PROLOGUE
Keifers Sicht
„Wo ist sie?“, fragte mein Vater, Keizer Watson. Er trat neben mich an den Hochzeitsbogen. „Es ist fast eine Stunde her und sie ist immer noch nicht da. Glaubst du, sie kommt noch?“
„Sie wird kommen. Sie muss einfach.“ Ich hatte mich seit dreißig oder vierzig Minuten mühsam beherrscht. Wenn ich eines hasse, dann ist es, wenn man mich warten lässt.
„Ich glaube nicht daran, mein Sohn. Schau mal, die Leute werden langsam ungeduldig.“ Er sah zu den Familien, Verwandten, Freunden und Kollegen der Watsons und Fernandez’. Alle waren für die Hochzeit zusammengekommen. „Ruf sie an. Es muss etwas passiert sein.“
Wie sollte ich ihm bloß erklären, dass ich das nicht konnte? Ich hatte ihre Nummer nicht. Nach dem, was bei unserem ersten Treffen passiert war, hatten wir uns nicht darum geschert, Nummern auszutauschen.
„Sie wird auftauchen. Der Wedding-Planer hätte sie sonst schon längst angerufen. Wenn sie nicht vorhätte zu kommen, hätte man allen schon gesagt, dass sie gehen können.“
„Na ja, du hast recht.“ Dad lächelte schwach und ging zurück zu seinem Platz.
Meine Augen starrten auf die riesigen Flügeltüren des großen Ballsaals im Watson's Hotel. Dort würde die Braut hereinkommen. Ich starrte schon so lange darauf, dass meine Augen langsam brannten.
Verdammt. Sie macht das mit Absicht. Sie lässt mich warten und führt mich vor allen Leuten vor.
„Sie stellt meine Geduld echt auf die Probe“, murmelte ich leise. Dann achtete ich auf das laute Gemurmel der Gäste.
Mein Blick fiel auf Alexander Fernandez. Er unterhielt sich blendend. Er nutzte die Verspätung seiner Enkelin aus, um mit Verwandten und Freunden zu quatschen. Es wirkte fast so, als hätte er die Hochzeit ganz vergessen.
„Hey.“ Liam, einer meiner Trauzeugen, klopfte mir auf den Rücken. „Du schlägst hier noch Wurzeln, wenn du so lange rumstehst. Ich hab’s dir doch gesagt: Heiraten ist eine blöde Idee. Wir sind noch jung, lass uns das Junggesellenleben genießen! Vertrau mir, mach das erst mit vierzig.“
„Nicht schon wieder. Ich habe dir meine Gründe genannt, Mann. Meine Entscheidung steht, also hör auf damit.“
„Komm schon, mach dich nicht weiter zum Affen. Sie kommt nicht. Wo bleibt dein Stolz? Lass uns zum Empfang gehen und die alten Weine köpfen. Ich habe Durst, meine Kehle ist schon ganz trocken.“
Ich schnaubte und schüttelte den Kopf. „Ich bin mir sicher, dass sie kommt.“
„Hoffen wir’s mal.“ Er zeigte auf den älteren Pfarrer, der bereits auf seinem Stuhl eingeschlafen war. Dann lachte er, formte lautlos das Wort ‚Pech‘ mit den Lippen und verschwand.
Zum x-ten Mal sah ich auf meine Armbanduhr. Die Trauung sollte eigentlich schon vor einer Stunde beginnen. Die ganze Hochzeitsgesellschaft war bereits vor dreißig Minuten den Gang entlanggelaufen und hatte vorne Platz genommen. Nur die Braut fehlte noch.
Ich schluckte meine Wut hinunter. Mir wurde klar, dass ich mich hier gerade zum Narren machte. Liam hatte recht, wir sollten lieber anfangen, den Wein zu trinken. Ich wollte gerade gehen, als plötzlich die Musik einsetzte und das Einzugslied der Braut spielte.
Alle Köpfe drehten sich zu den großen Flügeltüren. Jeder war gespannt darauf, die Braut endlich den Gang entlanglaufen zu sehen.
Die Türen schwangen weit auf und gaben den Blick auf die Braut frei.
Alle waren geschockt!
Die Braut betrat den Saal und schritt den Gang entlang – in einem komplett SCHWARZEN Hochzeitskleid.