Erbe der Schatten

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Zusammenfassung

Eine 18-jährige Frau wird nach einer einzigen Nacht von einem skrupellosen Werwolf-Alpha gezeichnet und als seine Gefährtin auserkoren. Voller Angst flieht sie ins Ausland. Acht Jahre später kehrt sie mit ihrem gemeinsamen siebenjährigen Sohn zurück – und muss sich dem mächtigen, besitzergreifenden Gefährten stellen, den sie einst verließ, sowie der übernatürlichen Welt, zu der sie insgeheim selbst geworden ist.

Genre:
Fantasy
Autor:
Eastinnz
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
178
Rating
4.5 8 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Der Reiz einer normalen Nacht

AMANDA PERSPEKTIVE

Die Musik war ein hämmerndes, körperliches Etwas, das durch die dünnen Sohlen von Amandas geliehenen High Heels in ihr achtzehnjähriges Blut pulsierte. Es roch nach billigem Parfüm, abgestandenem Bier und dem elektrischen Knistern leichtsinniger Jugend. Es roch nach Freiheit.

Sie zog ein eng anliegendes schwarzes Kleid über den Kopf – eine große Investition, die für eine örtliche Kneipe völlig unnötig war, sich aber für ihren Einstand ins Erwachsenenleben wichtig anfühlte. Das College war nur noch einen Monat entfernt; ein Flugticket nach London und ein völlig neues Leben warteten auf der anderen Seite des Atlantiks. Heute Abend war sie allerdings einfach nur Amanda Smith, einundzwanzig Jahre alt und bereit, ein paar Regeln zu brechen.

Zum zehnten Mal prüfte sie ihr Spiegelbild. Das Make-up war stärker als gewöhnlich und betonte ihre haselnussbraunen Augen, ihr glattes braunes Haar hing offen herab. Das Kleid schmiegte sich an ihre Kurven, ein Look, der sich für sie immer noch wie eine Verkleidung anfühlte.

„Bereit, Mandy?“, rief ihre Mitbewohnerin Chloe aus dem Wohnzimmer.

„Fast!“ Amanda steckte ihren gefälschten Ausweis – eine erstaunlich gute Kopie mit einem überraschend überzeugenden Foto – tief in ihre kleine Clutch. Diese kleine Plastikkarte war der Schlüssel zu diesem ganzen Schwindel.

Sie ging zu Chloe, deren Vorfreude ansteckend war. „Du siehst fantastisch aus. Definitiv bereit für ein Date.“

„Ich suche kein Date, Chloe“, sagte Amanda, doch selbst für sie klang die Verneinung schwach. Sie suchte nach einer Erfahrung. Nach einer Geschichte, die sie erzählen konnte und die nichts mit ihren Einsen im Zeugnis oder ihren übervorsichtigen Eltern, Jane und Henry, zu tun hatte.

Die Fahrt mit dem Uber war laut und voller Chloes Vorfreude. Die Bar namens The Den war genau so, wie sie es sich vorgestellt hatte: dunkel, voll und herrlich anonym. Sie drängten sich durch die Menge zum Tresen.

Amanda gab dem Barkeeper den gefälschten Ausweis. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, aber der Mann zuckte nicht einmal mit der Wimper und gab ihn mit einem kurzen Nicken zurück. Triumph schmeckte nach dem zuckrigen, billigen Wodka Cranberry, den er vor sie stellte. Sie war drin.

Sie ließ sich auf einen Barhocker neben Chloe nieder, die bereits eine Gruppe von Jungs anbaggerte. Amanda spürte, wie eine beschwipste Leichtfertigkeit von ihr Besitz ergriff. Sie war hier, sie war erwachsen, und niemand kannte ihren Namen oder ihre Geheimnisse.

Sie blickte durch den überfüllten Raum und sah zu, wie die Lichter über die volle Tanzfläche flackerten. Es war alles nur Lärm und Sensation, und zum ersten Mal seit Monaten fühlte sie sich vollkommen unbeschwert.

Sie nahm einen langen Schluck von ihrem Getränk; der Alkohol stieg ihr auf nüchternen Magen schnell zu Kopf. Sie lachte gerade über etwas, das Chloe gesagt hatte, als sich die Luft um sie herum plötzlich veränderte.

Es war keine Änderung der Musik oder der Beleuchtung. Es war eine Präsenz.

Eine massive, schattenhafte Gestalt bewegte sich durch die Menge und teilte die Leute wie Wasser. Jeder Kopf schien sich unbewusst nach ihm umzudrehen. Er war ein Wesen der Dunkelheit und der Macht, unnatürlich groß, mit Schultern, die den Stoff seines schwarzen Hemdes spannten. Sein Haar war dunkel, fast schwarz, und seine Bewegungen waren langsam, überlegt und vollkommen fesselnd.

Als er den Tresen erreichte und sich leicht drehte, strichen seine Augen – ein wildes, beunruhigendes Gold – über den Raum. Er suchte nicht nach jemandem; er nahm Besitz vom Revier.

Und dann blieben diese Augen an ihr hängen.

Ein Flackern von etwas intensivem – eine Art Schock und rohes Verlangen – huschte über sein Gesicht, bevor es sich zu einer undurchschaubaren Maske aus kalter Entschlossenheit glättete. Er fing an, auf sie zuzugehen.

Amanda bewegte sich nicht. Sie konnte es nicht. Sie spürte keine übernatürliche Vorahnung, keinen plötzlichen Duft oder Stoß durch ein Schicksalsband. Ihre Sinne waren rein menschlich, und sie sagten ihr eines: Gefahr.

Als er direkt hinter ihrem Hocker stehen blieb und seine schiere Größe die Lichter der Bar abschirmte, überwältigte sie ein tiefer, berauschender Duft nach Zedernholz, Regen und etwas unbestreitbar, gefährlich Männlichem.

Dann legte sich seine Hand auf ihren unteren Rücken. Sie war warm, schwer und brennend, selbst durch den dünnen Stoff ihres Kleides.

„Mein“, grollte eine Stimme, die tief genug war, um die Grundfesten der Bar erschüttern zu lassen, an ihrem Ohr.

Amanda wirbelte herum, ihr Getränk völlig vergessen.