IN FARBEN DER SÜNDE

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Zusammenfassung

„Du hast mich gemalt“, knurrte er, während sein Finger um sie kreiste, sie bedrängte und ihr Verlangen neckte. „Jede Leinwand, jedes schmutzige Detail. Du wolltest diesen Schwanz in dir spüren.“ Sein Finger hielt inne, kurz davor, einzudringen ... Sie malte das Verlangen, doch sie selbst hatte es nie erlebt. Er erkannte ihre Sünde und kam, um sich zu nehmen, was ihm zustand. Mit 28 Jahren ist Kaya die gefeiertste und geheimnisvollste Provokateurin der Kunstszene. Ihre Gemälde zelebrieren den menschlichen Eros in seiner reinsten, rohesten Form, doch sie selbst bleibt unberührt – eine Beobachterin der Leidenschaft statt eine Teilnehmerin. Ihr größtes Meisterwerk entstand durch den Blick aus ihrem Fenster: ihr Nachbar Kaien Shin – tagsüber Professor, nachts Erbe eines Clans – und die prächtige, sich windende Schlange, die seine Haut ziert. Ein heiliges Geheimnis, das sie niemals hätte sehen, geschweige denn auf Leinwand verewigen dürfen. Als Kaien das Gemälde entdeckt, reagiert er nicht mit einer Klage. Er macht ihr ein Angebot, das vor Bedrohung nur so strotzt. Er stellt sie vor eine grausame Wahl: Entweder gewährt sie ihm die Intimität, die sie so dreist gestohlen und an die Welt verkauft hat, und wird damit selbst zum Subjekt ihrer sündigen Kunst, oder er wird systematisch alles zerstören, was sie sich aufgebaut hat. Er stand vor ihrer Tür, um sie zu vernichten. Doch als die Grenzen zwischen Erpressung und Besessenheit verschwimmen, sieht sich Kaya einer gefährlicheren Wahrheit gegenüber: Das größte Risiko ist nicht seine Rache, sondern ihr eigenes erwachendes Verlangen nach dem Mann, der geschworen hat, ihr Verderben zu sein.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
65
Rating
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Altersfreigabe
18+

BARAINEATER

Der Hörsaal war wie ein Grab. Professor Kaien Shin war der dunkle Engel, der darüber herrschte. Er lehrte nicht einfach. Er hielt Gericht über die Trümmer ihrer Vorurteile. Psychologie 404: Kognitive Dissonanz und existenzielle Wahl. Das Thema war wie ein Spiegel. Er zwang jeden seiner Studenten, hineinzusehen. Und sie hassten das, was sie dort erblickten.

Er lehnte am kalten Rand des Mahagonischreibtischs. Seine Arme waren über der Brust verschränkt. Diese Brust war zu breit und zu muskulös für einen Mann, der mit Theorien handelte. Ein einfaches schwarzes Henley-Shirt spannte sich über seinen Oberkörper. Die Ärmel hatte er bis zu den Ellbogen hochgeschoben. Sie gaben den Blick auf sehnige Unterarme frei. Dunkle, komplizierte Tattoos schlängelten sich von seinen Handgelenken nach oben und verschwanden unter dem Stoff. Die meisten Professoren sahen aus, als gehörten sie hinter einen Stapel Bücher. Shin sah aus, als käme er gerade aus einem Kampf, der ihm verdammt viel Spaß gemacht hatte.

„Der weit verbreitete Irrglaube ist“, seine Stimme schnitt durch die sterile Luft, tief und ohne jede Wärme, „dass eure Entscheidungen eure eigenen sind. Das sind sie nicht. Sie sind Gespenster. Geformt werden sie durch chemische Impulse, soziale Konditionierung und das verzweifelte, erbärmliche Bedürfnis zu glauben, dass euer Leben einen Sinn hat.“

Ein junger Mann in der zweiten Reihe hob die Hand. Er war viel zu selbstbewusst. „Aber was ist mit dem freien Willen? Die Texte für diese Woche sagen doch—–“

