Kapitel 1
Anwen Cerys
Ich schreie den Songtext aus voller Kehle. Meine Stimme bricht dabei, aber das ist mir egal.
„So it’s gonna be forever, or it’s gonna go down in flames…“
Die Wüstenstraße verschluckt meine Stimme komplett. Durch die offenen Fenster meines Wagens wirft sie mir den Schall direkt wieder entgegen.
„Got a long list of ex-lovers, they’ll tell you I’m insane…“
Der Wind peitscht mir durchs Haar. Er wirbelt es wie einen Sturm um mein Gesicht, während ich im Rhythmus der Musik auf das Lenkrad trommle.
„But I got a blank space, baby… and I’ll write your name!“
Ich muss fast lachen und zwinkere meinem Spiegelbild im Rückspiegel zu. Ich tue so, als wäre ich ein Popstar auf der Bühne und nicht ein vierundzwanzigjähriges Mädchen im Nirgendwo.
Mein Auto ist völlig übertrieben – genau so, wie ich es mag. Es ist ein 1969er Ford Mustang, aber getunt. Außen ist er mattschwarz mit einer ordentlichen Portion Aggressivität. Innen ist er mit knallpinkem Leder ausgekleidet. Jeder Tankwart zieht dabei die Augenbrauen hoch. Das Armaturenbrett habe ich auch in glänzendem Pink folieren lassen. Warum auch nicht? Wenn ich schon quer durchs halbe Land fahre, dann mit Stil.
Die Sitze kleben in der Hitze ein wenig an meinen Oberschenkeln. In der Luft liegt ein leichter Vanilleduft von dem kleinen Anhänger, der an meinem Spiegel baumelt. Draußen gibt es jedoch nur Staub. Die Straße zieht sich endlos dahin. Ein zweispuriges Band schneidet durch rissige Erde und totes Gras. Keine Bäume, keine Häuser, keine Tankstellen weit und breit. Nur Hitzewellen steigen vom Asphalt auf und flimmern wie Geister.
Ich hatte diese Straße eigentlich nicht geplant, als ich meinen kleinen Solotrip startete. Aber ein paar Freunde, die ich unterwegs getroffen habe, schworen, dass dies der schnellste Weg zurück sei. „Vertrau uns“, sagten sie. „Du sparst Stunden.“
Stunden, die ich lebendig und singend hätte verbringen können. Aber im Moment frage ich mich, ob sie mich reingelegt haben.
Der Mustang hustet. Es ist ein scharfes, hässliches Geräusch. Es schneidet mitten durch Taylor Swifts Stimme, die aus meinen Lautsprechern dröhnt. Ich umklammere das Lenkrad fester.
„Wag es dich bloß nicht“, zische ich den Wagen an.
Der Motor stottert erneut und lässt das ganze Auto nach vorne rucken. Mir rutscht das Herz in die Hose, als die Tachonadel zittert und dann abfällt. Ich trete voll aufs Gas, aber das Pedal gibt einfach nach. Die Musik springt und verzerrt sich zu einem Kreischen, bevor die Lautsprecher komplett verstummen.
„Nein, nein, nein…“, murmele ich. Meine Knöchel werden weiß, während ich den Wagen auf den Seitenstreifen lenke. Die Räder knirschen auf dem Kies. Dann kommt das ganze Ding mit einem heftigen Schütteln zum Stillstand. Das letzte Keuchen des Motors vibriert durch meinen Körper, und dann herrscht Stille.
Nicht einfach nur Stille. Es ist eine schwere, erstickende Ruhe. Plötzlich wird mir bewusst, wie weit ich von allem weg bin.
Ich blicke mich um. Da ist nichts außer Staub und Himmel. Der Horizont ist leer und endlos. Die Straße selbst wirkt verlassen, rissig und kaputt. Als hätte selbst die Zeit vergessen, dass sie existiert.
Ich lehne meine Stirn gegen das Lenkrad und spüre das pinke Leder auf meiner Haut. „Perfekt“, flüstere ich bitter.
Eben noch die Freiheit eines Roadtrips genossen, jetzt im Nirgendwo gestrandet.
