The Boy from the other side

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Zusammenfassung

Ava will an Halloween einfach nur ihre Ruhe. Keine Kostüme, keine Partys, keine überdrehten Geistergeschichten. Doch als sie auf dem staubigen Dachboden ein altes Ouija-Brett entdeckt und – halb aus Langeweile, halb aus Neugier – eine Verbindung zur anderen Seite wagt, verändert sich alles. Ein Name erscheint. Eine Präsenz erwacht. Und in den Spiegeln ihres Hauses beginnt ein blasser Junge aufzutauchen – mit traurigen Augen und einer Geschichte, die tief im Nebel der Vergangenheit verborgen liegt. Sein Name ist Eli. Er ist tot. Und er ist real. Zwischen Kerzenlicht, Mitternachtsgesprächen und flüchtigen Berührungen wächst etwas zwischen ihnen, das sich wie Liebe anfühlt – bittersüß, gefährlich und nicht von dieser Welt. Doch je näher sich Ava und Eli kommen, desto brüchiger wird die Grenze zwischen Leben und Tod. Schatten strecken ihre Finger aus, alte Wunden reißen auf, und eine dunkle Wahrheit beginnt sich zu entfalten: über Eli, über sein Schicksal – und über das, was er nie hätte vergessen dürfen. Als sich alles zuspitzt, steht Ava vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Kann sie ihn retten? Oder muss sie lernen, loszulassen? Eine paranormale Liebesgeschichte voller Atmosphäre, Gänsehaut und Herzklopfen – über das, was uns verbindet, auch wenn Welten zwischen uns liegen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
15
Rating
3.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
13+

PROLOG

Der Mond hing silbern am Himmel, so hell und klar, dass er die Schatten in meinem Zimmer zum Leben erweckte. Ich saß allein auf meinem Bett, das alte Ouija-Brett vor mir, und spürte, wie mein Herz gegen meine Rippen klopfte. Warum tat ich das? Ich wollte doch nur Gesellschaft an Halloween — nicht mein Herz verlieren.

Das Bretterquadrat mit seinen Buchstaben sah aus, als hätte es jemand vor Jahrzehnten vergessen und dann verstauben lassen. Dachten sie jemals, dass jemand sie eines Tages wieder benutzen würde? Ich strich mit der Fingerspitze über das Holz, ließ meine Gedanken los. Ich wollte nur einen kleinen Spaß. Vielleicht sollte ich es lassen — aber ich konnte nicht. Nicht heute.

Meine Finger ruhten auf dem Zeiger, und ich atmete tief ein. Der Raum war still. Zu still. Dann flüsterte ich: »Ist jemand da?«

Ich erwartete nichts — keine Antwort, kein Ton, kein «Ja», kein «Nein». Nur leises Knarren im Haus, Wind, der gegen die Fenster schlug. Doch dann, eine Bewegung. Leicht. Der Zeiger zitterte. Ich schloss die Augen, hielt den Atem an.

Es glitt über das Brett, langsam, aber bestimmt: E – L – I. Drei Buchstaben. Dreimal schlug mein Herz. Gibt es dich wirklich? fragte ich stumm. Der Zeiger verharrte bei I, dann bewegte es sich weiter: V – E. »Elive?« Ich runzelte die Stirn. War das ein kompletter Name oder ein Unfall? Ich lag falsch. Es ging weiter: N – D. »Elivend?« Ich machte einen Laut, wollte abbrechen, wollte das Spiel beenden. Doch der Zeiger glitt weiter: I – A – R. »Elivendiar?« Nein. Ich hob den Blick, sah mich um. Für einen Moment war der Raum dunkel, dann fiel Licht — ein Schimmer — auf das Brett. Der Zeiger blieb stockend stehen. Ich traute mich kaum zu atmen.

