Feral Heart

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Zusammenfassung

Sophia Romanova überquert einen Ozean im Glauben, endlich dem Leben entkommen zu sein, das versuchte, sie zu brechen. Ein Vollstipendium an der Everwyn University verspricht Freiheit, Unabhängigkeit und eine Zukunft, die ganz allein ihr gehört. Stattdessen läuft sie geradewegs in eine Welt, die es eigentlich nicht geben dürfte. Seabrook Haven verbirgt gefährliche Wahrheiten unter seinem ruhigen Küstencharme. Wölfe regieren aus den Schatten, uralte Blutlinien hüten zerbrechliche Allianzen, und Dominic Crawford — mächtig, provokant und unmöglich zu ignorieren — behauptet, sie gehöre an seine Seite. Doch Sophias Ankunft war niemals ein Zufall. Etwas viel Älteres hat bereits auf sie gewartet. Als ein rücksichtsloser Vampir beginnt, die in ihrem Blut verborgene Magie zu jagen, gerät Sophia ins Zentrum eines Konflikts, der die gesamte übernatürliche Welt neu formen könnte. Vertrauen wird brüchig, Feinde rücken näher, und das Überleben fordert Entscheidungen, von denen sie sich vielleicht nie wieder erholen wird. Denn das Schicksal gewährt Macht niemals ohne einen Preis. Und manche Erwachen verändern weit mehr als nur die Bestimmung.

Genre:
Romance
Autor:
Stasiya
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
35
Rating
4.7 11 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Zulassungsbescheid

Ich saß auf meiner Bettkante. Die Tür hinter mir war abgeschlossen. Der braune Umschlag lag schwer in meinem Schoß. Seine Ecken waren von der Reise über den Ozean ganz zerfranst. In der Mitte breitete ein goldener Phönix seine Flügel aus. Er schimmerte wie eingefangenes Feuer auf dem Papier. Darüber standen in fetten schwarzen Buchstaben ein Name, den ich monatelang nur geflüstert hatte: Everwyn University.

Im Zimmer war es totenstill. In jeder Ecke stapelten sich Teile meines Lebens. Auf dem Schreibtisch lagen Romane. Ihre Buchrücken waren vom vielen Lesen in späten Nächten rissig. Auf dem Fensterbrett stand ein Foto von Dianna und mir. Ihr wildes Grinsen spiegelte meins wider. Es sah aus, als könnte uns nichts auf der Welt etwas anhaben. In der Ecke lagen meine Laufschuhe. Die Sohlen waren dünn gelaufen von all den Meilen, die sich früher so sinnvoll anfühlten. Ein Volleyballpokal für den ersten Platz fing das Nachmittagslicht ein. Er glänzte wie ein Beweis für das Mädchen, das fest an den Sieg geglaubt hatte.

Alles sah so eindeutig nach mir aus. Kleine Siege, ein stilles Chaos, ein Leben mitten in der Bewegung.

Nichts davon war jetzt noch wichtig.

Ich fuhr mit zitternden Fingern über das Siegel. Mein Herz hämmerte wie wild. Der Umschlag fühlte sich lebendig an.

Ein leises Knacken, und das Siegel gab nach. Die Tinte stieg wie Rauch vom Papier auf. Sie kräuselte sich in meine Richtung, während ich den Brief auseinanderfaltete.

„Sehr geehrte Sophia Romanova,

Sie wurden an unserer Institution, der Everwyn University, angenommen. Wir freuen uns, Ihnen ein Vollstipendium inklusive Unterkunft auf dem Campus anbieten zu können.“

Angenommen. Das Wort verschwamm vor meinen Augen. Ich las es noch einmal, diesmal langsamer, und lieĂź es auf mich wirken.

„Angenommen… wirklich?“ Meine Stimme zitterte. „Passiert das… gerade wirklich?“

Ein Lachen brach aus meiner Brust hervor – schrill und ungläubig. Ich riss die Arme in die Luft. Für einen schwindelerregenden Moment war alles andere egal. Dieses Haus, diese Stadt und der lange Schatten meiner Familie konnten mir nichts mehr anhaben.