„Die Texte für diese Woche sagen aus, dass der Autor veröffentlichen musste, um seine Stelle zu behalten“, unterbrach ihn Shin. Er sah ihn nicht einmal an. Sein Blick schweifte durch den Raum. Er sah keine Menschen, sondern nur eine Sammlung von vorhersehbaren Reaktionen. „Er hatte Erfolg. Ihr aber bleibt mit einem hübsch verpackten Denkfehler zurück. Der freie Wille ist nur eine Geschichte. Das Bewusstsein erzählt sie sich selbst, um die Taten des Tieres zu rechtfertigen. Es ist ein Größenwahn. Nächste Frage. Falls ihr eine habt, die den Sauerstoff wert ist, den man zum Fragen braucht.“

Ein nervöses Kichern ging durch einen Teil des Raumes. Die anderen saßen in fassungslosem, beleidigtem Schweigen da. Das war sein Ruf in Person. Brillant. Viel veröffentlicht. Respektiert. Und absolut, gnadenlos düster.

Eine Frau mit bunt gefärbten Haaren wagte es, ohne Erlaubnis zu sprechen. „Sie sagen also, wir sind nur… biologische Roboter? Es gibt keinen Sinn?“

Endlich sah er sie an. Seine Augen hatten die Farbe von poliertem Schiefer. Sie strahlten kein Licht aus. „Ich sage, dass die Suche nach dem Sinn die Hauptquelle eures Unglücks ist. Hört auf zu suchen. Akzeptiert die Maschinerie. Dann werdet ihr weniger enttäuscht sein.“ Er drückte sich vom Schreibtisch ab. Er ging zur Mitte der Bühne. Seine Bewegungen waren flüssig und raubtierhaft. „Eure Aufgabe ist es nicht, einen Sinn zu finden. Ihr sollt drei Momente in dieser Woche finden, in denen ihr euch selbst belogen habt. Nur um euer zerbrechliches Selbstbild zu schützen. Ich will, dass ihr die Lüge zerlegt. Ich will, dass ihr ihre Bitterkeit schmeckt. Dann fangt ihr vielleicht an, das Thema überhaupt zu verstehen.“

Die Wanduhr schlug zur vollen Stunde. Ein gemeinsames, fast unhörbares Seufzen der Erleichterung ging durch die Reihen der Studenten.

„Der Kurs ist beendet“, sagte er. Er drehte ihnen den Rücken zu, um die Tafel zu wischen. Das war ein klarer und brutaler Rauswurf. „Versucht, euch auf dem Weg nach draußen nicht gegenseitig mit eurem Optimismus anzustecken.“

Sie strömten schnell hinaus und flüsterten in Gruppen. Er konnte ihr Getuschel auf seiner Haut spüren, wie eine körperliche Berührung. Es war eine Mischung aus Ehrfurcht, Groll und Erregung. Er wusste, dass sie ihn anziehend fanden. Die düstere Männlichkeit, der gefährliche Verstand. Die unnahbare Art eines Mannes, der eindeutig durch das Feuer gegangen war. Er war davon geschmiedet worden, nicht nur gewärmt.

Er fand es einfach nur öde.

Sie waren wie Kinder im Sandkasten. Sie dachten, sie verstünden den Ozean, nur weil ihre Füße nass geworden waren. Sie wussten nichts von echter Dunkelheit. Nichts von den Entscheidungen, die einen Menschen von innen heraus aushöhlen. Bis man nur noch eine leere Hülle ist, die nach reinster, kalter Logik funktioniert.

Die Tür klickte ins Schloss. Er blieb in der plötzlichen, tiefen Stille des leeren Saals zurück. Er stand lange dort, allein in der Weite. Der Auftritt war vorbei. Die Maske des scharfsinnigen, sarkastischen Professors war eine Rolle. Er spielte sie mit höchster Präzision. Es war ein Käfig aus Verstand, den er sich jeden Tag selbst baute.

Es war der einzige Käfig, in dem er zu leben bereit war. Der andere Käfig bestand aus Tinte, Blut und Erinnerung. Er hielt ihn fest verschlossen. Wie eine Schlange, die sich seine Wirbelsäule hochwand und wartete.