Und zum ersten Mal am Tag kriecht eine kalte Angst in mir hoch.
Ich stelle den Schalthebel auf Parken und schalte die Zündung aus, obwohl der Motor sowieso schon den Geist aufgegeben hat. In meiner Brust vibriert noch das Echo von Taylor Swift. Aber die Stille danach fühlt sich zu scharf an, zu schwer.
Okay. Atmen. Dad hat immer gesagt, wenn etwas passiert, soll ich zuerst die Reifen prüfen. Aber die sehen gut aus. Kein Platter. Kein Qualm. Nur die Motorhaube klappert, als würde sie an etwas ersticken.
„Toll“, murmele ich. „Genau das, was ich mitten in der Pampa brauche.“
Ich schlüpfe aus dem Wagen und knalle die Tür fester zu, als ich wollte. Mein Handy umklammere ich wie einen Rettungsanker. Die Luft draußen ist noch heißer als drinnen. Sie ist trocken und kratzig und riecht nach Staub und altem Asphalt.
Mein Outfit ist nicht gerade für eine Autopanne gemacht: kurze, ausgefranste Jeans-Hotpants, ein lila Tanktop und meine weißen Lieblings-Sneaker. Die sind überall mit Kritzeleien übersät – kleine schwarze Herzen, Sterne und Songtexte aus langweiligen Schulstunden. Meine Nägel sind noch in Kaugummi-Pink lackiert, aber der Lack splittert schon ab. Mein langes, dunkles Haar weht offen im Wind und verfängt sich an meinen glänzenden Lippen. Meine haselnussbraunen Augen brennen von der Sonne. Ich lege den Kopf in den Nacken und halte mein Handy hoch. Vielleicht zeigt der Himmel ja aus Mitleid einen Balken Empfang an.
Nichts. Zero Empfang. Nicht mal der Hauch eines Balkens.
„Willst du mich verarschen?“ Ich halte das Handy noch höher, stelle mich auf die Zehenspitzen und drehe mich im Kreis. Nichts. Ich denke an Dad, an meine beste Freundin April und an Lucas – pfui, Lucas. Kurz stelle ich mir vor, wie jeder von ihnen rangeht und mich ihre Stimmen aus dieser Einöde retten.
Aber die Straße starrt mich nur an. Ein langer Streifen aus rissigem Grau, gesäumt von goldenem Unkraut und Hügeln, die kein Ende nehmen.
Und dann –
Bewegung.
Mein Magen zieht sich zusammen. Zuerst denke ich, es ist eine Täuschung durch die Hitze. Eine dieser Flimmer-Erscheinungen auf dem Asphalt. Aber nein. Dort hinten, wo die Straße hinter einer Kurve verschwindet, bewegt sich etwas. Ein Schatten. Eine Gestalt.
Da ist noch jemand.
Ich erstarre. Mein Arm ist immer noch dumm mit dem Handy nach oben gestreckt. Mein Herz klopft so fest, als wollte es allein weglaufen.
Ich bin nicht allein.
Der Schatten bewegt sich. Ich bin mir sicher. Er weicht zurück und verschwindet im Hitzeflimmern, als wüsste er, dass ich ihn beobachte. Mir schnürt sich die Kehle zu. Doch dann: die Rettung. Ein ferner Ton. Ein Auto. Erleichterung macht sich in mir breit. Ich könnte laut lachen. Endlich. Endlich jemand, der mir helfen kann.
Ich eile zur Straße und winke wie verrückt. Ich halte den Daumen raus wie in einem Klischee-Film. Der Wagen kommt näher, Staub wirbelt um seine Reifen. Meine Hoffnung steigt.
Aber der Fahrer legt sich nur auf die Hupe – ein kurzes, spöttisches Signal – und rast an mir vorbei, ohne langsamer zu werden.
Ich stehe einfach nur fassungslos da, während mir die Sonne auf den Kopf brennt. Das Geräusch verblasst. Es bleibt die gleiche Stille wie zuvor, nur fühlt sie sich jetzt schlimmer an. Als würde die Wüste mich auslachen.
