Eine Million für die Unschuld

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Zusammenfassung

Eigentlich wollte Sloane Heathrow sich nie bewerben. Es war nur ein Scherz – ein nächtlicher Klick auf eine Anzeige im Dark Web, die eine Million Dollar für eine Jungfrau versprach. Doch als eine schwarz-goldene E-Mail mit einem Termin und Ort für ein Vorstellungsgespräch in ihrem Posteingang landet, hört der Spaß schlagartig auf. Das Angebot ist echt. Der Vertrag ist bindend. Und die Männer dahinter? Verborgen, unermesslich reich und absolut unantastbar. Dreißig Tage. Drei Männer. Und ein Geheimnis, das sie niemals verraten darf.

Status:
Auszug
Kapitel:
5
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Kapitel 1

Ich habe den Großteil meines Lebens in einer dunklen Höhle verbracht. Und das meine ich nicht metaphorisch. Sondern wortwörtlich.

Der Keller von BD Systems ist weder groß noch luxuriös. Es ist eine Fischdose, in die gerade mal drei Leute passen – vorausgesetzt, jemand erklärt sich bereit, ein oder zwei Gliedmaßen abzutrennen. Aber es gibt eine Klimaanlage und es ist ruhig. Das Beste daran? Niemand macht sich die Mühe, nach unten zu kommen, um mit den Nerds zu quatschen, die hier hocken.

Es sei denn natürlich, sie haben es eilig, der Drucker klemmt und man ist die Einzige, die weiß, wie man das Teil wieder hinkriegt. Denn genau das mache ich den ganzen Tag. Ich repariere kaputtes Zeug.

Ich bin Sloane Heathrow, Informationssystem-Architektin – eine verdammt noble Umschreibung für IT girl. Beheberin von Drucker-Staus. Zauberin der Resets.

Ich verbringe meine Tage damit, Kaffee aus einer angeschlagenen Tasse zu trinken, auf der Yodas Gesicht prangt. Darauf steht: „Computer reparieren sie tun. Kaputtmachen du sie nicht darfst.“

Es war 19 Uhr und ich saß immer noch in dieser Thunfischdose fest, während oben die Führungsetage in die Tasten haute. Aber das war mir egal – ich wurde nach Stunden bezahlt und hatte meine Stromrechnung seit ein paar Monaten nicht beglichen. Wenn ich nicht bald was überwies, würden sie mir in ein paar Tagen den Saft abdrehen.

Dieser Abend war wie jeder andere – bis ich sie sah.

Die Anzeige.

Während ich mich ziellos mit meinem Stuhl im Kreis drehte und lauwarmen Kaffee schlürfte, surfte ich gerne ein bisschen im Netz. Aber nicht in irgendeinem Netz. Im Darknet.

Meistens machte ich das nur zum Spaß. Ich liebe den Nervenkitzel, in den dunklen Geheimnissen von Fremden zu stöbern. Sicher, da gab es Drogen und Waffen, aber die interessierten mich nicht. Was ich wirklich liebte, waren gestohlene Daten.

Das war so ein geheimes Hobby von mir. Gestohlene Daten.

Es fing ganz harmlos an. Mal ein kleiner Facebook-Hack. Mein Nachbar von nebenan. Der Typ bei Starbucks, der mich eine Bitch nannte, als ich meinen Kaffee über ihn verschüttete.

Aber mittlerweile war es mehr. Ich hackte mich in Bankkonten, nur um zu sehen, was drauf war. Ich nahm nie etwas; ich wollte bloß mal einen Blick riskieren.

Manchmal machte ich mir einen Spaß daraus, mich in ein Wetter-Dashboard zu hacken und die Vorhersage auf „Wolkig mit Aussicht auf Schwänze“ zu ändern.

Oder ich kaperte die Sicherheitskameras der Stadt. Nicht, um Batman zu spielen. Eher wie Wo ist Walter, nur im echten Leben.

