The Chef's Sick Mate (Buch 17 der The Regal Eclipse Pack Serie)

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Zusammenfassung

Genevieve Sawyer war fast ihr ganzes Leben lang krank und hat nie damit gerechnet, erwachsen zu werden. Sie fühlte sich schon immer als Last für ihre Familie und gibt sich selbst die Schuld an der Scheidung ihrer Eltern. Jetzt, im Alter von vierundzwanzig Jahren, weiß Gen, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Doch nach einem schicksalhaften Besuch ihres Vaters beginnt sie sich plötzlich besser zu fühlen, und ihr Leben fängt an, sich zu verändern. Man sagt ihr, sie sei nicht mehr krank, aber kann sie dem trauen? Und wird der Mann, für den sie bestimmt ist, mit ihr zusammen sein wollen, oder wird er sie für eine andere zurückweisen?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
62
Rating
4.9 41 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Vor sechzehn Jahren

Genevieve Sawyer wischte sich eine Träne weg. Sie saß zusammengekuschelt auf ihrem Fensterplatz und hatte ihre lila Lieblingsdecke fest um sich geschlungen. Ihre Großmutter hatte sie ihr geschenkt, kurz nachdem sie vor fünf Jahren das erste Mal krank geworden war. Die Decke war warm und weich und gehörte zu ihren liebsten Schätzen. Sie nahm sie immer mit ins Krankenhaus, genau wie ihren Kuschelwolf Maddox. Wahrscheinlich war sie schon zu alt dafür, aber das war ihr egal. Wenn sie krank war, brauchte sie Trost und etwas Vertrautes.

Die Stimmen ihrer Eltern drangen unter der geschlossenen Zimmertür hindurch. Sie hasste es, wenn sich ihre Mutter und ihr Vater stritten. Sie konnte zwar nicht verstehen, was sie sagten, aber sie wusste, dass sie wieder stritten. Mittlerweile taten sie das fast jede Nacht. Manchmal schnappte sie hier und da ein Wort auf. Manchmal hörte sie ihren eigenen Namen. Sie hatte das Gefühl, dass es in den meisten ihrer Streitereien um sie ging. Dass sie ständig krank war, brachte sie immer wieder zum Zanken.

Es machte sie traurig zu wissen, dass sie sich wegen ihr stritten. Aber ihr Leben war eben überhaupt nicht normal. Sie war noch nie normal gewesen, jedenfalls nicht mehr seit kurz nach ihrem vierten Geburtstag. Genny war fast ihr ganzes Leben lang krank gewesen. Im Moment hatte sie das Schlimmste der letzten Krankheitsphase überstanden und fühlte sich langsam etwas besser. Sie hoffte, dass der Streit dadurch ein bisschen nachlassen würde.

In den letzten fünf Jahren hatte Genny so viel Zeit im Krankenhaus verbracht, dass man sie dort sofort erkannte. Manchmal dachte sie, sie würde diesen Ort niemals verlassen. Dort schlief sie viel und verbrachte unzählige Stunden in den unbequemen Betten. Sie verstand nicht, warum die Betten nicht weicher waren. Vielleicht lag es daran, dass die Leute sonst gar nicht mehr gehen wollten, wenn es zu gemütlich wäre.

Sie wollte aber immer weg. Am liebsten wäre sie gar nicht erst hingegangen, aber leider war sie gefühlt ständig dort. Sie hasste diesen Ort, obwohl es die einzige Zeit war, in der sie andere Kinder in ihrem Alter traf. Trotzdem war es kein Zuhause.

Das Gute an den anderen Kindern war jedoch, dass sie auch krank waren. Nicht, dass Kranksein gut wäre, aber sie fanden es nicht komisch, dass sie eine Glatze hatte oder Sauerstoff brauchte. Es störte sie nicht, dass sie ihren Infusionsständer wie ein Accessoire hinter sich herzog. Sie akzeptierten sie so, wie sie war, weil sie für sie kein Sonderling war. Traurigerweise kannte sie einige von ihnen ziemlich gut, weil sie genauso oft dort waren wie sie selbst. Das war das Einzige, was sie am Krankenhaus mochte: Sie konnte ihre Freunde sehen. Bis sie starben.

Die Streitereien ihrer Eltern hatten vor etwa einem Jahr angefangen, zumindest glaubte sie das. Genny war in dieser Zeit viermal im Krankenhaus gewesen. Wenn sie dort war, stritten sie nicht, aber zu Hause konnte sie sie immer hören. Sie hasste das alles so sehr. Die Krankheit, die einfach nicht verschwinden wollte, und den Streit, der allein ihre Schuld war.

Genny saß da und starrte aus dem großen Erkerfenster auf den Vollmond. Er war gerade extrem hell und sehr groß. Er beleuchtete den ganzen Garten, sodass man alles sehen konnte, obwohl es draußen stockfinster war. In den Garten durfte sie fast nie gehen, besonders nicht zu dieser Jahreszeit. Es sei viel zu kalt draußen, sagte ihre Mutter immer. Sie sehnte sich danach, nach draußen zu gehen und im Garten herumzurennen, ein ganz normales Kind zu sein. So wie ihre große Schwester Ana. Aber Genny war nicht normal, und sie durfte fast nirgendwohin, nicht mal in ihren eigenen Garten.

