Kapitel 1
HALLO HÜBSCHER 1
Es fing an wie jeder andere Tag – mit dem Versuch, nicht schon wieder aus Mr. Austins Biologie-Kurs zu fliegen. Ich flitzte ins Badezimmer. Ich hoffte, in weniger als 45 Minuten fertig zu sein, bevor meine leicht reizbare Mitbewohnerin von ihrer Schicht im Café um die Ecke zurückkam.
Als ich aus dem Bad kam, wäre ich fast über den Berg Schmutzwäsche gestolpert. Die Klamotten bettelten schon seit Tagen darum, gewaschen zu werden.
Ich warf einen Blick auf die Uhr: noch dreißig Minuten. Wenn ich schnell ein passendes Outfit fände, könnte ich es noch schaffen. Schließlich konnte ich mir keinen weiteren Vortrag von Mr. Austin darüber leisten, dass ich „zu ablenkend“ sei.
Mal ehrlich, wie sehr können rote Haare und ein paar Piercings bitteschön ablenken? Ich entschied mich für eine weite Jeans und ein Tanktop. Dazu kombinierte ich einen sepiafarbenen Cardigan mit Karomuster, den meine Schwester mir zu Weihnachten geschenkt hatte.
Ich schlüpfte in meine Sneaker und betrachtete mein Spiegelbild. Mr. Austins Stimme echote in meinem Kopf: „Erscheinen Sie das nächste Mal weniger ablenkend in meinem Unterricht, Miss Williams.“ Alter Sack.
Ich band meine Haare zu einem Messy Bun zusammen, schnappte mir meine Tote Bag und mein Handy. Ein Blick auf die Uhr ließ mein Herz rasen.
„Scheiße, ich bin zu spät!“
Ich stürmte aus meinem Zimmer und stieß fast mit Jessie zusammen, meiner Mitbewohnerin. „Pass doch auf, Nila! Du hättest mich fast umgerannt!“, herrschte sie mich an.
„Tut mir leid!“, rief ich über die Schulter, während ich zur Bushaltestelle sprintete.
Der Wind peitschte mir ins Gesicht, während ich die Straße entlang rannte. Meine Sneaker knallten bei jedem eiligen Schritt auf das Pflaster. Ich konnte schon das ferne Brummen des Busses hören. Er würde in wenigen Minuten da sein.
Ich musste mich nicht einmal umsehen, um zu wissen, dass Jessie den Kopf schüttelte. Das tat sie immer, wenn ich solche Aktionen brachte.
„Reiß dich zusammen, Nila!“, murmelte ich vor mich hin und versuchte, mich auf meine Atmung zu konzentrieren.
Ich durfte nicht zulassen, dass Mr. Austins endlose Vorträge über angemessene Kleidung meine Note ruinierten. Bio war das einzige Fach, das mir wirklich Spaß machte. Ein weiterer Rauswurf war keine Option.
Der Bus quietschte genau in dem Moment zum Stillstand, als ich den Bordstein erreichte. Die Türen schwangen auf wie das Maul eines hungrigen Biests. Ich stieg ein und hielt nach einem freien Platz Ausschau, während ich meinen Studentenausweis zum Bezahlen herauskramte.
Mir sank das Herz in die Hose. Der hintere Teil des Busses war voller bekannter Gesichter. Und mittendrin saß Ricky, mein Crush aus Angewandter Physik.
„Hey, Nila!“, rief er und winkte mich zu sich. In meinem Bauch flatterte es – halb wegen seiner Nähe und halb wegen der Panik, zu spät zu kommen.
„Hey!“, antwortete ich, zwang mir ein Lächeln ab und drängelte mich durch die Menge. Ich quetschte mich auf den Sitz neben ihn und versuchte, locker zu wirken, obwohl mir die Hitze in die Wangen schoss.
„Harter Morgen?“, fragte Ricky mit neugierig blitzenden Augen. Er war gar nicht so einschüchternd, wie ich immer dachte. Er trug ein verwaschenes Shirt mit Grafikprint und seine zotteligen Haare fielen ihm lässig in die Stirn.
„Nur das übliche Chaos“, sagte ich und versuchte, meinen verkorksten Start in den Tag herunterzuspielen. „Du glaubst gar nicht, was für ein Durcheinander das war.“
Er lachte leise und warm, was mein Herz nur noch schneller schlagen ließ. „Na ja, du hast es ja geschafft. Du siehst übrigens toll aus.“
„Danke“, brachte ich hervor und hoffte, dass mein Gesicht nicht so rot war, wie es sich anfühlte. Bevor ich mehr sagen konnte, fuhr der Bus über eine Bodenwelle und ich kippte fast gegen ihn. Instinktiv hielt ich mich an seinem Arm fest, um das Gleichgewicht zu halten. Dabei stieß meine andere Hand gegen seinen Rucksack.