Ich hatte mich in Büchern vergraben, im Sport, in jeder Auszeichnung, die ich kriegen konnte. Es war, als könnte ich mir damit meine Freiheit erkaufen. Jetzt hielt ich die Fahrkarte dorthin in meinen Händen.

Aber die Freiheit hatte ihren Preis.

Dianna zurückzulassen fühlte sich schrecklich an. Sie war der einzige Mensch, der diese Stadt erträglich machte. Sie passte mit ihrem eigenen Chaos perfekt zu meinem. Ihr tiefes, ansteckendes Lachen verfolgte mich sogar in diesem Moment des Triumphs. Konnte ich sie wirklich verlassen und mich trotzdem noch ganz fühlen?

Das Postskriptum fiel mir ins Auge:

„P.S. Die Reisekosten wurden übernommen. Weitere Details liegen bei. Sie können mir später danken. —Dekanin Talia McStruce“

Großzügig. Seltsam. Vielleicht sogar gefährlich. Meine Brust wurde eng. Die Aufregung vermischte sich mit Unbehagen. Everwyn war nicht irgendeine Universität. Man munkelte von Wunderkindern und Studenten, die die Regeln der Normalität sprengten. Und irgendwie sollte ich nun eine von ihnen sein.

Von unten drang ein lautes Knallen herauf. Mein Körper spannte sich an, alte Instinkte wurden wach. Die Stimme meiner Mutter – schnell und scharf – schnitt durch die Luft. Ihre Absätze klackerten über das Parkett. Ein gemurmelter Fluch folgte: „Ugh, diese Bitch kann einfach nie ihr Maul halten.“

Die Erinnerung traf mich wie ein Schlag: Ich war sieben Jahre alt und hielt eine Mathearbeit mit einer glatten Eins in der Hand.

„Mama! Schau mal! Ich habe die beste Note!“

Ihr Blick blieb kühl. „Gut. Hast du abgewaschen?“

„Ich… ich hab es vergessen…“

„Wie der Vater, so die Tochter“, sagte sie und drehte sich ab. „Nutzlos.“

Die Lektion war klar gewesen: Perfektion war nie genug. Manchmal waren es Fäuste, manchmal Gürtel – es war immer unberechenbar. Mein Vater versuchte einmal, sie zu stoppen. Seine Stimme brach wie Glas: „Hör auf! Um Gottes Willen, hör auf!“ Aber sie hörte ihn nicht.

Tränen ließen die Tinte in meinem Schoß verschwimmen. Ich wischte sie weg und zwang mich, mich wieder auf den Brief zu konzentrieren.

Auf der nächsten Seite stand das Credo von Everwyn. Die Worte waren in blutroter Tinte geschrieben:

Hic fatum tuum invenies. Hier wirst du dein Schicksal finden.

Hic te ipsum invenies. Hier wirst du dich selbst finden.

Ich flüsterte das Latein vor mich hin und ließ mir die Worte auf der Zunge zergehen. Ein Pulsieren unter meiner Haut antwortete darauf. Dort draußen wartete etwas auf mich, jenseits der Welt, die ich kannte. Etwas Gefährliches. Etwas Aufregendes.

Ich wusste nicht, was ich finden wĂĽrde. Ich wusste auch nicht, wer ich sein wĂĽrde, wenn ich nicht mehr im Ăśberlebensmodus war. Bisher musste ich jedes Wort, jede Bewegung und jeden Atemzug genau berechnen. Die Ungewissheit machte mir fast genauso viel Angst, wie sie mich begeisterte.

Ich blätterte um. Abreise – 29. August. Morgen. Mein Flug war bereits gebucht.

Die Worte trafen mich mit voller Wucht. Everwyn erwartete offensichtlich von seinen Studenten, dass sie unter Druck funktionierten. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartete.

Der Phönix auf dem Umschlag glänzte, als ich ihn an meine Brust drückte. Er versprach mir eines: die Chance, wie Phönix aus der Asche aufzuerstehen.