Langsam löste ich meine Finger. Das Brett lag reglos da. In meinem Kopf hallte das Wort: Elivendiar. Ich schüttelte den Kopf. Es war verblasst, flüchtig, als hätte es schon nicht existiert. War es ein Scherz des Windes? Ein Streich meiner Einbildung? Doch mein Herz schlug zu laut, um mich zu beruhigen.

Ich stand auf, ging zum Fenster. Der Mond stand hoch, streng beleuchtete die Bäume draußen. Ein kalter Schleier legte sich auf die Welt. Ich sah in die Nacht hinaus — und glaubte,

Schattenbewegungen zu erkennen, dort, wo kein Mensch sein konnte. Ich rieb mir die Augen — nichts. Nur mein eigener Atem, sichtbar in der kühlen Luft.

Die Nacht war nicht mein Freund. Nicht heute.

Ich kehrte zurück zum Bett und starrte auf das Ouija-Brett, als es mich anlachte. Ich wusste nicht, ob es eine Einladung war oder eine Warnung. Aber irgendetwas zog mich tiefer. Ich wollte Antworten. Ich wollte wissen, ob mein Herz bereit war, eine Brücke in eine Welt zu schlagen, die nicht mehr weiß, was Leben ist.

Der Zeiger rüttelte erneut — ganz leicht. Ich sprang zurück, Herz rast. Doch diesmal blieb er nicht bei einem einzigen Buchstaben. Er hielt an allen. Ich erkannte das vertraute Alphabet: A bis Z. Dann, plötzlich, ein neues Wort. Nicht mit klarer, fester Bewegung, sondern zögernd, flackernd. Ein Name, klar und doch unheimlich: »Eli«. Drei Buchstaben, die mich lähmten.

Ich flüsterte: »Eli?«

Ein kalter Windstoß wirbelte durch denRaum. Die Kerze flackerte. Die Schatten tanzten. Und eine Stimme — kaum hörbar — hauchte: »Ava …«

Mein Name. Ich wollte schreien, wollte fliehen. Aber mein Körper war gefangen. Die Zeit verlangsamte. Der Raum zog sich zusammen, alles rutschte auf mich zu, und dann war Stille — und der Mond, der durch das Fenster blitzte, eine Silhouette, die sich im Spiegel meines Zimmers zeigte.

Ich sah ihn. Ein Junge. Er war nur am Rand zu sehen — bleich, durchscheinend, mit traurigen Augen. Er stand dort — in der Reflexion, nicht hinter mir — und starrte mich an, als bekäme er mich gerade zum ersten Mal zu sehen.

»Eli?« Meine Stimme zitterte.

Er neigte leicht den Kopf. Sein Mund öffnete sich — kein Ton kam. Dann winkte er kaum merklich. Ein letztes Spiel mit den Fingern, wie Sandkörner, die durch mein Bewusstsein rieseln.

Und dann verschwand er.

Ich taumelte zurück, drückte mich gegen die Wand. Mein Herz hämmerte, meine Knie schwach. Die Luft zitterte, und ich fühlte, wie etwas mich rief — und zugleich war da Angst, so tief, dass ich glaubte, sie würde mich verschlingen.

Ich griff nach dem Ouija-Brett, riss es von meinen Knien. Ich wollte alles zerstören, zerstören, zerstören, damit es aufhört. Doch meine Finger glaubten nicht, was sie taten — sie hielten das Brett fest. Wie ferngesteuert. Ich konnte nicht loslassen. Die Kälte kroch in meine Adern, meine Gedanken verschwammen.

Und dann – ein letztes Flammenzucken der Kerze. Das Licht erlosch. Dunkelheit.

Als ich die Augen öffnete, war ich allein. Das Brett lag dort, gespenstisch ruhig. Kein Zeichen, kein Zeiger in Bewegung. Nur Schweigen.

Doch ich wusste: Es war nicht vorbei.

Eli war irgendwo da draußen. Er wartete. Er rief. Und ich – ich war bereit, zu antworten.