Toll. Ganz toll.
Er zog eine Braue hoch und ich spürte, wie die Peinlichkeit in mir hochkroch. „Sorry!“, platzte es aus mir heraus, während ich schnell meine Hand zurückzog. „Normalerweise bin ich nicht so... tollpatschig.“
„Schon gut“, sagte er mit einem breiten Grinsen. „Besser als das Mal, als ich ein Mädchen beeindrucken wollte und direkt vor ihren Augen über meine eigenen Füße gestolpert bin.“
Ich musste loslachen, bevor ich es unterdrücken konnte. Das Geräusch schien die angespannte Luft zu lockern. „Das ist ein Klassiker“, neckte ich ihn. Ein Teil meiner Nervosität verflog, während wir uns anlächelten.
Der Bus rumpelte weiter und bald kam die Universität in Sicht. Studenten wuselten herum; manche rannten zum Unterricht, während andere herumlungerten, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Ein flaues Gefühl im Magen kehrte zurück – was, wenn ich wirklich zu spät war? Ich konnte nur hoffen, dass Mr. Austin der Klasse den Rücken zugedreht hatte und meine Verspätung nicht bemerkte.
Als der Bus anhielt, wandte ich mich an Ricky. Die Worte sprudelten aus mir heraus: „Vielleicht sehe ich dich ja nachher?“
„Definitiv“, sagte er und stand schon auf, als die Türen aufgingen. „Vielleicht kannst du mir später bei dem Bio-Projekt helfen?“
Ich blinzelte einen Moment lang fassungslos, bevor ich nickte und versuchte, cool zu wirken. „Ja, klingt gut.“
Ich sah ihm nach, wie er voranging. Dann blickte ich wieder auf mein Handy und die Panik stieg auf.
„Mist!“, rief ich und schlängelte mich durch die Studentenmenge. Das Gebäude, in dem mein Kurs stattfand, lag direkt vor mir.
Ich hielt kurz inne, um zu Atem zu kommen. Das Geräusch von Geplapper und Lachen drang nach draußen und ich spähte durch das Fenster.
Amanda, meine beste Freundin, entdeckte mich und winkte enthusiastisch. Man sah ihr an, dass sie sich Sorgen wegen meiner Verspätung machte. Ich schenkte ihr ein verlegenes Lächeln, das so viel hieß wie: „Nicht meine Schuld“, während mein Blick auf Mr. Austin vorn im Raum fiel.
Da er der Klasse den Rücken zugekehrt hatte, sah ich meine Chance, mich unbemerkt hineinzuschleichen.
Ich schlich in den Raum und ging auf Zehenspitzen, in der Hoffnung, dass das Geräusch meiner Schuhe mich nicht verraten würde. Unterdrücktes Lachen meiner Mitschüler war zu hören; alle Augen waren auf mich gerichtet.
Nur noch drei Schritte, dann hätte ich es geschafft. Amanda hielt sich die Hand vor den Mund. Ihre blauen Augen waren voller Sorge, während sie mein Dilemma beobachtete.
„Äh, entschuldigen Sie bitte, junge Dame“, rief eine Stimme, die mich wie angewurzelt stehen bleiben ließ.
Ich sah in die Gesichter um mich herum. Jedes einzelne war verzerrt von einer Mischung aus Belustigung und Missbilligung. Es war klar: Ich steckte in gewaltigen Schwierigkeiten. Mein Plan, mich unbemerkt reinzuschleichen, war gründlich in die Hose gegangen.
Langsam drehte ich mich um, die Augen fest geschlossen. Ich holte tief Luft, öffnete sie und starrte in ein fremdes, aber absolut umwerfendes Gesicht.
„Fuck“, murmelte ich laut, bevor mir klar wurde, was ich da sagte. Das löste eine Welle von Gelächter bei den anderen aus. Vor lauter Scham hielt ich mir sofort die Hand vor den Mund.
Wer war dieser unglaublich gutaussehende Mann mit den lebhaften, mandelförmigen Augen? Und wo war der kahlköpfige, mürrische Mr. Austin, an den ich mich gewöhnt hatte?
„So sehr ich unkonzentrierte Studenten auch ablehne, mein größtes Ärgernis ist Unpünktlichkeit“, sagte er. Seine Stimme klang rau und doch seltsam anziehend, wie Musik, die einen in den Bann zieht.
