(MEMO)RIA - unvergessen

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Zusammenfassung

Als Strafverteidiger steht Jeremy für das Gute ein, doch als seine unerfüllte Highschool-Liebe auftaucht, bringt Ria seine düstersten Seiten hervor. Seit der Highschool hat der junge Anwalt Jeremy Ridgeway nichts mehr von Ria gehört. Plötzlich steht die grausame Verführerin von damals in seiner Kanzlei. Angeklagt. Verzweifelt. Heruntergekommen. Und ausgerechnet er soll sie vor Gericht verteidigen. Ria, die ihm als Teenagerin das Herz brach, ihn benutzte, entjungferte – und dann mit seinem ärgsten Rivalen durchbrannte. Als sie seine verdrängten Rachefantasien heraufbeschwört, lässt Jeremy sich erneut auf sie ein. Doch ohne zu wissen, ob er sie retten oder sich an ihr rächen will.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
25
Rating
5.0 5 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Prolog

⏮ REWIND: 2001

„Du musst dich entscheiden! Ich oder er?“

Sie weinte. „Das geht nicht! Das kann ich nicht!“

„Doch, du kannst das! Verlass dich einfach auf dein Bauchgefühl und folge ihm! Denk nicht so viel darüber nach! Lass dich leiten von deinen Emotionen! Du wirst sehen, dann fällt dir die Entscheidung ganz leicht.“

„Bitte zwing mich nicht“, flehte sie.

„Es tut mir so leid, aber wir haben keine andere Wahl. Es muss sein! Du musst dich entscheiden - für mich, oder gegen mich!“

„Aber das ist doch völlig irre“, schluchzte sie.

„Sie hat recht. Du gehst zu weit!“

„Misch dich da nicht ein! Sie ist dran. Und sie wird eine Entscheidung treffen. Du wirst sehen.“

„Du bist ja völlig durchgeknallt!“

„Ach ja, bin ich das? Bin ich das?“

„Ja, natürlich bist du das! Das warst du immer schon: ein geisteskranker Psycho. Jeder von uns hat das gewusst. Jeder!“

„Ihr wisst nichts über mich. Rein gar nichts wisst ihr!“

„Wenn du das sagst.“

„Denkst du über mich genauso wie er? Hältst du mich für einen geisteskranken Psycho? Dann entscheide dich eben gegen mich! Hauptsache, du entscheidest dich. Hörst du? Du hast keine andere Wahl außer die zwischen ihm und mir.

Er?

Oder ich!“


▶️ PRELUDE: 2026

Bevor ich Ihnen den Fall meines Mandanten schildere, möchte ich Ihnen ein Versprechen abverlangen. Ich möchte, dass Sie mir versprechen, sich seine Geschichte bis zum Ende anzuhören, ehe Sie sich ein Urteil über Jeremy Ridgeway erlauben!

In der Rechtsprechung, verehrte Geschworene, besitzen wir dafür ein bedeutungsschwangeres Wort: Unvoreingenommenheit.

Eine Tugend, die wir uns gerne selbst zuschreiben. Doch allzu oft machen wir es uns viel zu leicht – mit unserer Unvoreingenommenheit.

Denn wir alle sind Opfer unserer Vorurteile.

Vorurteile - ich möchte, dass sie das Wort in seine beiden Bestandteile zerlegen und sich die Bedeutung bewusst machen: Vor-Urteil.

Seien Sie nicht vorschnell mit ihrem Urteil!

Aus meiner jahrzehntelangen Arbeit als Strafverteidiger weiß ich selbst am besten, wie leicht sich das sagt und wie schwer es fällt, unvoreingenommen zu bleiben.

Ja, mir ist bewusst, was ich Ihnen abverlangen werde. Denn im Laufe des Prozesses werde ich Ihnen unschöne Dinge über meinen Mandanten verraten müssen. Dinge, die ich nicht beschönigen kann. Ich werde sie immer wieder an ihre moralischen Grenzen führen müssen – und gelegentlich auch weit darüber hinaus. Und ich will es nicht schönreden, manches wird bis zum Ende des Gerichtsverfahrens unverzeihlich bleiben. Und das ist auch der Grund, warum dieser Fall verhandelt werden muss, selbst wenn er ein Viertel Jahrhundert und noch länger zurückliegt. Es gibt Verbrechen, die verjähren nie.

Doch genauso gibt es Wunden, die verheilen nie. Und Jeremy Ridgeway hat Dinge erlebt, die Sie zutiefst erschüttern werden. Sie werden sehen, vorausgesetzt, Sie hören unvoreingenommen zu, dass Jeremy das eigentliche Opfer ist. Sie werden das Unrecht förmlich riechen können. Sie werden seine Schmerzen mitfühlen müssen. Und Sie werden sein Blut schmecken, das er runterschlucken musste. So viel davon musste er runterschlucken, bis es ihm wieder hochkam.

Und darum, verehrte Geschworene, bitte ich Sie inständig nur um eins: Hören Sie sich seinen ganzen Fall bis zum bitteren Ende an, bevor Sie über ihn richten!

Können Sie mir das versprechen?

Können Sie das?


▶️ SNIPPET:

Lass dir Zeit, beeil dich,

Du hast die Wahl, komm nicht zu spät,

Ruh dich aus wie ein Freund,

Wie eine alte Memoria.

Come As You Are - Nirvana (1992)