Berauschende Dunkelheit

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Zusammenfassung

Er stieß sich mit einer jähen, ruckartigen Bewegung von ihr ab und zerrte sie so mühelos hoch, als wöge sie nichts. Ihr zerfetztes Shirt rutschte ihr von den Schultern und fiel zu Boden – ein nutzloser Lappen, der nur noch an ihren Handgelenken hing. Sie stand halbnackt vor ihm, das Haar zerzaust, die Haut gerötet, ihre Brust hob und senkte sich in unregelmäßigen Wellen. Sie bedeckte sich nicht. Sie zuckte nicht zurück. Sie hatte schon lange vor ihm aufgehört, sich zu sorgen. Vielleicht war das der Grund, warum sie noch immer stand – vielleicht war das der Grund, warum sie ihm gehörte. *Er fand eine Puppe, die bereits zerbrochen war. Ein stilles, hohles Wesen, das in seinen Wahnsinn starrte, ohne mit der Wimper zu zucken. Er hätte sie vollkommen zerstören sollen. Stattdessen machte er sie zu seiner.* Zim, ein Psychopath, der Gewalt wie eine zweite Haut trägt, regiert sein blutiges Imperium mit einem Lachen und einem Abzugsfinger. Er ernährt sich von Angst, doch sie schenkt ihm nichts. Kira ist eine stumme, unerschütterliche Puppe; ihre Augen bergen eine Leere, tiefer als alles, was er je gekannt hat. Sie ist ein Rätsel, das er nicht lösen kann, ein Opfer, das keine Angst ausstrahlt. Seine Besessenheit wird zu einem gefährlichen Spiel. Er drangsaliert sie, bedroht sie, umgibt sie mit dem blanken Horror – alles nur, um einen Schrei aus ihr herauszulocken, der niemals kommt. Bis zu dem Tag, an dem seine eigene Gewalt ihn einholt: Eine Kugel, bestimmt für sein Herz. Und seine Puppe bewegt sich. Sie wirft sich in die Flugbahn des Schusses und nimmt seinen Wahnsinn und seine Kugel entgegen, ohne einen Laut von sich zu geben. Als sie fällt, erkennt Zim die Wahrheit: Er hat sie nicht zerbrochen. Sie hat ihn zerbrochen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
62
Rating
5.0 6 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

MENACE

Die Hotelhalle war für Mitternacht viel zu ruhig. Ein Kronleuchter glitzerte wie eine Perle von der Decke. Die Samtsofas standen ordentlich in Reih und Glied. Der Marmor war so sauber poliert, dass man ihn hätte ablecken können. Es war ein Ort, an dem Reichtum Seriosität vortäuschte. Zim hasste Seriosität.

Er stieß die Glastüren mit dem Absatz seines Stiefels auf. Die Nachtluft klebte an seiner Lederjacke und brachte den Geruch von Regen und Abgasen mit. Drinnen roch es nach Politur und Parfüm. Seine Gang folgte ihm – ein halbes Dutzend Männer, grob gekleidet, aber nicht schlampig. Sie hatten Pistolen unter den Mänteln und Macheten in den Gürteln. Raubtiere, die so taten, als wären sie Hotelgäste.

Der Empfangschef am Tresen blickte auf. Sein halbes Lächeln erstarb, als er Zims Gesicht sah. Jeder in der Stadt kannte dieses Lächeln. Es war das falsche Lächeln. Ein Lächeln, das nicht in eine Lobby gehörte, sondern in ein Leichenschauhaus.

„Guten Abend, der Herr –“

Bumm.

Der Kopf des Mannes ruckte nach hinten. Er bespritzte die polierte Marmorwand mit etwas, das wie ein Klecks Farbe aussah. Zim kicherte. Sein leises Lachen wurde zu einem scharfen Bellen, das von den Kronleuchtern widerhallte.

„In der Tat, ein schöner Abend“, sagte er. Er stieg über die Leiche, als wäre sie nur eine Falte im Teppich. „Wo sind unsere Gastgeber? Wo steigt die Party?“

Seine Männer schwärmten wie Schatten aus. Der Rhythmus ihrer Stiefel war kontrolliert und eingespielt. Sie kannten das Prozedere. Sie kannten das Spiel. Zim musste keine Befehle geben; sein Wahnsinn war Anweisung genug.

Die rivalisierende Gang hatte sich für schlau gehalten. Sie hatten Kisten mit Zims Waffen gestohlen. Dann hatten sie sich in dieses Fünf-Sterne-Mausoleum aus Seidenteppichen und vergoldeten Wasserhähnen verkrochen. Sie hatten das Hotel in einen Bunker verwandelt, das Personal bestochen und sich hinter Schlafzimmertüren eingeschlossen. Die Gewehre hielten sie auf die Flure gerichtet.

Schlau. Aber schlau reichte nicht aus.

Zims Lachen schallte das Treppenhaus hinauf, noch bevor er oben war. Er schlenderte dahin, die Hände locker, den Revolver wie ein Spielzeug in der Hand. Als der erste Schuss von oben fiel, zerfetzte er eine Birne am Kronleuchter. Glassplitter regneten herab und schnitten in seine Jacke. Zim betrachtete die glitzernden Scherben auf seiner Schulter. Er klatschte in die Hände wie ein begeistertes Kind.

