Das Herz des Spiels

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Zusammenfassung

Annie hat die Liebe dreimal verloren – und sich geschworen, sie kein viertes Mal hereinzulassen. Doch ein spontaner Abend mit ihren Freundinnen, eine Bar, ein Undercover-Lächeln unter einer Baseballkappe – und plötzlich steht ihr Herz still. Jamie ist anders. Warm, ruhig, ehrlich. Nur dass Annie nicht weiß, wer er wirklich ist: einer der bekanntesten Footballspieler des Landes, gefangen zwischen Ruhm, Erwartungen und Einsamkeit. Zwischen Nachrichten und Schweigen, Nähe und Geheimnissen wächst etwas, das keiner von beiden geplant hat. Aber kann etwas echt sein, wenn die Wahrheit auf Lügen gebaut ist? „Das Herz des Spiels“ – eine Geschichte über zweite Chancen, Vertrauen und die Liebe, die dich findet, wenn du längst aufgehört hast, sie zu suchen.

Genre:
Romance
Autor:
Janine Lang
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
40
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
13+

Kapitel 1

Der letzte Cursor im Tabellenblatt blinkte, als würde er Annie verhöhnen. Neonlicht summte über den grauen Schreibtischen, irgendwo klimperte eine Tasse an eine Untertasse, und das Klicken der Tastaturen ergab einen monotonen Takt, der sich anhörte wie ein Herzschlag ohne Überraschung. Freitag, kurz vor Feierabend. In diesem Büro roch jeder Freitag gleich: nach abgestandenem Kaffee und der gedämpften Hoffnung, dass die Zeit sich erbarmt. Annie strich sich eine Locke hinter das Ohr und prüfte ein drittes Mal dieselbe Zahlenspalte. Sie wusste, dass alles korrekt war. Der Fehler lag nicht in der Tabelle. Er lag in dem Gefühl, dass ihr Leben in Zellen aufgeteilt war: Dienstagsberichte, Monatsabschlüsse, der immergleiche Sandwichladen um die Ecke. Sie hatte die letzten vier Jahre sorgfältig geordnet, und doch war nichts an seinem Platz geblieben. Ex Nummer eins hatte einen Kalender fürs Leben besessen. „Wenn wir jetzt zusammenziehen, könnten wir in zwei Jahren…“ Er hatte Pläne geschichtet wie Bauklötze, so hoch, bis Annie irgendwann nur noch nach oben starren konnte und Schwindel verspürte. Ex Nummer zwei hatte die Weltkarte aufgerollt: „Wir gehen, Annie. Europa! Ein Haus am Meer.“ Doch sie sah stattdessen die Straße ihrer Kindheit vor sich, den Laden an der Ecke, das vertraute Knarren der Dielen in ihrem Elternhaus. Und Ex Nummer drei—sie zwang sich, das Wort nicht auszuschreiben—war kein Fehler in einer Spalte gewesen, sondern ein Riss im Vertrauen, der durch alles lief. Er und ihre beste Freundin. Ein leises, unordentliches Ende in einer zu hellen Küche. „Noch fünf Minuten“, murmelte sie, als könnte die Uhr ihr gehorchen. Dann klappte sie den Laptop zu, zog die Jacke über und atmete kurz durch. Zuhause warteten die Couch, eine Decke, ein Film, den sie schon kannte, und Stille, die sich nicht erklären wollte. Es war ein Plan, wie sie ihn mochte: klein, warm, ohne Überraschungen. Die Aufzugtür ging auf. Annie trat hinaus in die Lobby – und blieb stehen. Drei Gestalten, die nicht zum Interieur passten, winkten ihr zu, als wären sie zufällig in einer Möbelhausausstellung ausgesetzt worden. „Da ist sie ja, unsere Arbeitsbiene!“ Mia hob die Arme, als hätte sie ein Tor geschossen. Ihr roter Lippenstift war eine kleine Kampfansage an den Alltag. Lila trat vor, weicher, mit einem Lächeln, das wie eine warme Jacke war. „Hi, Herz. Wir holen dich ab.“ „Und bevor du fragst: Nein, es ist nicht für einen Umzug, und ja, wir haben schon gegessen, damit du keinen Fluchtgrund hast.“ Zoe, in Schwarz und mit einem Blick, der die Welt gern kommentierte, ohne sie zu verurteilen. Annie starrte zwischen den dreien hin und her. „Ich habe… also eigentlich wollte ich…“ „Couch. Decke. Kitschfilm. Schokolade“, vollendete Mia und schnippte mit den Fingern. „Plan B. Unser Plan ist A. A wie Ausgehen. Tanzen. Schwitzen. Atmen.“ „Nur wenn du willst“, sagte Lila und senkte ein wenig die Stimme. „Wir können auch zu dir. Ich bringe Tee mit. Es muss nicht heute sein.“ Zoe lehnte sich an den Empfangstresen. „Oder wir lassen dich die gleiche Woche nochmal durchkauen, bis sie nach Papier schmeckt.“ Annie blinzelte. Ihre Hände waren in den Ärmeln verschwunden, als wollte sie sich selbst festhalten. Seit Wochen, dachte sie, sagte jeder Satz um sie herum, dass das Leben weiterging. Aber in ihr war es manchmal, als stünde sie auf einem Karussell, das angehalten hatte, während Musik weiter spielte. „Nur ein Getränk“, hörte sie sich sagen. „Ich will morgen nicht hassen, dass ich heute war.“ Mias Grinsen sprengte die Lobby. „Ein Getränk wird in die Geschichtsbücher eingehen.“ „Und wenn du nach dem ersten heim willst, bringen wir dich heim“, versprach Lila. „Ich bin nur da, um zynische Kommentare einzustreuen, aber auch ich stimme zu“, fügte Zoe trocken hinzu. Annie fühlte eine Welle von Wärme, die mit Erschöpfung nichts zu tun hatte. Ihre Freundinnen waren wie drei verschiedene Arten von Licht: eine, die alles heller machte, eine, die alles weicher machte, und eine, die Schatten zeigte, ohne Angst vor ihnen zu haben. „Okay“, sagte sie. „Aber ich muss mich umziehen. Ich rieche nach Büro.“ „Nach Schweiß und Fleiß? Süß“, meinte Zoe. „Wir fahren zu dir.“