„Echt jetzt?“ Meine Stimme bricht. „Was zum Teufel…“
Meine Haut kribbelt, mir wird gleichzeitig heiß und kalt. Dieses ungute Gefühl ist wieder da. Als würden mich Augen beobachten. Ich halte den Atem an und drehe mich langsam um. Ich scanne die Straße, den Sand und das ferne Flimmern.
Nichts. Nur mein Auto, das hilflos am Straßenrand hockt.
Vielleicht sollte ich zu Fuß weitergehen. Vielleicht kommt ja bald eine Tankstelle. Aber der Gedanke, mein Auto zu verlassen – meinen Schutzraum –, lässt mir den Magen umdrehen. Die Sonne würde mich bei lebendigem Leib rösten. Und noch schlimmer: Ich wäre da draußen schutzlos ausgeliefert.
Ich zwinge mich zurück zum Wagen, öffne die Kühlbox und schnappe mir eine Wasserflasche. Das Plastik ist herrlich kühl in meiner Hand. Ich trinke sie fast in einem Zug leer. Dann rutsche ich auf den Fahrersitz und beschließe, wenigstens das Verdeck zu schließen. Vielleicht fühle ich mich dann sicherer.
Ich drehe den Schlüssel. Der Motor hustet nur und stirbt wieder ab. Ich versuche es noch mal. Nichts. Das Verdeck bewegt sich keinen Millimeter, wenn der Motor nicht läuft.
Großartig. Einfach perfekt. Ich lehne mich zurück, die Flasche noch kalt in der Hand, während die Hitze von allen Seiten drückt.
Ich drehe den Schlüssel erneut. Nichts. Nicht mal das leiseste Knurren vom Motor.
Ich haue mit der flachen Hand aufs Lenkrad. „Komm schon, komm schon!“
Aber es ist zwecklos. Das Auto ist tot. Und ich sitze darin fest.
Dieses Gefühl schleicht sich wieder an mich heran. Dieses kribbelige, schwere Gefühl, beobachtet zu werden. Ich reiße den Kopf zur Windschutzscheibe herum, mein Herz hämmert gegen meine Rippen.
Und dann sehe ich es.
Weit unten auf der Straße ist eine Gestalt. Zuerst klein, dann größer, näher. Sie kommt direkt auf mich zu.
Ich erstarre.
Die Gestalt in der Ferne bewegt sich nicht normal. Sie schwankt, fast wie das Hitzeflimmern, aber dichter und dunkler. Mein Hals wird trocken. Ich umklammere die Wasserflasche, die ich gar nicht mehr öffne. Je länger ich starre, desto weniger kann ich erkennen, was es ist. Ein Mensch? Oder etwas anderes?
Die Sonne verwandelt die Welt in Luftspiegelungen. Aber diese Gestalt wirkt zu solide. Zu zielstrebig.
Mir läuft ein Schauer über den Rücken, obwohl mir der Schweiß runterläuft. Ich schwöre, ich spüre seine Blicke – nein, seine Aufmerksamkeit – auf meiner Haut. Ich kann nicht mehr aus dem Auto aussteigen. Ich schaffe es nicht. Wenn ich mich bewege, wird es mich bemerken.
Dann – Bewegung.
Hinter der ersten Gestalt taucht eine zweite auf. Ich erschrecke so sehr, dass mir der Atem stockt. Diese ist deutlicher, näher. Sie hat die Form einer Frau. Aber durch die Wüstenhitze wirkt ihr Umriss verschwommen und unwirklich. Mein Herz rast.
Ich fummle am Zündschloss herum, drehe den nutzlosen Schlüssel und flüstere dem Auto zu, als könnte es mich retten. Das Verdeck ist halb offen, die Luft kocht. Mit zitternden Händen drücke ich die Verriegelungsknöpfe runter. Die Gestalten kommen näher, ihre Umrisse werden schärfer.