Als ich gerade durch einen der Browser auf GhostPort scrollte, dem größten Darknet-Server des Planeten, sah ich es. In riesigen Großbuchstaben:

EINE MILLION DOLLAR. EINE JUNGFRAU.

Ich hätte fast meinen Kaffee ausgespuckt. Das konnte nicht echt sein.

Ich tippte auf den Link und las weiter.

EINE MILLION DOLLAR FÜR EINE JUNGFRAU.

DIE INTERVIEWS BEGINNEN MORGEN.

VERSCHWIEGENHEIT IST PFLICHT.

TIPPE AUF DEN SICHEREN LINK, UM DEINE BEWERBUNG EINZUREICHEN.

ORT: LOS ANGELES, KALIFORNIEN.

„Was?“, flüsterte ich und schüttelte den Kopf. Ich überflog die Anzeige noch ein paar Mal.

Ich lachte und klickte auf den Button darunter, auf dem JETZT BEWERBEN stand. Ein leeres Formular erschien auf meinem Bildschirm, schwarzer Hintergrund mit eleganter goldener Schrift. Es wurde nach meinem Vornamen gefragt und dann kam eine simple Frage:

Bist du Jungfrau?

Ich lachte erneut und setzte das Häkchen bei Ja.

Immerhin entsprach es der Wahrheit…

Bewerbung eingereicht. Die Details zum Ort und zur Zeit des Interviews werden dir zugesandt.

Ich erstarrte. Woher wusste das System genug über mich, um eine Bestätigung zu schicken? Entweder war das ein schlechter Scherz oder… jemand wusste verdammt gut, wie man an meine Infos kommt.

Und dann packte mich die Panik.

Meine Finger flogen über die Tastatur und tippten Code schneller, als ich es je zuvor getan hatte. Ich versuchte, die erste Firewall zu knacken.

ZUGRIFF VERWEIGERT.

Die Nachricht leuchtete mir entgegen und ich stöhnte auf. Ich klickte und tippte wie wild und schaffte es an ein paar sichtbaren Ports vorbei. Ich suchte nach schlampigem CSS-Code.

Nichts. Das war eine Festung aus Code.

ZUGRIFF VERWEIGERT.

„Fuck!“, schrie ich und hämmerte mit den Händen auf die Tastatur.

Ich sah auf die Uhr. Es war Zeit, nach Hause zu gehen. Ich seufzte. Wahrscheinlich war es sowieso nur ein Prank. Ich schaltete meinen Laptop aus und schob ihn in meine Tasche.

Ich knipste das Licht und die Klimaanlage aus und schloss die Tür hinter mir ab. Dann machte ich mich auf den Weg zum Ausgang und redete mir ein, nicht mehr darüber nachzudenken. Es war eh nicht echt.

Aber aus irgendeinem Grund ging es mir nicht aus dem Kopf.

Als ich meine Wohnungstür erreichte, sah ich es immer noch vor mir – den schwarzen Hintergrund, die goldene Schrift.

EINE MILLION DOLLAR FÜR EINE JUNGFRAU.

Ich ließ mich auf die Couch sinken und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Ich war völlig fertig.

Dann hörte ich es.

Ding.

Ich holte mein Handy raus. Eine neue E-Mail-Benachrichtigung auf meinem privaten Konto.

Betreff: Interview-Bestätigung

„Nein, nein, nein“, flüsterte ich. „Das war nicht echt.“

Ich öffnete die Nachricht, und da war sie. Ganz im mysteriösen Stil gehalten, hatte die Mail denselben schwarzen Hintergrund und die goldene Schrift:

Hallo Sloane,

deine Bewerbung ist eingegangen. Bitte finde dich morgen Abend um Punkt 20 Uhr im Diamond Montgomery Hotel ein. Verspätungen werden nicht geduldet.

Beste Grüße,

The Curator

„Gibt's doch gar nicht“, sagte ich leise, während meine Augen die E-Mail immer und immer wieder ungläubig überflogen.

Ich hatte denen nie meine E-Mail-Adresse gegeben.



