Für den falschen Alpha bestimmt

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Zusammenfassung

Aria sollte eigentlich eine Bindung mit Alpha Darius eingehen, um den Frieden zwischen Frozen River und Ice Fang zu wahren. Doch die Mondgöttin scheint andere Pläne zu haben. Als Aria den Kreis betritt, bindet sie sich stattdessen an einen Fremden: einen Rogue, dessen Vergangenheit niemand kennt. Ihre Pflicht verlangt von ihr, die Bindung abzulehnen und sich mit Alpha Darius zu paaren, doch kann sie sich gegen den Willen der Göttin stellen?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
32
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Seit dem Tag meiner Geburt war ich Alpha Darius versprochen.

Vom ersten Atemzug an war ich eine politische Schachfigur und wenig mehr. Ich rede mir gerne ein, dass meine Eltern nicht wissen konnten, was aus diesem frechen kleinen Welpen mal werden würde. Aber er war das Ebenbild seines Vaters, Alpha Kaden. Schon mit fünf Jahren drohte er jedem, der ihn nervte, ihn aus dem Rudel zu werfen, sobald er alt genug sei.

Ein wahrlich charmanter zukünftiger Gefährte, oder?

Ich hatte in der Sache so gut wie gar nichts (sprich: null) zu sagen. Ich konnte nur hart trainieren, so stark wie möglich werden und hoffen, dass ich ihm die Stirn bieten konnte. So wurde ich schnell zum schnellsten, stärksten und kampfbereitesten jungen Wolf im Frozen River-Rudel.

Mein 21. Geburtstag rückte näher. Schon jetzt spürte ich dieses leise Ziehen meines zukünftigen Gefährten tief in mir. Jeden Morgen wurde es stärker und drängte mich, ihn zu suchen. Aber ich wusste ja schon, wer er war. Also schluckte ich das Gefühl hinunter und konzentrierte mich auf die Trainingspuppe vor mir.

„Der Vollmond steht vor der Tür, Aria. Endlich nimmst du deinen Platz als Luna des Ice Fang-Rudels ein! Bist du denn gar nicht aufgeregt? Ich wünschte, ich wüsste schon, wer mein Gefährte ist.“ Meine beste Freundin Fiona sah mich so sehnsüchtig an, dass ich ihr am liebsten eine gegen ihren hübschen blonden Schädel geknallt hätte.

„Ich würde lieber hierbleiben und ein ganz normales Rudelmitglied ohne Rang sein. Dann müsste ich nicht mein ganzes Leben so tun, als wüsste ich nicht, wie fies Alpha Darius ist. Hast du nicht gehört, dass er sein Rudel eher wie eine Armee führt und nicht wie eine Familie? Wer nicht in sein Schema passt, landet als Rogue in der Wildnis. Es wundert mich echt, dass es unter solchen Bedingungen überhaupt jemand bei ihm aushält.“ Ich schüttelte den Kopf, wobei mein kurzes schwarzes Haar kaum mitschwang.

Fiona nahm meine Hand und drückte sie kurz. „Ich weiß, dass du das schaffst, Aria. Du bist so stark, dass du selbst ein Alpha sein könntest, wenn es sein müsste. Außerdem wird das Gefährtenband ihn sicher zahm machen. Liebe bewirkt so was, weißt du?“

Es kostete mich alles, ihr nicht ins Gesicht zu lachen. Ich bezweifelte stark, dass Alpha Darius überhaupt wusste, was das Wort „Liebe“ bedeutet. Und falls doch, hatte er es wahrscheinlich schon vor Jahren als Schwäche abgetan. „Ich sollte nicht stark sein müssen, nur um mich bei meinem Gefährten halbwegs sicher zu fühlen. Aber das ist nun mal mein Schicksal. Und Darius ist eben… Darius. Ich hoffe nur, dass die Mondgöttin ihre Hand über mich hält.“ Ich schlug meine kräftigen Krallen in das Holz der Trainingspuppe und schleuderte sie so leicht wie einen Pfannkuchen herum.