„Sie heißen uns willkommen!“, rief er mit glänzenden Augen. „Ist das nicht süß? Ist das nicht süß?“

Seine Männer schossen die Treppe hinauf. Kugeln schlugen in Putz, Holz und Fleisch ein. Ein Rivale stürzte die Stufen hinunter. Er hielt sich den Bauch und hinterließ eine rote Spur. Es sah aus wie ein roter Teppich, der für Zims Stiefel ausgerollt wurde.

Er trat dem Mann ins Gesicht, ohne nach unten zu sehen.

Zimmer für Zimmer, Stockwerk für Stockwerk wurde das Hotel zur Bühne. Die Rivalen schrien und versteckten sich hinter umgekippten Tischen. Zim trat Türen auf und lachte, während die Kugeln an seinen Ohren vorbeipfiffen. Ein Junge – kaum zwanzig, die Wangen zu glatt für das Geschäft – feuerte drei verzweifelte Schüsse ab. Dann klickte seine Waffe nur noch leer.

Zim ging in die Hocke und grinste. Er legte den Kopf schief, als würde er ein Gemälde bewundern. „Bang, bang, bang … oh, das war’s schon?“ Er zielte mit seinem Revolver auf die Knie des Jungen und drückte ab. Der Kleine brach schreiend zusammen. Zim klatschte wieder in die Hände, während die Pistole noch rauchte.

„Du singst ja für mich! Was für eine Stimme!“ Er jagte dem Jungen eine Kugel durch die Kehle. Dann drehte er sich weg, noch bevor die Leiche aufhörte zu zucken.

Blut floss über die Flurteppiche, über die cremefarbenen Tapeten und die Spiegel. Diese waren eigentlich für Parfüm und Perlen gedacht. Der Luxus des Hotels schluckte die Gewalt einfach herunter. Es war wie ein reicher Mann, der billigen Wein säuft.

Unten in der Lobby versuchten die Pagen zu fliehen. Einer schwang einen Ständer aus Messing nach Zim. Er zitterte so stark, dass die Stange gegen den Marmor krachte statt gegen Zims Kopf. Zim presste den Revolver an den Mund des Jungen. Er legte den Kopf schief wie ein neugieriger Forscher und drückte ab. Zähne und Blut spritzten wie feiner Nebel durch die Luft. Er wischte einen roten Fleck an der Jacke des Pagen ab und grinste seine Männer an.

„Hoppla. Falscher Knopf.“

Sie lachten nervös. Es war diese Art von Lachen, die bedeutete: Halt ihn bei Laune, oder du stirbst als Nächster.

Das Feuergefecht dauerte an. Die Gegner stürmten aus den Zimmern. Sie versuchten, durch Fenster zu springen oder die Feuertreppe zu erreichen. Jeder Versuch endete in Metall und Knochen. Eine Machete in der Brust. Eine Kugel im Rücken. Ein Stiefel auf der Wirbelsäule. Zims Männer waren effiziente Killer, aber Zim selbst war ein Künstler.

Er tötete nicht einfach nur. Er lieferte eine Show ab.

Ein Rivale versuchte, über die Festtafel zu kriechen, wobei Silberplatten zu Boden schepperten. Zim folgte ihm ganz gemütlich mit schwingendem Revolver. Er summte, als wäre er auf einer Abendgesellschaft. „Hühnchen, Rind, Schwein … ah, da ist ja das Schweinchen.“ Ein Schuss in den Hinterkopf, und das Gesicht des Mannes knallte in eine Platte mit halb gegessenem Steak. Zim lachte, bis ihm die Tränen in den Augen standen.

Gegen zwei Uhr morgens war das Hotel nur noch ein Kadaver. Rauch hing in der Luft. Der Geruch von Schießpulver saß in jeder Ecke. Aus den Einschusslöchern in den Wänden schien es zu bluten, und die Böden waren rot getränkt. Zim stand mitten in der Lobby. Sein Revolver war leer und seine Schultern bebten vor Lachen, das fast wie Schluchzen klang.

Seine Männer schleppten die Kisten mit den gestohlenen Waffen nach draußen. „Gefunden, Boss. Alles noch da.“

„Natürlich ist es das“, sagte Zim mit immer noch fröhlicher Stimme. Er legte den Revolver auf den Empfangstresen, wo die Leiche immer noch lag. „Seht ihr? Sie dachten, sie könnten sich zwischen Samt und Kronleuchtern vor mir verstecken. Aber Samt ist nur Stoff. Kronleuchter sind nur Glas. Und Fleisch …“ Er leckte sich über die Lippen. „… Fleisch ist nur totes Vieh.“

Die Männer tauschten Blicke aus, sagten aber nichts. Sie hatten das schon zu oft erlebt. Zim, wenn er wie ein Gott lachte. Zim, wenn er aus Leichen Witze machte.

Dann kam ein Ruf aus dem Treppenhaus. Eine Stimme, zögerlich und nervös.

„Boss …“

Zim drehte sich um. Das Grinsen war immer noch in sein Gesicht gemeißelt, aber sein Blick wurde scharf.

Zwei seiner Männer kamen die Treppe herunter. Sie schleiften etwas zwischen sich her. Keine Kiste. Keine Waffe. Eine Person. Klein, schmächtig und noch am Leben.

„Boss“, sagte einer von ihnen erneut. Er schubste die Gestalt nach vorne ins Licht.

Zims Grinsen wurde breiter. Seine Zähne schimmerten im Licht der kaputten Kronleuchter blutrot.