Die Frau ist als Erste deutlich zu erkennen. Sie sieht aus wie Ende dreißig, vielleicht vierzig. Ihre Haut ist von der Sonne gebräunt. Ihr langes, schwarzes Haar ist locker im Nacken zusammengebunden, Strähnen wehen ihr um die Wangen. Sie trägt einen breitkrempigen Strohhut und ein luftiges rotes Sommerkleid mit weißen Blumen. Der Stoff bewegt sich im Wind, als würde sie hierher gehören, als wäre sie Teil der Hitze. Um ihren Hals hängt eine Kette aus alten, abgenutzten Perlen.
Der Mann folgt ihr. Er ist größer und breiter. Seine Schultern wirken schwer, seine Schritte sind langsamer und bedächtiger. Sein Hemd ist zugeknöpft, aber zerknittert. Die Ärmel sind bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, der Kragen ist dunkel von Schweiß. Er trägt einen gestutzten Bart, eine Sonnenbrille verbirgt seine Augen und der Hut sitzt tief. Er sieht aus wie ein Mann, der anpacken kann. Jemand, der einen Reifen mit bloßen Händen wechselt – oder genauso leicht etwas kaputt macht.
„Hallo!“ Die Frau winkt. Ihre Stimme klingt fröhlich und singend, was gar nicht zu diesem öden Ort passt. „Haben Sie eine Panne?“
Einen Moment lang muss ich fast lachen – eine hysterische Erleichterung macht sich breit. Meine Fantasie spielt mir üble Streiche. Erst dachte ich an einen Bären, dann an einen Tiger, der aus dem Dschungel entkommen ist und mich in der Wüste fressen will. Dann war ich sicher, von einem Landstreicher überfallen zu werden. Und jetzt sind es einfach nur – Leute. Echte, atmende, lächelnde Menschen.
Barmherzige Samariter.
Endlich atme ich aus.
Ich entspanne meine Schultern und zwinge mir ein Lachen ab, obwohl meine Handflächen noch feucht sind. „Er… er springt einfach nicht an.“
Das Strahlen der Frau wird noch breiter, während sie näher kommt. Der Mann hält Schritt. Ihre Zähne sind im grellen Licht so weiß, dass es fast wehtut. „Oh, da können wir helfen“, sagt sie herzlich. „Die Wüste ist kein Ort, um festzusitzen.“
Ihr Optimismus ist ansteckend, aber auch seltsam schwer. Er hängt zu lange in der Luft. Ich kann es nicht erklären, aber obwohl ich meine Hände lockere, verkrampft sich etwas in mir. Wie eine Geigensaite, die zu fest gespannt ist.
Sie bleiben an der Motorhaube stehen. Ihre Schatten fallen lang und ordentlich auf den Sand. „Ich bin Beatrice Mae“, sagt die Frau und legt sich leicht die Hand aufs Herz. Dann nickt sie dem Mann zu. „Und das ist mein Ehemann, Thomas John.“
Sie tauschen ein kurzes Lächeln aus – eine alte, eingespielte Geste. Ein Ehepaar, gesetzt und sicher, genau wie sie wirken. Trotzdem stört mich etwas an diesem Lächeln. Es wirkt einen Tick zu wissend, zu einstudiert.
Ich befeuchte meine Lippen und nicke. „Anwen Cerys“, bringe ich hervor.
In dem Moment, als ich meinen Namen sage, treffen sich ihre Blicke. Nicht mich sehen sie an – sondern einander. Wieder dieses Lächeln, diesmal subtiler. Wie ein Insider-Witz, den ich nicht verstehe. In meinem Magen macht sich ein flaues Gefühl breit.
Beatrice Mae lehnt sich näher ans Fenster. Ihre Augen glänzen vor Freude. „Nun denn, Anwen Cerys“, sagt sie. Mein voller Name klingt aus ihrem Mund wie eine Melodie. „Dann schauen wir uns den Wagen mal an. Und wenn er zu bockig ist, haben wir ganz in der Nähe eine Unterkunft. Da können Sie uns aus der Sonne folgen.“
Ihre Worte sind absolut freundlich. Absolut logisch. Aber ihre Fröhlichkeit liegt wie ein seltsames Parfüm in der Luft – süß, überwältigend und man bekommt kaum Luft, ohne zu husten. Ich nicke automatisch, obwohl sich unter meiner Haut Unbehagen breitmacht. Die Erleichterung ist doch nicht ganz da.