Fiona sah mir mit einer Mischung aus Angst und Bewunderung zu. „Ich glaube, das tut sie bereits. Dein Wolf ist größer und mächtiger als alles, was man in der Geschichte von Frozen River je gesehen hat! Und du wirst jeden Tag noch stärker.“

„Ich brauche keine Schmeicheleien, Fiona.“ Ich ließ meinen Kopf kreisen, um die Verspannungen im Nacken zu lösen. „Ich muss nur diese ganze aufgestaute Nervosität loswerden, bevor heute Abend die Zeremonie steigt. Und über den dämlichen Darius zu quatschen, hilft mir dabei gar nicht.“

Sie senkte den Schwanz ein Stück und schüttelte ihr Fell aus. „Schon gut. Was ist eigentlich mit diesem Rogue? Ich habe gehört, er wurde gestern beim Bridal Veil gesehen. Er ist in den Espen verschwunden, bevor ihn jemand schnappen konnte. Wer das wohl ist? Keiner hat sein Gesicht gesehen, nur Fellblitze zwischen den Bäumen. Und sein Geruch war völlig fremd. Weißt du, was ich gehört habe?“

Ich schüttelte den Kopf und hörte nur halb zu. „Nein, was denn?“

„Ich habe gehört, dass er nicht mal wie ein richtiger Wolf riecht! Eher wie… etwas, das wir hier im Revier noch nie gerochen haben. Es gibt sogar Gerüchte, dass er von einem Dire-Werwolf-Rudel stammen könnte. Aber was sollte so ein Ur-Werwolf hier auf dieser Seite des Canyons wollen? Eigentlich heißt es doch, dass die in den Uintahs bleiben, falls es sie überhaupt noch gibt.“

„Da gehören sie auch hin.“ Ich rümpfte angewidert und besorgt die Nase. „Ich hoffe für uns alle, dass das nur Gerüchte sind. Denn auch wenn es keiner wahrhaben will: Es gibt kein Rudel, das es mit diesen prähistorischen Monstern aufnehmen könnte. Es hat schon seinen Grund, warum sich in der bekannten Geschichte niemand in ihr Revier getraut hat.“

Fiona jaulte leise auf und drückte instinktiv den Bauch flach auf den Boden. „Stimmt.“ Sie legte sich ganz hin und rollte sich auf den Rücken. Sie rieb sich die Schultern am braunen, trockenen Gras und sah dann zum Himmel hoch. „Es wird langsam spät.“

Ich hatte das bisher verdrängt. Ich wusste genau, dass ich mich waschen und in diese dämliche, kratzige Zeremonialrobe schlüpfen musste. Aber sobald ich sie anhatte, gab es kein Zurück mehr. Am Ende der Nacht würde ich an Darius gebunden sein. Meine Zeit hier bei meinem Geburtsrudel wäre dann vorbei.

„Ja.“ Ich versetzte der Trainingspuppe einen Tritt mit der Hinterpfote und schnaubte. „Gehen wir, bevor Dad mich sucht. Heute ist nicht der Tag, an dem ich seine Geduld strapazieren sollte.“ Zusammen mit Fiona verließ ich den Wald. Am Waldrand verwandelten wir uns zurück und zogen uns an, bevor wir das weite Feld am Rand der Siedlung betraten.

In der Mitte des Feldes wurde bereits das Freudenfeuer aufgeschichtet. Drei Meter hohe Stämme bildeten den Kern, das Innere war mit Reisig und kleinen Zweigen gefüllt. „Das verdammte Feuer wird man im ganzen Bundesstaat sehen“, beschwerte ich mich. „Nur weil ein Alpha sich bindet, muss man das doch nicht gleich in St. George verkünden.“

„Ach, sei doch nicht so dramatisch. Wenigstens weißt du, mit wem du verbunden wirst und dass es heute passiert. Ich stehe seit fünf Jahren im Feuerschein und warte immer noch vergeblich.“ Fiona pflückte einen Stängel Luzerne und kaute darauf herum.

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich käme auch ganz ohne Gefährtenband klar. Gib mir einfach eine ruhige Beziehung mit jemandem, der mich wirklich liebt. Dafür würde ich liebend gern auf die Extra-Kraft verzichten.“ Ein genervter Seufzer entwich meinen Lippen. Ich sah zu den Wölfen weiter draußen, die prüften, ob der Kreis überall geschlossen war.