In Annies kleines Apartment roch es nach Vanillekerze und dem Duftspray, das sie in der Mittagspause im Drogeriemarkt gekauft hatte, obwohl sie wusste, dass es die Stimmung einer Wohnung nur so lange ändern kann, wie es in der Luft hängt. Mia war schon halb im Kleiderschrank verschwunden, Lila ordnete ohne zu fragen die Kissen auf, und Zoe inspizierte die Plattensammlung. „Du hast immer noch das Kleid vom letzten Sommer“, rief Mia aus dem Schrank. „Das mit den kleinen Punkten.“ „Das ist… eng“, gab Annie zurück. „Ja. Und du bist wunderschön“, sagte Lila, als würde sie eine Tatsache benennen, nicht diskutieren. Annie seufzte, doch ein kleines Lächeln stahl sich an den Rand ihrer Lippen. Im Spiegel sah sie sich: das runde, hübsche Gesicht, die langen braunen Locken, die selbst dann Wellen schlugen, wenn sie keine Einladung bekommen hatten. „Etwas curvy“, sagte sie manchmal vor dem Kleiderschrank, als wäre es eine Zusatzinfo, die sie aus Verlegenheit mitlieferte. Heute probierte sie, den Satz zu streichen. „Zieh das an“, entschied Mia, streckte das gepunktete Kleid hin und stellte schon die passenden Schuhe daneben. „Und wir lassen die Haare offen. Männer sind egal, aber du sollst dich mögen, wenn du die Tür schließt.“ „Amen“, sagte Zoe, „und schmeiß diese alten Eifersuchtsgeister raus, die du dir nicht mal selbst ausgesucht hast.“ Annie zog das Kleid an. Es schmiegte sich an ihre Taille, ohne Fragen zu stellen. Sie setzte sich, Lila stand hinter ihr und strich mit den Fingern einmal durch die Locken. „Du siehst nach dir aus“, sagte sie und nickte dem Spiegel zu, als wäre er eine Person, die oft widersprach. „Wie heißt dieser neue Club nochmal?“, fragte Annie, um das plötzlich auftauchende Ziehen im Bauch zu überdecken. „The Lantern“, sagte Mia. „Neu. Gute Musik. Keine Männer, die dir Lebenspläne in den Drink diktieren.“ Zoe hob eine Braue. „Nur solche, die fragen, ob du ihr Flugticket nach Rom zahlen willst.“ „Ich zahle gar nichts“, murmelte Annie und probierte den roten Lippenstift, den Mia ihr hinhielt. Er war eine Spur zu mutig und genau richtig. Ihr Handy vibrierte auf der Kommode. Eine Erinnerung, die sie selbst eingestellt hatte: Wasser trinken. Sie lachte leise, nahm einen Schluck und sah wieder in den Spiegel. Zwischen den Wimpern und dem roten Mund, zwischen den Punkten des Kleides und den Locken, war da plötzlich ein Gesicht, das nicht nach Flucht aussah, sondern nach Ankunft. Nicht an einem Ort, sondern in einer Nacht, die noch nichts versprach und doch Möglichkeiten trug wie kleine Lichter. „Nur ein Getränk“, wiederholte sie, aber diesmal ohne sich zu entschuldigen. „Nur ein Anfang“, korrigierte Lila sanft. „Nur kein Drama heute“, sagte Zoe – und grinste dann, als hätte sie selbst nicht an diesen Vorsatz geglaubt. Mia klatschte in die Hände. „Ladies, wir gehen.“ Annie griff nach ihrer kleinen Tasche, schaltete die Lampe im Wohnzimmer aus und sah, wie der Raum in Dämmerung tauchte. Vielleicht, dachte sie, war heute kein Tag, um etwas zu ändern. Vielleicht war es nur ein Abend, um zu fühlen, dass etwas möglich war. Und manchmal reichte das. Die Haustür fiel ins Schloss. Auf dem Flur hallten ihre Schritte, draußen war die Luft frisch und versprach Geschichten, die sie noch nicht kannte. Unten an der Straße wartete das summende Taxi. Annie legte eine Hand auf den Herzschlag unter dem Stoff – nicht um ihn zu beruhigen, sondern um ihn zu zählen. „The Lantern?“, fragte der Fahrer. „The Lantern“, sagte sie. Und lächelte in die Nacht hinein, die sich anfühlte wie eine Frage, auf die sie vielleicht eine Antwort war.