Die Art, wie sie bei meinem Namen lächeln, beunruhigt mich mehr als die Hitze oder die Stille. Es ist nicht wirklich freundlich. Es ist, als hätten sie gerade etwas bestätigt, ohne es auszusprechen. Meine Haut kribbelt. Plötzlich fühle ich mich hier im Auto sehr schutzlos.
Beatrices Lippen verziehen sich zu einem leichten, aber sicheren Lächeln. Als hätte sie mich erwartet. Thomas lächelt nicht so breit. Aber er kneift die Augen ein wenig zusammen und mustert mich, als würde er mich mit etwas vergleichen, das er schon kennt.
Ich sitze einen Moment lang starr da. Ihre Gesichter haben sich mir eingebrannt. In meinem Kopf jagen sich die Fragen. Warum sehen sie mich so an? Was könnte mein Name für sie bedeuten? Er ist nicht gerade gewöhnlich, aber auch nicht so seltsam, dass er so eine Reaktion rechtfertigt.
„Kommen Sie mit mir in den Schatten, gleich hier drüben“, sagt Beatrice. Ihre Stimme ist sanft, aber bestimmt, wie bei einer Lehrerin. Sie wartet meine Antwort gar nicht ab. Sie hat sich schon halb abgewandt, ihre Röcke streifen über die staubige Straße. „Thomas kümmert sich um alles und lässt die Werkstatt drüberschauen.“
Ich sehe Thomas unsicher an. Er lässt mich nicht aus den Augen, während er die Hand ausstreckt. Langsam sammle ich meine Sachen zusammen – Wasserflasche, Handy, Geldbeutel. Die Schlüssel klirren in meiner Hand. Ich zögere kurz, lege sie ihm dann aber doch in die geöffnete Hand.
„Ich zahle alles, was die Reparatur kostet“, sage ich. Ich will, dass er merkt, dass ich es ernst meine. Ich will kontrolliert wirken, obwohl ich es nicht bin. „Wissen Sie, was kaputt ist?“
Seine Finger schließen sich um die Schlüssel. „Wenn ich das Problem gefunden habe, weiß ich es.“ Die Art, wie er das sagt, macht mir Angst. Als hätte er schon eine Ahnung, wolle sie aber nicht verraten.
Mein Blick wandert von seinen hochgekrempelten Ärmeln zu ihrem Sommerkleid, ihrem ordentlichen Hut und ihrem Schmuck, der in der Sonne glänzt. Sie sehen nicht wie Mechaniker aus. Nicht im Geringsten. „Sind Sie… sicher?“, frage ich, bevor ich mich bremsen kann. „Sie wirken nicht gerade wie…“
„…wie der Typ dafür?“, beendet Beatrice meinen Satz. Ihr Lächeln wird so breit, dass man ihre Zähne sieht. „Das sind wir. Und wir haben andere, die helfen können.“
Die Art, wie sie wir sagt, liegt mir wie ein Stein im Magen.
Bevor ich antworten kann, bewegt sich hinter ihr etwas. Erst ist es wieder das Hitzeflimmern, dieser optische Trick der Wüste. Aber dann sehe ich sie: Gestalten, die Form annehmen. Mehrere Männer, schwarz gekleidet, die langsam die rissige Straße auf uns zukommen. Ihre Schritte sind gleichmäßig. Zu gleichmäßig.
Beatrice dreht sich nicht um. Das muss sie auch nicht. Ihre Hand wandert zu den Perlen an ihrem Hals. Die Bewegung ist ruhig, geübt, fast wie ein Ritual. „Da“, sagt sie leise, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet. Ihre Augen leuchten, als sie mich wieder ansehen. „Jetzt sind Sie in Sicherheit.“
Sicherheit. Das Wort kratzt in mir wie Sandpapier.
Zum ersten Mal heute wünschte ich, das Auto wäre einfach tot geblieben. Dann wüsste ich wenigstens, dass mich nur eine Maschine gefangen hält.