Man sagte, unsere Kreiszeremonie sei anders als bei anderen Rudeln. Ob das stimmte, wusste ich nicht. Unser Kreis stammte aus der Gründungszeit des Rudels und war fast einen halben Hektar groß. Alle ungebundenen Wölfe im richtigen Alter traten in den Kreis und folgten dem unsichtbaren Band zu ihrem Partner. Das ging schnell und sparte Zeit. Bei uns im Rudel gab es weit über zweihundert Wölfe zwischen 21 und 35 Jahren. Und ausgerechnet ich war der Pechvogel, der an Alpha Darius hängen blieb.

„Da bist du ja, Aria! Dein Vater wird schon ganz unruhig. Komm, wir müssen dich fertig machen. Du sollst heute Abend schließlich perfekt aussehen!“ Die Stimme meiner Mutter stoppte mich. Ich seufzte und schluckte eine pampige Antwort runter. Ich wusste, dass sie auch nichts zu melden hatte. Aber dass sie Dad immer so bedingungslos unterstützte, ging mir schon seit Jahren auf den Geist.

Ich winkte Fiona zum Abschied zu und folgte Mom über das Feld zu unserem Haus. Es war ein großes, dreistöckiges Gebäude mit einem riesigen Garten und einer Pferdekoppel im Norden. Autos zischten auf der Hauptstraße vorbei. Den Menschen darin war unser Ritual völlig egal. „Die komischen Leute“ – also wir – machten schon seit Generationen zu jeder Sonnenwende Feuer. Die Leute starrten nicht mal mehr das aufgetürmte Holz an, wenn sie vorbeifuhren.

Drinnen hatte meine jüngere Schwester Sonnet schon meine Robe auf das Bett gelegt. „Ich habe sie für dich gebügelt. Oma hat das Kräuterzeug in die Dusche gelegt. Sie wartet im Wohnzimmer auf dich, um dich zu bemalen, wenn du fertig bist.“

„Danke“, murmelte ich. Ich versuchte, den traurigen Blick in Sonnets Augen zu ignorieren. Sie wusste genau wie ich, dass sich heute alles änderte. Ich nahm sie in den Arm. Sie vergrub ihr Gesicht an meiner Schulter und atmete tief den Waldgeruch ein, der noch an meiner Haut haftete.

Als sie mich losließ, seufzte sie und strich mir ein Blatt aus dem Haar. „Lass dich bloß nicht zu sehr von ihm herumschubsen. Ich bin sicher, Dad würde dir den Rücken stärken, wenn du Darius verprügelst, bevor er dich auch nur schief ansehen kann.“

Ich lachte kurz auf und nahm die Robe. „Keine Sorge. Ich lass mich nicht unterkriegen. Aber jetzt muss ich unter die Dusche, sonst kriege ich Ärger mit Dad.“ Wir lachten beide, und ich eilte ins Badezimmer. Der Duft von Lavendel, Salbei und Kiefer erfüllte schon den Raum. In der Dusche lag ein kleiner Kräuterstein. Das heiße Wasser verstärkte den Geruch. Angeblich sollte mich das „von innen und außen reinigen“ – so ein Aberglaube. Ammenmärchen, nichts weiter.

Trotzdem tat es gut, sich den Dreck und Schweiß vom Training abzuwaschen. Ich massierte mir die Kopfhaut unter den kurzen Haaren und sah mein Spiegelbild im nassen Glas. Meine grünen Augen waren weit aufgerissen. Ich wirkte ängstlicher, als mir lieb war. Ich blinzelte ein paar Mal und setzte ein finsteres Gesicht auf.

Schon besser. Die drahtige, muskulöse Tochter des Alphas, die alle anderen in ihrem Alter um Kopfeslänge überragte, starrte zurück. Man sah ihr deutlich an, wie wenig Lust sie auf das alles hatte. Die Maske saß wieder.

Ich wusch mich zu Ende, trocknete mich ab und schlüpfte in meine Unterwäsche. Dann band ich mir die Zeremonialrobe um. Sie war wirklich wunderschön. Oma hatte sie von Hand gewebt, in allen erdenklichen Farben. Wenn man genau hinsah, erkannte man ein Musikmotiv. Noten waren zwischen Blumen und dem Rudelwappen versteckt.