Der nächste Morgen begann wie jeder andere. Meine Yoda-Tasse war bis zum Rand mit billigem Kaffee gefüllt und mein Kollege Steve fluchte vor seinem Monitor herum. Er brummelte so was wie: „Warum verbringe ich meine ganze Zeit damit, ihr zu erklären, wie man einen Computer neu startet?“

Er saß am anderen Ende unseres Fischdosen-Büros und trug ein Band-Shirt und Khakihosen, die er wahrscheinlich schon in der siebten Klasse anhatte.

„Morgen“, brummte ich, setzte mich auf meinen Stuhl und holte meinen Laptop raus.

Er machte sich nicht mal die Mühe, sich umzudrehen. Nerds waren nicht immer sozial inkompetent, aber wir bevorzugten definitiv die Stille.

„Du klinkst dich scheiße an“, sagte er. „Harte Nacht?“

„Jup“, seufzte ich.

Er fragte nicht nach dem Warum. Das tat er nie.

Aber ich hatte kein Auge zugetan. Natürlich nicht. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, über diese Bewerbung nachzudenken.

Na ja, ihr wisst schon. Die, bei der ich mich beworben habe, um meine Jungfräulichkeit für eine Million Dollar an einen Fremden zu verkaufen.

Ich war die ganze Nacht wach gewesen, hatte meine Firewall gecheckt und nach Phishing-Fallen gesucht. Ich hatte gehofft, dass nur jemand versucht, mich zu hacken. Mit einem Hacker käme ich klar.

Das passierte ständig, wenn man sich im Darknet herumtrieb.

Aber wer auch immer diese Anzeige geschaltet hatte – verdammt noch mal, das war ein Profi. Und ich war fest entschlossen, herauszufinden, wer dahintersteckte. Ich dachte gar nicht daran, aufzugeben.

Das Bürotelefon klingelte und riss mich aus meinen Gedanken.

„Du bist dran“, sagte Steve trocken. Ich schaute auf seinen Bildschirm. Auf dem einen Monitor spielte er ein RPG, auf dem anderen entwarf er eine E-Mail, in der er erklärte, dass die aufploppende Hundefutter-Werbung kein Virus war.

Ich stöhnte und nahm den Hörer ab. „Technischer Support. Sie sprechen mit Sloane.“

„Mein Meeting ist in fünf Minuten. Der Drucker ist im Arsch. Ich brauche Sie hier!“, tönte eine panische Stimme.

Ich drehte mich zu Steve, der nun über seine Schulter zu mir schaute. Ich formte mit den Lippen: Rate mal, wer?

Er verdrehte die Augen und flüsterte: „Barb?“

Ich nickte und drückte mir die Finger an die Schläfe. Wir hassten sie beide, und ich war mir ziemlich sicher, dass ihre Kollegen das genauso sahen. Sie arbeitete in der 28. Etage, wo viele der Chefs saßen. Wir nannten sie liebevoll Die Bitch aus Ebene 28.

Ich ließ sie einen Moment lang zetern und fragte dann zuckersüß: „Haben Sie schon versucht, das Gerät aus- und wieder einzuschalten?“

Steve kicherte, als sein Hexenmeister gerade einen Zombie auf dem Bildschirm röstete.

„Wie bitte?“, japste sie.

„Ich schicke sofort jemanden hoch“, sagte ich mit professioneller und höflicher Stimme.

Ich wusste genau, was sie tun würde. Sie würde ihn aus- und dann wieder einschalten. Und ich würde bis zur nächsten Katastrophe nichts mehr von ihr hören.

Für ein paar Augenblicke hatte ich die Anzeige fast vergessen.

Dann hörte ich es wieder.

Ding.

Aber diesmal war es keine E-Mail. Es war eine SMS.

Ich entsperrte mein Display und hielt den Atem an. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer:

Bitte treffen Sie nach dem Check-in meine Assistentin in der Hotel-Lobby. Sie wird wissen, wer Sie sind.

Wie zur Hölle war das nur möglich?