Kapitel 1: Besties
Ich saß auf meinem Bett und starrte in mein Mathebuch. Ich versuchte, die Algebra-Formeln auswendig zu lernen, die ich für die Schule brauchte. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Formeln angestarrt habe, ohne sie wirklich zu verstehen. Mathe ist so langweilig! Endlich war Freitagnachmittag, und ich hatte wirklich genug vom Lernen für diese Woche. Ich wartete darauf, dass meine beste Freundin Sally mir schreibt. Sie wollte mir sagen, ob wir heute Abend ausgehen. Ich konnte es kaum erwarten, endlich Frank kennenzulernen, ihren neuen Freund. Sie hatte ihn vor vier Wochen auf einer Party getroffen... ohne mich! Ich hatte das Wochenende damals in Louisiana bei meinen Großeltern mütterlicherseits verbracht, zusammen mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder.
Sally und ich sind seit der Mittelstufe beste Freundinnen; wir sind einfach unzertrennlich. Wir haben so viel gemeinsam, aber wenn es um Jungs geht, ist sie ziemlich locker, das komplette Gegenteil von mir. Während ich drei Monate nach der Trennung von meinem Ex-Freund Adam immer noch Trübsal blies, hatte Sally inzwischen schon zwei Jungs getroffen; der letzte ist Frank. Diesmal schien es sehr ernst zu sein, denn sie hörte gar nicht mehr auf, von Frank zu schwärmen, und ich war mir ziemlich sicher, dass sie riesig in ihn verknallt war. Ich war so aufgeregt, endlich den Jungen kennenzulernen, der das Herz meiner Bestie erobert hatte!
Ich seufzte und warf mein Mathebuch wütend auf den Schreibtisch. Dann legte ich mich auf den Bauch und starrte auf das gerahmte Foto: Adams Bild. Ich wusste nicht einmal, warum das Foto überhaupt noch auf meinem Schreibtisch stand. Letztendlich war ich über unsere Trennung gar nicht so traurig, da ich gar nicht so tief in Adam verliebt war, wie ich zuerst dachte! Wir waren sechs Monate zusammen, aber wir sahen uns nicht sehr oft, da Adam viel Zeit und Energie in sein Football-Training steckte. Wenn wir uns unter der Woche ab und zu und immer sonntags trafen, hatten wir eine tolle Zeit, weil er wirklich in mich verliebt war.
Aber am Ende hatte ich genug. Ich wollte nicht immer erst an zweiter Stelle nach dem Sport kommen und habe ihn gebeten, mehr Zeit mit mir zu verbringen. Zuerst war Adam geschockt, als er merkte, dass es mir ernst war... Aber dann war er es, der mich bat, auf ihn zu warten, während er sich ausschließlich auf seine Football-Karriere konzentrieren wollte. Ich traute meinen Ohren nicht und sagte ihm, er solle sich verdammt noch mal verpissen! Ich schubste den Bilderrahmen wütend an, sodass er nach hinten kippte.
Dann drehte ich mich auf den Rücken, verschränkte meine Hände hinter dem Kopf und starrte an die Decke. Würde ich jemals einen Freund finden, mit dem ich die wahre Liebe erleben konnte? Die Art von Liebe, die das Herz höher schlagen lässt und einem den Atem raubt? Ich bin hoffnungslos romantisch und glaube immer noch daran, dass ich eines Tages meinen Seelenverwandten treffen werde.
Mein vibrierendes Handy riss mich aus meinen Gedanken. Endlich, es ist Sally! Sie schrieb mir, dass Frank und seine Freunde heute Abend in die „Dragon’s Den“ gehen, eine Kneipe in der Innenstadt, und dass wir sie dort treffen würden.
„Sag mir nicht, dass wir in die Dragon’s Den gehen. Dort wird mit jedem Scheiß gedealt!“, schrieb ich zurück.
„Komm schon, Sofie! Wir gehen nicht hin, um Drogen zu kaufen, wir wollen Spaß haben. Kommst du mit oder nicht?“, verlangte sie.
Das Letzte, was ich will, ist an einem Freitagabend zu Hause festzusitzen!
„Okay, ich komme. Wann holst du mich ab?“
Sie antwortete, dass sie mich um 21 Uhr abholen würde.
Nachdem ich ihre letzte Nachricht gelesen hatte, legte ich mein Handy weg. Ehrlich gesagt fühlte ich mich ein wenig unwohl. Ich sollte wahrscheinlich nicht in die Dragon’s Den gehen, da der Laden einen schlechten Ruf hat. Aber ich war viel zu neugierig und konnte es kaum erwarten, Frank und seine Freunde kennenzulernen. Schließlich wollte ich heute Abend einfach nur Spaß haben.