Es wurde bereits dunkel, als ich ins Wohnzimmer kam. Oma saß mit ernster Miene auf dem Sofa. Als sie mich sah, entspannten sich ihre Züge. Sie erhob sich mühsam. „Du siehst wunderschön aus, Aria. Ich kann gar nicht glauben, dass du schon 21 bist! Es kommt mir vor wie gestern, als ich dich das erste Mal im Arm hielt.“

„Ach, Oma.“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und schob die Ärmel der Robe herunter, um Schultern und Oberkörper freizumachen. Oma lachte leise und tunkte den Pinsel in die Farbe aus zerstampften Wacholderbeeren und anderen Wildfrüchten.

Zärtlich begann sie, die Symbole unseres Rudels in geschwungenen Linien auf meine Haut zu malen. Ihre Hand zitterte dabei nur ganz leicht. Der Pinsel kitzelte, aber ich hielt so still wie möglich. Wölfe, der Mond, Schneeflocken… Symbol für Symbol wurde ich zu einer lebenden Hommage an unsere Vorfahren und Traditionen.

Als sie fertig war, stellte Oma den Pinsel weg und fächelte mir vorsichtig Luft zu, bis die Farbe trocken war. „Ich hab dich lieb“, flüsterte sie mit feuchten Augen. „Ich wünschte, ich könnte dir das alles ersparen.“

Diese Worte saßen. Ich wusste gar nicht, dass sie auch dagegen war! Ich legte eine Hand an ihre faltige Wange und lächelte. „Es ist schon okay. Dad glaubt, dass es das Beste für das Rudel ist. Also ziehe ich es durch.“ Sie nahm meine Hand und küsste sanft meine Handfläche.

„Du bist ein Engel, mein Kleines. Lass uns zum Kreis gehen.“ Sie hielt meine Hand fest und führte mich in den Flur, wo Mom, Dad und Sonnet warteten. Alle hatten sich in Schale geworfen. Mom trug die Robe von ihrer eigenen Bindung. Dads nackte Brust war genauso bemalt wie meine. Sonnet trug ein fließendes, tiefrotes Kleid, das bis zu den Handgelenken und Knöcheln reichte. Wieder so eine veraltete Tradition, aber sie schien es nicht zu stören.

„Gut, los geht’s. Aria, du läufst hinter mir. Sonnet und May flankieren dich. Oma bildet das Schlusslicht.“ Dad führte uns hinaus. Wir stellten uns wie befohlen auf: Er vorne weg, Sonnet links von mir, Mom rechts und Oma ganz hinten.

Kaum war die Tür offen, hallte ein lauter Ruf von den Bergen wider. Das ganze Rudel hatte sich entlang des Weges zum Feuer aufgestellt. Sie schwenkten Fahnen und grinsten uns an. Sie schlossen sich uns an und folgten uns zur Lichtung. Dort blieben sie am Rand des Kreises stehen. Überall wurde gejubelt und gefeiert.

Auf der anderen Seite des Feldes sah ich die anderen jungen Wölfe in zwei Gruppen. Die Männer standen da in weißen Hosen, mit nackten, bemalten Oberkörpern. Sie starrten voller Vorfreude zu den Frauen in ihren bunten Kleidern hinüber. Viele warfen sich Blicke zu, kleine Winkzeichen wurden mit dem Spielen der Muskeln beantwortet.

Dad trat in den Feuerschein. Sofort wurde es still, nur das Knistern des Feuers war noch zu hören. „Willkommen, Familie, zur herbstlichen Bindungszeremonie. Wie ihr alle wisst, ist dies ein besonderer Tag. Unsere schöne Aria wird an Alpha Darius gebunden. Das sichert eine friedliche und reiche Zukunft für Frozen River und Ice Fang. Sobald ihre Bindung vollzogen ist, fahren wir mit dem Rest der Zeremonie fort.“

Ein Jubelsturm brach los. Dad winkte mich zu sich in den Kreis. Ich atmete tief durch und nahm seine Hand. Und dann sah ich ihn: Auf der anderen Seite des Feuers trat die gewaltige Gestalt von Alpha Darius aus der Menge hervor.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Mein Schicksal hat mich eingeholt.