe ihn früher nach Hause geschickt, weil seine Frau Geburtstag hat. Als weniger Bestellungen kamen, dachte ich, ich krieg das mit dem Frittieren auch alleine hin.

Wieder so ein Fall, wo ich zu nett war und jetzt den Preis dafür zahle.

Ich schubse die Spülmaschine mit der Hüfte zu, gehe zur Kasse und rechne ab. Als ich mein Trinkgeld zähle, muss ich zum ersten Mal an diesem Abend ehrlich lächeln.

Das bauchfreie Top war eine gute Idee. Auf meine Brüste ist eben Verlass.

Plötzlich höre ich die Türglocke. Ich fahre herum, bereit, dem Gast zu sagen, dass wir geschlossen haben und er gehen muss.

Warum zum Teufel habe ich die Tür nicht abgeschlossen?

Ich erstarre. Mir stockt der Atem, als ich zwei zwielichtige Männer sehe, die nebeneinander stehen und mich beobachten. Sie tragen Masken. Einer hat eine Sturmhaube auf, bei der man nur die Augen sieht. Der andere trägt eine dunkle Totenkopfmaske mit hervorstehenden Wangenknochen. Ihre riesigen Körper füllen den Eingang fast komplett aus und schlucken das Licht der Straßenlaternen.

Die müssen mindestens zwei Meter groß sein und bestehen nur aus Muskeln.

Und da stehe ich, einen Meter sechzig klein, mit nichts als einem Besen als Verteidigung.

„Was glaubt ihr eigentlich, was ihr hier macht?“, frage ich schließlich mit brüchiger Stimme. Angst frisst sich wie Feuer durch mein Inneres und mir liegt ein Stein im Magen.

Ich taste hinter mir nach meinem Handy auf dem Tresen. Ich finde es und presse es wie eine Waffe gegen meine Brust.

Zwei maskierte Männer nach Ladenschluss in der Bar verheißen nichts Gutes.

Ich wusste, wir hätten nicht an der Sicherheit sparen dürfen. Es gibt keine einzige Kamera, die meinen sicheren Tod gleich aufzeichnen wird.

„Die Tür war offen. Ich dachte, ihr habt noch auf“, sagt der Typ mit der Totenkopfmaske mit tiefer Stimme. Seine silbernen Augen mustern mich von oben bis unten. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Ich schlucke den Kloß im Hals herunter, greife mein Trinkgeld und werfe es über den Tresen.

„Hier“, sage ich und weiche ein paar Schritte zurück. „Nehmt das Geld, nehmt alles aus der Kasse. Nehmt, was ihr wollt. Aber geht einfach. B-bitte.“

Dieser riesige Kerl starrt auf das Geld auf dem Tresen und lacht leise. Ich beobachte jede seiner Bewegungen, während er vortritt. Seine Stiefel dröhnen in der Stille. Ich weiche weiter zurück, bis ich mit dem Hintern gegen den Kühlschrank knalle. Mein Herz hämmert wie verrückt gegen meine Rippen.

Nur der Tresen trennt uns noch, aber bei ihrer Statur ist das kein echtes Hindernis.

„Wir wollen dein Geld nicht“, murmelt er und senkt das Kinn, während er auf mich herabsieht. Der Mann neben ihm greift fast schon beiläufig nach den Scheinen und stopft sie sich in die Tasche. Der Typ mit der Totenkopfmaske schaut über die Schulter und schnaubt kurz, sagt aber nichts dazu.

„Wir verschwinden jetzt“, sagt der Maskierte mit einer tiefen, rauen Stimme. „Aber du kommst mit uns.“