Ich hörte, wie unten die Haustür ins Schloss fiel, gefolgt von den Stimmen meiner Mutter und meines kleinen Bruders im Flur. Sie hatte Sven gerade vom Basketballtraining abgeholt. Als ich mir sein zufriedenes Gesicht nach dem Training vorstellte, musste ich lächeln. Ich sprang aus dem Bett und verließ mein Zimmer, um nach unten zu gehen. Meine Mutter und mein Bruder stritten sich wieder über irgendetwas. Sobald ich sie im Flur erreichte, drehte sich Sven zu mir um.
„Hi Sofie! Das Training war heute klasse, ich habe vier Körbe gemacht“, rief er begeistert, während seine haselnussbraunen Augen funkelten.
Ich kicherte leise, als er da so vor mir stand, in seinem gelb-blauen Trikot, mit seinen blonden Haaren, die struppig in alle Richtungen abstanden.
„Wow, du wirst immer besser! Ich bin so stolz auf dich, kleiner Bruder.“
Ich zwinkerte ihm zu und er schenkte mir ein breites Grinsen.
„Danke, Sofie! Ich sollte jetzt wohl unter die Dusche, ich stinke nämlich total.“
Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Mein kleiner Bruder ist einfach niedlich, ich hab ihn so lieb.
„Tschüss Mama, bis später!“, sagte er zu unserer Mutter und wollte gehen, aber sie hielt ihn auf.
„Hör auf deine Schwester und ärgere sie nicht, während ich weg bin“, sagte sie mit strenger Stimme, und Sven verdrehte die Augen.
„Okay, okay“, antwortete er genervt, bevor er die Treppe zum Badezimmer hochlief.
Ich sah meine Mutter nachdenklich an. Sie ist eine schöne Frau Mitte vierzig, und die Leute sagen, dass ich ihr sehr ähnlich sehe, da wir beide gebräunte Haut und goldbraune Augen haben.
„Wo gehst du hin, Mama?“, fragte ich, und sie holte tief Luft.
„Ich bin auf dem Weg in die Praxis. Papa braucht meine Hilfe bei einer Hunde-OP.“
Meine Eltern sind beide Tierärzte und haben eine Praxis in der Stadt.
„Oh! Ich hatte eigentlich vor, heute Abend mit Sally und ein paar Freunden auszugehen“, sagte ich zögernd. „Wann bist du zurück?“
„Mach dir keine Sorgen, Schatz! Ich bin zum Abendessen gegen acht Uhr wieder da“, versicherte sie mir und schenkte mir ein sanftes Lächeln.
„Ich habe Kartoffelauflauf für das Abendessen vorbereitet. Du musst ihn später nur in den Ofen schieben.“
Ich war sehr erleichtert, da ich definitiv nicht zu Hause bleiben und auf meinen Bruder aufpassen wollte. Sie sah mich ernst an, und ich wurde ein wenig nervös.
„Wo gehst du heute Abend hin?“, fragte sie mich.
„Irgendwohin in die Stadt. Ich weiß den Namen nicht mehr.“
Ich entschied mich, ihr nicht zu sagen, dass wir in die Dragon’s Den gehen. Schließlich hat der Laden einen schlechten Ruf, und ich war mir nicht sicher, ob sie mich lassen würde! Zu meiner großen Erleichterung stellte sie keine weiteren Fragen, runzelte aber die Stirn.
„Verstehe, irgendwohin in die Stadt. Wie auch immer, ich muss jetzt wirklich los. Bis später!“
Mit diesen Worten drehte sie sich um und ging zur Haustür. Nachdem sie das Haus verlassen hatte, stand ich eine Weile da, in Gedanken versunken.
Meine Eltern arbeiten zusammen und sind nach all den Jahren immer noch verliebt. Sie trafen sich vor über zwanzig Jahren in Deutschland, als sie beide an der Berliner Universität Veterinärmedizin studierten. Mein Vater ist Deutscher und meine Mutter ein Südstaaten-Mädel aus Louisiana. Damals wollte sie ein paar Jahre in Europa verbringen und wechselte für ihr Studium nach Berlin. Sie hätte nie erwartet, dort die Liebe ihres Lebens zu treffen! Mein Vater war so in sie verliebt, dass er sich nach dem Abschluss entschied, mit ihr in die USA zu ziehen. Sie zogen nach San Francisco, eröffneten ihre Tierarztpraxis und gründeten eine Familie.
Hoffentlich treffe auch ich eines Tages die Liebe meines Lebens und erlebe eine so schöne Liebesgeschichte wie meine Eltern. Plötzlich fiel mir ein, dass Sven noch unter der Dusche war. Ich rannte nach oben, um nachzusehen, ob er das Bad nicht schon unter Wasser gesetzt hatte.