Wenn das Wetter schön war, nahm ihre Mutter sie manchmal mit zu einem nahegelegenen Bach. Er lag hinter dem Garten im Wald. Dort hatte sie oft stundenlang mit ihrer Schwester Ana gespielt und eine tolle Zeit gehabt. Ana war meistens ihre einzige Spielkameradin, aber ihre Schwester machte jeden Spaß mit.

Ansonsten verließ Genny das Haus kaum, außer wenn sie zum Arzt oder in die Notaufnahme musste. Sie kam fast nirgendwo anders hin, weil ihre Eltern es für zu gefährlich hielten. Sie sagten, ihr Immunsystem sei schwach und sie könne sofort wieder krank werden. Sie hasste es, krank zu sein.

Außerdem war sie ihr ganzes Leben lang zu Hause unterrichtet worden. Ihre Mutter brachte ihr alles bei und erwartete von Genny, dass sie beim Lernen am Ball blieb und nicht den Anschluss verlor. Das war nicht immer einfach für sie, besonders wenn es ihr wieder richtig schlecht ging. Es gab Phasen, in denen sie kaum den Kopf oben halten konnte, geschweige denn sich auf Schulaufgaben konzentrieren konnte.

Doch wenn es ihr gut ging, trieb ihre Mutter sie an, so viel wie möglich zu schaffen. Genny hasste diese Zeiten. Sie hatte dann kaum Zeit für irgendetwas anderes. Die Schule war anstrengend und sie war ein bisschen sauer deswegen. Am liebsten hätte sie alles einfach hingeschmissen. Sie sah den Sinn darin nicht. Nicht, wenn sie sowieso nie erwachsen werden würde.

Es gab wirklich nicht viel in ihrem Leben, das sie mochte. Sie hasste es, ins Krankenhaus zu gehen. Sie hasste es, wenn an ihr herumgedoktert wurde, aber das war nun mal ihr Leben. Sie wusste, was die Ärzte sagten, auch wenn sie so tat, als würde sie es nicht verstehen. Sie wusste, dass sie nicht damit rechneten, dass sie jemals groß werden würde. Sie dachten, sie würde sterben, bevor sie erwachsen ist.

Genny war das jedoch egal. An manchen Tagen tat ihr alles weh. Sie versuchte, sich nicht zu beklagen, aber manchmal war es einfach zu schwer. Sie wollte nicht immer die Starke spielen. Sie wollte einfach nur im Arm ihrer Mama liegen und weinen. Und an manchen Tagen gab sie dieser Versuchung nach. Sie gab sich alle Mühe, tapfer zu sein, aber manchmal ging es einfach nicht mehr.

Genny konnte nicht wirklich mit anderen Kindern spielen. Ihre Schwester Ana nahm sich jedoch immer Zeit für sie, wenn sie aus der Schule kam. Ana war sechs Jahre älter als sie und mit vierzehn schon so hübsch. Ihre Schwester hatte wunderschönes silbriges Haar. Genny hatte im Moment kaum Haare. Meistens hatte sie eine Glatze. Keine Haare, keine Augenbrauen, keine Wimpern. Alles fiel aus. Sie hasste es so sehr, wenn das passierte. Es war irgendwann so weit, dass sie ihren Vater bat, ihr alles abzurasieren, sobald sie wusste, dass eine Behandlung anstand. Sie wollte nicht zusehen, wie die Haare ausfielen. Die ersten Male, als das passierte, hatte sie noch entsetzt geschluchzt.

Sie wusste auch, dass das ein weiterer Grund war, warum ihre Eltern sie nicht zur Schule ließen. Sie wollten nicht, dass sie gemobbt wird. Mit den Kindern im Krankenhaus war das okay. Diese Kinder waren auch krank und viele hatten eine Glatze. Sie machten sich nicht über ihr Aussehen lustig. Manche von ihnen sahen viel schlimmer aus als sie.

Ana erzählte ihr, dass andere Kinder gemein sein konnten. Sie sagte, dass sie nicht auf dieselbe Schule gehen würden und Ana deshalb nicht da wäre, um sie zu beschützen oder die Fieslinge zu verscheuchen. Ana passte immer gut auf sie auf. Sie tat so viel für Genny, spielte mit ihr und half ihr bei den Hausaufgaben. Sie lernte auch viel von Ana. Ana konnte Dinge manchmal viel besser erklären, sodass Genny sie verstand. Ana war sehr geduldig und Genny liebte ihre große Schwester über alles.

Sie war nur traurig, dass ihre Krankheit Anas Leben so sehr einschränkte, auch wenn ihre Schwester sich nie darüber beschwerte.

Genny sah auf, als ihre Schwester ins Zimmer schlüpfte und zu ihr herüberkam. Ana durfte abends länger aufbleiben. Sie hatte viel mehr Freiheiten als Genny, aber Genny wusste, dass das am Altersunterschied lag und daran, dass Ana kerngesund war.

„Warum bist du denn noch nicht im Bett, Kleine?“ Ana blieb stehen und starrte aus dem Fenster, um die schöne Nacht zu betrachten.

„Ich kann nicht schlafen“, antwortete Genny und sah ebenfalls wieder nach draußen. Hier saß sie meistens in den Nächten, in denen sie nicht schlafen konnte – entweder wegen des Streits oder wegen der Schmerzen.

„Du hörst sie, oder?“ Es war keine Frage. Sie wusste, dass Ana es auch hasste, wenn sie stritten.