„Es tut mir leid...“, stammelte ich mit kaum hörbarer Stimme.
Seine Augen fixierten meine für einen Moment, was meinen Magen vor Nervosität kribbeln ließ. Er war unbestreitbar attraktiv und dazu noch wahnsinnig jung.
„Da dies mein erstes Mal ist, dass ich diesen Kurs in Mr. Austins Abwesenheit leite, lasse ich es heute als Warnung durchgehen. Lassen Sie das nicht noch einmal vorkommen“, sagte er bestimmt. „Und jetzt setzen Sie sich bitte.“
Ich drehte ihm den Rücken zu und ging zu Amandas Platz. Sie sah mich mit einem schelmischen Ausdruck an. Ihr Blick sagte: „Du hast so ein Glück“, während sie auf ihrem Stuhl rutschte, um Platz für mich zu machen.
Mr. Handsome – wie ich ihn getauft hatte, da ich seinen Namen noch nicht kannte – kehrte zu seinem Vortrag zurück. Bei jedem Wort, das er sprach, musste ich unwillkürlich lächeln.
„Du sabberst ja fast, Nila“, flüsterte Amanda und gab mir einen sanften Stoß.
„Ich konzentriere mich nur auf den Unterricht“, log ich, obwohl mein Blick an dem unbestreitbar attraktiven Professor hängen blieb. In meinem Kopf drehte sich alles darum, was diese verlockenden Lippen wohl alles anstellen könnten.
„Du willst ihn flachlegen, oder?“, sagte Amanda ganz direkt.
„Amanda!“, zischte ich ihr fast flüsternd zu und kicherte dabei.
Mr. Handsomes Aufmerksamkeit lag nun voll auf mir, als er kurz innehielt. Seine markanten Augen machten meine Pussy feucht. Ich biss mir spielerisch auf die Unterlippe und wandte absichtlich den Blick ab.
„Hör auf, ihn abzulenken“, flüsterte Amanda erneut.
„Was glaubst du, wie lang sein... na ja, du weißt schon... ist?“, fragte ich und zwirbelte eine Strähne meines Knotens.
Amanda kicherte. Unser Lachen zog die Aufmerksamkeit der Studenten in der ersten Reihe auf uns, die sich umdrehten und uns böse ansahen. Das brachte uns nur noch mehr zum Lachen.
„Sie da.“
Mr. Handsome zeigte direkt auf mich. Mir sank das Herz in die Hose. Ich tauschte einen erschrockenen Blick mit Amanda aus, die nur mit den Schultern zuckte.
„Ja?“
„Aufstehen“, befahl er. „Möchten Sie der ganzen Klasse mitteilen, was Sie so amüsant finden, dass Sie meinen Unterricht stören?“
Ich biss mir auf die Unterlippe, zuckte mit den Schultern und stand mit unschuldiger Miene da. Er beendete die Stunde und packte seinen Laptop ein. „Das war's für heute“, verkündete er den Studenten, bevor er sich wieder mir widmete.
„In mein Büro. Sofort.“
Ich trottete hinter ihm her und tippte konzentriert auf meinem Handy eine Nachricht an Amanda. „Ich schätze, ich werde die Erste sein, die erfährt, wie lang sein Schwanz ist“, tippte ich mit einem Lächeln.
„Nila, du verdammte Schlampe“, schrieb sie zurück. „Trau dich bloß nicht!“
„Ach komm schon, glaubst du, er ist gut im Bett? Wie lange kann er mich wohl so richtig hart ficken?“, tippte ich zurück, während ein schelmisches Grinsen über meine Lippen huschte.
„Ich tippe auf dreißig Minuten“, antwortete Amanda.
„Ich glaube, er ist ein Typ für eine ganze Stunde. Komm schon, trau ihm mal was zu. Ich will unbedingt seine Zunge zwischen meinen Beinen spüren... Ich bin verdammt nass, Amanda“, tippte ich.
Als wir an seinem Büro ankamen, holte er seine Schlüssel heraus, schloss auf und warf seinen Laptop aufs Sofa. Mit einer schnellen Bewegung nahm er mir mein Handy weg. Panisch versuchte ich, es mir zurückzuschnappen, aber es war zu spät.
Während er durch meine Nachrichten mit Amanda scrollte, packte mich die nackte Angst.
Verdammt noch mal. Er las gerade meinen Chat mit Amanda. Das war absolut nicht so geplant. Ich bin geliefert.