Nach dem Abendessen war es endlich an der Zeit, sich für einen spaßigen Freitagabend mit meiner Bestie Sally und ein paar neuen Freunden fertig zu machen! Ich entschied mich für eine schwarze Jeans und ein Netzoberteil mit einem schwarzen Bralette darunter. Da ich von Natur aus gebräunt bin, trage ich normalerweise kein Make-up, aber ich betonte meine braunen Augen mit schwarzer Wimperntusche und trug rosafarbenen Lipgloss auf meine vollen Lippen auf. Dann bürstete ich mein langes, dunkelbraunes Haar, bis es in weichen Locken über meine Schultern fiel. Bevor ich losging, prüfte ich mein Aussehen im Spiegel und war ziemlich zufrieden.
Mein Handy vibrierte und ich las die Nachricht von Sally auf dem Bildschirm:
„Ich warte draußen, Sofia! Bitte beeil dich.“
Mit einem Lächeln antwortete ich ihr, bevor ich die Treppe hinunterlief. In Gedanken versunken, wie ich es oft bin, bemerkte ich meinen Vater nicht, der mit verschränkten Armen an der Haustür stand und offensichtlich auf mich wartete. Ich wäre fast in ihn hineingelaufen und schreckte überrascht zurück.
„Jesus, du hast mich erschreckt, Dad! Was machst du hier?“, rief ich mit schriller Stimme und hob den Kopf, um ihn anzusehen.
Er holte tief Luft und sah mich mit einem tiefgründigen Blick an, ein merkwürdiger Ausdruck in seinen haselnussbraunen Augen. Mein Vater ist sehr groß und gutaussehend, im selben Alter wie Mama. Er räusperte sich und fragte dann:
„Gehst du so angezogen aus, Sofia?“
Er konnte manchmal echt nervig sein!
„Natürlich! Wir gehen in eine Kneipe, was ist das Problem?“, sagte ich achselzuckend.
Hoffentlich fragt er nicht, wo genau wir hingehen!
„Es ist nur... du siehst so anders aus, wirklich sexy“, antwortete er und stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Du bist jetzt eine wunderschöne junge Frau, nicht mehr mein kleines Mädchen. Weißt du, du bist genau wie deine Mutter, als ich sie das erste Mal getroffen habe, Schatz!“
Ich merkte, wie seine Stimme leicht zitterte. Er wurde ganz emotional, und das berührte mein Herz. Aber ich musste los, denn meine Freundin wartete auf mich.
„Kann ich jetzt gehen, Dad? Sally wartet draußen auf mich“, sagte ich mit sanfter Stimme und versuchte, meine Ungeduld zu verbergen.
„Okay, aber pass auf dich auf! Du weißt schon, es gibt da draußen so viele schlechte Jungs“, sagte er besorgt, und ich verdrehte die Augen.
„Du kennst die Regeln: kein Alkohol, keine Drogen! Und vertraue keinem Typen, den du gerade erst kennengelernt hast.“
Ich verlor langsam die Geduld.
„Dad, ich bin achtzehn. Und wie du vorhin schon sagtest: Ich bin kein kleines Mädchen mehr. Bye!“
Ich ging an ihm vorbei und riss energisch die Haustür auf. Ich hörte ihn hinter mir seufzen, während ich das Haus verließ.
Sally lehnte an ihrem Auto, einem blauen Opel Corsa. Das Auto ist alt, aber es gehört ihr! Ehrlich gesagt beneide ich sie, denn ich habe auch einen Führerschein, aber noch kein eigenes Auto.
„Hi Sally!“, rief ich, während ich auf sie zuging, und ein Lächeln erhellte ihr hübsches Gesicht.
„Endlich, Sofie“, antwortete sie mit einem riesigen Lächeln.
Wir umarmten uns, dann warf sie mir einen bewundernden Blick zu.
„Wow, du siehst super sexy aus! Viel Glück heute Abend... Die Dragon’s Den ist voll von heißen Typen.“
Ich schüttelte den Kopf über sie, dann mussten wir beide laut lachen.
„Komm schon, du siehst wie immer wunderschön aus“, versicherte ich ihr.
Sally ist Afroamerikanerin und sie ist wunderschön mit seidiger Haut und großen, dunkelbraunen Augen. Heute Abend trug sie eine enge Jeans und ein orangefarbenes Oberteil. Wir stiegen in ihr Auto und sie startete den Motor.
„In etwa einer halben Stunde triffst du endlich Frank, Süße!“, rief sie begeistert, während wir in die Stadt fuhren.
„Er scheint so cool zu sein, aber seine Küsse sind verdammt heiß.“
Sie strahlte über das ganze Gesicht, und ich sah sie nachdenklich an. Es gab keinen Zweifel, Sally war bis über beide Ohren in Frank verliebt!